Flattr bei Zeit und co.8. June 2010
Auch auf meinem Blog gibt es seit einigen Tagen einen Flattr-Button. Flattr ist quasi angewandte Kulturflatrate. Man zahlt einen gewissen, selbstgewählten Betrag im Monat, bei mir sind es derzeit 5 Euro. Surft man auf Artikel oder andere Dinge im Netz mit entsprechendem Button, kann man diese flattrn. Am Ende eines Monats wird mein Gesamtbetrag durch die Anzahl einzelner Flattrs geteilt und an die geflattrten ausgeschüttet. Angenommen, ich habe 5 mal geklickt, bedeutet das also 1 Euro pro Artikel.
Nun habe ich heute einen Aufschlag gemacht, ausgehend von einem grandiosen Artikel über den Verbleib der Fußballweltmeister von 1990 in der Online-Ausgabe der Zeit. Ich fragte den Zeit-Account @zeitonline, ob in naher Zukunft eine Flattr-Einbindung geplant sei. Dank Retweet kamen einige andere Kommentatoren dazu, sich gegen ein solches Vorhaben (das es wohl derzeit nicht gibt) auszusprechen. Flattr, so die Argumentation, sei für Blogs gedacht, es sei ein Armutszeugnis für ein Unternehmen, darauf zurück zu greifen. Nur: Warum? Zunächst einmal: die Taz nutzt Flattr auch, die Zeit wäre also nicht alleine. Auch steht nirgendwo beim Dienst selbst, dass dieser exklusiv für Blogs sei. Am wichtigsten aber ist doch die Frage, warum man sich ausgerechnet jetzt vom "professionellen Journalismus" abkapseln sollte? Da streitet man Jahrelang darüber, dass die eine "Seite" versucht, eine Unterscheidung zwischen Journalisten und Bloggern zu machen und dann schlägt man selbst in die gleiche Richtung? Ich konsumiere persönlich gerne Blogs und genauso gerne bezahlten Journalismus. Werbung klicke ich so gut wie gar nicht, Bezahlmodelle nutze ich ebenfalls kaum. Flattr hingegen ist exakt das, was ich haben möchte: Ich lese einen Artikel, ich finde ihn gut, ich bezahle dafür. Nicht für die gesamte Publikation, sondern genau dafür. Und ich habe Kontrolle über meine Kosten (sie bleiben konstant bei 5 Euro), was auch wesentlich dazu beiträgt, dass ich mich überhaupt erst angemeldet habe. Für mich ist also Flattr die einzige Möglichkeit, wie ich mich für einen guten Artikel bedanken kann. Bei Blogs und Podcasts genauso wie bei der Online-Version eines Printartikels. Wer den geschrieben hat und wie dieser Mensch bezahlt wird ist mir egal. Wenn es dazu führt, dass ich auch in Zukunft toll recherchierte Artikel lesen kann, bin ich glücklich. Dabei geht es übrigens in keinem Fall darum, wie es der Zeit finanziell geht. Mir geht es auch schließlich nicht darum, wie gut ein Udo Vetter dasteht oder ein Stefan Niggemeier, die sicherlich auch ohne ihre Blogs gut leben können. Es ist meine Entscheidung, ich möchte Geld geben und zwar auf meine Weise. Gender, Feminismus und andere Dinge3. June 2010
Hiermit möchte ich mich in ein Minenfeld werfen, das von der Piratenpartei kommend derzeit für Unruhe sorgt: Die Debatte um Gender und Postgender, um Frauen in Nerdkreisen und deren Gleich- oder Ebendochnichtgleichbehandlung. Ich habe mich lange heraus gehalten. Ich durfte die Debatte in meinem Leben mehrfach führen und war ihrer überdrüssig. Ob in meiner Zeit bei den Jusos von 1996-2000, ob in meiner Zeit bei Attac (Hauptsächlich 2002-2006), ob heute: Es hat sich nicht viel neues getan und man fühlt sich bisweilen nicht anders, als erkläre man etwa immer wieder die gleichen Prinzipien von Datenschutz. Am Wochenende zog es mich dann eben doch in eine solche Debatte, und ich erklärte halbwegs leidenschaftlich meinen Standpunkt der Dinge, versuchte auf fast jedes Argument eine Antwort zu finden. Im Folgenden möchte ich mich an jenes Gespräch anlehnen und den Versuch einer Argumentation wagen.
