Wenn man einen Film über ein bekanntes Metal-Festival dreht, kann man unglaublich viel falsch machen. Man kann ein Standardwerk abliefern in dem ein paar Fans zu Wort kommen, dazwischen ein, zwei Bands einen Song spielen und ihren Senf dazu geben und schlussendlich ein Interview mit den Verantwortlichen führen.
Wenn man lustig sein will, klebt man noch ein paar Aussagen von Anwohnern dazwischen die das alles nicht verstehen. Und um es ganz zu versauen, lässt man andere Ahnungslose bei irgendwelchen Insider-Witzen mitspielen, die dann allesamt wahnsinnig komisch aussehen.
Sung Hyung Cho hat zu Wort kommen lassen: unzählige Kühe, Bauer Plähn, Bauernehepaar Trede, Oma und Enkelin Schaack und andere Bewohner des Dorfes Wacken in Schleswig-Holstein. Sie lässt sie erzählen; vom Leben auf dem Lande, ihrer Vergangenheit und ihren Träumen. Und zwischendrin auch vom Festival, das seit zehn Jahren groß genug ist, um das Dorfbild zumindest für einen Monat im Jahr zu prägen.
Sie hat Norbert Venohr befragt, der die Organisation des Festivals verlassen hat, bevor es groß wurde, und gelernt, warum ein Kalb keine Kuh ist. Sie hat heranrollende Trucks gefilmt, die für eine kurze Sequenz das Dorfidyll mit Kirche im Hintergrund stören und die Nachbarsmädchen wie sie für ihr Modelcasting Aerobic üben.
Sie hat einen Film über ein Dorf gedreht, in dem die Gegensätze zwischen Normalität und Festival nicht größer sein könnten, und doch das Festival zur Normalität geworden ist. Und sie hat damit zurecht die Erwartungen vieler Festivalbesucher an einen solchen Film zerstört, um alle anderen Erwartungen zu übertreffen.
Oder, wie sie selbst sagt, ein Film der die existenziellen Beziehungen der Dorfbewohner zum Festival zeigt, ganz im Gegensatz zu den hedonistischen, die der Besucher hat. Der Zeigt wie der eine Bauer die Mehreinnahmen benötigt, während die Enkelin das Fest nutzt um aus dem Dorfalltag auszubrechen, vor dem sie ohnehin einmal fliehen möchte. Ein Film, so die Jury des Max-Ophüls-Preises, der ein "faszinierendes Bild deutscher Identität" zeichne. Ein Film der die Ruhe des Dorfes ausstrahlt und dessen Schnitte, Kamera, Bildersprache und Ton nicht besser passen könnten, um eben jene Gegensätze zu veranschaulichen und vergessen machen, dass das, was man da sieht, eigentlich ein Dokumentarfilm ist.