Eigentum und andere Dinge6. April 2012 / Kategorie: misc
Das Eigentum wie wir es kennen ist im Wandel. Es ist eine schleichende Revolution und ich bin mir ganz sicher, viele werden dies zunächst als steile These abtun - aber es tut sich was und das nachhaltig, da bin ich mir sicher. Doch von vorne:
Seit einigen Monaten lebe ich in einem Zustand, den man für konservative Menschen aus der Generation meiner Großeltern getrost als "Ohne festen Wohnsitz" beschreiben könnte. Das heisst nicht, dass ich nicht wüsste, wo ich heute Nacht schlafen soll. Oder morgen Nacht. Aber das Gefühl eigener vier Wände, und vor allem eigener Möbel und Dinge, das gibt es gerade nicht. Zuerst waren es bauliche Maßnahmen in meiner Karlsruher Wohnung, dann mein Umzug nach Hamburg. Ich bin hier gut untergebracht, keine Sorge. Aber darum geht es hier nicht. Vielmehr um all das, was die letzten Monate mit meinem Bewusstsein angestellt haben. Continue reading "Eigentum und andere Dinge" Wo sind all die Utopien hin?25. March 2012 / Kategorie: politics
Es geht hoch her in den Internet-Debatten. Sei es die spackenkritische Privatsphäria, seien es Anonymous, seien es Diskussionen um Verteidigungskämpfe und wie diese zu führen seien, sei es das ganze Ding mit dem Urheberrecht, der Kulturwertmark und der Abschaffung von allem. Ich habe etwa 2007 mein Engagement in Sachen Netzpolitik von "jede freie Minute" auf "wenn es passt" zurück geschraubt und wenn ich mir das ganze Ding so angucke, viel hat sich nicht verändert.
Wir, und ich meine hier alle, die sich progressive Gedanken zur sich verändernden Welt machen, diskutieren immer noch um die gleichen Dinge, wir führen einen Verteidigungskampf nach dem anderen. Und das meistens unglaublich spät, ACTA war schon damals ein Thema, die Vorratsdatenspeicherung auch. Aus welchem Grund auch immer hat die Politik es geschafft, unsere Geschwindigkeit an die ihre anzupassen. Continue reading "Wo sind all die Utopien hin?" Gedanken zu Crowdfunding26. February 2012
Das mit dem Crowdfunding ist nun beileibe nichts neues. Kickstarter gibt es auch schon seit 2008. Das erste abgeschlossene Millionen-Projekt hätte das LunaTik-iPod-Uhrenarmband sein können, das im Dezember 2010 mit 942.578 Dollar da stand. Und dann kam der Februar 2012. Das Elevation Dock, das Double Fine Adventure und der Order of the Stick Reprint. Letztere noch gar nicht abgeschlossen, alle aber über eine Millionen US-Dollar. Ein Dammbruch? Vielleicht, auch wenn der Einwand "Das sind doch Nerd-Projekte" natürlich gerechtfertigt ist.
Und doch: es tut sich was. Continue reading "Gedanken zu Crowdfunding" Rede auf der Anti-Acta-Demo Hamburg25. February 2012
Mein Freund mc.fly hat für den CCC Hamburg auf der Anti-Acta-Demo eine Rede gehalten. Da ich maßgeblich am Entstehungsprozess dieser Rede beteiligt war, möchte ich diese nun auch hier dokumentieren.
