Schottlandreferendum

Es gibt Referenden, für die ist es einfach, eine Meinung zu bilden (“Nein zur Seilbahn auf St.Pauli”), es gibt solche, da ist es ein wenig komplexer (“Rückkauf des Stromnetzes”) und dann gibt es Schottland. Ich versuche mich einmal an einigen, viel zu kurz gegriffenen Gedanken.

Ein wahres Feuerwerk der Argumente hüben wie drüben. Das Öl! Die Banken! Die selbstbestimmung! Das Öl! Die Wirtschaft! Die Atom-Flotte! Und dazwischen die subtileren Töne: Es sei eine Entscheidung Arm gegen Reich, sagt man. Eine des linkeren Nordens gegen das Establishment, eine Pro Europa. Es sei eine gegen ein eigentlich funktionierendes System, für einen Weg in die Armut. Und überhaupt ist ja noch gar nichts geklärt, bis auf dass die Queen wohl Queen bleibt. Was ist eigentlich mit der Währung? Und der Staatsbürgerschaft? Grenzkontrollen? Sofortige Aufnahme in die EU? Und was ist mit dem Domino-Effekt, den Schottland auslösen könnte auf Nordirland, Katalonien, Flamen, das Baskenland, Wales, ja Bayern gar? Und ist das alles am Ende nicht eigentlich eine furchtbar nationalistische Sache?
Nun, es geht um Nationalstaaten. Natürlich ist das erstmal eine irgendwie nationalistische Sache. Die einen wollen den Nationalstaat “Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland”, die anderen den Nationalstaat “Schottland”. Und die, die den Nationalstaat “Schottland” wollen, scheinen gar kein Problem damit zu haben mit der Tatsache, dass nationalstaatliche Kompetenzen in Richtung Brüssel abwandern. Es ist ja auch nicht so, als sei diese Entscheidung etwas singulär neues, immerhin ist Jugoslawien vor einigen Jahren auseinander gebrochen und nun bemühen sich die einzelnen Staaten durchaus um eine Aufnahme in die EU. Wichtig ist also erstmal, dass daraus nicht noch mehr Kleinstaaterei entsteht. (Ganz im Gegensatz zu den Bemühungen vieler Engländer, die EU verlassen zu wollen).

Gut, nehmen wir an, das ist eigentlich eine gute Sache. Ein starkes Europa, in dem einzelne, sich näher fühlende Gruppierungen (aka Staaten) eine gewisse Autonomie erhalten, in den wirklich wichtigen Entscheidungen, diese aber an ein großes Ganzes delegieren.

Bleiben solche Fragen wie Wirtschaft und Atom-U-Boote. Letzteres erst einmal vorweg: Atomwaffen abschaffen. Danke.
Die Wirtschaft ist schon komplexer. Da gibt es Banken, die kurz vor dem Kollaps stehen und solche, die damit drohen, ihre Geschäfte nach London zu verlagern, fürchten die Gegner. Da gibt es das Öl, sagen die Befürworter, das reicht aber nicht mehr allzu lange und ausserdem wird sich darum gestritten, wieviel Geld es wirklich für das Land abwerfen kann. Aber “nicht mehr lange” heißt ja auch, dass Schottland direkt den Auftrag bekäme, ökologischer zu werden, unabhängig vom Öl, die Highlands zum Beispiel zur Energieproduktion qua Staudamm zu nutzen. Und ökonomische Probleme gibt es allerorten. Ob und wie nachhaltig diese allerdings sind, ist ja eine ganz andere Frage. Wir reden hier von einer Entscheidung, die vollkommen einzigartig ist. Schottland ist seit 307 Jahren nicht mehr unabhängig und bei einem “Nein” wird es auch für mindestens 307 Jahre lang so bleiben. (Oder bis sich Nationalstaaten eh auflösen, weil EU oder die Welt sich dank größerer Krisen eh ganz anders entwickelt). Klar dürfte sein: Wirtschaftlich wird es Schottland dadurch erstmal nicht besser gehen, die Frage ist nur, wie sehr alles den Loch hinuntergeht. Aber Wirtschaft ist eben nur ein Faktor.