Continue reading "Gender, Feminismus und andere Dinge" Fisch essen: Tubarão, Porto6. March 2010 / Kategorie: miscTubarão: Latitude: 41.148388° N Longitude: 8.611739° W Wahrscheinlich ist es Bestimmung, dass die Suche nach dem perfekten Geschmack nicht auf den Prachtboulevards endet, sondern dort, wo ein gewöhnlicher Tourist schon fast als Abenteurer gelten mag. Gegrillter Fisch wird hier serviert, dazu zwei Beilagen oder Salat, Kuchen zum Nachtisch - das war's. Ein Kohlegrill in der durch jenen schäbigen Tresen abgetrennten Küchenzeile, davor eine freundliche alte Frau, die den Eindruck erweckt als grille sie schon seit Anbeginn der Zeit ihren Fisch auf diese Weise. Das Rezept ihrer Sauce, wohl aus Olivenöl, Zitrone und Knoblauch möchte sie nicht verraten, mehr dürfte aber auch nicht enthalten sein. Die gesamte Küche besteht neben all den Fischsorten nur aus acht Zutaten: Tomaten, Zwiebeln und Salatblätter, dazu Knoblauch, Paprika und Kartoffeln - fertig sind die Beilagen, hinzu kommen Olivenöl und Zitrone. Der reine Geschmack, die Perfektion, das Atemberaubende kommt aus dem Meer: Man schmeckt es eben doch, wenn der Fisch noch keine 24 Stunden aus dem Wasser ist, wenn er nicht gekühlt und transportiert werden musste, sondern direkt aus dem Fischreihafen um die Ecke stammt. Und der Einkäufer, wohl der Mann der Köchin und im Tagesgeschäft vor allem mit der Bedienung beschäftigt, ist ein Meister in seinem Fach. Weinkarte? Fehlanzeige. Zwei Hausweine, der weiße angenehm leicht und so frisch, dass man kein Wasser dazu bestellen möchte. Zum Nachtisch gibt es zwei schwere, aus jedem Krümel nach jahrzehntelanger Tradition schmeckende Kuchen, im Regal stehen zwei Liköre und wer möchte kann sich einen Espresso bestellen. Der Preis für drei gigantische Portionen Fisch (Sardinen, Robalo und Tintenfisch), Pellkartoffeln und Paprika, zwei Flaschen Wein, zwei Stücke Kuchen, Kräuterlikör und Espresso? 42 Euro. Das beeindruckt auf mehrfache Weise und erinnert ein wenig an Dieses Ehepaar hätte gewiss mehr Möglichkeiten. Für dieses Essen, so originell und lecker wie es ist, könnte man auch das Doppelte verlangen. Irgendwann wäre Geld da für ein neues Interieur, zumindest eine Geschirrspülmaschine, vielleicht sogar die Miete für einen größeren Laden in einem besseren Teil der Stadt. Kapazität für noch mehr Gäste, und Mund-zu-Mund-Propaganda. Artikel in Touristenmagazinen, im Sommer lange Schlangen vor dem Haus. Doch was dann? Was, wenn aus der Spelunke in einer schäbigen Hafengasse die nächste In-Kneipe Portos geworden ist? Vermutlich würden die beiden Besitzer dann abends nach getaner Arbeit müde und glücklich nach Hause gehen. Nichts Neues also. Goodbye 200925. December 2009
Das Jahr geht zur Neige, ich sitze bei meinen Großeltern auf dem Sofa und entspanne, was ich dieses Jahr viel zu selten getan habe. Ein Buch habe ich heute schon zu Ende gelesen, ein zweites wird sicherlich später noch folgen. Jetzt möchte ich aber kurz auf das Jahr zurück blicken:
