Sommerpause9. June 2013
Die Sonne hat meine Ideen gefressen. Hamburg ist zum zweiten Mal in vielen Monaten aufgeblüht und hängt seit Tagen unter blauem Himmel ab. Man flaniert, trinkt, lacht, sitzt in Parks bis die Dunkelheit die Wärme frisst. Anfang Mai gab es bereits so eine Phase der Hoffnung. Man glaubte, den Winter ausgetrieben zu haben, holte sich erste Sonnenbrände, bis der Sommer pausierte. Die Flut rollt herein, wird hier aber nur sanft die Hafenmauern hinaufschwappen. Erst allmählich wird sich der Hunger lösen, satt werden wir wohl nie. Wie wenig Belang ein Gespräch über das Wetter hat, wie ernsthaft es dennoch geführt wird. Wir lachen über den meteorologischen Smalltalk als Notbehelf, aber in Wahrheit beschäftigt es uns. Wir staunen alljährlich über die späten Sonnenuntergänge im Juni, über die frühe oder späte Wärme wenn im März der Schnee mal schmilzt oder der Nebel im November noch nicht gewonnen hat. Und auch in diesem Jahr werden wir die Dunkelheit wieder erleben, wie sie uns bis zum nächsten Frühjahr im Bann hält. Die beste Jahreszeit ist jene, in der alle wieder miteinander knutschen wollen.
Doch so sehr das draussen sein inspiriert, neue Ideen bringt, so sehr verklärt es auch den Blick auf das alltägliche. Und so habe ich Sommerpause. Ich möchte mich für ein paar Momente nicht darum kümmern, alles zu analysieren, differenzieren, erklären. Ein wenig Abstand gewinnen, all die Themen und Gedanken neu ordnen. Und an mir selbst arbeiten. Viel ist passiert, seit ich über Zucker und Haare bloggte, sieben Kilo habe ich verloren und ganz Bald habe ich einen Friseurinnentermin. Was wird folgen? Wenn es so weiter geht wohl neue Kleidung, wenn die alte zu groß ist. Ob man mich wiedererkennen wird? Und ob das wichtig ist? Was ist überhaupt wichtig, wenn die Sonne scheint? Ach ja, die Arbeit. Morgen wieder.
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Die Sonne hat meine Ideen gefressen. Hamburg ist zum zweiten Mal in vielen Monaten aufgeblüht und hängt seit Tagen unter blauem Himmel ab. Man flaniert, trinkt, lacht, sitzt in Parks bis die Dunkelheit die Wärme frisst. Anfang Mai gab es bereits so eine Phase der Hoffnung. Man glaubte, den Winter ausgetrieben zu haben, holte sich erste Sonnenbrände, bis der Sommer pausierte. Die Flut rollt herein, wird hier aber nur sanft die Hafenmauern hinaufschwappen. Erst allmählich wird sich der Hunger lösen, satt werden wir wohl nie. Wie wenig Belang ein Gespräch über das Wetter hat, wie ernsthaft es dennoch geführt wird. Wir lachen über den meteorologischen Smalltalk als Notbehelf, aber in Wahrheit beschäftigt es uns. Wir staunen alljährlich über die späten Sonnenuntergänge im Juni, über die frühe oder späte Wärme wenn im März der Schnee mal schmilzt oder der Nebel im November noch nicht gewonnen hat. Und auch in diesem Jahr werden wir die Dunkelheit wieder erleben, wie sie uns bis zum nächsten
Erfolgsmusik27. May 2013
Ein Wochenende voller Konzerte, am Freitag zunächst die Beach Fossils, am Samstag dann CocoRosie. Vergleichbar sind die beiden nicht. Beach Fossils machen leicht punkigen uptempo-Rock mit einer auf Dur gestimmten Lead-Gitarre als Haupt-Melodiegeber. CocoRosie sind irgendwo zwischen Folk, Pop, Hiphop und Katze, eine sehr lebendige Erinnerung an verblichene Fotos von alten Spielplätzen und Jahrmärkten.
Was mich aber Beschäftigte, war die Frage nach dem Erfolg. Die Beach Fossils füllen den Grünen Jäger, einen winzigen Club der ein wenig an Jugendheim erinnert, vielleicht 80 oder gar 100 Leute haben Platz. Gut, parallel läuft das Elbjazz-Festival und gleich mehrere Freunde wollten lieber zu Chilly Gonzales, aber es ist ja ausverkauft. Bis dato hatte ich vermutet, die Beach Fossils wären in der Lage, eine große Masse anzusprechen, könnten möglicherweise tausend Leute anziehen in dieser Stadt. Nichts dergleichen, Jäger. CocoRosie spielen parallel zum Champions-League-Finale. Und zum Elbjazz. Und sie füllen das Übel&Gefährlich. mindestens fünf mal so viele Leute. Klar, andere Zielgruppe und ein paar jahre Länger dabei, aber die Beach Fossils gibt's auch schon seit 2010 und sollten eigentlich den meisten Hipstern ganz gut ins Ohr gehen. Die Frage nach dem Erfolg beschäftigt ja nicht nur mich und hätte ich eine Antwort stünde mir eine grandiose Karriere als A&R-Manager einer Plattenfirma bevor. Aber dann war da noch dieser Film, den ich kürzlich sah: Searching for Sugar Man. Eine Dokumentation über den Singer/Songwriter "Rodriguez", der Anfang der siebziger Jahre zwei grandiose Platten machte, damit aber scheiterte bis auf Südafrika, wo er zum größten Popstar aller Zeiten avancierte. Wie die Beach Fossils sich wohl fühlen, wenn sie trotz großartiger Musik immer nur 100 Leute anziehen? Ob sie besonders Treue Fans in, sagen wir mal, Rumänien haben? Mir schießt Nick Drake durch den Kopf, der vor einigen Jahren ein ganz wundervolles Revival hatte, ja gar in der Volkswagen-Werbung gespielt wurde, allerdings alles viele Jahre nachdem er sich das Leben nahm. Er wusste, wie toll er war, alleine wollte das zu diesem Zeitpunkt niemand erkennen und seine Platten verkauften sich nicht. Was ist eigentlich mit all der wundervollen, weltbewegenden Musik geworden, die niemand von uns je gehört hat? Bands wie Konono No.1 die im Kongo seit dreißig Jahren bekannt sind und erst vor einigen Jahren hier entdeckt wurden, weil ihre traditionelle Ritualmusik plötzlich unserer Avantgarde sehr nahe kommt. Was ist mit all den Seelen, die in verrauchten Clubs an ihrer Gitarre sitzen und nur deshalb keine Stadien füllen, weil nie ein Produzent vorbei gekommen ist, um sie zu entdecken? Und wie werden wir mit den Nachlässen umgehen, die von unseren Enkeln auf alten Fesplatten ausgegraben werden? Wer ist der Van Gogh unserer Generation, nie entdeckt und erst posthum unsterblich? Die Giganten auf denen wir stehen sind in Wahrheit Haufen von Zwergen. Künstler, die Stile geprägt und den Zeitgeist weiterentwickelt haben, denen es aber nie gelungen ist, das Schaffen zum Erfolg zu führen. Das machten dann andere, die aus dem Untergrund hervortraten ins Scheinwerferlicht der großen Hallen und Stadien. Ich bin kein Musiker und auch nicht eitel. Dies ist also weder eine Debatte um Neid noch darum, ob ich die Menschen leiden kann, die neben mir auf diesem Konzert stehen. Die Beach Fossils spielen eine knappe Stunde, CocoRosie anderthalb. Beide begeistern, CocoRosie schafft es ein wenig mehr, meine Euphorie zu wecken. Aber das ist ein Thema für einen seperaten Beitrag. Was bleibt ist, dass beide Bands völlig überwältigt von ihren Fans sind. Erfolg hat eben nichts mit Gewöhnung zu tun.