Bleibt das grundlegende Misstrauen gegenüber London (nicht der Stadt, dem Symbol). Gegenüber einem Land, einer Regierung, einer Gesellschaft, deren mentale Einstellung immer noch vermuten lässt, ihr gehöre halb Afrika, Asien und womöglich auch noch Amerika. Gegenüber einem Bild von Royals mit komischen Hüten, Cricket und Teatime, das für die allermeisten Menschen in Highlands, Lowlands und auf den Inseln tatsächlich vorkommt, als würde man von einer Macht regiert, mit denen man gerade einmal den Sprachstamm teile. Vor einigen Jahren las ich ein Buch, das auf Stornoway, der Hauptstadt von Lewis, äußere Hebriden spielt. Im Gedächtnis blieb dieses Zitat: “Fuck everyone from Holden Caulfield to Bridget Jones, fuck all the American and English phoney fictions that claim to speak for us; they don’t know the likes of us exist and they never did. We are who we are because we grew up the Stornoway way. We do not live in the back of beyond, we live in the very heart of beyond …”

Und dann wären da wieder die wirtschaftlichen Realitäten. Irgendwie bin ich ganz froh, dass ich nicht mit abstimmen darf.

Ein paar weitere Stimmen, Pro und Contra, die auch bei meiner Meinungsbildung ein bisschen geholfen haben, finden sich hier:

Contra:
The Economist

Eher Pro:
Fintan O’Toole im Guardian

Alan Trench

Eher neutral
Reuters

Job gesucht!


Ich suche einen Job und DU kannst mir helfen.

Meinen Lebenslauf findest du hier.,
My english CV can be found here.,

aber kurz zusammengefasst: Ich bin von Haus aus Informatiker, habe Erfahrung in Text, PR und Projektleitung, meine letzte Position war “Verlagsleiter Digital” bei der intosite GmbH, wo ich unter Anderem Produktverantwortung für merian.de, prinz.de und das Kochportal Küchengötter.de getragen habe.

Produkt- und Teamverantwortung ist auch das, was ich wieder suche.

Ich möchte Digitalprodukte gestalten, Räder drehen und Berge versetzen. Am liebsten möchte ich das dort tun, wo in flachen Hierarchien neue Strukturen geschaffen werden können oder sollen.

Ich habe die Kulturen und Strukturen von Startups und großen Unternehmen kennen gelernt. In beiden konnte ich meine Fähigkeiten bei der Schaffung neuer Produkte erfolgreich einsetzen, denn da, wo Veränderung zum Alltag gehört, fühle ich mich wohl. Meine Ziele erreiche ich durch die Arbeit mit permanentem Feedback von Nutzern und durch ständige Analyse relevanter Daten. Nur so lässt sich in agilen Prozessen stetige Verbesserung erreichen. Das kann ich managen und dafür Verantwortung übernehmen. Auch bei der Teamführung habe ich es bisher immer geschafft, auf die individuellen Stärken und Schwächen meiner Mitarbeiter einzugehen und Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen zu bringen, um gemeinsam Neues zu schaffen.

Am liebsten und besten arbeite ich dort, wo sowohl meine Kreativität als auch mein strategischer Weitblick gefordert sind. Ich kann dabei den Blick eines Technikers genauso annehmen wie den eines Kreativen. Am wichtigsten ist mir aber die Perspektive des Nutzers, denn ich möchte Produkte erschaffen, die man gerne verwendet und für die man gerne Geld ausgibt.

Ich bin nicht ortsgebunden, aber am liebsten würde ich in Hamburg oder Berlin arbeiten.

Kurzum: Wenn Du glaubst, dass ich bei deinem Arbeitgeber gut aufgehoben wäre, oder wenn dir ein Job einfällt, um den ich mich bewerben sollte, dann sag mir doch bitte Bescheid. Meine Adresse ist julian [at] phinn.de, weitere Kontaktdaten findest du auch im Lebenslauf.