Anfang Januar habe ich beschrieben, was ich in diesem Jahr alles vorhabe. Das Reisen ist leider viel zu kurz gekommen, aber dazu später. Im Januar habe ich tatsächlich begonnen, an einem Roman zu arbeiten. Das konnte ich sogar bis zur Klausurphase, der letzten im Studium übrigens, durchziehen. Dann hatte ich 30 akzeptable Seiten fertig, die ich aber seitdem kaum angefasst habe. Direkt nach den Klausuren kam die Möglichkeit auf, zusammen mit Manuel und Alex für den O'Reilly-Verlag an einem Buch über Arduino zu arbeiten und nach vielen Schmerzen und kurzen Nächten hatten wir das Buch ende Juni in den Druck gebracht. Parallel dazu fing im April meine Diplomarbeit an, die sich bis Anfang Oktober durchzog. Ich war also über ein halbes Jahr mit Schreiben beschäftigt, habe aber immerhin einiges produziert. Abgegeben ist die Arbeit übrigens noch nicht. Bürokratie und Prüfungsordnungsregeln, aber das wird noch. Zum Reisen: London Anfang März hat geklappt, ende März dann noch eine gute Woche Irland. Im Oktober habe ich dann direkt nach der Diplomarbeit angefangen, in meinem "alten" Job zu arbeiten, ende des Monats war ich allerdings soweit ausgebrannt, dass ich eine Woche nach Berlin in den Urlaub gefahren bin. Weitere Reisen? Ein Wochenende Venedig, kein Istanbul und auch kein Wien, wofür ich mich recht herzlich entschuldigen möchte. Nun also Weihnachten, morgen geht's zum 26C3, danach direkt nach Frankreich zum Snowboarden. Mögliche Reiseziele 2010: Ungarn und umliegendes, evtl. Ägypten, evtl Los Angeles, wahrscheinlich Istanbul und einige kleinere Wochenendtrips inklusive Wienbesuch. Weitere Pläne: Abnehmen. Endlich. Dazu gehört "mehr Sport". Es muss doch irgendwie gehen. Ausserdem dieses Jahr tatsächlich auch fiktionales Buch fertig schreiben. Dazu die ein oder andere Sachbuch-Aktivität und überhaupt "mehr schreiben" - ich hab ja jetzt Zeit, weil kein Studium mehr an der Backe, andererseits habe ich nen Vollzeit-Job. We'll see. Bashing18. September 2009 / Kategorie: politics
Nun muss ich doch noch einmal etwas loswerden in Richtung dieser Partei über die gerade alle reden. Viel wurde all jenen vorgeworfen, die sich in den letzten Tagen kritisch äußerten. Jede kleinigkeit wurde als "Bashing" verschrien, jeder größere Angriff mit Beleidigungen und Diffamierungen gekontert. Natürlich nicht von der Partei selbst, aber vom Umfeld aus. Das wiederum erinnert igendwie an religiöse Hetzkampagnen. Da ist auch nie die Kirche schuld, manchmal nichtmal deren Mitglieder. Was aber zählt, ist die grundsätzliche Mentalität und die gibt sich wie folgt: da passiert etwas, was man durchaus kritisieren kann, der Mob wirft sich auf den Kritiker und die Oberhäupter haben nichts besseres zu tun, als die Kritiker zu beschwichtigen. Noch besser allerdings: jene Oberhäupter stellen sich danach hin und sagen "Nein, das sind ja nicht wir, nur irgenwelche dummen Mitläufer".
Nun wurde sich da ja auch schon genügend darüber ausgelassen und mir persönlich geht es so lange noch gut, wie der Hass sich in geschriebenen Worten im Internet ausdrückt. Aber wenn ich sehe, was zum Beispiel mit Julia Seeliger passiert, frage ich mich manchmal schon, ob bald die ersten Eier fliegen. Wie dem auch sei: Was alle Mann an Bord mal verstehen müssen ist zweierlei: Zum einen haben wir Wahlkampf. Gewöhnt euch daran, wenn es um Wählerstimmen geht ist nicht jeder für euch. Das unterscheidet euch übrigens als Partei von einer NGO. Zum anderen: hätte man auf die erste Kritik anders reagiert, hätte man sie ernst genommen, die ganzen Blogs, wäre das Thema womöglich gar nicht derart hochgekocht. Dass den Piraten neuerdings sogar die Dynamik von Internetdiskussionen fremd scheint, macht mir irgendwie Sorgen. P.S: Mag sein, dass ich übertreibe, das tu' ich in diesem Fall gerne. Die Partei, Die Partei...15. September 2009 / Kategorie: politics
Ich schiebe diesen Post schon sehr sehr lange vor mir her, möchte aber nun doch einmal den ein oder anderen Gedanken zur Piratenpartei loswerden.