Hallo. Ich bin der mc.fly vom Chaos Computer Club Hamburg. schoen schon wieder so viele von euch zu sehen. Unglaublich, das das noetig ist, oder? Vor 2 Wochen haben wir, gemeinsam mit über hundert tausend anderen Menschen überall in Europa, schonmal gegen ACTA demonstriert. Aufgeweckt durch Proteste haben einige Regierungen schon im Vorfeld versucht, zu beschwichtigen. Sie haben Gesetze "Vorläufig" nicht unterschrieben. Sie haben uns erzählt, Acta sei ja nicht so schlimm.Das Europäische Parlament hat den Gerichtshof vorgeschickt, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Aber nur, weil jeder mit dem Finger auf andere zeigt, sollten wir nicht glauben, dass niemand mehr Verantwortung trägt. Das Thema ist nicht "Durch". Wir haben es zu oft erlebt, dass kritisierte Vorlagen verzögert, aus den Medien genommen und schließlich im Fischereiausschuss verabschiedet werden. Und wenn es erstmal in einem solchen Ausschuss verabschiedet wurde, dann können sich die Parlamente auch schön darauf berufen. Wir sind hier um ihnen zu sagen: "Ihr könnt euch nicht verstecken." Deutschland nicht hinter der EU und das europäische Parlament nicht hinter dem Gerichtshof oder irgend einem Ausschuss! Und so lange werden wir weiter auf die Staße gehen müssen. Wir werden weiter für unser Internet, unsere Freiheit und unseren Lebensraum kämpfen müssen. Ja, Lebensraum, liebe Abgeordnete und Minister, für die das Internet ein Stapel Papier ist, der morgens vom Referenten auf den Schreibtisch gelegt wird. Um das mal in aller Klarheit zu sagen: Wir, wahrscheinlich alle die wir hier stehen, gehen nicht ins Internet. Wir machen nicht "extra den Computer an", wir sind auch nicht "mal eben Surfen". Wir sind, wenn überhaupt, mal kurz "OFFLINE". Ihr redet, fast zwanzig Jahre nach Erfindung der MP3, von "Neuen Medien". Für euch ist das Internet ein Absatzmarkt. Aber wie auch hier auf dem Rathausmarkt am Rande Geschäfte stehen, und in sich in der Mitte Menschen begegnen ist das Internet für uns ein Ort, an dem wir uns austauschen, Freunde treffen, diskutieren und unsere Meinung sagen. Und ja, auch mal Einkaufen gehen. Und diese Freiheit, zu sagen was wir wollen, lassen wir uns nicht nehmen! Nicht durch ACTA, nicht durch IPRED und nicht durch all die perfiden Pläne, die ihr sonst noch so in der Schublade habt, um eure Geschäftsmodelle zu sichern. Ihr kommt aus einer Zeit, in der die "Kreativwirtschaft" Dinge geschaffen hat, die ihr euch dann im Radio und Fernsehen, im Kino oder auf runden Scheiben angehört und angesehen habt. Und ich kann das gut verstehen. Es wäre schön, wenn auch kreative Menschen von ihrer Arbeit leben können. Aber nicht zum Wohle einer Urheberrechtsindustrie, die in die eigenen Taschen wirtschaftet, statt Kultur zu fördern und nicht auf Kosten unserer Freiheit! Und das ist nur der Urheberrechts-Teil von ACTA. Einem Vertrag, der einst verhindern sollte, dass falsche Louis-Vuitton-Handtaschen oder iPods verkauft werden können. Aber "Gefälschte Produkte", da hat sich dann auch die Pharmaindustrie gedacht, das betrifft sie und nun soll es für die ärmsten Länder der Welt unmöglich sein, generische Medikamente zu erwerben. Medikamente die sie brauchen, weil Menschen an AIDS sterben. Von Handtaschen über das Internet zu AIDS-Medikamenten. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ACTA ist ein Rundumschlag von Lobbygruppen. Über Jahre hinweg in geheimen Verhandlungen ausbaldowert, der Öffentlichkeit vorgelegt kurz bevor alles zu spät sein sollte. Bloß nicht einbeziehen, diese störende Zivilgesellschaft. Keine Diskussion, das stört nur. Demokratische Prozesse? Gefährden nur den Abschluss. Unter dem Banner "Geistige Eigentumsrechte" werden Ideen eingesperrt, Meinungen eingeschränkt und Menschen getötet. Die Interessen einzelner Industriesparten werden über unsere Grundrechte gestellt. Das geht nicht nur ein bisschen zu weit, weil es unseren Tauschbörsen an den Kragen soll, Das ist inakzeptabel! Und darum stehen wir hier und darum werden wir so lange immer laut sein, bis ACTA begraben ist! Und nun möchte ich mich für eure Anwesenheit bedanken. Und für euer Zuhören. Aber wenn ihr nun nach Hause geht, dann ist die Arbeit noch nicht getan. Schreibt euren Abgeordneten. Diskutiert mit Freunden. Bloggt und twittert. Füllt eure Facebook-Timeline, informiert eure Eltern, Lehrer, Arbeitskollegen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass das Thema nicht aus den Medien und dem Bewusstsein verschwindet. Das wir alle, als Gesellschaft, darüber diskutieren, wie unser Lebensraum Internet aussehen soll. Damit auch die mit den Druckern verstehen, warum uns dieses Thema zu wichtig ist! Standardantwort auf Standardanfrage15. November 2011
Folgende Standardantwort geht neuerdings an "Übereifrige" Headhunter raus, die sich nicht mal die Mühe machen, mein Xing-Profil richtig zu lesen.