Warum die Krautreporter scheitern müssen

Man kann über die Krautreporter sagen, was man will: mangelnde Ambition ist der falsche Vorwurf. Und doch, oder auch gerade deshalb, bin ich mittlerweile der Meinung, dass das Projekt scheitern muss. Nicht, dass ich von der Idee nichts halte, im Gegenteil. Aber jetzt nochmal Abstand, in ruhe Nachdenken, dann Reboot.
Aber von vorne: Die Krauterporter sind eine Gruppe von journalistsch arbeitenden Menschen, die gerne hätten, dass 15000 Menschen jeweils 60 Euro im Jahr bezahlen, um unabhängigen Journalismus zu fördern. Doch schon der Start war ungemein holprig und so ging es eigentlich auch immer weiter. Zu viele weiße Männer, die alles andere als Diversität vermuten ließen am Anfang, halbgare bis lahme Reportageideen in der Mitte, eine sehr seltsame Episode über Unklarheiten zur Rechtsform zwischendurch und nun ein Endspurt, der bisweilen (wenn auch nicht unbedingt von den Protagonisten) in einer Penetranz propagiert wird, die nur schwer zu ertragen ist.
Und darin liegt auch das Problem: Es reicht nicht, das Herz am richtigen Fleck zu haben und dem Verlagsestablishment etwas beweisen zu wollen. Es genügt auch nicht, erstmal ein bisschen Kohle einzusammeln und dann zu gucken, was man damit denn schönes an Journalismus machen kann. Es geht eben nicht nur darum zu zeigen “Hier, wenn wir ein paar Leuten die gut schreiben und recherchieren können Geld geben, dann kommt etwas dabei rum”. Es geht darum zu sagen “wir können das auch ohne Verleger, Chefredaktionsapparat und tote Menschen als Herausgeber”. Niemand braucht ein Produkt, was so ungefähr an die Zeit oder die FAZ heranreicht, das muss auf Augenhöhe sein, mit Qualität überflügeln, mit neuen Ideen inspirieren. Und das alles tun die Krautreporter nicht einmal ansatzweise, zumindest sehe ich keinen Willen zur Exzellenz.
Genau deshalb muss das Projekt scheitern. Weil sonst all jene, die der “Netzgemeinde” selbstreferenzialität und Belanglosigkeit vorwerfen in genau all ihren Argumenten bestätigt werden können. Niemand möchte, dass es heisst “Die Netzgemeinde fundet halt jeden Scheiss, solang er aus der eigenen Suppe kommt”. Also Reboot bitte.

Anmerkung: Ich arbeite zwar für ein Verlagshaus, dessen Angebot steht aber in keinerlei Konkurrenzverhältnis zu den Krautreportern.

Fahrradklingel-Usability

Vor etwa einem Jahr habe ich mich für den Kickstarter des “Orp Smart Horn” begeistert, ihn unterstützt, eine Fahrradklingel bestellt. Nun ist das “Orp Smart Horn” keine normale Fahrradklingel, schließlich trägt es den Namen “Smart”. Und ist das Ding elektronisch getrieben, lässt sich per USB laden, hat eine Lampe und zwei Klingelmodi. Die Lampe hat viele Lumen aber keine Fokussierung, sie schafft es also nicht den Weg auszuleuchten sondern eignet sich lediglich zur Positionsbestimmung, aber der eigentliche Clou sind ja die Klingelmodi. Drückt man den flexiblen Hebel leicht, so bimmelt das Smart Horn nur ganz sachte, um Fußgänger darauf aufmerksam zu machen, dass sie gerade den Radweg bevölkern zum Beispiel. Droht Gefahr, kann man den Hebel stark drücken. Dann trötet das Smart Horn in 95 Dezibel und blinkt wild herum, so dass auch Autofahrer mitbekommen, dass etwas nicht stimmt. Soweit so cool, so überzeugend, so die Theorie.
In Wirklichkeit haben wir uns über Jahre hinweg an ein typisches Bimmeln gewöhnt. Das kann ein “Ping” sein wie bei eher modernen Fahrradklingeln oder ein “Drrring!” wie bei den alten. Auf keinen Fall aber ist es elektronisch erzeugt und klingt nach einem wildgewordenen SMS-Ton oder etwas, woraufhin man sein Mobiltelefon snoozen lassen möchte.
Oder anders gesagt: Niemand auf der Straße bewegt sich auch nur einen Zentimeter, wenn man das Orp Smart Horn erschallen lässt. Da könnte auch ein Vogel krähen, ein Kind schreien, ein Schuss fallen. Und das ist eben das Problem mit Usability, die sich an mehrere Seiten richtet. Ich finde das Teil cool. Ich kann es einfach bedienen, installieren, nutzen. Aber mein Gegenüber, also die Fußgängerin, die Autofahrerin, die hat davon nichts.
Ob das in diesem Fall vermeidbar gewesen wäre? Immerhin musste das Horn erstmal gebaut werden, um einen solchen Fehler festzustellen. In vielen Produkten ist aber genau das schon vorprogrammiert. Es wird gebaut, was die Entwickler und Designer toll finden, es wird getestet an Gruppen ihresgleichen, mit features vollgeladen, die längst nicht alle verstehen und generell so getan, als sei das was man selbst gut findet der Maßstab für die Welt. Und das ist, warum es Diversität braucht, allenorten. Aber das ist eine andere Geschichte und hat nur bedingt mit dieser Fahrradklingel zu tun.