Um irgend einen Einstieg zu finden möchte ich sagen: Mich wurmt die Piratenpartei, auch wenn es mich freut, welche Kreise der Gesellschaft hier gerade eine massenhafte Politisierung erleben. Continue reading "Die Partei, Die Partei..." Liebe Autovermieter von Avis31. August 2009
Ich formuliere diesen Text als offenen Brief, der Ihnen auch nochmal per E-Mail zugeht.
Letzte Woche habe ich bei Ihnen ein Auto gemietet. Zum Glück, muss man sagen, denn so einfach war das nicht. Nicht etwa wegen eurer Webseite, die ist schon in Ordnung. Nein, weil Ihre Mitarbeiterin vor Ort sehr unkooperativ war. Natürlich wollte sie Identifikation sehen, als ich den Wagen abholte, doch zu meinem Erstaunen genügte ihr mein Reisepaß nicht. "Offizielles Ausweisdokument in Deutschland", das sei der Personalausweis. Doch der ist bei mir abgelaufen, auf eine Diskussion wollte sich besagte Dame nicht einlassen. Meinen Einwurf, auch ein Reisepass gelte als Ausweisdokument, wollte sie nicht gelten lassen. Statt dessen benötige ich eine Meldebestätigung. Arroganterweise behauptete sie nämlich, ihre Berufserfahrung genüge aus, um in dieser Sache recht zu behalten. Ich möchte zu diesem Zeitpunkt auf §1 des Personalausweisgesetzes hinweisen: (1) Deutsche im Sinne des Artikels 116 Abs. 1 des Grundgesetzes, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und nach den Vorschriften der Landesmeldegesetze der allgemeinen Meldepflicht unterliegen, sind verpflichtet, einen Personalausweis zu besitzen und ihn auf Verlangen einer zur Prüfung der Personalien ermächtigten Behörde vorzulegen; dies gilt nicht für Personen, die einen gültigen Paß besitzen und sich durch diesen ausweisen können.- Wie Sie sehen, hat die Dame auch formaljuristisch unrecht. Darum soll es mir aber gar nicht gehen. Ich möchte mich vielmehr darüber beschweren, dass Ihre Art des Umgangs mit Kunden eine unverschämte ist und ihre Sicherheitsmaßnahmen alles andere als Sinnvoll sind. 1.) Um einem Diebstahl vorzubeugen genügt es völlig, die Nummer des Reisepasses zu notieren. Die Polizei würde mich schon finden. 2.) Was machen Sie eigentlich mit Deutschen, die im Ausland leben, oder mit Ausländern? Benötigen diese auch eine Meldebestätigung? 3.) Um das Problem "kulanterweise" zu lösen, riefen wir bei meinem Arbeitgeber an, der mir meinen Wohnsitz bescheinigte. Welch hanebüchener Unsinn! Denn zu keinem Zeitpunkt wurde die Legitimität dieses Arbeitgebers in Zweifel gezogen. Auch wenn ich tatsächlich dort angestellt bin und wir auch tatsächlich die Kollegin aus der Personalabteilung am Telefon hatten, hätte ich genauso gut einen Freund anrufen und ihn um diese Aussage bitten können. 4.) Meine Reisepassnummer wurde meines Wissens nach nicht notiert. Ich halte also fest: Wäre es meine Absicht gewesen, einen Wagen zu stehlen, wäre mir dies recht leicht gefallen. Hätte ich meinen Arbeitgeber nicht erreicht, (zum Glück war es 13:30 und nicht 16:30 Uhr), hätten Sie einen Kunden weniger gehabt. Ob ich noch einmal bei Ihnen ein Auto anmieten werde, muss ich mir genauer überlegen. Ob Sie sich das angesichts der Wirtschaftslage und des umkämpften Marktes erlauben können, überlasse ich Ihrem eigenen Urteil. Mit freundlichen Grüßen, Julian Finn Die Wundersame Welt der WLAN-Router11. August 2009 / Kategorie: computers
Ich habe da ein Problem, das ich gerne mit euch teilen möchte. Wer mir eine plausible Antwort gibt, möge sich übrigens bei nächster Gelegenheit zu einem Freigetränk eingeladen fühlen.