Freue mich natürlich gerne über Ergänzungen. Hallo, offensichtlich haben Sie mein Profil nicht gelesen, sondern nur quer nach PHP gescannt und nicht auf meine Interessen und Fähigkeiten geachtet. Ihnen ist dementsprechend, vermutlich, auch entgangen, dass ich heutzutage in der Kommunikation, als PR-Manager, arbeite. Immerhin kann ich Ihnen so einige nützliche Tipps geben. Zum Beispiel, dass es keine sonderlich gute Idee ist, Standardtexte zu versenden. Die Chance, so wirklich gute, qualifizierte und motivierte Fachkräfte zu bekommen ist gering. Vielmehr werden Sie jene erreichen, die ohnehin schon mit ihrem Job abgeschlossen haben oder dringend auf der Suche sind. Es bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen, welche Kräfte Sie anwerben wollen. Als ich das letzte Mal eine Personalberatung beauftragt habe, war ich zumindest nicht gerade glücklich, als mir wahllos Leute angeboten wurden, deren CV irgendwie auf das Suchprofil passte. Herzliche Grüße, Julian Finn Die Wired und der Sexismusbeileger8. September 2011 / Kategorie: politics
Heute ist die Wired in Deutschland erschienen, ein Magazin das ich schon in den USA total überbewertet fand, und von dem ich mir auch in Deutschland vor allem verspreche, dass sie mehr Leuten die Möglichkeit gibt, sich als hipper "Geek" zu fühlen. So gesehen passt die Wired, so als Lifestyle-Artikel, eigentlich ganz gut zur GQ, der sie heute beigelegt ist.
Nun gab es einige Aufregung über den Umstand. Bei der Mädchenmannschaft wird sich beschwert, dass die Wired einem solch sexistischen Heft beiliegt und die Klischees bedient, Technik sei ja nur so ein Männerding. Nun, vielleicht ist das so, leider bedient es aber vor allem die Marktumstände, die sagen: "Technikzeitschriften liegen bei der Zielgruppe näher an der GQ als an Modezeitschriften". Aber von vorne: Auch ich mag die GQ nicht. Sie bedient Klischees, zementiert den Status Quo und gibt sich bisweilen in Sexismen ab, die ich nicht tolerieren mag. Aber: Der Condé-Nast-Verlag ist kein Weltverbesserungsverein, der sich das Aufbrechen des Patriarchiats auf die Fahnen geschrieben hat, sondern ein Laden, der Geld machen will. Wenn er das mit Magazinen wie der GQ tut, dann darf man das durchaus kritisieren. Aber sehen wir es doch einmal von anderer Warte. Da ist dieser Verlag, der hat die Namens- und Urheberrechte an einer Publikation namens “Wired”. Was macht der sonst so? Schauen wir in die Wikipedia: Die Condé Nast Verlags GmbH ist eine 100%-Tochtergesellschaft der britischen Verlagsgruppe Condé Nast Publications, die zur US-amerikanischen Mediengruppe Advance Publications gehört. Der deutsche Tochterverlag wurde 1978 in München gegründet. Er gibt derzeit die Frauenmagazine Vogue, Glamour, myself, den Lifestyle-Männertitel GQ, das Männer-Modemagazin GQ Style sowie die Wohn- und Designzeitschrift AD (Architectural Digest) heraus. Vogue, Glamour, myself, GQ, GQ style und AD, das ist deren bisheriges Portfolio. Nun möchte man die Wired in .de rausbringen und weiß, aufgrund von langjähriger Verlegererfahrung, dass das nicht so einfach ist. Ein der Masse unbekannter Titel (und jetzt geht mal nicht von den gefühlt 750 Early Adoptern aus, die sich das Ding eh kaufen würden), müsste beworben werden. Plakatwerbung, Werbung in eigenen Publikationen gibt es immerhin kostenlos, aber man will evtl TV-Spots schalten und darüberhinaus muss man durchaus etwas Geld fließen lassen, um