Sie trugen selbstgenähte Trainingsanzüge, bauten sich Ghettoblaster aus Monorecordern und bewegten sich wie Roboter: mit der aus dem Westen importierten Hip-Hop-Subkultur träumten DDR-Breakdancer von der Freiheit - und die Stasi bestimmte, wer auftreten durfte.
Ich hatte es ja schon letzte Woche dem Batz geschickt, nachdem ich es selbst von der Loxia mitte April bekommen hatte. Und weil der Spiegel es jetzt auch nochmal aufgreift, wollte ich doch noch einmal darüber geredet haben, dass "Manufacturing Dissent" durchaus ein interessanter Film sein dürfte. Obwohl ich ja "Bowling for Columbine" noch recht spaßig fand, hatte ich meinen persönlichen Bruch mit Moore bei "Fahrenheit 9/11", spätestens als er um des Skandals willen seine Kamera länger auf eine weinende Soldatenmutter hielt. Dass Moores Manipulationen deutlich weiter gehen, als seine suggestive Bildersprache konnte man zwar manchmal vermuten, in aller Deutlichkeit soll es aber erst jener Film zeigen. Ein kurzer Beitrag dazu findet sich bei Youtube
Wenn man einen Film über ein bekanntes Metal-Festival dreht, kann man unglaublich viel falsch machen. Man kann ein Standardwerk abliefern in dem ein paar Fans zu Wort kommen, dazwischen ein, zwei Bands einen Song spielen und ihren Senf dazu geben und schlussendlich ein Interview mit den Verantwortlichen führen.
Wenn man lustig sein will, klebt man noch ein paar Aussagen von Anwohnern dazwischen die das alles nicht verstehen. Und um es ganz zu versauen, lässt man andere Ahnungslose bei irgendwelchen Insider-Witzen mitspielen, die dann allesamt wahnsinnig komisch aussehen.
Sung Hyung Cho hat zu Wort kommen lassen: unzählige Kühe, Bauer Plähn, Bauernehepaar Trede, Oma und Enkelin Schaack und andere Bewohner des Dorfes Wacken in Schleswig-Holstein. Sie lässt sie erzählen; vom Leben auf dem Lande, ihrer Vergangenheit und ihren Träumen. Und zwischendrin auch vom Festival, das seit zehn Jahren groß genug ist, um das Dorfbild zumindest für einen Monat im Jahr zu prägen.
Sie hat Norbert Venohr befragt, der die Organisation des Festivals verlassen hat, bevor es groß wurde, und gelernt, warum ein Kalb keine Kuh ist. Sie hat heranrollende Trucks gefilmt, die für eine kurze Sequenz das Dorfidyll mit Kirche im Hintergrund stören und die Nachbarsmädchen wie sie für ihr Modelcasting Aerobic üben.
Sie hat einen Film über ein Dorf gedreht, in dem die Gegensätze zwischen Normalität und Festival nicht größer sein könnten, und doch das Festival zur Normalität geworden ist. Und sie hat damit zurecht die Erwartungen vieler Festivalbesucher an einen solchen Film zerstört, um alle anderen Erwartungen zu übertreffen.
Oder, wie sie selbst sagt, ein Film der die existenziellen Beziehungen der Dorfbewohner zum Festival zeigt, ganz im Gegensatz zu den hedonistischen, die der Besucher hat. Der Zeigt wie der eine Bauer die Mehreinnahmen benötigt, während die Enkelin das Fest nutzt um aus dem Dorfalltag auszubrechen, vor dem sie ohnehin einmal fliehen möchte. Ein Film, so die Jury des Max-Ophüls-Preises, der ein "faszinierendes Bild deutscher Identität" zeichne. Ein Film der die Ruhe des Dorfes ausstrahlt und dessen Schnitte, Kamera, Bildersprache und Ton nicht besser passen könnten, um eben jene Gegensätze zu veranschaulichen und vergessen machen, dass das, was man da sieht, eigentlich ein Dokumentarfilm ist.
Nine Inch Nails haben schon mit dem Downloadangebot für den ersten Song ihres neuen Albums für Wirbel gesorgt, vor allem weil die RIAA dann anfing Leute zu verklagen die diesen Song weiter verbreiteten. Obwohl das gewünscht war.