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Ein Wochenende voller Konzerte, am Freitag zunächst die Beach Fossils, am Samstag dann CocoRosie. Vergleichbar sind die beiden nicht. Beach Fossils machen leicht punkigen uptempo-Rock mit einer auf Dur gestimmten Lead-Gitarre als Haupt-Melodiegeber. CocoRosie sind irgendwo zwischen Folk, Pop, Hiphop und Katze, eine sehr lebendige Erinnerung an verblichene Fotos von alten Spielplätzen und Jahrmärkten. Was mich aber Beschäftigte, war die Frage nach dem Erfolg. Die Beach Fossils füllen den Grünen Jäger, einen winzigen Club der ein wenig an Jugendheim erinnert, vielleicht 80 oder gar 100 Leute haben Platz. Gut, parallel läuft das Elbjazz-Festival und gleich mehrere Freunde wollten lieber zu Chilly Gonzales, aber es ist ja ausverkauft. Bis dato hatte ich vermutet, die Beach Fossils wären in der Lage, eine große Masse anzusprechen, könnten möglicherweise tausend Leute anziehen in dieser Stadt. Nichts dergleichen, Jäger. CocoRosie spielen parallel zum Champions-League-Finale. Und zum Elbjazz
Die Angst vor der Frisur25. May 2013
Seit ich denken kann, habe ich lange Haare. Vermutlich hatte ich schon lange Haare, als ich noch nicht Denken konnte. Auf jeden Fall schon immer. Als Kind war's ein Schnitt, der bis über die Ohren reichte, denn die standen ab. Ob der in der Grundschule drohenden Mobbing-Gefahr hatte ich sogar eine Operation. Ohren-Anlegen muss nicht immer etwas mit Sterben zu tun haben, auch wenn ich eine Vollnarkose hatte. Als ich aufwachte, musste ich drei Wochen einen Verband um den Kopf tragen, danach stand nur noch ein Ohr ab, weil so eine OP eben nicht mit einer Funktionsgarantie daher kommt. Also ein abstehendes Ohr. Mich hat das nie gestört und die Hänseleien waren eher wegen solcher Dinge wie meinen Hosenträgern oder auch allgemeiner Inkompatibilität zur heranwachsenden Dorfjugend.
Irgendwann fand ich dann laute Rockmusik toll und wollte so aussehen wie Axl Rose. Also noch längere Haare und ganz fürchterlich peinliche weiße Radlerhosen. Nach einem größeren Mißverständnis mit einem Friseur, das mir erste Erfahrungen mit dem Wort "androgyn" einbrachte, habe ich seit 1994 maximal die Spitzen schneiden lassen. Ich hörte Metal, da war das ganz cool, meine Haare sind seit jeher recht gesund, ich werde häufig nach meinem Haarpflege-Geheimnis gefragt (alle 3 Tage waschen, höchstens einmal die Woche bürsten, Shampoo, Spülung, das war's, nach Möglichkeit an der Luft trocknen lassen.) und irgendwie gefiel ich mir so auch ganz gut, wobei das auch nicht ganz stimmt, denn gut gefallen habe ich mir die meiste Zeit meines Lebens eher nicht so - aber der Selbsthass hatte eher etwas mit Körperfett und solchen Dingen zu tun als mit dem Kopf. Es gab sogar eine Zeit, da wollte ich für immer so lange Haare haben und habe meinen Kopf jeden Tag panisch nach Geheimratsecken abgesucht. Die gibt es mittlerweile aber mit Anfang dreißig bin ich vermutlich über den Berg, was frühe Glatzenbildung angeht. Meine Nichtfrisur wird also bald zwanzig und hatte nur die ersten Jahre eine semiotische Bedeutung. Irgendwann war sie einfach da, ich war der Typ mit den langen Haaren. Wir hatten uns arrangiert. Manchmal bekam ich ganz wundervolle Zöpfe geflochten, ganz selten mal ging ich zur Friseurin um zu sagen "nur die Spitzen", manchmal war ich genervt über das lange Waschritual, aber ich konnte mir nichts anderes vorstellen und das Problem ist: ich kann es noch immer nicht. Da ist ein Wunsch nach Veränderung. Nicht, weil ich angepasster sein will oder mich besser in die Arbeitswelt integrieren möchte, nicht wegen der Frauen oder des Images. Sondern weil ich das Gefühl habe, die 80 Zentimeter langen Hornfäden gehören zu einer Persönlichkeit, die ich eigentlich seit Jahren nicht mehr bin. Und da beginnt das Drama, denn ich weiß beim besten Willen nicht, was zu tun ist. Julian mit Frisur, das ist keinerlei Vorstellung, die ich habe. Ich bin nicht einmal in der Lage zu sagen, was denn eigentlich aus meinem Haar werden soll. Will ich sie kurz? Halblang? Erstmal bis zur Schulter? Will ich Stufen, Kanten, Scheitel? Und wer berät mich dabei? Ich habe eine mir bekannte Friseurin gefragt, die sagte "Du musst Vertrauen haben". Aber wie, wenn mir dieses Handwerk so fremd ist? Es fühlt sich für mich an, als ginge ich zum Tätowierer, nur da kann ich vorher Skizzen sehen. Sind meine Haare ab, ist das für immer, denn noch einmal werden sie nicht so lang. Bin ich zu ängstlich? Bestimmt. Und vermutlich messe ich all dem zu viel Bedeutung bei. Aber dass am anderen Ende ein optisch völlig neu erfundes Ich herauskommen wird, ist so spannend wie beunruhigend. Und so werde ich die Entscheidung vermutlich noch eine ganze Weile hinauszögern, mit vielen Menschen reden, und darauf hoffen, dass ich mir eines Tages ein Herz fasse, und einen Friseurinnenladen betrete. In der Hoffnung, dass der Mensch den ich beauftrage sich bewusst ist, was sie da tut. Es ist wie mit einer neuen Zahnärztin. Bitte lass mich die richtige finden.
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Seit ich denken kann, habe ich lange Haare. Vermutlich hatte ich schon lange Haare, als ich noch nicht Denken konnte. Auf jeden Fall schon immer. Als Kind war\'s ein Schnitt, der bis über die Ohren reichte, denn die standen ab. Ob der in der Grundschule drohenden Mobbing-Gefahr hatte ich sogar eine Operation. Ohren-Anlegen muss nicht immer etwas mit Sterben zu tun haben, auch wenn ich eine Vollnarkose hatte. Als ich aufwachte, musste ich drei Wochen einen Verband um den Kopf tragen, danach stand nur noch ein Ohr ab, weil so eine OP eben nicht mit einer Funktionsgarantie daher kommt. Also ein abstehendes Ohr. Mich hat das nie gestört und die Hänseleien waren eher wegen solcher Dinge wie meinen Hosenträgern oder auch allgemeiner Inkompatibilität zur heranwachsenden Dorfjugend. Irgendwann fand ich dann laute Rockmusik toll und wollte so aussehen wie Axl Rose. Also noch längere Haare und ganz fürchterlich peinliche weiße Radlerhosen. Nach einem größeren Mißverständnis mit einem Friseur,
Das Krebsrisiko und die Gene14. May 2013 / Kategorie: misc
Ich habe es getan: Vor einigen Monaten habe ich mir für insgesamt 137 Euro (180 USD) von 23andme ein Set kommen lassen, in ein Röhrchen gespuckt und meine Gene analysieren lassen. Genauer gesagt wurden über 1 Million SNP-Marker getestest und analysiert. Nun weiss ich, dass meine Haare glatt sind, dass ich Laktose-Tolerant bin, nicht gegen HIV immun und manches mehr. Ausserdem kenne ich gewisse gesundheitliche Risiken. Ich kann das alles so offen erzählen, weil meine Gene nahezu völlig in Ordnung sind und mir ist natürlich bewusst, dass ich bei einer massiv erhöhten Chance auf Parkinson oder Alzheimer vielleicht anders damit umgehen würde. Geringeres Lungenkrebsrisiko als der Schnitt, ebenso Parkinson, die Chance auf Prostatakrebs quasi auf Durchschnittsniveau. Auch Herzkranzgefäßerkrankungen sind bei mir niedriger, nur die Chance auf Fettleibigkeit ist leicht erhöht (janun, ich bin etwas über normalgewichtig) und Diabetes, aber das weiss ich auch schon von der Familie her. All das bedeutet natürlich nicht, dass ich für immer frei von schlimmen Krankheiten sein werde. Nur die bisherigen bekannten genetischen Bedingungen sind erstmal keine Faktoren.