Kioskbesitzer dazu zu überreden, für das Magazin Fläche im Laden bereit zu stellen. Sprich: das ist ganz schön teuer für ein Magazin, bei dem man sich nicht sicher ist, ob es in Deutschland Publikum fände. Und: die Wired ist aufwändig produziert, sicherlich viel aufwändiger als die GQ mit ihren zum Teil platten Texten. Die Herren Knüwer und Sixtus, aber auch Fräulein Tessa und die anderen Damen sind keine praktikanten, die einer schönen Fotostrecken mittelmäßige Texte unterjubeln. Artikel wollen bezahlt werden. etcetc. Sind wir also immer noch bei den Überlegungen: Verlag will Wired in Deutschland testen und eine erste Ausgabe auf dem Markt zu platzieren kostet Geld. Also was tun? Da gibt’s ja noch die Bündelungsmöglichkeit. Vogue und GQ haben je ca. 140.000 Druckauflage, die Glamour ist 4x so groß. Dann macht man mal eine kurze Marktanalyse, so aus dem Kopf heraus, und kommt zu folgendem Schluss: Vogue und Glamour eignen sich qua Zielgruppe nicht zwingend, um zusätzliche Leser für ein Technik-Magazin zu finden. Klar, wer sich die Wired kaufen will, dem ist vielleicht auch egal, was da sonst noch so beiliegt und im Mülleimer wandert, aber das ist ja nicht das Ziel von Condé Nast. Das Ziel ist, und das muss man sich klar werden: Möglichst große Zielgruppe, die nicht twittert, knüwers blog liest oder sich sonst im Netz informiert, kriegt mit, dass es da ein neues Magazin gibt, das sie interessant finden könnte. Das ist ein Marketinginstrument, um an die Käufer von 140.000 gedruckten GQs ranzukommen. Plus ein paar wenige, die sich denken “Geil, Wired, den Rest schmeiß ich halt weg”. Luftmatratzenstöpsel11. August 2011 / Kategorie: misc Das, meine Damen und Herren, liebe Aliens, ist ein Luftmatratzenstöpsel. Einer, wie er mir vorgestern fehlte, als ich auf dem Chaos Communication Camp ankam, wahrscheinlich war er im Transport verloren gegangen. In Ermangelung einer akzeptablen Schlafunterlage irrte ich gestern zunächst umher, bis mir die freundlichen Menschen vom Metalab, residierend im Leiwandville, halfen. Der großartige Wizard23 hatte seinen Makerbot mitgebracht, einer seiner Freunde ein ähnliches Problem und nach nur wenigen Minuten waren drei neue Luftmatratzenstöpsel gedruckt. Und weil wir uns ob der Größe nicht sicher waren, machten wir drei weitere. Auf 105% skaliert. Ich hatte gestern eine himmlische Nachtruhe. Guten Morgen!Die WWF-Krisenkommunikation23. June 2011 Gestern gab es einen Fernsehbeitrag zum WWF, der hohe Wellen schlug. Nun übt sich der WWF in Krisenkommunikation und macht das auch gar nicht ganz schlecht. Allerdings sind mir die Faktenaufzählungen etwas bitter aufgestoßen, weil sie sich fast völlig aus typischem PR-Sprech zusammen setzen. (auch wenn es mittlerweile eine Langversion gibt, die etwas mehr erklärt und etwas weniger promlematisch ist) Ich habe das Ganze mal polemisch umformuliert. Sicherlich völlig überzogen, an einigen Stellen total falsch und ausserdem massiv unfair. Das muss aber als Disclaimer auch reichen. Die Orignalstatements des WWF habe ich kursiv markiert. Zu Vorwurf 1: Der WWF lehnt Gentechnik grundsätzlich ab. Diese Position des WWF International gilt für alle WWF-Länderorganisationen. Der WWF kooperiert mit keinem Gentechnik-Konzern, auch nicht mit Monsanto. Der WWF Deutschland empfiehlt grundsätzlich nur gentechnikfreies Soja. Das gilt auch für Soja mit einem RTRS-Zertifikat. "Wir mögen Gentechnik auch nicht. Das ist auch