Frankreich

Und dann hörte ich diesen wundervollen Podcast, in dem es um die Deutsch-Französischen Beziehungen ging. Und machte mir so ein bisschen Gedanken. Tags darauf traf ich meinen ältesten Freund L. mit dem ich bereits in der Schule war. Wir sprachen über Städte und er sagte mir “Ich war kürzlich in Straßburg. Was für eine coole und wunderbare Stadt? Früher ist uns das nie aufgefallen, da sind wir halt mal in ein Konzert in die Laiterie, aber das war’s.”
Und tatsächlich: Wir sind eine Radtour weit weg von Straßburg aufgewachsen. An guten Tagen konnte man vom Schlafzimmer meiner Eltern aus die Spitze des Münsters sehen. Und doch war Frankreich abstrakt, weit weg, vor allem aber “nicht erstrebenswert”.
Es ist nicht so, dass mir das Französische nicht permanent nahe gebracht wurde: Wir hatten französische Nachbarn, es gab schon in der Grundschule ersten Unterricht. Ausflüge ins Elsass, überall Flammkuchen, Einkaufstouren zu Carrefour oder Super-U. Es gab das Feuerwerk auf der Europabrücke in Kehl, Lampionfahrten mit Kanus durch die Kanäle der Stadt, Städte- und Dorfpartnerschaften. Nirgends konnte, wurde, musste die Deutsch-Französische Freundschaft so gelebt werden, wie am Oberrhein.
Und doch, da stimmte etwas nicht. Schon ganz von anfang an. Frankreich, das war nah aber niemals cool. Klar hat man uns in der Grundschule die Sprache beigebracht, aber schon die Einstellung des Lehrers vermittelte das Gegenteil von Begeisterung. Im Gymnasium ging ich dann in die Lateinklasse. Die war übrigens genauso groß wie jene, in der man Französisch als erste Fremdsprache lernte. Insgesamt 50 Leute. Englisch? 130.
Das System sah dann in der neunten Klasse eine dritte Sprache vor. Ein viertel meiner Klassenkameradinnen wählte Griechisch. Der Rest hatte eher gemäßigte lust. Cool war es, seine schlechten Noten nach außen zu tragen. Als wir in einem Vokabeltest unsere allererste Sechs ever bekamen, gab es eine Klassenkonferenz, weil wir es gefeiert hatten wie so ein paar dämliche Weltkriegssoldaten die alles tun, sich aber bloß nicht ergeben wollten.
Klar: Es gab auch die offenen Ressentiments. Wackes wurden sie genannt, die Elsässer, ein altes Wort das in deren Dialekt “Strolch” oder “Lump” bedeutet und deren Benutzung auf den Deutsch-Französischen Krieg zurück geht.
Nun kam ich gar nicht aus Baden, sondern bin dort aufgewachsen. Ich hatte auch nie etwas gegen Frankreich, Franzosen, Elsässer oder ähnliches (bis auf das Elsässische. Was für ein grausliger Dialekt!). Aber es war einfacher, sich anzupassen und das alles ebenfalls uncool zu finden. Richtig gut französisch zu lernen, einen Schüleraustausch zu machen, über ein Studium dort nachzudenken, das hätte Rebellion bedeutet. Rebellion gegen ein Umfeld, das sich auch 35 Jahre nach De Gaulles Rede an die Deutsche Jugendimmer noch zu fein war, Interesse zu zeigen.
Und so kam es, dass wir zwar zu Konzerten fuhren, aber nie in die Ausgehviertel. Dass wir uns des Wochenends in den Zug nach Karlsruhe setzten, statt mal zu schauen, wie die Leute in den alternativen Vierteln Straßburgs so drauf sind.
In meinem Abi-Jahrgang waren 220 Menschen. Niemand davon hat sich an der Universität Straßburg eingeschrieben. Und irgend etwas sagt mir: auch anderthalb Dekaden später wird es nicht anders sein, in fernen Bundesländern finden junge Menschen Frankreich viel toller, als in der direkten Nachbarschaft. Im Rheingraben ist noch viel zu tun.