Jetzt aber zeigen die Nägel, was wirklich fortschrittlich ist, und veröffentlichen drei weitere Songs in Formaten die sehr einfaches Remixen, etwa per GarageBand oder Logic erlauben. Der eigentlich interessante teil dieser Geschichte ist aber, dass die Band dafür The Pirate Bay nutzt. Ja, genau, der schwedische Bittorrent-Tracker den unter anderem Interscope/Universal, das Label bei denen NIN unter Vertrag sind, über ihren Verband, die RIAA, verzweifelt versucht mit legalen und illegalen Mitteln aus der Welt zu schaffen. (via)
Unter dem Banner "Make some Noise" haben eine Reihe von Künstlern, unter anderem die Black Eyed Peas, The Cure oder The Postal Service für Amnesty International jeweils eine Coverversion eines John Lennon-Songs aufgenommen. Den ganzen Sampler kann man sich natürlich bestellen, Geld geht an die Menschenrechtsorganisation.
Was dabei überraschend ist: die Songs lassen sich auch per Download kaufen, 1 Euro pro Stück. Dabei kann der Konsument tatsächlich auswählen: WMA, AAC oder aber mp3 - ohne DRM und in guter Qualität (192 Kbps). Kleines Lob an dieser Stelle, ich bin ja ehrlich gesagt überhaupt nur auf die Seite gegangen, um zu überprüfen, was die an Dateiformaten anbieten. So aber: empfehlenswert! (vielleicht auch musikalisch)
Kennt ihr Musicload? Das sind die, wenn man mal den Fernseher anschaltet, mit dem unglaublich dämlichen Heavy Metal-Fan, der Schmusemusik kaufen will. Die verkaufen zu überhöhten Preisen, völlig unbrauchbare, weil minderqualitative und DRM-verkrüppelte WMA-Musik und halten sich für innovativ.
Das mit dem Innovativ kommt daher, dass als "Innovation" bei der Mutterfirma T-Online gilt, was nicht älter als 2 Jahre ist und schon einigermaßen funktioniert. Das wird dann dort für einen höheren Preis und mit schlechterer Qualität nochmal verkauft.
Und weil der Markt klein und das Werbebudget groß ist, ist es nicht schwer, sich dann auch Marktführer zu nennen. Das kauft dann die Chefetage ab, schießt noch mehr Geld ins Werbebudget und an irgend einer Stelle kommt so viel Geld zurück dass das Konzept irgendwie funktioniert.
Neu bei Musicload ist, dass die jetzt auch Konzepte kopieren, die nicht funktionieren. Zum Beispiel das von Napster, das da lautet: "10 Euro für so viel DRM-verkrüppelte Musik wie du willst, solange du zahlst". Funktioniert bei denen auch nicht. Die machen Verluste, weil keiner so blöd ist, 120 Euro im Jahr für Musik auszugeben, um danach rein gar nichts sein eigen nennen zu können.
Nun also eben Musicload. Die haben sich gedacht "Flatrate, das geht zu weit". Und haben das Webradio neu erfunden. Nur nennen die es "Streaming-Flatrate", schicken minderqualitative, drm-verkrüppelte Musik über das Netz und verlangen dafür "unter 10 Euro", wie Heise schreibt. Und damit auch keiner überkonsumiert, oder vergisst den Stream abzuschalten, was ja Geld kosten könnte, und damit man das auch nicht im Schlaf anmacht um die ganze Nacht hindurch den Lieblingsklängen zu lauschen (wofür man ja bezahlt hätte), gibt's einen 6-Stunden-Timeout bei einem Dienst, der sich "music nonstop" nennt. Grandios, Leute!
Ich bin ja mal gespannt, wann die das Konzept für gescheitert erklären mit noch mehr Werbegelderm fördern und empfehle so lange sowas wie last.fm oder natürlich Soulseek. Ist günstiger.
Projekt Gutenberg ist ja inzwischen auf der ganzen Welt berühmt, als das Projekt das gemeinfreie Literatur archiviert und zur Verfügung stellt. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen die Leute vom Mutopia Project. Ihr Ziel ist es, allgemein verfügbare Noten gemeinfreier Musiker zur Verfügung zu stellen. Also vor allem Stücke klassischer Komponisten wie Bach, Beethoven oder Brahms. Bach ist dabei schon ziemlich gut vertreten, der rest könnte noch ein bisschen wachsen, momentan sind 572 Stücke in der Datenbank, da ist noch Potential vorhanden.