Ausserdem weiss ich, und das der Grund, weshalb ich das ausgerechnet heute schreibe, dass ich keine BRCA-Mutation in mir habe. Das ist die Hauptursache für vererbten Brustkrebs. Heute, das ist der Tag an dem Angelina Jolie von ihrer doppelten Mastektomie erzählte, weil bei ihr eben diese BRCA-Mutationen vorhanden sind. Sie schreibt darin auch, dass ein Test über 3000 Dollar kostet. Das ist auch richtig. Ein genauer Test lässt sich nur von der Firma Myriad machen, die ein Patent auf das Testen dieser Gene angemeldet hat, das derzeit vor dem Obersten Gerichtshof der USA angefochten wird. BRCA 1 und 2 lassen sich auch mit anderen Methoden wie bei 23andme testen, allerdings lediglich 3 der Mutationen - es gibt einige mehr, die seltener vorkommen aber ebenfalls Brustkrebs hervorrufen können. Das heisst allerdings immerhin: Wer sich mit 23andme testen lässt und ein positives BRCA-Ergebnis bekommt, ist vorgewarnt, auch wenn es sich andersrum nicht sagen lässt. Ich könnte durchaus noch eine seltene Mutation in mir tragen und damit auch möglicherweise an eine bisher nicht existente Tochter weitergeben. Soviel dazu. Will man das alles wissen? Ich sage ja. Denn Wissen heisst: Man kann vorbeugen. Ob es die doppelte Mastektomie ist, um Brustkrebs zu verhindern oder eben die regelmäßige Darmkrebsvorsorge, der Diabetes-Test oder möglicherweise auch der Gang zum Augenarzt, wenn die Chance auf Makuladegenaration erhöht ist. Denn nichts ist schlimmer als kalt erwischt werden. Und wenn ich unausweichlich an einer nicht-heilbaren Krankheit leide? Nun, mir wäre es persönlich lieber, ich könnte mich zehn Jahre früher aufs Blindwerden vorbereiten, möglicherweise eine Blindenschule besuchen, als plötzlich dazustehen und machtlos zu sein. Und viele viele Krankheiten lassen sich eben vorbeugen, rechtzeitig erkennen, behandeln bevor es zu spät ist. Bastian Greshake hat hierzu vor einiger Zeit auch etwas gebloggt, als er herausfand, dass seine Chance auf Prostatakrebs erhöht war und das auch auf seinen Vater zurückführen konnte, bei dem anschließend ein Tumor im frühesten Stadium gefunden wurde. Dazu kann man hierhier viele interessante Sachen nachlesen. Kleiner Bonus: Ich habe über 23andme nun mögliche Verwandte dritten bis fünften Grades gefunden, auch dafür gibt es eine Funktion. Eine Person, die leider bisher nicht antwortet, hat den gleichen Nachnamen wie ich angegeben, also entweder direkt oder bei einem ihrer Vorfahren. Auch das ist alles hochspannend. Ich möchte es jedem empfehlen.
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Ich habe es getan: Vor einigen Monaten habe ich mir für insgesamt 137 Euro (180 USD) von 23andme ein Set kommen lassen, in ein Röhrchen gespuckt und meine Gene analysieren lassen. Genauer gesagt wurden über 1 Million SNP-Marker getestest und analysiert. Nun weiss ich, dass meine Haare glatt sind, dass ich Laktose-Tolerant bin, nicht gegen HIV immun und manches mehr. Ausserdem kenne ich gewisse gesundheitliche Risiken. Ich kann das alles so offen erzählen, weil meine Gene nahezu völlig in Ordnung sind und mir ist natürlich bewusst, dass ich bei einer massiv erhöhten Chance auf Parkinson oder Alzheimer vielleicht anders damit umgehen würde. Geringeres Lungenkrebsrisiko als der Schnitt, ebenso Parkinson, die Chance auf Prostatakrebs quasi auf Durchschnittsniveau. Auch Herzkranzgefäßerkrankungen sind bei mir niedriger, nur die Chance auf Fettleibigkeit ist leicht erhöht (janun, ich bin etwas über normalgewichtig) und Diabetes, aber das weiss ich auch schon von der Familie her. All das bede
Die Re:Publica 2013 in Worten10. May 2013
Ankunft, Begrüßungen, Pappkisten, Visuals, Afrika, Begrüßungen, Sonnenschein, Wasserpreise, Kennenlernen, (Nicht-)Wiedererkennen, Computergeschichte, Mass-Customization, Monobloc, Zufallsshirt, Passig, Gespräche, Cybersexism, PennyRed, Applaus, Digitalisierung, Bücher, Deutsche Digitale Bibliothek, Ideen, IT Crowd, Lineham, Humorkonstruktion, Twittern, Fotografieren, Lobo, Überraschungsvortrag, Langeweile, Bier, Sonnenuntergang, Knutschen, Rausschmiss, Bierpreise, Reden, Schlafmangel, Wolken, Internetaktivismus, Singularität, Instagram, Gespräche, LunchBeat, Zetsche, Autos, Cyborgs, Farblieder, Lovepicking, Diskussionen, Bier, Lampenfieber, Gameshow, Lachen, Wikipedia, Wikimedia, Regenschirme, Applaus, Knutschen, Gespräche, Kamerun, Innovation, Startups, Kulturen, Kühe, Kater, Podcasten, Interview, Urheberrechte, Katzenbilder, Literatur, Schreiben, Doctorow, Faxmaschinen, DRM, Freiheit, Sexismus, Werbungsentfernung, Konfettisierung, Aufschrei, Ernährung, Ai Wei Wei, Verabschiedung, Bohemian Rhapsody, Headbangen, Steak, Anzüge, Zigarren, Gin, Tonic, Bier, Scherben, Ideen, Knutschen, Lachen, Umarmungen, Abschied, Taxi.
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Urlaub im Park5. May 2013
Die Sonne feuert Serotonin in unsere Köpfe. Strahl um Strahl. Wir blinzeln. Lächeln uns an. Eine dünne Jacke trennt uns vom Boden, der erst allmählich aus seinem langen Schlaf erwacht. Die kalte Feuchtigkeit der verganenen Monate harrt noch aus, kriecht hier und da durch den Stoff. Wir liegen, sitzen, aufeinander, nebeneinander, miteinander. Nur ab und an ein Windhauch, der ein Bündel Haare zwischen unsere Lippen pustet, ein Lichtreflex, der Punkte auf unseren Augen tanzen lässt. Wir schließen die Augen und tauchen die Umgebung in ein warmes Rot.
Das Zählen kommt abhanden: Minuten, die verbracht, Sätze die geredet, Fotos die geschossen, Buchstaben die vorgelesen werden. Wir kennen nur die Zahl der Songs auf diesem Album das wir immer und immer hören, der Links-Köpfhörer in ihrem rechten Ohr und umgekehrt. Die Geräusche um uns herum verschwinden, wenn wir uns ansehen. Niemand trommelt, niemand singt mehr. Momente, die sich anfühlen wie zwei ganze Sommer. All die Stunden des Winters verblassen, die schon einzeln ein ganzes Lebensalter schwer waren. Wir hören Endless Summer von Fennesz und stellen uns vor, wie das Gras zum Heu wird. Doch die Ballen, auf denen einst Kinder lagen, Stroh kauend und die Ferien lang Himmel guckend, die lassen wir nicht zu, nicht in diesem Park, nicht in diesem Moment, der nur uns gehört. Nostalgie ist eine garstige Falle, die den Genuss all dieser Momente trübt, die für sich genommen ebenfalls in die Erinnerung wandern und irgendwann, vielleicht schon im nächsten Nebel dazu gehören.