Update: Eine ehemalige Mitschülerin weist mich darauf hin, dass es zwei Französischklassen gab und sehr wohl einige Menschen (unter anderem sie), die eine Affinität zu Frankreich und der Sprache hatten. Den Post in seiner Absolutheit muss ich also zurücknehmen, was bleibt ist aber der Eindruck, dass es bei der überwiegenden Mehrheit genauso war wie von mir wahrgenommen (und von anderen bestätigt)

Konferenzblues

Da stehst du rum, mitten im Hof, im Foyer, vielleicht sitzt du auch, allein bei diesem Vortrag. Dir ist schon seit vorhin alles zu viel und es ist ja eigentlich noch nicht mal Tag 1 rum. Die anderen, die haben Spaß, finden neue Freunde, aber du bist nicht dabei. Die drei, mit denen du vorhin dieses lustige Gespräch hattest sind jetzt ohne dich Essen gegangen. Auf Twitter läuft dieser running Gag, von dem du nur erahnen kannst, wie er zustande kommt. Du bist einsam. Mitten auf einer Konferenz mit vielen tausend Menschen?

Vermutlich geht es allen so. Auf dem Chaos Communication Congress, auf der Re:Publica, auf all den anderen tollen Konferenzen mit Community-Charakter. Und wem es nicht so geht, der hat entweder einen wahnsinnig tollen Selfcare-Mechanismus, eine ungesunde Ignoranz gegenüber sozialen Interaktionen oder kein Interesse an den Leuten. Oder aber Überforderung, dann kommt der Blues erst später. Man kann durchaus drei Tage im sozialen Vollrausch über eine Konferenz rennen, sich selbst komplett ignorieren und dann nach dem letzten Besäufnis im Kater danach hart crashen. Ist aber auch ungesund.

Konferenzen, das ist drei Tage vollkommener Alarmzustand. Drölfzig Leute, von denen vorher nur der Nickname bekannt war, wenn überhaupt. Alkohol, wenig schlaf, ein bisschen Input und dazu “tolle Gespräche”. Aber viel zu oft sind genau diese eben getränkt mit guter Laune und fragen mehr “Was machst du so” Statt “wie geht es dir”. Und dann machen die einen einen Vortrag und du hattest dieses Jahr wieder keine Idee, oder deiner lief nicht so gut, war schlechter besucht und überhaupt: eigentlich fandest du deine Inhalte viel zu wenig auf den Punkt, ausserdem hast du jetzt schon X mal Leute von anderen Vorträgen reden hören und nur so selten von deinem.

Und dann gibt’s da eine Presseanfrage aber nicht an dich, die beiden Leute mit denen du vorhin noch rumgehangen bist knutschen jetzt miteinander. Du stehst in dieser Gruppe von Leuten, die du im Internet total klasse findest und fragst dich, ob du genauso dazu gehörst wie die anderen. Langsam wirst du immer betrunkener, lachst und machst Sprüche aber innerlich fragst du dich, warum du immer noch nichts gegessen hast, während bei Foursquare gerade Leute in einem Restaurant einchecken, ohne dich gefragt zu haben. Warum eigentlich nicht? Hast du was falsch gemacht? Kam der Witz den du vorhin versucht hast zu reissen vielleicht nicht so gut an? Bist du nervig? Langweilig?

Nichts davon. Du bist damit garantiert nicht alleine und alle sind überlastet. Soziale Strukturen entstehen und gehen spontan. Egal wie beliebt du bist, wie eng du mit deinen Freunden rumhängst: im Zweifelsfall wirst du auch mal vergessen werden. Und im zweifelsfall ist das Okay, weil eine viertelstunde später bist du mit anderen Leuten zum Essen und der oder die nächste fragt sich: “und was ist mit mir?” Nur das kriegst du nicht mit. Du hast ja ja nicht gefragt, wie es geht. Dich hat ja auch niemand gefragt. Aber Gratulation zum neuen Job!