Kopierschutz, Rootkit, Klagewellen und andere Eskapaden seitens der großen Musiklabels sind wohl endgültig den meisten Indie-Labels zu viel geworden. Deshalb unterstützt der Verband Unabhängiger Tonträgerunternehmen (VUT) ab sofort die Kampagne "Respect the Music". Dahinter verbirgt sich vor allem das "Copy Protection Free"-Logo das ab sofort auf einer ganzen Reihe von CDs der MItgliedslabels prangen soll. Entwickelt wurde das ganze von !K7 - das Logo und die Aktion sind deshalb auch nicht ganz neu. Neu aber, dass der ganze Verband sich dahinter stellt. Offenbar haben die Indies es kapiert, dass freundliche Appelle und Respekt vor den Kunden eben mehr bringen, als Kriminalisierung. Interessant finde ich das ganze auch aus dem Aspekt heraus, dass der VUT noch im November 2004 als Teils des "Forums der Rechteinhaber" eine Stellungnahme zum Referentenentwurf zum zweiten Korb abgegeben hatte - zusammen mit GEMA, GVL, IFPI und vielen anderen. Die Stimmung hat sich also offensichtlich gedreht. Musik respektieren ist eine feine Sache, ab und zu einen Tonträger kaufen auch, und Kunden fair behandeln sowieso. Schön, dass sich der Wind ein bisschen gedreht hat!
Ich dachte das Thema sei ja eigentlich ganz gut durch, aber nachdem mich gleich mehrere Leute auf die Aussage "Wir wollen nicht, dass jeder herunterladen kann und die Künstler nichts bekommen" angesprochen und diese kritisiert hatten, wollte ich doch eben kurz klar stellen was ich damit meine.
Bisher gibt es pauschale Abgaben auf Speichermedien wie CD-Rs, Abspielgeräte wie MP3-Player und viele andere Dinge. Diese gehen der GEMA zugute, die das Geld fast immer ungerecht verteilt. Diese Abgabe beinhaltet eine Kompensation für evtl entstehende Privatkopien, die aber im geltenden Recht recht eng gefasst sind. Im Internet ist das eine andere Situation: Tausch über P2P lässt sich nicht als Privatkopie im herkömmlichen, juristischen Sinne begreifen. Aus genau dieser Motivation heraus verlangt unter anderem Fairsharing eben auch hier eine Abgabe: Kompensation ohne Kontrolle ist das gute Stichwort: auf der einen Seite möchte man, dass Künstler für ihre Arbeit entlohnt werden. Wenn dadurch, dass mehr Menschen ihre Musik über Tauschbörsen beziehen, dann muss dieser Einnahmeausfall (und natürlich: längst nicht jede Kopie ist ein entgangener Verkauf) auf irgend eine Weise kompensiert werden, wenn in dieser Gesellschaft weiterhin Künstler die Möglichkeit haben sollen, von guter Musik auch zu leben. Eine kleine Abgabe, die für beschränkte Privatkopien gedacht ist, reicht da eben nicht aus.
Zudem besteht der Gedanke, auch die bestehenden Strukturen von Labels und GEMA zu durchbrechen: Ein Küstler soll sich eben nicht an eine Verwertungsgesellschaft binden, die damit alle Verwertungsrechte behält. Momentan ist es Künstlern nicht möglich, gleichzeitig Musik online zu veröffentlichen und etwas vom Pauschalabgaben-Kuchen abzubekommen, die GEMA lässt das nicht zu. Es ist nicht einmal möglich, nach Werken zu trennen: GEMA-Mitgliedschaft ist personenbezogen und gilt für alles, was im Zeitraum der Mitgliedschaft geschaffen wurde. Bei einer Abgabe die auf alle Kopien gilt - und somit auch der Zeit gerecht wird, in der sie existiert - ist es eben auch möglich, Songs auf vielfältige Weise zu veröffentlichen und dennoch über alle Veröffentlichungskanäle an Einnahmen zu kommen. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, einen analogen Distributionsweg zu gehen und beispielsweise Vinyl-LPs zu pressen, bei einem Label (wie auch immer Labels in 10 Jahren aussehen werden) unter zu kommen das sich darum (und vielleicht um die Vermarktung des Künstlers) kümmert, in öffentlichen Radios gespielt zu werden, und dennoch das neue Album via Bittorrent zu vertreiben. Ein Weg der momentan (fast) nicht möglich ist.