international unsere Organisationsmeinung, auch wenn hochrangige Mitglieder das anders sehen. Mit Gentechnikkonzernen haben wir direkt keine Kooperation, über die Zusammenarbeit mit Firmen, die gentechnisch modifiziertes Soja anbieten, machen wir hier keine Aussage. Unsere Empfehlung ist es, kein gentechnisch manipuliertes Soja zu verwenden. Wie und ob wir das überprüfen, schreiben wir hier nicht. Dass Monsanto beim Round Table on Responsible Soy (RTRS) dabei ist, verschweigen wir" Zu Vorwurf 2: Der WWF ist nicht käuflich. Der WWF verhandelt mit Unternehmen, um möglichst viel für die Natur zu erreichen. Dabei haben wir klare Grenzen. Der WWF schließt keine Kooperation, wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, unsere Standards im Umweltschutz und im Bereich der Nachhaltigkeit zu akzeptieren. Wir kritisieren wenn nötig Kooperationspartner auch öffentlich. Der Panda trägt keinen Maulkorb. "Von unseren Standards lassen wir uns nicht durch direkte Korruption abbringen. Allerdings reden wir durchaus mit Unternehmen, um sie von ihrer Maximalforderung abzubringen. Dass Unternehmen möglicherweise zunächst mehr verlangen als eigentlich nötig, um ins Boot zu holen, verschweigen wir. Der WWF schließt keine Kooperation, wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, unsere Standards im Umweltschutz und im Bereich der Nachhaltigkeit zu akzeptieren. Ob wir das so genau überprüfen steht auch hier nicht. Immerhin sagen wir mal, was uns nicht paßt, wenn Kooperationspartner sich daneben benehmen, wie eng wir das sehen und ob wir Kooperationen regelmäßig beenden, das sagen wir nicht. Ob wir unsere öffentlichkeitsarbeit nutzen, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, schreiben wir hier ebenfalls nicht. Der Panda trägt zwar keinen Maulkorb, aber wie laut er im Zweifelsfall brüllt, sagen wir auch nicht. Zu Vorwurf 3: Der WWF setzt sich weltweit für den Erhalt der Regenwälder ein. Es ist hochgradig zynisch zu behaupten, der WWF würde durch sein Engagement zur Rodung und Zerstörung von wichtigen Ökosystemen wie etwa den tropischen Regenwäldern beitragen. Für den Fall, dass in einer Region Plantagen geplant werden und sich diese nicht mehr verhindern lassen, verlangt der WWF, dass unbedingt schützenswerte Primär- und Sekundärwälder mit besonders hoher Biodiversität ausgespart bleiben und die Plantagen auf Brachland angelegt werden. Wir schalten auch mal Anzeigen und sorgen dafür, dass pro Bierkasten ein mikroskopisch kleiner Fleck Regenwald vorhanden bleibt. Wir finden es wirklich nicht okay, wenn euch das nicht reicht und ihr behauptet, durch den grünen Anstrich würden Menschen in Sicherheit gewogen und auf Linie gebracht, um sich nicht deutlicher gegen die Regenwaldzerstörung abbzuholzen. Wenn aber schon etwas in Planung ist, dann gehen wir nicht hin und ketten uns an wie die doofen Greenpeace sondern fragen freundlich, ob da nicht noch eine kleine Ecke stehen bleiben kann, damit wir irgendwo noch als Helden dastehen können, das ist uns irgendwie auch wichtiger. BikeFriday!21. June 2011
Man sagt mir nach, ich reiste viel. Sicher, es gibt immer Menschen, die noch mehr unterwegs sind, aber so im allgemeinen dürfte man bei dieser Behauptung recht haben, in den USA war ich dieses Jahr schon zweimal, dazu ein wenig im europäischen Ausland und zwischen Hamburg und der österreichischen Grenze genauso unterwegs wie zwischen Rheinland und der ehemaligen SBZ.
