Entries tagged as schweden
4. May 2007
/ Kategorie: politics
"Piratenseite im Zwielicht: Rechtspopulist finanziert Internet-Tauschbörse", so die reißerische Übeschrift auf der Startseite von Spiegel Online heute Morgen.
Die Wahrheit sieht jedoch anders aus, wie mir Magnus Eriksson von Piratbyran erzählt, die eng mit " The Pirate Bay" verbunden sind.
Magnus, der Autor des Artikels hat versucht, einen Zusammenhang zwischen Carl Lundström und der Piratenpartei herzustellen...
...was Unsinn ist. In Schweden gibt es zwei große Organisationen, die sich mit Filesharing beschäftigen. Piratbyran, das sind wir, die auch The Pirate Bay betreiben, und die Piratenpartei. Wir kennen uns zwar, sind aber völlig unterschiedliche Organisationen.
In wie weit ist denn Carl Lundström mit "The Pirate Bay" verbunden?
Carl Lundström war Vorstandsvorsitzender und ist immer noch der größte Aktieninhaber von Rix Telecom, einem großen Provider in Schweden. Dort arbeitete auch Frederik von The Pirate Bay. In der Zeit stellte Rix Bandbreite und Platz im Serverraum für The Pirate Bay zur Verfügung. Mittlerweile hat TPB Rix verlassen und auch Frederik arbeitet dort nicht mehr. The Pirate Bay hat keine Server von Rix geschenkt bekommen und auch kein Geld. Lediglich Bandbreite und Serverplatz.
Das ganze war also eine Initiative eines Mitarbeiters?
Ja, letzten Endes hat ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter die Möglichkeit gegeben, ein privates Projekt zu verfolgen. In diesem Fall also The Pirate Bay.
Das klingt alles sehr uneigennützig. Verfolgt Lundström denn keine eigenen Interessen?
Es mag sein, dass Lundström selbst ein Freund Freier Kultur ist. Fakt ist aber, dass er weder auf Piratbyran, noch auf The Pirate Bay Einfluss hat. Und auf die Piratenpartei schon gar nicht, denn die hat, wie ich schon gesagt habe, damit nichts zu tun.
Im Interview hat Tobias Andersson gesagt "Ohne die Unterstützung von Carl Lundström hätte Pirate Bay nicht starten können."
Wahrscheinlich hätte The Pirate Bay tatsächlich nicht ohne die Starthilfe von kostenloser Bandbreite und Kostenlosem Serverplatz existieren können. Am Anfang waren die Werbeverträge nutzlos. Aber hätte Frederik bei einem anderen Provider gearbeitet oder wäre jemand anderes als Lundström sein Chef gewesen, dann hätten wir uns eben eine andere lösung einfallen lassen müssen. Wie das ausgesehen hätte, wäre Spekulation, aber daraus ein persönliches Sponsoring von Lundström zu konstruieren ist Unsinn.
Update: Wie mir Magnus noch anfügt hat der Spiegel niemals direkt mit The Pirate Bay kontakt aufgenommen. "Der einzige Kontakt bestand zu Mikael Wiborg, der mit The Pirate Bay nichts zu tun hat und lediglich rechtlich beraten hat. Er hatte doch in den letzten Tagen seitdem das Fernsehinterview statt gefunden hatte, keinen Kontakt zu uns."
Update 2: Konrad Lischka vom Spiegel hat soeben geantwortet. Er schreibt "Am 2. Mai und
am 3. Mai habe ich über das Kontakformular auf Pirate Bay meine Fragen
gestellt, habe sie parallel dazu an Mikael Viborg geschickt, mit der
Bitte, das zur Sicherheit noch weiterzuleiten." - Demgegenüber steht weiterhin die Aussage von Brokep (Piratebay) dass keine Anfrage vom Spiegel oder von Konrad Lischka in der Inbox gewesen sei. Wie auch immer, ist es kaum als sorgfältig zu bezeichnen, dass ein Autor lediglich über das Kontaktformular einer Website versucht, mit den Betreibern zu reden. Es gibt genügend Möglichkeiten, entsprechende Kontaktmöglichkeiten zu recherchieren.
Update 3: Nun ist auch endlich der Heise-Artikel dazu online... Die haben es übrigens innerhalb von ca. 2 Stunden nach Erscheinen der Spiegel-Meldung geschafft, mit den Piratebay-Leuten kontakt aufzunehmen.
12. September 2006
/ Kategorie: misc
Gestrandet.
Es ist ein seltsames Gefühl, das ich nun zum zweiten Mal in meinem Leben erlebe: Damals, da war das noch cool. Ich war fast 16, der letzte große Familienurlaub weil, "danach gehen die Kinder doch lieber mit ihren Freunden weg", so meine Mutter damals. Der Flieger von Pensacola nach Atlanta ist verspätet, wir verpassen den Anschluss nach Frankfurt und dürfen in einem reichlich ungemütlichen, weil dank 4 Wochen später stattfindender Olympischer Spiele noch mitten im Umbau befindlichen Renaissance-Hotel verweilen und uns noch einen Tag Coca-Cola-Stadt anschauen.