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Die Sonne feuert Serotonin in unsere Köpfe. Strahl um Strahl. Wir blinzeln. Lächeln uns an. Eine dünne Jacke trennt uns vom Boden, der erst allmählich aus seinem langen Schlaf erwacht. Die kalte Feuchtigkeit der verganenen Monate harrt noch aus, kriecht hier und da durch den Stoff. Wir liegen, sitzen, aufeinander, nebeneinander, miteinander. Nur ab und an ein Windhauch, der ein Bündel Haare zwischen unsere Lippen pustet, ein Lichtreflex, der Punkte auf unseren Augen tanzen lässt. Wir schließen die Augen und tauchen die Umgebung in ein warmes Rot. Das Zählen kommt abhanden: Minuten, die verbracht, Sätze die geredet, Fotos die geschossen, Buchstaben die vorgelesen werden. Wir kennen nur die Zahl der Songs auf diesem Album das wir immer und immer hören, der Links-Köpfhörer in ihrem rechten Ohr und umgekehrt. Die Geräusche um uns herum verschwinden, wenn wir uns ansehen. Niemand trommelt, niemand singt mehr. Momente, die sich anfühlen wie zwei ganze Sommer. All die Stunden des Winters v
Cocktailbar: Gamsei in München25. April 2013 / Kategorie: miscMünchen, Geschäftstermin mit anschließendem Essen und Cocktail. Auf Hinweis von Jörg Meyer, dem inhaber des fabulösen "Le Lion" in Hamburg, begeben wir uns ins Glockenbachviertel, genauer zum "Gamsei". Und sind begeistert. Optisch so ziemlich der genaue Gegenentwurf zum Le Lion. Während letzteres mit luxuriöser und exklusiver Schwere lockt, bietet das Gamsei offene Glasschiebetüren zur Straße hin, schwere Holzbänke, die zu beiden Seiten der Bar Tribünenartig abfallen, wegen des Champions-League-Spiels hängt sogar eine Leinwand mitten im Raum. Von der Decke hängen Steinflaschen. Wir werden begrüßt, der Laden ist voll, die letzten Minuten des Spiels laufen. Eine selbstgeschrieben Karte auf handgeschöpftem Papier gibt uns einen ungefähren Kompass des heutigen Angebots, denn die Cocktails wechseln je nach Verfügbarkeit von Rohstoffen im Tages- oder auch Wochenwechsel. "Wolken Crusta", "Thymian Topaz Fizz" und "Frühlingserwachen" sind unsere Wahl, doch zunächst erhalten wir ein Soda mit etwas Bitter um unseren Geschmack zu neutralisieren (Yeah!) und ein Amuse-Gueule aus geeistem Bierschaum mit Knallbrause (Doppel-Yeah!). Genau auf diesem Niveau bewegen sich auch die darauf folgenden Drinks. Der Fizz leicht, nicht zu sauer, der Thymian darin nicht aufdringlich. Der Wolken-Crusta kommt mit einer echten Wolke, was es genau ist weiss ich nicht, aber es fühlt sich an wie festere Zuckerwatte, die sich im Cocktail schäumend auflöst. Auch dieser Cocktail die perfekte Mischung aus Herb und Süss, aus irgend einem Grund versagen meine Verkostungsnotizen, genauso wie beim Frühlingserwachen, das das auftauen des Schnees (ebenfalls eine Wolke im Glas) symbolisiert, als eine Flüssigkeit darüber gekippt wird. Auch dieser Cocktail leicht, fruchtig, abgerundet mit einem Parfum, das in das steile Glas gesprüht wird. Wir setzen uns hinein, direkt an die Bar, wo der Zapfhebel aus Gamshörnern besteht. Überhaupt, wofür Zapfen? Der Thymian Topaz Fizz wird vorgemischt, dann Carbonisiert und mit seiner Kohlensäure in einen Druckbehälter gefüllt, so dass er frisch aus der Zapfanlage sprudelt. Die anderen Cocktails werden mit Grammwaage bemessen, auf Schiefertafel serviert, die Zutaten werden allesamt in Steinflaschen aufbewahrt. Ästhetisch aufregend, diese Mischung aus alpiner Rustikalität und Halbmoderner Molekularküche, geschmacklich herausragend. Der Höhepunkt des Abends kommt jedoch, als ich den letzten Cocktail bestelle. Birne mit Birne und Birne. Frucht, Saft und Destillat. In einem Glas der Saft, daneben eine Stickstoff-Geeiste Birnenscheibe auf Birnenschnaps. Alle drei Produkte vom gleichen Produzenten, um Harmonie zu garantieren. Und ja, Harmonie. Der Wahnsinn. Erst das Riechen Stickstoffnebel, dann das Nippen am Schnaps, dann der wundervolle Saft und zum Abschluss alles zusammen - genial! Das Gamsei ist gerade einmal fünf Wochen alt und macht einen großartigen Job. Wiederkommen werde ich definitiv, dann gibt es hoffentlich auch wieder Foodpairing, das wegen des Fussballs ausfallen musste. Denn eigentlich hat der Laden auch eine Küche, die zu den Cocktails passendes Essen serviert. Ich bin gespannt!
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München, Geschäftstermin mit anschließendem Essen und Cocktail. Auf Hinweis von Jörg Meyer, dem inhaber des fabulösen \"Le Lion\" in Hamburg, begeben wir uns ins Glockenbachviertel, genauer zum \"Gamsei\". Und sind begeistert. Optisch so ziemlich der genaue Gegenentwurf zum Le Lion. Während letzteres mit luxuriöser und exklusiver Schwere lockt, bietet das Gamsei offene Glasschiebetüren zur Straße hin, schwere Holzbänke, die zu beiden Seiten der Bar Tribünenartig abfallen, wegen des Champions-League-Spiels hängt sogar eine Leinwand mitten im Raum. Von der Decke hängen Steinflaschen. Wir werden begrüßt, der Laden ist voll, die letzten Minuten des Spiels laufen. Eine selbstgeschrieben Karte auf handgeschöpftem Papier gibt uns einen ungefähren Kompass des heutigen Angebots, denn die Cocktails wechseln je nach Verfügbarkeit von Rohstoffen im Tages- oder auch Wochenwechsel. \"Wolken Crusta\", \"Thymian Topaz Fizz\" und \"Frühlingserwachen\" sind unsere Wahl, doch zunächst erhalten wir
Netzneutralität in einem Bild23. April 2013
Im September 2007 verbloggte ich ein Bild, das die Sache mit der Netzneutralität so einfach erklärte, dass ich mich heute, fast sechs Jahre später, noch daran erinnern kann. Drum verblogge ich es nochmal. Ist ja wieder Aktuell, das Thema.
Gameshow auf der Re:Publica21. April 2013
Dieses Jahr war ich irgendwie nicht schlau genug, um einen guten Vortrag auf der Re:Publica einzureichen. Also habe ich mich mit dem guten @yetzt hieningemogelt und eine Gameshow angemeldet. Mäßig toller Titel der Veranstaltung: "Six Degrees of Wikipedia". Ja kann man optimieren, aber die Grundidee war eben wie bei den Six Degrees of Separation, die besagen dass alle Menschen einander über maximal sechs Ecken kennen, dass doch auch die Wikipedia komplett miteinander verbunden ist. Wir werden das zum ersten Mal probieren. Keine Ahnung ob es läuft oder nicht. Aber auch das macht den Reiz aus, finde ich.