Was mich in letzter Zeit immer mehr gestört hat, ist diese gewisse Immobilität. Klar, wenn man auf einer Messe ist, dann sieht man eben nicht viel mehr als Hotel und Veranstaltungsort, aber genau das ist der Punkt: morgens mal eben vor der Arbeit noch ein halbes Stündchen die Gegend erkunden ist oft schwierig, ebenso das kleine Bisschen Frischluft, das man gerne hätte. Drum habe ich mir ein Fahrrad gekauft... Continue reading "BikeFriday!" Ferien im Chiemgau21. May 2011Meine Großeltern wohnen in Oberbayern, schon seit fast 50 Jahren. In Chieming im Chiemgau am Chiemsee, im Goriweg, gegenüber von Goriwirt und Goriwiese, wo früher Kühe grasten und heute ein Lidl steht. Viel mehr hat sich allerdings nicht verändert. Im Keller hat mein Großvater eine kleine Bar und dort, so etwa vor zweiundzwanzig, vielleicht auch nur zwanzig Jahren, hörten wir ebenfalls Freitag abends gegen acht, halb neun, die Hitparade. Immer, wenn wir in den Ferien zu Besuch waren. Und wie das uns begeisterte, meinen Cousin und mich! Die Hits! Die echten! Die auf Platz Nummer eins! Wahnsinnig spannend und so wichtig, dass wir Buch geführt haben darüber. Nicht, dass wir auch nur den Namen eines einzigen Musikers richtig geschrieben hätten, aber "Rock Set", die waren schon was. Uns war klar, was wir tun mussten: Eine Disco! Und zwar für alle! Den Namen hatten wir auch sofort, ein Name voller Glanz und Gloria. Disco Amaretto! Das klang fetzig. Was Amaretto hieß, wussten wir nicht, aber der Name! Toll. Wir gingen so gleich ans Werk. Malten Schilder auf A3-Malpapier und überlegten uns, wie man das Licht möglichst schnell an und aus machen kann, damit echtes Discofeeling aufkommt. Ausserdem schlichen wir uns in Opas Keller, nahmen ein Stück Holz, sägten die Ecken ab, so dass ein Pfeil daraus wurde und brannten den Namen unserer Disco in großen Lettern mit einem Lötkolben ein. Als nächstes überlegten wir uns den Namen unserer Band. Die müsste ja dort auch spielen, sobald wir mal spielen könnten. Mein Cousin am Cello, ich an der Trompete, irgendwie würde man da schon fetzige Rockmusik machen können. Nur ein Problem gab es noch, denn irgendwann hatte ich aufgeschnappt, dass meine Großeltern das Grundstück 1964 nur mit der Verpflichtung erwerben durften, kein Gastgewerbe zu eröffnen, denn der Goriwirt wollte ja keine Konkurrenz. Also rannte ich durchs Haus und klärte mit Opa, Onkel, Vater und sonstigen anwesenden ob denn eine Disco auch ein Gastgewerbe sei. Doch eigentlich waren unsere Pläne viel größer: ein Freizeitpark sollte her. Die Aufzeichnungen hierfür sind eindeutig: "Dieser Park wurde 1991 geplant von [meinem Cousin, dessen Name hier nichts zur Sache tut] und Julian Finn. Er wurde für atraktive Freizeit von jung und Alt gebaut der anfang war ein Schwimparadis Hotel und Riesenspielplatz und 50 Flipperautomaten." Dazu Zeichnungen für ein Feuerwerk-Haus und einem Turm mit der Beschreibung "Dieser Turm ist eine (geheim) funkstelle der zutritt für Gäste ist verboten". Klare Ansage. Ausserdem war auf dem Parklayout mit dem Funkturm in der Mitte etwa 800 Punkte, alle für Überwachungsfunkstellen. Wir hatten schon perfide Pläne damals. Es waren tolle Ferien, die wir im Haus meiner Großeltern hatten, mein Cousin und ich, die Nachbarsjungen. Heute bin ich leider nur noch selten dort. Dankbar, dass meine Großeltern mit 84 Jahren noch leben aber viel zu beschäftigt, um allzu oft ein Mietauto fürs Wochenende zu nehmen und die vielen hundert Kilometer gen Südosten zu fahren. Die Nachbarsjungen wohnen zum Teil noch dort im Elternhaus und wenn wir uns sehen, dann freuen wir uns sehr. Zu sagen haben wir uns kaum noch etwas, es ist die Erinnerung an längst vergangene Sommerferien, an Baumhäuser und Waldlager, später an Lagerfeuerparties am See, die uns verbindet. Nostalgie kann schön sein, in den richtigen Dosierungen. Demonstrationskulturen30. January 2011
Die M10 endete plötzlich an der Landsberger Allee, wegen einer Demo. Zu Fuß also weiter Richtung Friedrichshain, wo, das kann ich mir bereits zusammen reimen, gegen die für den 2.2. angesetzte Räumung der Liebigstr. 14 demonstriert wird.