Die Teilnehmenden Einer der beiden ASUS-Routerlief bis vor kurzem stabil bei DSL-Anschluss A. Nun disconnected er kurz nachdem die Verbindung erstellt wurde. Dabei erlischt die DSL-LED. Der zweite ASUS-Router funktioniert ebenfalls nicht. Gleiches Problem. An DSL-Anschluss B funktionieren beide Router. An den DSL-Modems liegt es nicht, die wurden schon vertauscht. Ein Linksys-Router der kurzfristig vom Mediamarkt "geliehen" wurde (14tage Rückgaberecht) funktioniert. Frage: Was kann das sein? Eigenwerbung: Arduino-Buch5. August 2009 / Kategorie: misc Voller Stolz möchte ich berichten, dass nun, nach langen Nächten des Leidens und der Selbstkasteiung mein erstes Buch verfügbar ist. Zusammen mit Manuel und Alex habe ich das erste deutsche Arduino-Buch geschrieben. Es ist letzte Woche im O'Reilly-Verlag erschienen und kann nun auch bei Amazon bezogen werden. Allerdings möchte ich ja persönlich eher auf meine Freunde bei Bausteln verweisen, die auch noch ein ganz nettes Gewinnspiel dazu am Laufen haben. Sehet selbst! Bei Twitter ist das Buch ebenfalls vertreten und ein Blog gibt es auch. Verwunderfone21. July 2009 / Kategorie: misc
Gar seltsame Ereignisse geschehen dieser Tage; Da gibt es einen Großkonzern, der wie alle anderen Konzerne Werbung macht. Nur im Gegensatz zu den anderen Konzernen pflastert er nicht nur Plakatwände - virtuell wie materiell - und Fernsehsendungen zu, sondern öffnet auch einen "Rückkanal" für die Kommunikation.
Erfreulich ist das allerdings schon- wenn auch nicht für den Erfinder: Denn wie so oft wollte ich schon bei allen möglichen Werbeformen sagen dürfen "Stimmt nicht, ihr Arschlöcher!" - allein ich konnte es nicht. So ähnlich verhält sich das nun eben. Werbung ist eben die Invasion meiner persönlichen Privatsphäre. Immer. Die Frage ist nur, ob und wie ich mich damit abfinde, wie lästig ich das empfinde. Zunächst hat aber niemand irgendwen um Werbung gebeten - schon gar nicht im öffentlichen Raum (zu dem ja auch das Netz gehört). Nun also jener Mobilfunkanbieter. Vielleicht ist es auch eine Art Verständnisproblem, aber mir scheint diese Kampagne von einer Sorte Leute konzipiert, die in Sozialen Netzwerken schon immer nur einen neuen Vertriebskanal sahen und ansonsten mit möglichst vielen Abkürzungen wie SEO um sich warfen. Das ist so ein bisschen, wie der Platz vor dem Brunnen, auf dem die einen nur in der Sonne hocken und sich austauschen wollen, während langsam die Fliegenden Händler anrollen. Irgendwann gibt's eben auch mal welche, die Aufstehen und die Händler zum Gehen auffordern, ihre Ware schmähen und anderes. Nur seltsam, dass sich Leute darüber wundern, dass sich da andere drüber aufregen, sobald man ihnen auch mal die Möglichkeit dazu bietet. Als ob Verkaufen, Marketing, Werbung, normal und okay wäre. Marketing ist aber nicht cool, es gibt nur welches, das man eher tolerieren kann (erstaunlicherweise das auch die Sorte, die eher funktioniert). Nun gibt es auf diesen Plätzen auch immer jene Händler, die etwas beliebter sind. Die, die nicht den Touri-Kitsch verkaufen, sondern Selbstgemachtes. Oder im Internet eben jene Werbetreibende, die