Die Idee? Zwei Teilnehmer/innen, beide bekommen einen Begriff in der Wikipedia genannt, dann einen zweiten. Dann müssen sie sich vom einen zum anderen hangeln. Kategorien sind verboten, Back-Buttons auch, alles was nicht direkter Link im Artikeltext ist. Punkte gibt's für Geschwindigkeit und Kreativität, letzteres entscheidet das Publikum, das auch sonst gerne eingeladen ist, mitzumischen und Verwirrung zu stiften. Ausserdem haben wir noch 2-3 ganz lustige Ideen, die wir jetzt noch nicht verraten. Stattfinden wird das ganze am Dienstag Abend um 20 Uhr auf Bühne 6. P.S: Jaja nach Einreichung und so haben wir herausgefunden, dass es irgendwo auf Youtube namens "Wiki Wars" gibt, die sowas ähnliches macht. Aber wir hatten die Idee ganz unabhängig davon.
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Dieses Jahr war ich irgendwie nicht schlau genug, um einen guten Vortrag auf der Re:Publica einzureichen. Also habe ich mich mit dem guten @yetzt hieningemogelt und eine Gameshow angemeldet. Mäßig toller Titel der Veranstaltung: \"Six Degrees of Wikipedia\". Ja kann man optimieren, aber die Grundidee war eben wie bei den Six Degrees of Separation, die besagen dass alle Menschen einander über maximal sechs Ecken kennen, dass doch auch die Wikipedia komplett miteinander verbunden ist. Wir werden das zum ersten Mal probieren. Keine Ahnung ob es läuft oder nicht. Aber auch das macht den Reiz aus, finde ich. Die Idee? Zwei Teilnehmer/innen, beide bekommen einen Begriff in der Wikipedia genannt, dann einen zweiten. Dann müssen sie sich vom einen zum anderen hangeln. Kategorien sind verboten, Back-Buttons auch, alles was nicht direkter Link im Artikeltext ist. Punkte gibt\'s für Geschwindigkeit und Kreativität, letzteres entscheidet das Publikum, das auch sonst gerne eingeladen ist, mitzu
Kaffee und Kuchen7. April 2013
Ich lief gerade die Straße entlang, als mir ein plötzliches Glückseligkeitsgefühl Tränen in die Augen trieb. Einfach so. Nun, ich hatte ein tolles Wochenende mit fantastischen Menschen. Vor allem aber habe ich gestern Nacht durchgefeiert. Und zwar ohne müde zu werden. Im Gegenteil, als ich um halb 9 aus dem Club gestolpert bin war ich Hellwach. Als ich nach drei Stunden Schlaf aufgestanden bin, um den Geburtstag einer Freundin mit Kaffee und Kuchen zu begehen war ich müde, fertig, aber nicht hoffnungslos zerstört.
Kaffe und Kuchen. Vor ziemlich genau einer Woche habe ich zum letzten Mal ein koffeinhaltiges Getränkg zu mir genommen. Vermutlich eine Cola. Die anschließende Schokolade war zudem das letzte Mal, dass ich ein Produkt zu mir genommen hat, das mehrheitlich aus Zucker besteht. Seit Montag früh keine Schokolade, keine Gummibärchen, Cola, Kuchen, Kaffee, nix. Gut, dass ich mir eine Urlaubswoche dafür ausgesucht hatte, denn die ersten Tage waren schrecklich. Diese wahnsinnige Müdigkeit trotz mehr als 10 Stunden Schlaf, den konstanten Drang, doch irgendwas süßes zu essen, totale Appetitlosigkeit den gesamten Tag, bis abends um 11 dann endgültig der Hunger reinschlägt. Dummerweise war ich genau zu diesem Zeitpunkt nur in Nähe eines McDonalds. Die Sauce auf einem BigMac enthält, falls ihrs genau wissen wollte, genug Zucker um einen Menschen auf Entzug zum Wahnsinn zu treiben. Bis Mittwoch war ich so weit, dass ich mich bei Freunden über eine depressive Phase ausheulte. Ich glaube, der Tag stellt mit einen Rekord für unproduktivität auf. Und ich meine keine einfache "Ich habe mal gegammelt oder war Wandern weil war ja Urlaub"-Unproduktivität. Ich meine auf der Couch sitzen und sich elend fühlen. Donnerstag war die Müdigkeit weg. Ich war aufgewacht und fühlte mich fit. Ohne Koffein. Mit regelmäßigem, gar nicht übertriebenen Koffeinkonsum habe ich das in den letzten Monaten nie gehabt. Ein ständiger Kampf mit dem Wecker, halbwegs wach fühlen erst nach einem Espresso. Ich fuhr nach Berlin und verbrachte die letzten vier Tage dort. Seit Samstag habe ich das Gefühl nicht mehr, Süßigkeiten essen zu wollen. Ich kann in einen Kiosk laufen, an zwanzig Tafeln Schokolade vorbei, es macht mir nichts. Mein Appetit ist wieder da, ich habe ganz vorzüglich gegessen in Berlin, aber vor allem bin ich wach. Ich bleibe länger auf, ohne die ganze Zeit gähnend in der Ecke zu sitzen, ich bin tagsüber trotz Schlafmangels nicht übermäßig kaputt oder müde. Alles in allem fühle ich ziemlich lebendig. P.S: Klar, es ist erst eine Woche her und heute hat die Sonne einen ganzen Haufen Serotonin über uns gekippt. Aber es ist ja nicht so, dass meine Erzählung präzedenzlos wäre. Der Lifehacker hat das mal ganz gut zusammen geschrieben, hier zu Koffein und dort zu Zucker. Moeffju hat auch vor Jahren mal einen zu Koffein und Produktivität gemacht. Zum Teil bin ich auf meine Beweggründe auch schon eingegangen, in Kurzform: Weil ich viel zu viel Zucker konsumiert habe. Und weil ich schlecht geschlafen habe. Und weil eigentlich jegliche wissenschaftliche Erkenntnis, gerade über raffinierten Zucker, ganz schön schrecklich klingt, wenn wir mal ehrlich sind.
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Ich lief gerade die Straße entlang, als mir ein plötzliches Glückseligkeitsgefühl Tränen in die Augen trieb. Einfach so. Nun, ich hatte ein tolles Wochenende mit fantastischen Menschen. Vor allem aber habe ich gestern Nacht durchgefeiert. Und zwar ohne müde zu werden. Im Gegenteil, als ich um halb 9 aus dem Club gestolpert bin war ich Hellwach. Als ich nach drei Stunden Schlaf aufgestanden bin, um den Geburtstag einer Freundin mit Kaffee und Kuchen zu begehen war ich müde, fertig, aber nicht hoffnungslos zerstört. Kaffe und Kuchen. Vor ziemlich genau einer Woche habe ich zum letzten Mal ein koffeinhaltiges Getränkg zu mir genommen. Vermutlich eine Cola. Die anschließende Schokolade war zudem das letzte Mal, dass ich ein Produkt zu mir genommen hat, das mehrheitlich aus Zucker besteht. Seit Montag früh keine Schokolade, keine Gummibärchen, Cola, Kuchen, Kaffee, nix. Gut, dass ich mir eine Urlaubswoche dafür ausgesucht hatte, denn die ersten Tage waren schrecklich. Diese wahnsinnige Mü
Geschichten30. March 2013
Eigentlich könnte man ja auch mal mehr über die Geschichten schreiben, die man so erlebt oder hört. Zum Beispiel vom Studienkollegen meiner Ex-Freundin, der einst über einem Metzger wohnte. Dort gab es ein Problem mit Ungeziefern. Das hatte sich in den Folgetagen nicht ganz geklärt und ihm war auch nicht bewusst, ob die Ursache, eben jene Metzgerei, auch schon informiert worden war. Also ging er in den Laden und fragte den Inhaber ganz vornehm und leise "Hat der Vermieter schon mit Ihnen über das Problem geredet?". Die Antwort hingegen war laut, er verstehe nicht ganz, was denn gemeint sei? Erst nach dem dritten, nachdrücklichen "Na, das Problem" verstand der gute Mann und rief, so dass seine versammelte Kundschaft ihn hören konnte "Ach, die Kakerlaken meinen Sie!".