Nun bin ich etwas ambivalent gegenüber Hausprojekten. Mein Eindruck ist, dass die meisten eher vor sich hin leiden, und an ihrem eigenen Anspruch knabbern. Andererseits gefällt mir die Idee solcher Projekte und der gesamte Hintergrund, warum geräumt werden soll, ist natürlich eine ziemliche Scheiße. Wie dem auch sei: an der Kopernikusstraße läuft mir zunächst eine Kohorte Beamter entgegen. Danach die Demonstration: ein größerer Haufen verbitterter Menschen. Gelegentlich geht ein Böller hoch, und etwa fünfzig von ihnen jubeln kurz. Ein Teil hat sich hinter Transparenten versteckt, hinter Sonnenbrillen und Kapuzen. Musik ertönt nicht, statt dessen wird geschwiegen oder skandiert. "One Solution, Revolution" und ähnliche Gassenhauer, mindestens seit 1999 das gleiche. Ich stehe am Straßenrand und murmle vor mich hin. "Gebt mir einen Grund, gebt mir ein einziges Signal, warum ich vom Gehweg loslaufen, mich einreihen, mitgehen sollte!", denke ich, aber da kommt nichts. Jetzt mag die eine oder der andere sagen: "Hey, Demos sind eben so! Wir sind ernsthaft und haben was zu sagen, und wollen uns nicht ins lächerliche ziehen. Ausserdem Verfassungsschutz und so. Wir müssen uns gegen die Kameras und die Repression wehren." Nun, das mag sein. Aber genauso gut könnt ihr zuhause bleiben, solange ihr es noch habt. Oder aber, ihr seid konsequent in eurer Argumentation. Ja, euer Kiez verkommerzialisiert zusehends und nein, das ist nicht gut. Die Yuppieschwaben ziehen da hin, weil sie genau die Vielfalt schätzen, die ihr in diesen Bezirk gebracht habt. Also teilt ihnen das mit und zeigt es auch! Geht auf die Straße, aber mit Musik, mit Tanz. Mit DJs, Jongleuren und Videoprojektionen auf Hauswände. Mit Spaß und verdammt nochmal mit Leidenschaft! Mit einer Demo, an der nicht ein paar hundert eurer Gesinnungsgenossen teilnehmen wollen, sondern zehntausend eurer Nachbarn! Ihr habt noch fünf Tage, also latscht nicht rum und sagt mit dem immergleichen Text, wie doof ihr alle findet. Und schlaft bitte nicht noch halb dabei ein. Ignite Amsterdam 528. January 2011
Ignite Amsterdam 5
Die Mediamatic Bank in Amsterdam ist eine ziemlich großartige Einrichtung: Ehemaliges Bankgebäude, das Erdgeschoss voll mit einer Computerspielausstellung, ansonsten quasi Fablab oder etwas ähnliches und ausserdem eine Art Multimediaagentur, so habe ich das verstanden. Ausserdem Heimat der Ignite Amsterdam 5, der dritten Ignite in dieser Stadt, die sich mit Games befasst. Ignite, das sind fünfzehn Vortragende (in drei Fünferblöcken), die jeweils in fünf Minuten durch 20 Powerpoint-Folien hechten. Diese werden automatisch weitergeskippt, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Tatsächlich ist das Format nicht für jeden geeignet, vor allem nicht für jene, die schon das Folienmachen bis zum letzten Moment prokrastinieren. Während einige völlig souverän in der Zeit lagen, hatten andere offensichtlich nicht geprobt und waren völlig mit ihrem Zeitmanagement überfordert. Nichtsdestotrotz: Die meisten Vorträge waren gut, einige Dinge sogar "Mind-Blowing", wie es der Engländer in mir formulieren möchte. Einige Highlights, im positiven wie im negativen Sinne, zumindest aber Dinge, die mir am nächsten Tag noch in Erinnerung geblieben sind: Continue reading "Ignite Amsterdam 5" Untergründe erforschen23. January 2011 / Kategorie: misc
Die Welt unter uns zu erforschen ist schon seit jeher so ein "oh ich würde ja mal so gerne"-Projekt.