Auf der anderen Seite wollen wir keine Kontrolle: die bisherigen Praktiken, die Kriminalisierung von Tauschbörsen führen zwangsweise in eine Welt voller DRM und Überwachung. Abomodelle funktionieren zum Beispiel nicht, weil man eben keine Musik-GEZ möchte, die "Schwarz-Sauger" ausfindig macht und verknackt. Und wohin unser momentanes System führt, in dem alle paar Wochen willkürlich P2P-User verknackt werden, und Rechteinhaber bald auf eigene Faust Auskunftsansprüche geltend machen sollen, müsste auch klar sein. Immerhin ist die jetzige Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie auch das Ergebnis massiver Lobbyarbeit durch die Urheberrechtsindustrie.
Und ja: ich halte das Modell auch nicht für Perfekt, es ist nur ein sehr pragmatischer Vorschlag, natürlich kann man auch über eine Abgabe in Form einer Steuer oder über ein Grundeinkommen diskutieren. Aber bitte nicht hier und jetzt.
Mal wieder vergessen, wie der Song genau heißt? Oder das Album? Sich an den Anfang eines Bandnamens erinnert der aber länger war? Oder nur den Vornamen der Sängerin im Kopf? Lyricsfly hilft dir. Bestimmt. Vor allem weil es tolle Buzzwords wie "Ajax" benutzt. Die haben aber in diesem Zusammenhang sogar einen Sinn: type-ahead-find, so wie bei google-suggest falls das jemand kennt. Nettes Spielzeug auf jeden Fall!
In einer fast schon selten gewordenen Geste hat sich Richard Blackstone, Chairman von Warner Chappell beim Betreiber von PearLyrics entschuldigt. Pearlyrics, eine Seite die das Herunterladen von Songtexten für iTunes-Nutzer anbot, war letzte Woche abgemahnt worden. Nach einigem Protest unter anderem durch die EFF hat die Plattenfirma sich aber wohl nun zu einem umlenken bewogen. Unter anderem weil einige EFF-Anwälte der Ansicht waren, dass der Betreiber der Seite in den USA gar nicht illegal handelt und weil ziemlich deutlich geworden war, dass Warner keinerlei Nutzen aber viel Schaden aus dieser Aktion zieht. Wäre schön, wenn so etwas in Zukunft häufiger passieren würde. Zum Beispiel bei Mashup-Alben. Ich stelle übrigens gerade fest, dass immerhin das coole Hippocamp Ruins Sgt. Peppers noch ein wenig leben darf.
Nachdem Hippocamp ja schon Beach Boys' Pet Sounds durcheinander gebracht haben, ist nun Sgt. Pepper von den Beatles dran: 14mal Mashup, Zerstörung, Remix. Coole Sache und hier zu finden.
Achja: ziehen bevor's weg ist, letztes mal ging das drei Tage, danach war die ganze Geschichte nur noch auf bannedmusic.org zu finden.
Dass auch einige Labels inzwischen auf den Creative Commons - Geschmack gekommen sind, ist ja nichts neues. Dass aber ein Label seinen Mustervertrag erweitert und in Zukunft allen Musikern anbietet, ihre Werke auch unter CC zu veröffentlichen, das ist dann doch neuer. Schöner Schritt in die absolut richtige Richtung, Gratulation von hier aus und mögen bald weitere Folgen. (via BoingBoing)
Das Klischee vom immer dümmer werdenden Gymnasium mit unglaublich dummen Hiphop-Fans hatte ich ja immer als Unsinn abgetan. Und nun? Lest mal meine Kritik zur letzten Eminem-Platte und den letzten Kommentar dazu.. (Eigentlich alle Kommentare, aber der letzte kam eben rein und tut echt weh. Und das bestimmt nicht, weil jemand meine Schreibe nicht mag...)