Weswegen ich ja Jahre später ebenfalls immer noch kichern kann, ist diese Zugfahrt, als ich neben einem älteren Herrn aus Nigeria saß. Ein Übersetzer, vor allem für Rechtsdokumente für zwei der dort verbreiteten Sprachen. Das war so eine Zeit, als ich mich gerade ein wenig mit Afrika beschäftigt hatte, und so unterhielten wir uns über Sprachen aus seinem Land, den Niger-Kongo-Sprachstamm, Bantusprachen und alles mögliche, ich war mehr interessiert als ahnungsvoll aber ihn hatte es immerhin erfreut, dass jemand neben ihm sitzt, der tatsächlich schon ein bis drei Begriffe gehört hatte. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, eine grobe Mischung aus Smalltalk und ernsthaft interessanten Dingen. Schließlich ging er ins Bordrestaurant, ließ aber seine Akten auf dem Tisch liegen. Ich setzte mich wieder an meinen Laptop, legte aber Kabel und auch ein iPad auf seinem Sitz ab, um ein wenig Platz zu schaffen. Nach einer ganzen Weile kam er wieder und sprach mich in freundlichem Ton und einem leichten Grinsen an und sagte: "Entschuldigung, Sie haben da meinen Sitz kolonisiert."
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Eigentlich könnte man ja auch mal mehr über die Geschichten schreiben, die man so erlebt oder hört. Zum Beispiel vom Studienkollegen meiner Ex-Freundin, der einst über einem Metzger wohnte. Dort gab es ein Problem mit Ungeziefern. Das hatte sich in den Folgetagen nicht ganz geklärt und ihm war auch nicht bewusst, ob die Ursache, eben jene Metzgerei, auch schon informiert worden war. Also ging er in den Laden und fragte den Inhaber ganz vornehm und leise \"Hat der Vermieter schon mit Ihnen über das Problem geredet?\". Die Antwort hingegen war laut, er verstehe nicht ganz, was denn gemeint sei? Erst nach dem dritten, nachdrücklichen \"Na, das Problem\" verstand der gute Mann und rief, so dass seine versammelte Kundschaft ihn hören konnte \"Ach, die Kakerlaken meinen Sie!\". Weswegen ich ja Jahre später ebenfalls immer noch kichern kann, ist diese Zugfahrt, als ich neben einem älteren Herrn aus Nigeria saß. Ein Übersetzer, vor allem für Rechtsdokumente für zwei der dort verbreiteten Sp
Die Werbung, die Werbung17. March 2013
Das Geschrei ist groß, die Bahn möchte meine Vielfahrer-Bahnbonus-Daten verkaufen. An Versicherungen!
Auch ich, seit einigen Jahren Sammler dieser Punkte habe kurz gestutzt. Was soll denn eine Versicherung mit meinen Daten wollen? Meine Feuerschutzprämie erhöhen, weil ich seltener zuhause bin? Die Krankenversicherung erhöhen, weil ich im kalten Berlin natürlich ein höheres Erkältungsrisiko habe als im wärmeren Süden? Ach, Werbung! Es klingt bisweilen so, als sei die Apokalypse von besonders maßgeschneiderten Kaufangeboten gepflastert. Mich nervt das. Es gibt 99 Probleme mit dem Sammeln, Speichern und Verarbeiten von personenbezogenen Daten, aber Werbung ist verdammt noch mal keins. Es ist mir egal, wie viele Mails von Banken, Versicherungen oder Sex-Shops ich bekomme. Ich kann die filtern. (Und ich spreche jetzt nicht von Spam im "Wir umgehen Filter mit perfiden Tricks"-Sinne). Es ist mir auch egal, ob Briefe in mein Haus flattern, die mir etwas verkaufen wollen, denn ich habe einen Papierkorb. Und wenn diese Briefe oder Mails mir etwas verkaufen möchten, das ich möglicherweise sogar nützlich finde, ja bitte! Weil das, was ich bisher bekomme, versucht größtenteils eine Erektile Dysfunktion zu beheben, die ich gottseidank noch nicht habe. Wovor ich wirklich Sorge habe, ist dass meine Reisedaten (Genauso wie meine Telekommunikationsdaten, mein Kaufverhalten per EC- und Kreditkarte und all das andere) gegen mich genutzt werden. Dass ich gewisse Angebote nicht bekomme. Dass ich mein Verhalten ändere, weil meine Freiheiten eingeschränkt werden könnten. Dass meine Unfall-Versicherung mich hochstuft, weil ich einmal zu oft mit dem Zug (oder Flugzeug) in die Alpen gereist bin, um Snowboard zu fahren. Dass meine Autoversicherung meine Foursquare-Daten nutzt, um meine durchschnittliche Reisezeit aus Check-Ins zu errechnen. Dass irgendwer mich unter druck setzt, weil ich irgendwo Dinge geschrieben, gesagt oder gedacht habe. Das alles sind ernsthafte Gründe, um sich damit zu beschäftigen, wer wann wo welche Daten haben sollte, wie wir damit als Gesellschaft umgehen und wie wir in Zukunft leben wollen. Werbung gehört nicht dazu.
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Das Geschrei ist groß, die Bahn möchte meine Vielfahrer-Bahnbonus-Daten verkaufen. An Versicherungen! Auch ich, seit einigen Jahren Sammler dieser Punkte habe kurz gestutzt. Was soll denn eine Versicherung mit meinen Daten wollen? Meine Feuerschutzprämie erhöhen, weil ich seltener zuhause bin? Die Krankenversicherung erhöhen, weil ich im kalten Berlin natürlich ein höheres Erkältungsrisiko habe als im wärmeren Süden? Ach, Werbung! Es klingt bisweilen so, als sei die Apokalypse von besonders maßgeschneiderten Kaufangeboten gepflastert. Mich nervt das. Es gibt 99 Probleme mit dem Sammeln, Speichern und Verarbeiten von personenbezogenen Daten, aber Werbung ist verdammt noch mal keins. Es ist mir egal, wie viele Mails von Banken, Versicherungen oder Sex-Shops ich bekomme. Ich kann die filtern. (Und ich spreche jetzt nicht von Spam im \"Wir umgehen Filter mit perfiden Tricks\"-Sinne). Es ist mir auch egal, ob Briefe in mein Haus flattern, die mir etwas verkaufen wollen, denn ich hab
Wein6. March 2013 / Kategorie: misc
Langsam nähere ich mich dem Wein.
