Die Frage "Was hat euer Kampf um MP3s mit der Dritten Welt zu tun?" ist beliebt und bekannt, kann aber durchaus beantwortet werden. Ein besonders anschauliches Beispiel wurde mir heute dank Stern-TV (worüber mir wiederum berichtet wurde) bekannt, auch wenn die Geschichte nun schon ein paar Monate alt ist.
Es geht um die Kartoffelsorte Linda. Es ist wohl eine gute Kartoffel, auch wenn ich da recht leidenschaftslos bin, solange sie für meine Zwecke ausreicht. Für diese Kartoffel wurde vor 30 Jahren von der Fa. Böhm / Europlant Sortenschutz beantragt, der zum 1.1.2005 auslaufen sollte. Darauf, dass aber Linda nun frei sein würde, hatte Europlant keine Lust. Und statt Linda in die Freiheit zu entlassen, wurde ein bisschen herum juristiert.
Seit 1974 gibt es die Kartoffelsorte LINDA, die Königin der deutschen Kartoffel. Ab dem 01.01.2005 wird sie nicht mehr in der Bundessortenliste geführt. Fa. Böhm / Europlant hat für die LINDA, für die sie den Sortenschutz bis 31.12.2004 hatte, kurz vorher die Zulassung (die bis 2009 lief) zurückgenommen. Da nur der Sortenschutzinhaber in der Sortenschutzzeit die Zulassung verlängern kann oder jederzeit die Zulassung zurückziehen darf, konnte durch diesen Trick die Zulassung nicht rechtzeitig vor dem 01.01.2005 von jemand anderem wieder beantragt werden. Fa. Böhm / Europlant hat kein Interesse mehr an der LINDA, da sie ihre Neuzüchtungen mit Lizenzgebühren auf dem Markt vertreiben möchten. Da steht LINDA in eigener Konkurrenz.
Soviel zur Berichterstattung bei
Kartoffelvielfalt.de.
Nun gibt es noch eine Gnadenfrist und ab 2009 kann auch die Neuzulassung beantragt werden, aber die Geschichte zeigt, wie sehr Nutzen und Schaden von Geistigen Monopolrechten beieinander liegen. Der Kampf der Bauern für ihr Recht, Linda anzupflanzen, ist hierbei nicht allzu verschieden vom Kampf den wir um Geistige Monopolrechte führen. Wir wehren uns gegen übermäßige Patentierung im Pharma,Bio und Software-Bereich, die Bauern wehren sich gegen die Auswüchse des Sortenschutzes und auch die verstärkte Durchsetzung des selbigen. Der Grundgedanke dahinter ist sogar der gleiche: Wissen, und in diesem Falle ist das Wissen die entsprechende Zuchtleistung, kann nur dann kommerziell genutzt werden, wenn es künstlich monopolisiert wird. Hier ist es die Kartoffel, in Indien der Basmati-Reis; ob Patente oder Sortenschutz macht dabei nur juristischen Unterschied, für die Bauern,deren Existenz davon abhängt, ist es egal.