ernsthaft zuhören - an einem Dialog interessiert sind. Was dieser Mobilfunkkonzern macht ist aber etwas anderes: Er stellt sich mitten auf den gut bevölkerten Platz und schreit aus voller Kehle. Und nicht nur das, er erwartet auch noch, dass alle anderen mitmachen - nur weil er einigen der üblichen Dorfbewohner ein paar Fische (oder Telefone) extra geschenkt hat damit sie für ihn mitschreien. Nun ist es natürlich nicht nett, um beim Bild zu bleiben, diese Unterstützer aus dem Dorf zu treiben und irgendwie tut es mir auch leid, dass Frau Schnutinger dem sozialen Druck gegen den Konzern nicht mehr standhalten wollte. Aber zum Einen ging es niemals um die gute Frau, sondern in erster Linie um die Praktiken des Konzerns. Zum Anderen: Was erwartet Ihr? Werbung ist nicht beliebt. Vodafone ist nunmal ein Konzern und schon gar kein sauberer - und wenn so jemand sich öffnet, um Meinung zu hören, dann bekommt er sie auch. Saschalobo scheint das interessanterweise zu wissen. Er steht dazu und zu den Konsequenzen. Kann man machen, ist auch irgendwie ehrlich und direkt. Oder um es einfacher zu formulieren: Hallo, es ist Werbung! Wieso wundert sich irgendwer neuerdings, dass Werbung unbeliebt ist? P.S: Absichtlich keine Links mit Kontext ausser zu Malte Trey Parker, Matt Stone, Comedy Central, Viacom!16. July 2009 / Kategorie: film
Dies sollte ein offener Brief werden. Aber leider hat southpark.de keinerlei Kontaktmöglichkeit. Ich glaube übrigens, dass ihr euch damit zum Ziel von Abmahnungen macht, aber das soll nicht mein Problem sein.
[UPDATE]: MTV hat in den Kommentaren geantwortet: englische Version folgt! Wißt ihr, ich liebe South Park. Ehrlich. Die einzige Serie, der ich schon so lange Treue halte. Als es noch kein vernünftiges Filesharing gab, war ich gerne bereit, viel Geld für DVDs auszugeben, leider habt ihr es damals Jahrelang verschleppt. Irgendwann hatte ich dann alle alten Folgen auch als .avi beisammen. Die neueren Folgen habe ich mir auch im Netz gezogen, weil ich die deutsche Synchronfassung grauenhaft finde. Bis ihr eines Tages alle Folgen auf southparkstudios.com online gestellt hatte. Mann, was war ich Stolz! Ehrlich. Endlich welche, die es verstanden hatten, Leute, die nicht gegen den Wind, sondern voll mit der Zeit gingen! Gerne habe ich dann auch die neuesten Folgen online geschaut, weil ich es unterstützen wollte. Heute muss ich sagen: Ein Glück, dass es The Pirate Bay noch gibt. Seit heute, kann ich nämlich nicht mehr auf eure Website. Statt dessen wird mir so etwas ähnliches vorgelegt, southpark.de. Nur gibt es auf southpark.de gar nicht, was ich will. Die Stimmen klingen so komisch, so anders. Irgend jemand hat das Original nachgesprochen, und dabei einen größeren Teil des Witzes verschluckt. Könnt ihr da nochmal nachgucken? Bis ihr das repariert habt, muss ich eben wieder woanders mein South Park gucken. Ohne dass ihr Geld verdient. Schade eigentlich. Trotzdem alles gute, Julian Das Internet ist irrelevant25. June 2009