Vor einigen Jahren hatte ich mir mal Access all Areas gekauft, eine Anleitung zur Erforschung des Sub-Urbanen Raumes quasi. Und obwohl ich genügend erfahrene Geocacher kenne, bin ich doch nicht dazu gekommen. Andrew Wonder hingegen ist in dieser Disziplin fast schon Profi. Er erforscht zusammen mit einem Kameramann den Untergrund New Yorks, immer mit der Angst vor Cops und anderem Gesindel, denn im Gegensatz zu Deutschland, wo das nächtliche durch-den-Abwasserkanal-rennen vermutlich maximal einen Satz heißer Ohren gibt (vielleicht auch ein paar Euro fuffzig Ordnungswidrigkeitsgebühr) ist das, wie er immer wieder betont, ziemlich strafbar dort. Nun denn: Anschauen. UNDERCITY from Andrew Wonder on Vimeo. Dingsdump22. January 2011
Hatte ich schon länger vor, jetzt setz ich's mal um: Weil in meiner soup zu viel Zeug aufläuft und ein bisschen das "Das hier ist besonders super"-Element fehlt, weil es auf Twitter so flüchtig ist, und ich ausserdem mehr bloggen wollte, lade ich hier ab sofort in unregelmäßigen Abständen Dinge ab. Links genauso wie Videos oder Tipps zu Medien, die man sich nur via Filesharing (oder im Laden) holen kann:
Was ich im Studium verpasst habe? Einmal eine Vorlesung so zu verlassen, wie dieser junge Herr: Musikalisch diese Woche in meiner last.fm-Liste: Oneohtrix Point Never, die neue Ghostface Killah, Eleven Tigers und Julia Kent. Alles höchst empfehlenswert. Dieses Tumbleblog sammelt Bilder von Buchregalen und ähnlichem. Rockt schon seit einigen Monaten meine Soup. Die Game Developers Conference in San Francisco rockt ohnehin schon. Dieses Jahr wird sie 25 und hat als besonderes Special eine Reihe an Postmortem-Vorträgen zu Spieleklassikern geplant. Pacman! Maniac Mansion! Elite! Raid on Bungeling Bay! Doom! Hoffentlich gibt's die Videos danach im Internet zu sehen... Lesen? "Im Spiegel der Sprache: Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht" von Guy Deutscher. Ausführliche Rezension folgt, nachdem ich die letzten 100 Seiten auch noch gelesen habe. Weil ich's bisher hier noch nicht erwähnt habe: Man kann mich nun in drei Worten bei threewords.me beschreiben, wenn man will. Kleine Runde englischer TV-Serien gefällig? Wenn man die Serien noch nicht kennt, sollte man sich tunlichst "Misfits", "The Thick of it" und "Not Going out" ansehen. Über dieses Bild aus Tunesien musste ich sehr lachen. America: Yes we can; Tunisia: Yes we do Ziviler Uncoresam19. January 2011
Update: Stellt sich heraus, Rene hat sehr wohl gezahlt, allerdings zu spät. Ich hatte das zunächst anders mitbekommen. Der Beitrag hier ist demnach hinfällig. Nun ja.
Wenn Menschen sich auf die Straße setzen, weil sie gegen Unrecht protestieren, wenn Bauern ihre Traktoren stehen lassen, dann kann man das "zivilen Ungehorsam" nennen. Und es gibt unzählige Beispiele aus der Geschichte, in der Menschen nur sich auch dann nicht beugen wollten, wenn das Recht, wenn Staatsmacht oder zivile Ordnungsgewalt gegen sie stand. Rene Walter hat in seinem Blog, dessen Domain nerdcore.de heute gepfändet wurde, zunächst auf einen für ihn eklatanten Mißstand hingewiesen. Nun, er hat dies nicht freundlich getan und hat die von ihm angegriffene Firma mit einem Rektalinstrument verglichen, aber es erschien ihm richtig. Noch viel richtiger erschien ihm, dass er nicht akzeptieren wollte, vor diesem Unrecht klein beigeben zu müssen. Schon gar nicht vor dem rechtlichen Mittel der Wahl, das allzu oft dazu verwendet wird, um kritische Stimmen einzuschüchtern, Mundtot zu machen, der Abmahnung. Rene Walter ist in diesem Sinne, einen schmutzigen Schornstein hinauf geklettert. Er hat sich nicht per Megafon herunter bringen lassen und auch nicht per Strafandrohung. Er hat einfach weiter dort ausgeharrt, weil das wofür er stand, in seinen Augen richtig war. Nun wurde er, um im Jargon zu bleiben, geräumt. Ob das klug war? Wer weiß. Aber es ist töricht zu glauben, er sei sich der Konsequenzen nicht bewußt gewesen. Und genau deshalb schulden wir ihm unseren Respekt und unsere Unterstützung. Alle, für die Rene aufgestanden ist und deutlich gemacht hat, dass es neben der juristischen immer auch eine moralische Ebene gibt. P.S: Die Überdramatisierung dieses Beitrages ist beabsichtigt. Ebenso der etwas hinkende Vergleich. Dankeschön. |
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