Wenig ist so sehr mit der Weinkennerei konnotiert wie die Prahlerei. Und die Leidenschaft. Vielleicht gehört das auch zusammen, meist trennen sich die Wege der Weinkenner aber genau dort, wo die einen sich nochmal die Flasche zeigen lassen und die anderen bei einem Rotwein lautstark "Das is sicher ein Sauvignon Blanc" dazwischen brüllen. Und natürlich dazwischen tausende von Graustufen. Ich bin in einem Weinbaugebiet aufgewachsen. Die nächsten Reben standen Luftlinie vielleicht 300 Meter von unserem Haus entfernt. Und dennoch konnte ich, bis ich Anfang 20 war, maximal gerade so roten von weißem Wein unterscheiden. Ich hielt Merlot und Rioja für vergleichbare Begriffe, machte gelegentlich ignorante Scherze über Jahr- und Abgänge und manchmal bekam ich Sodbrennen. Dann war Sommer und ich saß an meinem zweiten Tag in der Feinschmecker-Redaktion bei einer Weinprobe. 38 Flaschen Gran Reserva Rioja. Angestrengte Atmosphäre, gelegentliche Diskussionen, viel Stille. Sommelliers und andere Experten, die andächtig schnüffelten, schlürften, schluckten, spuckten. Am Ende war ein ganzes Waschbecken voller mundgespülter Weine mit Preisen von bis zu 75 Euro pro Flasche. Krasse Welt. Ich war nach dem dritten oder vierten Wein hoffnungslos überfordert, auch wenn ich an diesem Tag lernte, wie ein Korkfehler schmecken und riechen kann und warum Korkfehler nichts mit Korken sondern mit chemischen Prozessen zu tun haben. Ich wandte mich vertrauensvoll an einen Weinkenner in der Redaktion. "Sagmal, ich habe wirklich keine Ahnung von Wein, aber möchte mich damit beschäftigen, wie nähere ich mich dem Thema? Wie hast du das gemacht?" Der erste Teil seiner Antwort war weniger ermutigend als der zweite. "Weißt du, ich komme auch aus dem Badischen. Mit 12, 13 habe ich zum ersten Mal Wein getrunken. Ich habe mich seitdem immer damit beschäftigt, schon damals viel Geld ausgegeben. Seit vielen Jahren mache ich Verkostungsnotizen, habe Praktika bei Parfumeuren gemacht, um meine Nase fortzubilden, mir ein Geruchsgedächtnis angeeignet." Nun, das werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen, dachte ich mir. Nicht, dass ich Ambitionen auf einen Redakteursposten hätte, aber so ein kleines, erreichbares Ziel, das wäre ja schon nett. Dann sagte er: "Anfangen kannst du aber immer. Nimm doch einfach mal drei verschiedene Weine, setz dich hin, probier sie durch und schreib dir auf, was dir in den Sinn kommt. Dann stellst du die Flaschen weg, mischst die Gläser durch, und versuchst anhand deiner Notizen die Weine zuzuordnen." Wie toll! Und praktisch! Im letzten halben Jahr habe ich es immer noch nicht geschafft, Merlot von Syrah, Tempranillo oder Cabernet Sauvignon zu unterscheiden. Auch Riesling und Grauburgunder sind für mich noch irgendwie eins. Aber ich habe das mit den Verkostungsnotizen angefangen. Mal bestellte ich auf Hinweis spanische und italienische Rotweine, mal waren es Verkostungsreste. Vorgestern war wieder Weinprobe. Steirische Sauvignon Blanc. Und nach einer solchen Probe werden angebrochene Flaschen rausgestellt. Wer mitnehmen möchte, der darf, sonst wird das ja alles schlecht. Ich nahm also mit und probierte. Und erkannte Unterschiede! Mineralien, Ananass, Erdbeeren. Ich schrieb auf. Begeistert. Wo stehe ich also? Sehr am Anfang. Aber ich merke, dass sich Zunge und Nase langsam weiterbilden. Ich glaube, der Technik langsam auf die Schliche zu kommen. Und ich habe irre viel Spaß dabei. Ich gebe gerne Geld aus für eine gute Flasche, bleibe dabei meist strikt unter der selbstgesetzten 15-Euro-Pro-Flasche-Marke und werde sicherlich bald wieder berichten. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, werde ich auch irgendwann mal in einer Diskussion sitzen und sagen "Klar, das Weingut. Großer Wein, der 2011er!" Nur so zum Spaß.
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Langsam nähere ich mich dem Wein. Wenig ist so sehr mit der Weinkennerei konnotiert wie die Prahlerei. Und die Leidenschaft. Vielleicht gehört das auch zusammen, meist trennen sich die Wege der Weinkenner aber genau dort, wo die einen sich nochmal die Flasche zeigen lassen und die anderen bei einem Rotwein lautstark \"Das is sicher ein Sauvignon Blanc\" dazwischen brüllen. Und natürlich dazwischen tausende von Graustufen. Ich bin in einem Weinbaugebiet aufgewachsen. Die nächsten Reben standen Luftlinie vielleicht 300 Meter von unserem Haus entfernt. Und dennoch konnte ich, bis ich Anfang 20 war, maximal gerade so roten von weißem Wein unterscheiden. Ich hielt Merlot und Rioja für vergleichbare Begriffe, machte gelegentlich ignorante Scherze über Jahr- und Abgänge und manchmal bekam ich Sodbrennen. Dann war Sommer und ich saß an meinem zweiten Tag in der Feinschmecker-Redaktion bei einer Weinprobe. 38 Flaschen Gran Reserva Rioja. Angestrengte Atmosphäre, gelegentliche Diskussionen
Olivenöl4. March 2013
Eine der vielen angenehmen Seiten meines Jobs ist, dass ich mich recht detailliert mit den Redaktionsabläufen und Inhalten des Magazins "DER FEINSCHMECKER" beschäftigen darf. Das heisst weder, dass ich wöchentlich die Drei-Sterne-Restaurants der Republik abklappere, noch dass ich den ganzen Tag teure Weine probieren darf. Aber ja, die ein oder andere Verkostung habe ich schon mitgemacht. Von Rotwein (Rioja, Gran Reserva), Cava, Gewürzmischungen und Olivenöl. Olivenöl fand ich besonders faszinierend. "Wie, ihr probiert da wirklich mehrere Öle nacheinander?" - "Ja, so 800 innerhalb einer Woche". Auch meine bisherige Vorstellung von gutem Öl ward, sagen wir mal, durcheinander gewirbelt. Das, was ich bisher für gutes Öl hielt, wurde mit einem lächeln als "okay" abgetan. Ich lernte, dass "Extra Vergine" als Label völlig missbraucht wird. Dass es ohnehin keine genießbare Warmpressung und auch keine zweit- und drittpressung gibt. Dass nur ein kleiner Prozentsatz sich überhaupt für Öl eignen, bei den Mengen auf dem Markt also garantiert Schindluder betrieben wird. Ich erhielt von den geschätzten Kollegen drei Öle. Allesamt fruchtig, ausgewogen, lecker.
Dann war ich im Spätherbst bei der Vorstellung von "Oleum" eingeladen. Ein Buch über das Olivenöl, geschrieben von Carlos Falcó, übersetzt und annotiert von meinem Kollegen Miguel Montfort. Gutes Öl hatte ich nun also probiert, viel über die Herstellung gelernt. Aber was sind die Unterschiede? Die Nuancen? ![]() Nun, letzte Woche tagte die Jury des Olio Award 2013 und bereits in der Vorrunde durfte ich daran teilhaben, wie mehrere hundert Öle verkostet wurden. Eine völlig erstaunliche Prozedur. Konnte man mir anfangs noch alles mögliche unter die Nase halten und ein "Ist doch lecker" zur Antwort bekommen, lernte ich allmählich kennen, was "Ranzigkeit" oder "Produktionsfehler" so bedeuten. Ranz, der beginnt nicht, wenn das öl sieben Jahre lang abgestanden ist. Unfeinheiten nicht erst, wenn das öl nach Lösungsmitteln riecht. Mit der Zeit, fünfzig, hundert Ölen, gewinnt man Sicherheit. In der Hauptrunde saßen dann renommierte Olivenöl-Experten zusammen um all jene Öle zu verkosten, die keine offensichtlichen Fehler hatten. Sechzig Stück pro Person und Tag. Matteo Bonoli aus Bologna zum Beispiel, Lebensmittelchemiker, der an der Universität ständig Olivenöl-Panel-Verkostungen durchführt. Dr. Horst Schäfer-Schuchardt, Journalist und seit Jahrzehnten Experte für Öle mit der ständigen Aufgabe, die Machenschaften der Billig-Öl-Industrie aufzudecken. Auch hier lernte ich viel dazu. Konnte ich zu Anfang noch grob sagen, "ja, hat keinen Fehler" - denn das hatte ich ja gelernt, war es nach einiger Zeit so weit, dass ich die verschiedenen Parameter von "Komplexität" und "Harmonie" ein wenig bewerten konnte. Mir fielen Öle auf, die zwar eine hohe Komplexität hatten, aber einen unsauberen scharfen oder bitteren Unterton und dementsprechend nicht sonderlich harmonisch waren. Ich bemerkte jene runden und harmonischen aber auch uninteressanten, ohne Höhen und Tiefen. Bin ich nun ein Experte? Bestimmt nicht. Die enormen Feinheiten, aufgrund derer manche Kollegen gewisse Öle als "unsauber" klassifizieren, das ist jahrelanges Training und eine faszinierende Leidenschaft. Aber es war ein spannendes Projekt. Und wer gewonnen hat, das steht dann ab ca. Juni auf olivenoeltest.de - sowie in Ausgabe 6 vom Magazin DER FEINSCHMECKER, ab 15.5. im Handel. Update: Ja, Olivenöl geht im Salat. Aber gutes Olivenöl eignet sich für fast alles. Ein gutes Olivenöl kann ebenso auf den Tisch gestellt werden wie Salz und Pfeffer. Es verfeinert, gibt Aroma, macht fast jede Speise besser.