Dieses mal irgendwie anders: 10 Jahre sind vergangen, Mensch hat einen Terminplan und fühlt sich wichtig, wird auch irgendwie von Leuten erwartet. Bis dann ein, Mensch, oder unmensch, in der Nacht entscheidet, eine Heckscheibe zu zertrümmern, und eine Sporttasche mit Klamotten zu klauen. So als ob der doofe Ausländer, der da seinen Wagen mitten in Stockholm parkt, tonnenweise Schmuck und Laptops in so einer Tasche im Kofferraum hinterlässt. Nun also warten, bis es nicht mehr reinregnen kann, denn das ist wichtig bei so einer Fahrt über 2 Meeresbrücken und insgesamt 1400 Kilometer die es bis Berlin zu überwinden gibt.
Wie auch immer: es ist nicht einfach in einem fremden Land überhaupt erst einmal einen Wagen ohne Heckscheibe sicher über das Wochenende zu bringen, und im Anschluss heraus zu finden, was mit diesem Wagen nun los ist, wann er denn da wo er ist (nämlich in der Werkstatt, mehreren Hotlines sei Dank), wieder weg kann. Morgen Mittag ist nun angepeilt, Soeben habe ich das Auto wieder bekommen, also in etwa 48 Stunden nach geplanter Abfahrtszeit.
Es ist schon interessant, was man so erlebt, bemerkt, tut, wenn eine solche Strandung geschieht. Zum einen, wenn man noch etwas erreichen will, etwa den Fertigstellungstermin für die neue Heckscheibe erfahren. Das kostet mitunter Stunden in denen Telefon-Empfangsdamen zugeben, eigentlich keine Ahnung von der Firmenstruktur zu haben und man auf glorreiche Ideen kommt, wie sich die Nummer der zuständigen Carglass-Firma geben zu lassen. Die weiss aber gar nichts von ihrem Glück weiss, dass sie eigentlich ein deutsches Auto reparieren sollte. So landet man wieder bei der Werkstatt und einer weiteren Telefon-Empfangsdame, die sich selbst unterschätzt und "No" auf die übliche "do you speak english"-Frage antwortet. Dennoch versteht sie was man will und antwortet in klarem Englisch.
Auch fängt das Geld an, egal zu werden. Man sitzt ohnehin fest, hat oft einen großen Haufen Ausgaben vor sich - sei es das Hotel, das man im seltensten Falle bezahlt bekommt, die Telefonkosten die durch endlose, situationsbedingte Telefonate entstehen (siehe oben, lässt sich mindern) oder die gestohlene Tasche, die man dem Besitzer ersetzen muss, und geht erst einmal Shoppen oder die Cafés der Stadt ausfindig machen. Wahlweise auch Touristen-Sightseeing (wenn man das nicht schon hinter sich hat oder es nicht, wie in meinem Falle, meistens ablehnt). Denn egal, wie viel zu erzählen ist, es ensteht ein gewisser Drang, die Zeit positiv erscheinen zu lassen, und sei es durch den Erwerb irgend eines schönen oder amüsanten Gegenstandes. Und auch die Rückfahrt wird sich wahrscheinlich anders gestalten, als geplant. Denn plötzlich erscheint die Option mit der 35 Euro teureren Fähre doch interessant. Wir werden sehen...
22. June 2006
/ Kategorie: politics
Unter anderem Heise berichtet, die USA hätten Schweden Handelssanktionen via WTO angekündigt, kümmere man sich nicht um das Problem "The Pirate Bay".
Das mag zwar alles fies klingen, mich verwundert das aber eher: Schweden ist EU-Mitgliedsstaat und als solcher gar kein direktes WTO-Mitglied. Die EU ist nur en bloc in der WTO vertreten, die USA können also gegen Schweden keine direkten Drohungen aussprechen.
Der korrekte Weg wäre, einen Streitfall vor einem WTO-Schiedsgericht zu verhandeln. Das dauert meistens Jahre und die Chance auf Erfolg ist angesichts der Komplexität der Urheberrechtsfrage (Ich glaube kaum dass das Verbot von Bittorrent-Trackern irgendwie aus dem TRIPS-Abkommen ersichtlich ist) sehr gering.
Stellt sich also schon mal die Frage, was sich da genau abgespielt hat.