Das Wochenende

Wie das Wochenende gewesen sei, wird man oft gefragt. Nun, da gibt es ja verschiedene Betrachtungsweisen. Finanziell zum Beispiel war das Wochenende mit Gewinnen und Verlusten: Zum einen habe ich ein iPhone-Kabel und eine sehr teure Regenjacke im Zug liegen lassen, also minus 400 Euro. Zum anderen habe ich für eine Kostümparty eine Jeans angezogen, die seit vier Jahren im Schrank lag. Darin: zehn Euro. Gewinn! Neutral fallen da Einkäufe ins Gewicht. Klar, Geld losgeworden aber eben auch was dafür bekommen.

Was die Erlebnisse angeht auch so eine Gewinn/Verlustsache: Donnerstag Gewinn, weil lustige Mai-Parade mit anschließender Hausbesetzung, der ich zwar nicht Teilgenommen habe aber immerhin aktiver Zeuge war. (So mit Twitter-Berichterstattung). Freitag dann auch ganz OK mit Höhen und Tiefen (vor allem der Jackentiefe) der Samstag dann ein ganzes Stück vergeudet weil entschieden, doch nochmal zuhause nach zu gucken ob die Jacke nicht da liegt, anschließend dann Berlin. Da wiederum: Klamotten einkaufen (sehr positiv), anschließend Kostümparty (ebenfalls toll). Heute dann Kater, vom Erlebnisfaktor also nicht ganz so prima.

Dann: Menschen. Tolle Menschen bei der Parade, tolle Menschen bei den Parties, tolle Einkaufshelferin, toller Zugführer der mich im vollen Zug erste Klasse fahren ließ, tolle Gespräche bei Burger und Pommes. Andererseits andere Party verpasst, wo auch tolle Menschen waren. Und Sonntag zu viel Kater gehabt, um weitere Menschen zu sehen.

Insgesamt also gut. Egal bei welcher Betrachtungsweise.

Kochexperimente

Zweierlei Kochexperimente habe ich kürzlich getrieben, mit großem Erfolg und viel Verwunderung. Zudem: Wahnsinnig schnell und trotzdem sehr sehr gut.

Das eine ist Popcorn. Nein, Kein Experiment. Aber wenn man Popcorn in Milch oder Sahne einlegt, dann gibt es Geschmack ab. Wenn man es danach rausfiltert, hat man Popcornmilch. Oder Sahne. Damit kann man dann zum Beispiel Panna Cotta machen. Oder Mousse au Popcorn. Beides sensationell. Das Panna Cotta kommt dabei übrigens komplett ohne Zucker aus.

Das zweite: Mousse au Chocolat. Der Lebensmittelchemiker Hervé This-Benckhard hat sich mit Heston Blumenthal zusammen gesetzt und überlegt, wie Mousse eigentlich gehen könnte. Heraus kam folgendes: 100g dunkle Schokolade (75% oder so, die sollte richtig hochwertig sein sonst schmeckt das alles zu säuerlich), dazu 80ml Wasser. Warmmachen so dass es flüssig ist. Dann in eine Metallschüssel kippen und die über ein Eiswasserbad. Das Zeug aufschlagen, mit Rührbesen oder besser noch mit Handmixer. Nach ca 3-5 Minuten wird es hart und flockig. Voila, Mousse-Au-Chocolat. Ohne Eier, ohne Sahne, ohne viel Zucker, ohne lang dran basteln, ohne noch länger kühlen.
Guten Appetit. Weitere Experimente werden folgen, vor allem in Sachen Popcorn. Dazu brauche ich aber erstmal einen Sahnesiphon.

Fünf neue Alben (für den Frühling und zwischendurch)

2014 wird ein sehr gutes Jahr, was Musik angeht. Zumindest hat mich das, was ich dieses Jahr bislang so hören konnte schon ziemlich begeistert.
Ich will einfach mal kurz fünf Alben (und jeweils einen Song daraus) vorstellen, die zum Frühling passsen und gehört werden sollten.

Future Islands – Singles
Synth-Pop ist wieder in. Ob’s an M83 lag oder an was anderem? Gute Frage. Future Islands machen auf jeden fall sehr sehr viel richtig. So gaanz leichte 80er-Anleihen die aber ganz kurz vor “pathetisch” aufhören und ein Sänger, den ich unbedingt mal live erleben will.

Young Fathers – Dead
Hiphop. Aus Edinburgh. Auf dem feinen Anticon-Label. Eigentlich eher eine Mischung aus Avantgarde-Rap und Pop. Alleine schon wegen dem absolut sensationellen zweiten Track “Low” sollte man sich das anhören. Musik, um die Sonne reinzulassen und durch die Wohnung zu hüpfen. Oder um im Park auszuticken.

