Es fühlt sich seltsam an, wenn einem Menschen begegnen, die nicht nur eine andere Meinung haben als man selbst, sondern auch stur eine völlig andere Auffassung der Welt vertreten. Es ist der Punkt, an dem manche Menschen beginnen, sich einander Dummheit oder Borniertheit (oder beides) vorzuwerfen und andere sich gar nicht erst in Diskussionen begeben. Das ist, schätze ich einmal, überall so, in allen Lagern. In diesem Fall begegeneten mir solche Menschen allerdings nur in der
Presse in Form von P.E.N-Zentrum Deutschland, Börsenverein des deutschen Buchhandels und anderen, die heute eine "
Frankfurter Mahnung" veröffentlicht haben, in der sie vor "fehlendem Respekt vor geistigen Schöpfungen" warnen. Darin unter anderem eine Mahnung vor einem "Zwang zu Open Access". Das verwundert mich wiederum sehr. Zum einen hatte ich nicht erwartet, dass man aus einer Forderung, öffentlich gefördertes Wissen auch öffentlich verfügbar zu machen, ein derart abstruses, an schlechte Anti-Commie-Propaganda erinnerndes Szenario stricken kann, zumal es ja nur um die geistigen Leistungen geht, die ohnehin finanziert, weil öffentlich gefördert sind.
Zum anderen erinnert es mich daran, dass wir dringend mehr Bewußtsein für den Wert der Wissensallmende in Deutschland brauchen. Wie kann es sein, dass eine Vereinigung wie das P.E.N-Zentrum, oder auch der Verband deutscher Schriftsteller, die für sich beanspruchen für die klügsten Köpfe des Landes zu sprechen, nicht einmal begreifen, was freies Wissen, was freier Zugang bedeuten? Wer, wenn nicht diese Köpfe sind es, die alltäglich auf den Schultern von Giganten stehen, wie es einst so schön Isaac Newton in den Mund gelegt wurde?
Ich muss zugeben, vielleicht auch etwas naiv gewesen zu sein, wenn ich etwas anderes erwartet habe. Aber wie kommen solche Menschen darauf, die Wertschätzung geistiger Schöpfungen lediglich am finanziellen fest zu machen? Wie können ausgerechnet die, die seit Jahrhunderten auf den Werken anderer Aufbauen, die auf die großen Schätze der Bibliotheken zurück greifen, sich für weniger Zugang zu Wissen aussprechen?
Die Wissensallmende, das gesamte freie Wissen der Welt, hat einen unschätzbaren Wert. Einen, der in keinem Bruttoinlandsprodukt auftaucht, einen den man genauso wenig wie "Umwelt" in Teuerungsraten und Exportbilanzen wiederfindet.
Ja, es ist an der Zeit nicht nur den vorteil freier Kulturproduktion in den Vordergrund zu stellen, sondern bewußt zu machen, wie sehr wir alle von freiem Wissen und freier Kultur profitieren. Sei es etwas so simples wie das Rad oder die gesammelten Werke Goethes, Schillers und anderer; oder seien es Medikamente deren Patente abgelaufen sind. Es muss wieder ein Bewußtsein geschaffen werden, das Wissen dem Wohle aller dienen soll.