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    <title>Zeitgeistaustreibung - misc</title>
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    <description>Zeitgeistaustreibung und Geistige Enteignung</description>
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    <pubDate>Tue, 01 Jun 2010 10:41:27 GMT</pubDate>

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    <title>Fisch essen: TubarÃ£o, Porto</title>
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    <author>nospam@example.com (julian)</author>
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Latitude: 41.148388Â° N&lt;br /&gt;
Longitude: 8.611739Â° W&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;Tief im Nordwesten Portos, weitab von Portweinkellern und Weltkulturerbe-Ausblick, inmitten schÃ¤biger Gassen unweit der FischmÃ¤rkte und ganz in NÃ¤he des Containerhafens: Ein Restaurant mÃ¶chte man es kaum nennen, diese Bude mit KÃ¼che, kaum grÃ¶ÃŸer als ein Wohnzimmer. Nichts lÃ¤dt den Besucher auf den ersten Blick zu einem schÃ¶nen Abend ein: Winzige Hocker an Tischen, die kaum Platz fÃ¼r ihre GÃ¤ste bieten, der Schmutz der Jahrzehnte an den WÃ¤nden und ein FuÃŸboden voller LÃ¶cher, eine Auslage mit GemÃ¼se, bei der man sich nicht so recht entscheiden mÃ¶chte, ob das Schwarze in den Ecken Schimmel oder nur Schmodder ist. Um in die Toilette zu gelangen, muss man sich ducken, bei kaltem Wetter schÃ¼tzt ein kleiner Windfang kaum die direkt an der EingangstÃ¼r platzierten GÃ¤ste. Ein gewÃ¶hnlicher deutscher Gesundheitsinspektor wÃ¼ÃŸte gar nicht, wie er seine MÃ¤ngel alle auf dem Formblatt unterbringen sollte. &lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ist es Bestimmung, dass die Suche nach dem perfekten Geschmack nicht auf den Prachtboulevards endet, sondern dort, wo ein gewÃ¶hnlicher Tourist schon fast als Abenteurer gelten mag. Gegrillter Fisch wird hier serviert, dazu zwei Beilagen oder Salat, Kuchen zum Nachtisch - das war&#039;s. Ein Kohlegrill in der durch jenen schÃ¤bigen Tresen abgetrennten KÃ¼chenzeile, davor eine freundliche alte Frau, die den Eindruck erweckt als grille sie schon seit Anbeginn der Zeit ihren Fisch auf diese Weise. Das Rezept ihrer Sauce, wohl aus OlivenÃ¶l, Zitrone und Knoblauch mÃ¶chte sie nicht verraten, mehr dÃ¼rfte aber auch nicht enthalten sein. Die gesamte KÃ¼che besteht neben all den Fischsorten nur aus acht Zutaten: Tomaten, Zwiebeln und SalatblÃ¤tter, dazu Knoblauch, Paprika und Kartoffeln - fertig sind die Beilagen, hinzu kommen OlivenÃ¶l und Zitrone. Der reine Geschmack, die Perfektion, das Atemberaubende kommt aus dem Meer: Man schmeckt es eben doch, wenn der Fisch noch keine 24 Stunden aus dem Wasser ist, wenn er nicht gekÃ¼hlt und transportiert werden musste, sondern direkt aus dem Fischreihafen um die Ecke stammt. Und der EinkÃ¤ufer, wohl der Mann der KÃ¶chin und im TagesgeschÃ¤ft vor allem mit der Bedienung beschÃ¤ftigt, ist ein Meister in seinem Fach. &lt;br /&gt;
Weinkarte? Fehlanzeige. Zwei Hausweine, der weiÃŸe angenehm leicht und so frisch, dass man kein Wasser dazu bestellen mÃ¶chte. Zum Nachtisch gibt es zwei schwere, aus jedem KrÃ¼mel nach jahrzehntelanger Tradition schmeckende Kuchen, im Regal stehen zwei LikÃ¶re und wer mÃ¶chte kann sich einen Espresso bestellen. &lt;br /&gt;
Der Preis fÃ¼r drei gigantische Portionen Fisch (Sardinen, Robalo und Tintenfisch), Pellkartoffeln und Paprika, zwei Flaschen Wein, zwei StÃ¼cke Kuchen, KrÃ¤uterlikÃ¶r und Espresso? 42 Euro. &lt;br /&gt;
Das beeindruckt auf mehrfache Weise und erinnert ein wenig an &lt;stroke&gt;Bertold Brechts&lt;/stroke&gt; Heinrich BÃ¶lls Parabel vom Fischer, der sich im Hafen sonnt. Ein Tourist fragt ihn, warum er nicht mehr arbeitet und zeigt ihm all die MÃ¶glichkeiten auf, die der Fischer mit mehr Geld hÃ¤tte um damit zu enden, dass er dann irgendwann beruhigt im Hafen liegen und sich sonnen kÃ¶nne. &lt;br /&gt;
Dieses Ehepaar hÃ¤tte gewiss mehr MÃ¶glichkeiten. FÃ¼r dieses Essen, so originell und lecker wie es ist, kÃ¶nnte man auch das Doppelte verlangen. Irgendwann wÃ¤re Geld da fÃ¼r ein neues Interieur, zumindest eine GeschirrspÃ¼lmaschine, vielleicht sogar die Miete fÃ¼r einen grÃ¶ÃŸeren Laden in einem besseren Teil der Stadt. KapazitÃ¤t fÃ¼r noch mehr GÃ¤ste, und Mund-zu-Mund-Propaganda. Artikel in Touristenmagazinen, im Sommer lange Schlangen vor dem Haus. Doch was dann? Was, wenn aus der Spelunke in einer schÃ¤bigen Hafengasse die nÃ¤chste In-Kneipe Portos geworden ist? Vermutlich wÃ¼rden die beiden Besitzer dann abends nach getaner Arbeit mÃ¼de und glÃ¼cklich nach Hause gehen. Nichts Neues also.&lt;br /&gt;

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    <pubDate>Sat, 06 Mar 2010 13:11:51 +0100</pubDate>
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