Todd Terje – It’s Album Time
Producergott, liest man überall. Hat tolle Remixe gemacht. Jetzt eben ein eigenes Album, das sich vor allem in den 70ern und 80ern allerhand Einflüsse nimmt. Ein bisschen italo disco hier, ein Synthie-Solo dort, alles wird in eine ganz eigene, soundtrackige Klangwelt überführt. Erinnert so ein ganz kleines Bisschen an das letzte Daft Punk Album und dessen Retro-Ambitionen, macht das alles aber meines Erachtens nach deutlich weniger langweilig. Und dann auch noch dieses fantastische Cover von Robert Palmers “Johnny and Mary” mit Brian Ferry am Gesang!

Fatima Al Qadiri – Asiatisch
Bestimmt die sperrigste Empfehlung in dieser Liste, aber dafür auch jene, die in Sachen Sound am meisten durcheinander bringt. Fatima Al Qadiri klingt so, wie man sich einen Trip in die chinesischen Megastädte der nächsten Dekade vorstellt. Grell und künstlich und doch auf den fundamenten der dortigen Kultur aufbauend. Ich bin fasziniert und begeistert, nicht nur von dem chinesischen “Nothing compares 2 u”-Cover.

Fennesz – Bécs
2001 brachte Christian Fennesz mit “Endless Summer” ein Album heraus, das mich bis heute immer wieder aufs neue begeistern kann. Sanfte Gitarrenklänge, die hier und da ins verzerrte abschweifen und zu nicht minderschönen drone-klängen mutieren. Bécs ist quasi die Fortsetzung, 13 Jahre später. Nicht ohne anzuerkennen, dass eben über eine Dekade vergangen ist, aber ganz klar mit dem vergangenen Meisterwerk im Blick. Wundervoll!

Die Suche nach einem kleinen Computer

Früher war es noch einfach: Da hatte ich eine XBox (die erste) und darauf war XBMC. Die Videodateien waren kleiner und die Stromrechnung war mir wurscht. Damit konnte ich Videos gucken und Musik hören und das alles noch am Fernseher.
och dann kamen die Ansprüche und plötzlich war alles blöd. Ich wollte meine externen Festplatten damit ansteuern, das Ding fernsteuern, Torrent-Software darauf laufen lassen, von Ferne darauf zugreifen können…
Irgendwann kaufte ich mir einen “Fit-PC2″. Das war ein grandioses Teil: Ein Atom-Z-Prozessor mit 1.6Ghz und Hardwarebeschleunigung für H.264, eine eingebaute 160GB-Platte, Linux, vier USB-Ports, sogar eine Infrarot-Schnittstelle. Und 7 Watt Leistungsaufnahme. Die Freude hielt allerdings nur so lange wie ich feststellte, dass man das Ding nicht updaten konnte. Denn drin war ein Intel GMA500-Grafikchipsatz. Und der kann nicht mit Linux. So gar nicht. Und so verrottete das schöne Teil was ich einige Zeit noch als Musik-Server benutzt hatte.
Jetzt hätte ich mir ja ein Raspberry PI kaufen können. Oder einen Apple-TV. Beiden ist allerdings gemein, dass sie keine externen USB-Soundkarten ansteuern können. Apple-TV wegen mangelnder Schnittstelle, Raspberry PI eigentlich schon, allerdings nicht wenn man OpenElec laufen hat. Und das wäre eben Voraussetzung.
OpenElec ist eine Linux-Distribution die das wundervolle XBMC ohne weiteres Zutun zum laufen bringt. Das ist schick, weil ich zum zutun meist keine Zeit habe. Aber der Sound auf der Raspberry PI ist eben eine Katastrophe. Also will man eine USB-Soundkarte und für die will man eben kein OpenElec.
Aber: Rettung naht. Genauer gesagt liegt Rettung derzeit beim Zollamt und ich hoffe auf baldige Lieferung. In Form einer Cubox-I, genauer einer CuBox-i4Pro mit 4x 1Ghz, 2Gbyte Ram und sonst allem was man sich so wünschen kann. Auf 2x2x2 Zoll. Mit Stromsparung und fertigen Linux-Paketen für alles. Ich freu mich schon.