12. June 2006
/ Kategorie: politics
Die ganze PirateBay-Geschichte scheint nicht nur auf Schwedens Innenpolitik zurück zu feuern: wie die AFP über einen Bericht in der Datens Nyheter schreibt, hat die gesamte Hausdurchsuchung, die dreitägige Downtime und alles was dazu gehört dazu geführt, dass The Pirate Bay seine Nutzerzahlen verdoppelt hat, seit die Seite wieder online ist. Das zumindest berichtet Alexa.com, bei denen ich allerdings auch nicht so richtig weiß was ich davon halten soll. Die Meldung gibt's unter anderem hier. Mehr Infos dazu sind natürlich wilkommen - vielleicht gibt es ja noch mehr Quellen als Alexa.
1. June 2006
Seit The Pirate Bay down ist, ist der Traffic am schwedischen Netnode Internet Exchange in der Spitze von 30 GBit/s auf 20GBit/s gefallen  . Was mich allerdings noch wundert ist, warum TPB als Tracker soviel Traffic macht und wie massiv die Daten des insgesamt über TPB verschobenen Traffics sein müssen...
1. June 2006
/ Kategorie: politics
Noch immer ist in Schweden so einiges unklar, nur spärlich dringen Informationen über die Beschlagnahme der Piratebay-Server ins Netz.
Ich hatte die möglichkeit, soeben mit "darknite" von Piratbyrån/The Pirate Bay ein kleines Interview zu führen das zumindest ein bisschen klarheit verschafft:
Was genau ist gestern passiert?
Wir wissen tatsächnlich noch nicht allzu viel. Der Durchsuchungsbefehl ist uns immer noch nicht bekannt, wir wissen also nicht wonach gesucht wird. Wir wissen aber vom AntiPiratByran (der Schwedischen Anti-Piraterie-Organisation), dass es einen Durchsuchungsbefehl für den gesamten Provider PRQ gab. Es wurden anscheinend nicht nur etwa 160Server sondern auch Netzwerkequipment beschlagnahmt.
Das heißt es waren auch andere Webseiten betroffen?
Ja, das Magazin Säkerhet&Sekretess hat eine erste Liste veröffentlicht und ruft die betroffenen dazu auf, sich zu melden. Dass so viele völlig unschuldige Webseiten, wie auch die politische Organisation "Piratbyrån" betroffen sind, ist für uns viel schlimmer als die temporäre Auszeit von "The Pirate Bay"
Es wurden auch ein paar Menschen verhaftet, was wird ihnen vorgeworfen?
Insgesamt wurden drei Crewmitglieder verhaftet und befragt, sie wurden jedoch gestern wieder freigelassen. Ihnen wird Verstoß gegen das Urheberrecht vorgeworfen, das könnte sich jedoch ändern.
Wir vermuten, dass das AntiPiratByrån die Polizei fehlgeleitet hat und ThePirateBay fälschlicherweise vorwirft, Warez auf dem Server zu lagern und zu verteilen.
Gibt es denn eine Einschätzung von Anwälten?
Nein, noch nicht. wir verhandeln allerdings mit einem sehr bekannten schwedischen Anwalt und versuchen ihn zu überzeugen, uns in dem anstehenden Fall zu verteidigen.
Hat The Pirate Bay einen Backup-Plan?
Wir arbeiten gerade fieberhaft an einer Lösung und wären sehr enttäuscht von uns, wenn wir TPB nicht binnen einer Woche wieder zum laufen bekommen. Möglich ist auch, dass wir in andere länder gehen, gerüchteweise Holland, mit Russland als Backup. Allzusehr lässt sich das nicht dezentralisieren, aber optimal wäre natürlich eine Lösung, die weiter funktioniert wenn einer der Server vom Netz genommen wird.
Wie waren denn die Politischen Reaktionen bisher?
Bis jetzt hat sich nur die Piratenpartei geäußert. Allerdings ist dieses Jahr Wahljahr in Schweden, wir erwarten also noch einige Diskussionen zu diesem Thema. Das Vorgehen von Polizei und AntiPiratByran wird dabei sicher ein zur Debatte stehen.
Vielen Dank für das Interview
31. May 2006
/ Kategorie: politics
Allem Anschein nach wurde der größte Bittorrent-Tracker der Welt, ThePirateBay Opfer einer Hausdurchsuchung. Das zumindest berichtet P2PNet.
Neben den Servern wurden wohl auch die Server der Schwedischen Organisation " Piratbyran" beschlagnahmnt, die sich auf politischem Wege für freies Filesharing und gegen Urheberrecht einsetzt. Das zumindest berichtet die Schwedische Piratenpartei. Die Situation ist auch deshalb delikat, weil die Polizei anscheinend nicht einmal selbst weiß, ob Recht gebrochen wurde: "The police right now is taking all of our servers, to check if there is a crime there or not (they are actually not sure),", so brokep vom Piratebay-Team. Das für's erste, ich versuche mal über meine Kontakte in Schweden zu mehr Informationen zu gelangen.
Update 1: Golem berichtet nun auch davon.
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