Groß war das Geschrei, die Trauer, die Wut über das Internetsperrgesetz letzte Woche. Völlig unverständlich, wie eine Klasse von Politikern sich derart ignorant gegenüber 140.000 Petentinnen und wahrlich guten Argumenten verhalten konnte. Die im Netz heimische Generation, oder eigentlich ist es eine ethnische Gruppe, fühlte sich verraten, mißverstanden, ignoriert. Was folgte, waren ein prominenter Parteiaustritt (Tauss) und viele weitere von weniger öffentlichem Interesse. Bei der SPD und sogar bei den Grünen, weil 15 Abgeordnete sich bei der Abstimmung enthalten hatten. Dem ganzen die Krone aufgesetzt haben dann Kommentare, die allesamt dem des Müntefering-Twitter-Accounts recht nahe kommen:
![]() Doch warum ist das alles so? Kapiert da eine Generation die andere nicht? Ist das alles eiskaltes Kalkül, um Deutschland in eine Diktatur zu verwandeln? Man weiß es nicht. Womöglich befinden wir uns in einem ungeheuerlichen Generationenkonflikt (oder besser: ethnischen Konflikt), womöglich ist das auch alles anders. Eines kann man aber dennoch sagen: Der Hintergrund des ganzen Debakels ist, dass das Internet nicht wichtig genug ist. Als Jörg Tauss im letzten Jahr ausgebootet wurde, war das unter anderem, weil es für die SPD wichtigere Themen gab. Man wollte den Bürgerrechten und allem was damit zusammen hängt, nicht zu viel Gewicht einräumen. Das macht auch Sinn, denn wenn man sich eine beliebige Umfrage ansieht, findet man fast überall das gleiche Ergebnis. Zum Beispiel TNS Infratest 2009: "Auf welche der folgenden Themen sollte sich der Wahlkampf für die nächsten Europawahlen konzentrieren?" - Arbeitslosigkeit (57%), Wirtschaftswachstum(53%), Inflation(48%), Energieversorgung(45%), Klimawandel(43%), Rente(35%), und so weiter. Internet, Freiheitsrechte, Demokratie oder auch Urheberrecht kommen nicht vor. Die großen Parteien führen ihre Kämpfe also auf ganz anderen Schlachtfeldern, denn dort sind die tatsächlichen Wählermassen zu gewinnen. 140.000 sind 0,175% der Bevölkerung und ein größerer Teil davon käme ohnehin nicht auf die Idee, SPD oder CDU zu wählen. Einem Wähler, dem zunächst sein Job und seine Rente am Herzen liegen, wird sich hingegen von der einfachen Floskel, die SPD sei Internetfit sehr wohl einfangen lassen. Dort, wo man sich nicht auskennt, ist man am ehesten anfällig für Populismus. Das war schon immer so und wird sich auch erst ändern, wenn der Stellenwert des Netzes in der breiten Bevölkerung einen höheren einnimmt, als er es jetzt tut. Falls es bis dahin nicht zu spät ist... Microsoft Songsmith ist schlimmer27. January 2009
Wer die Microsoft Songsmith-Werbung nicht kennt, möge sie irgendwo ergooglen. Sie ist grauenhaft und hat es nicht verdient, verlinkt zu werden. Ausserdem hat das Video in den letzten paar Tagen eh jeder gesehen.
Neu: Die Ergebnisse, die das Programm so ausspuckt, wenn man ernsthafte Songs reinsingt. Hier passiert unter Anderem mit "Roxane" von The Police. Wer mich sucht: ich liege auf dem boden, lachend. P.S: Wenn das mal kein neues Meme wird... Der perfekte Rucksack18. January 2009
Rucksäcke sind ein bisschen so wie Mobiltelefone und (in Abstrichen) auch Laptops: es gibt nichts, was den persönlichen Vorstellungen des Einzelnen ausreichend Rechnung trägt.