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Eine der vielen angenehmen Seiten meines Jobs ist, dass ich mich recht detailliert mit den Redaktionsabläufen und Inhalten des Magazins \"DER FEINSCHMECKER\" beschäftigen darf. Das heisst weder, dass ich wöchentlich die Drei-Sterne-Restaurants der Republik abklappere, noch dass ich den ganzen Tag teure Weine probieren darf. Aber ja, die ein oder andere Verkostung habe ich schon mitgemacht. Von Rotwein (Rioja, Gran Reserva), Cava, Gewürzmischungen und Olivenöl. Olivenöl fand ich besonders faszinierend. \"Wie, ihr probiert da wirklich mehrere Öle nacheinander?\" - \"Ja, so 800 innerhalb einer Woche\". Auch meine bisherige Vorstellung von gutem Öl ward, sagen wir mal, durcheinander gewirbelt. Das, was ich bisher für gutes Öl hielt, wurde mit einem lächeln als \"okay\" abgetan. Ich lernte, dass \"Extra Vergine\" als Label völlig missbraucht wird. Dass es ohnehin keine genießbare Warmpressung und auch keine zweit- und drittpressung gibt. Dass nur ein kleiner Prozentsatz sich überhaupt für Ö
Glass als Anfang3. March 2013
TLDR: Wir brauchen dringend ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Technik
Überall fotografieren, überall fotografiert werden können. Spätestens mit Glass, der Augmented-Reality-Brille von Google, wird die Zukunft ein wenig stärker verbreitet sein. (Dies bezieht sich natürlich auf das Zitat von William Gibson, "The future is already here - it's just not very evenly distributed."). Vielen Menschen macht das Angst. Einige kolportieren gar, die Brille fotografiere ständig, andere rufen zum Zerstören der Geräte auf. Der Verlust der Privatsphäre, das ganze Leben in der Cloud, weit weg von der eigenen Kontrolle, in den Händen weniger Großkonzerne und mittelbar auch vom Staat. Repression, Verhaltensänderung. Dystopie in Form eines Brillengestells. Als vor etwa zehn Jahren in jedes neue Mobiltelefon eine Kamera eingebaut wurde, war die Panik ebenfalls groß. Schon bald würde es unzählige Spannerbilder geben, in den Umkleiden von Schwimmbädern und Sporthallen geschossen. Die Forderung damals: Es müsse ein Auslösegeräusch geben. Fest eingebaut ins Telefon. Manche lachten, andere zogen sich lieber zuhause um. Darüber ernsthaft geredet hat niemand. Klar, es gibt im Bereich von (freiwilligen) Nacktfotos Sexting-Diskussionen, die zum Teil mehr von Prüderie getrieben sind als von der Frage der Privatsphäre und des Kontrollverlustes, aber einen ernsthaften Konsens in der Gesellschaft darüber, dass man Menschen auch mal fragen darf, bevor man sie fotografiert, gibt es nicht. Plötzlich hat die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung eine Kamera in der Hand, die bessere Bilder schießt als die meisten Spiegelreflexkameras vor 20-30 Jahren. Verantwortlicher Umgang? Nun. In etwa zehn Jahren wird Google Glass uns vorkommen wie die ersten verpixelten 320×200-Kameras in Mobiltelefonen. Wo es hingeht weiß ich nicht, aber im Raum stehen Technologien wie Kontaktlinsen, aufklebbare Schaltkreise mit eingebautem EEG oder auch winzige Drohnen, die zum ständigen Begleiter werden. Vermutlich sieht das Glass des Jahres 2023 ganz anders aus. Vielleicht haben wir ja irgenwann künstliche Augen. Auch Menschen, die heutzutage blind sind und sich etwas wie einen Geordi-La-Forge-Visor (oder diese Augen aus dem letzten Star-Trek-Film mit ihm) wünschen. Es wird gutes kommen und schlechtes, so ist das mit der Technik. Sie beschleunigt und entschleunigt unser Leben. Sie optimiert unsere Arbeit und nimmt uns Produktivität mittels Katzenbildübertragung. Sie macht uns sozial, sie macht uns einsam. Sie erlaubt uns das Böse zu dokumentieren und das Gute. Das, was nie öffentlich werden soll, hat zwei Seiten. Und hätten wir keine Digitalkameras, gäbe es vielleicht weniger intime Bilder im Netz, aber eben auch weniger Fälle von dokumentierter Polizeigewalt. Wir reden also nicht von diesem einen Gerät. Wir reden nicht einmal von einer Gerätekategorie. Und wenn doch: Es gibt da draussen auch Leute, die einen D-Space aufbauen wollen. So wie in Daniel Suarez' Daemon. Wäre das nicht cool? Glass, mit Anbindung an Google, ist also ein Extrem. Insgesamt ist die ständige Fotografiermöglichkeit aber eine Technologie (und zwar unabhängig von der Herstellerin), die möglicherweise so disruptiv wird wie keine zweite in diesem Jahrzehnt. Es wird Berichte geben von Prügeleien wegen eines Brillengestells, es wird Menschen in Dienstleistungsbereichen geben, die Angst haben, zur Arbeit zu gehen. All das wird sich aber nicht technisch verhindern lassen, und ich zweifle auch daran, dass die Kulturtechnik "Gesetz" etwas daran ändern kann. Wir brauchen also eine gesellschaftliche Debatte. Wir müssen darüber reden, wie wir alle damit umgehen wollen, und zwar ohne in Paternalismus zu verfallen. Technische Lösungen, Kontrollmechanismen, scharfe Gesetze, das macht mir Angst. Genauso wie ich nicht an jeder Ecke einen Körperscanner haben möchte, nur weil es Waffen gibt, möchte ich keine Störgeräte oder Kameradetektoren. Wir müssen darüber reden, wann es okay ist, zu Fotografieren - und wann nicht. Wir müssen uns klar machen, dass es Graubereiche geben wird, Definitionsunschärfen. Es gibt viel zu reden. Aber weder eine "Ist-doch-alles-egal"-Haltung noch eine maschinenstürmende Technikfeindlichkeit werden uns voran bringen. Schon gar nicht, wenn wir auf der Basis von einzelnen Gerätschaften debattieren. Denn während die eine Firma gerade noch das Produkt "Glass" marktreif macht, forschen mit Sicherheit viele andere schon an der nächsten Generation.
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TLDR: Wir brauchen dringend ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Technik Überall fotografieren, überall fotografiert werden können. Spätestens mit Glass, der Augmented-Reality-Brille von Google, wird die Zukunft ein wenig stärker verbreitet sein. (Dies bezieht sich natürlich auf das Zitat von William Gibson, \"The future is already here - it\'s just not very evenly distributed.\"). Vielen Menschen macht das Angst. Einige kolportieren gar, die Brille fotografiere ständig, andere rufen zum Zerstören der Geräte auf. Der Verlust der Privatsphäre, das ganze Leben in der Cloud, weit weg von der eigenen Kontrolle, in den Händen weniger Großkonzerne und mittelbar auch vom Staat. Repression, Verhaltensänderung. Dystopie in Form eines Brillengestells. Als vor etwa zehn Jahren in jedes neue Mobiltelefon eine Kamera eingebaut wurde, war die Panik ebenfalls groß. Schon bald würde es unzählige Spannerbilder geben, in den Umkleiden von Schwimmbädern und Sporthallen geschossen
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