Ein Hoch auf einen Spieleproduzierenden Arbeitgeber, der es einem ermöglicht, auf solche Events zu fahren. Kollateral kommt da nämlich eine Menge an Blogartikeln raus, wie schon bei der Games Convention Developer Conference. Nun also "Clash of Realities", die Konferenz über "Computerspiele und Soziale Wirklichkeit".
Die veranstalten Electronic Arts und die Fachhochschule Köln gemeinsam - und man merkt, es liegt etwas in der Luft: Keine Eröffnungsrede die nicht betont, wie wichtig das alles sei, hohe Medienpräsenz (inklusive Johnny und Mo vom Spreeblick-Verlag, die für EA
podcasten) und - so wird mir erklärt - ein Who is Who der Spiele-Erforschenden Wissenschaftler. Derer zwei halten kurze Keynote-Ansprachen. Der eine, Dr. Wolfgang Bergmann, führt grandios von fantastischen virtuellen Welten "in denen ich ja nicht Wolfgang Bergmann, sondern Kuno, der Mutige Ritter bin", zur Realität, die hinter dem Rechner zu verblassen scheint. Und während er mit Ikarus' Sage schliesst, scheint sein Nachfolger, Neurologe Klaus Mathiak, zu sehr vom Höhenflug des selbigen inspiriert zu sein. Unverständlich, unpointiert, man möchte sagen, typisch Deutscher Akademiker, der vergleicht, wie Gehirne von Gewalttätern und Killerspielespielern bei ihren entsprechenden Tätigkeiten gleichermaflen angeregt werden.
Huch! NRW-Familienminister Armin Laschet vergessen! Zu meinem Trost muss ich sagen, dass mir das nichts ausmacht: er holpert von Allgemeinplatz zu Allgemeinplatz, liest von einem Blatt Papier ab, dass "da ja sehr viel Originalität drin steckt" und betont die Wichtigkeit von Medienkompetenz, die er mit einem wundertollen Online-Ratgeber für Eltern schaffen will. Dann lobt er sich noch selbst, obwohl sein Vorgänger für die Einführung der USK unter NRW-Führerschaft verantwortlich war, und macht mit der Aussage, Computerspiele seien noch nicht Kulturbestimmend aber das käme sicherlich demnächst deutlich, dass "Zukunft" für ihn was mit Computern zu tun hat und nicht, wie für unsereins mit Phasern und Transporterräumen.
Es folgt eine Podiumsdiskussion mit einem ¸berraschend kompetenten CDU-Landtagsabgeordneten, einem routinierten Electronic-Arts-Menschen, Dr. Wilfried Kaminski von der FH Köln und einer Lehrerin (Eva Maria Kabisch) wie aus dem Bilderbuch, die irgendwer da hin gesetzt hatte, um einen Gegner zu schaffen.
Feindbild hin oder her, Frau Kabisch weist auf die Problemfälle in den Bildungsfernen Schichten hin, um diese Argumentation in der Frage, was der Unterschied zwischen TV-Inkompetenz und Spiele-Inkompetenz sei gleich wieer zu vergessen und fordert Spiele, die Pädagogischen Aufträgen genügen. "Wo ist das Spiel das Frustrationsgrenzen von Jugendlichen stärkt statt sie ständig zu überschreiten?" fragt sie, und ich frage mich wo die Spannung in Spielen sein soll, die von Erwachsenen wie Frau Kabisch gemacht werden, vor allem wenn sie dann noch fordert, dass es da ja mal was geben müsste, was den Spieler vom Spiel distanziert "wie auch im Theater manchmal der Schauspieler explizit von seiner Rolle distanziert wird".
Dann ist man sich ein bisschen einig, dass Kinder es ja doch nicht ganz so leicht haben, schnell in der tollen Spielewelt hängen bleiben und vor lauter Grandiosität die Realität ablehenn und kommt dann noch ein bisschen auf Suchtgefahren zu sprechen, in deren Diskussion - wer hätte es anders erwartet - Frau Kabisch "die mangelnde Suchtprävention bei Spielen" mit der mangelnden Suchtprävention "als die Drogenszene entstanden ist" vergleicht.
Sprich: Allgemeinplätze. Der eine beweist mehr Kompetenz als erwartet, die andere so wenig wie befürchtet.
Es folgt nach einem kurzen "Get Together", die Ansprache des Norwegischen Computerspieleforschers Prof. Dr. Espen Aarseth, der in Kopenhagen forscht. Von "Understanding Games in Virtual Environment" hätte ich mir doch mehr erhofft.
Klar bleibt festzuhalten, dass es ein wahrer Genuss ist, Skandinavische Wissenschaftler zu hören, besonders im Kontrast zu einem Stocksteifen Professor, der die Einleitung macht. Die Rede selbst hätte jedoch deutlich mehr ins Detail gehen können, galt sie doch mehr der Rechtfertigung seiner Arbeit als der Vorstellung konkreter Ergebnisse.
Natürlich ist es sehr interessant zu hören, wie Forscher an Spielen arbeiten, welche Untersuchungstypen und Spielklassifizierungen es gibt. Auch Anekdoten von der kleinen Tochter die WoW spielt sind nett, das nächste mal aber mehr Ergebnisse bitte.
Mehr heute, am bis zum Rand mit Programm gefüllten zweiten Tag, von dem ich den Versuch eines Live-Bloggings starten will. Wir sind gespannt, bleiben Sie dran.