Nirgends ist das aber eklatanter als beim Rucksack, so mein Gefühl. Ich bin sehr viel unterwegs. Meist über Wochenenden, also 2-3-Tagesreisen. Auf diesen laufe ich auch recht viel, zum Beispiel durch Städte, und fast immer benötige ich meinen Laptop. Ich brauche also eine Tasche, die ich möglichst bequem auf dem Rücken tragen kann, die ausreichend groß ist für meinen Kulturbeutel sowie ein wenig Unterwäsche, Socken und T-Shirts (sagen wir mal für 3 Tage). Auf Tagungen, Konferenzen oder auch einfach nur dem Weg durch die Stadt ist das Herumschleppen der Wäsche sehr unangenehm. Ich möchte also einen Rucksack, dessen Teile sich voneinander abtrennen lassen. (Gut, manch einer kann auch einfach seinen kompletten Rucksack ausräumen und den Kram im Hotel oder wo auch immer lassen. Das ist aber längst nicht immer möglich.) Derzeit kenne ich 2 Modelle, eines von Samsonite und eines von IKEA (Ja, IKEA). Das Samsonite ist herrlich bescheuert konstruiert, der Laptopteil lässt sich zwar abtrennen, hat aber keinerlei Tragegurte oder gar Rückengurte. Er fällt somit flach. Der von Ikea ist fast perfekt. Ein größeres und ein kleineres Abteil, Laptopfächer in beiden, alles ok. Bis auf 2 Kleinigkeiten: Zum einen sind die Laptopfächer alles andere als ein guter Schutz. Sie sind kaum gepolstert, also mehr eine Abtrennung als ein wirklcihes Laptopfach. Zum anderen ist der große Teil, in dem man also logischerweise seine Wäsche verstauen würde, hinten. Der Teil vorne hat aber nur behelfs-tragegurte, ist also nicht sonderlich bequem und etwas klein für ein Macbook Pro (paßt gerade so) sowie Netzteil und Maus. Was ich mich frage: Warum zur Hölle gibt es keine anderen Hersteller für sowas? Die allermeisten Rucksäcke scheinen mir planlos aneinander gestöpselt, als haben Techniker ("Hey, neue Tragefunktion, superbequem") sich geweigert, mit Kunden auseinander zu setzen. Mir fällt fast kein Rucksack ein, bei dem ich sagen würde, dass er ein tolles Konzept habe. Also macht mal hinne, kann ja nicht so schwer sein. Der Weiße Tiger und Slumdog Millionaire11. January 2009 / Kategorie: film
Indien hat mich gerade und das hat zwei Gründe: Aravind Adigas "Der Weiße Tiger" und Danny Boyles "Slumdog Millionaire". Um die Verwirrung zu beheben: Ersteres ist ein Roman und hat gerade den Booker Prize gewonnen, letzteres ist drauf und dran, bei Oscar und Golden Globe abzuräumen, als Film natürlich.
Beginnen wir mit dem Weißen Tiger: Balram Halwai ist ein wohlhabender Unternehmer. Das war er allerdings nicht immer. Er kommt aus "Dunkel-Indien", wie er sagt, der Provinz also. Die Schule durfte er nur so lange besuchen, bis der örtliche Grundbesitzer die Familienschulden für eine Mitgift eintrieb. Dann wurde er Teehausdiener und schließlich Chauffeur bei dessen Sohn. Naiv und interessiert entdeckt Halwai die Welt, beziehungsweise Delhi und seine reichen Wohnsiedlungen. Nach und nach beginnt er zu verstehen, was Indien in seinem innersten zusammenhält: Korruption und das Kastensystem, der Hühnerkäfig wie er es nennt. Die Geschichte von "Slumdog Millionaire" ist schnell erzählt: ein Junge aus dem Slum gewinnt als erster den Hauptpreis beim indischen "Wer Wird Millionär?", das ruft die Polizei auf den Plan, weil so ein Slumkind ja unmöglich die ganzen Antworten wissen konnte. Im Verhör erzählt Jamal Malik seine Geschichte, die zu allen Antworten führt. Diese Geschichte ist kein Spaß. Sie zeigt die hässlichsten Seiten Indiens voller Müll, Fäkalien und Brutalität. Aber sie erzählt auch von einer wunderbaren Liebe, die unter einem Stück Wellblech beginnt und beim Telefonjoker längst nicht vorbei ist. Dazu ein großartiger Soundtrack (u.A. mit M.I.A) und, mit Augenzwinkern, eine Bollywood-Tanzszene am Schluß - Slumdog Millionaire wird für mich in dieser Oscar-Saison kaum zu toppen sein. Beide Geschichten verbindet nur eins: Indien. Der Weiße Tiger erzählt nichts über Slums und das Elend, es ist mehr eine literarisch aufbereitete Systemkritik. Slumdog Millionaire wiederum ist ansich eine harmlose Geschichte, die nur über die Wucht der Bilder berührt. Und dennoch faszinieren beide. Sie manifestieren langsam ein Land in meinem Bewußtsein, das trotz seiner Größe fast immer nur mit Hippies und Outsourcing in Verbindung gebracht wird. Ein Land, dem seit Jahren der Aufstieg prophezeit wird, das aber noch weite Reisen vor sich hat. |
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