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        <title mode="escaped" type="text/html">Das Krebsrisiko und die Gene</title>
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                Ich habe es getan: Vor einigen Monaten habe ich mir für insgesamt 137 Euro (180 USD) von <a href="http://www.23andme.com">23andme</a> ein Set kommen lassen, in ein Röhrchen gespuckt und meine Gene analysieren lassen. Genauer gesagt wurden über 1 Million SNP-Marker getestest und analysiert. Nun weiss ich, dass meine Haare glatt sind, dass ich Laktose-Tolerant bin, nicht gegen HIV immun und manches mehr. Ausserdem kenne ich gewisse gesundheitliche Risiken. Ich kann das alles so offen erzählen, weil meine Gene nahezu völlig in Ordnung sind und mir ist natürlich bewusst, dass ich bei einer massiv erhöhten Chance auf Parkinson oder Alzheimer vielleicht anders damit umgehen würde. Geringeres Lungenkrebsrisiko als der Schnitt, ebenso Parkinson, die Chance auf Prostatakrebs quasi auf Durchschnittsniveau. Auch Herzkranzgefäßerkrankungen sind bei mir niedriger, nur die Chance auf Fettleibigkeit ist leicht erhöht (janun, ich bin etwas über normalgewichtig) und Diabetes, aber das weiss ich auch schon von der Familie her. All das bedeutet natürlich nicht, dass ich für immer frei von schlimmen Krankheiten sein werde. Nur die bisherigen bekannten genetischen Bedingungen sind erstmal keine Faktoren. <br />
Ausserdem weiss ich, und das der Grund, weshalb ich das ausgerechnet heute schreibe, dass ich keine BRCA-Mutation in mir habe. Das ist die Hauptursache für vererbten Brustkrebs. <br />
<br />
Heute, das ist der Tag an dem <a href="http://www.nytimes.com/2013/05/15/opinion/angelina-jolies-preventive-surgery.html">Angelina Jolie von ihrer doppelten Mastektomie</a> erzählte, weil bei ihr eben diese BRCA-Mutationen vorhanden sind. Sie schreibt darin auch, dass ein Test über 3000 Dollar kostet. Das ist auch richtig. Ein genauer Test lässt sich nur von der Firma Myriad machen, die ein Patent auf das Testen dieser Gene angemeldet hat, das derzeit vor dem Obersten Gerichtshof der USA angefochten wird. BRCA 1 und 2 lassen sich auch mit anderen Methoden wie bei 23andme testen, allerdings <a href="https://customercare.23andme.com/entries/23241132-Does-the-23andMe-service-include-analysis-of-the-BRCA-gene-">lediglich 3 der Mutationen</a> - es gibt einige mehr, die seltener vorkommen aber ebenfalls Brustkrebs hervorrufen können. <br />
Das heisst allerdings immerhin: Wer sich mit 23andme testen lässt und ein positives BRCA-Ergebnis bekommt, ist vorgewarnt, auch wenn es sich andersrum nicht sagen lässt. Ich könnte durchaus noch eine seltene Mutation in mir tragen und damit auch möglicherweise an eine bisher nicht existente Tochter weitergeben. Soviel dazu. <br />
<br />
Will man das alles wissen? Ich sage ja. Denn Wissen heisst: Man kann vorbeugen. Ob es die doppelte Mastektomie ist, um Brustkrebs zu verhindern oder eben die regelmäßige Darmkrebsvorsorge, der Diabetes-Test oder möglicherweise auch der Gang zum Augenarzt, wenn die Chance auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Makuladegeneration">Makuladegenaration</a> erhöht ist. Denn nichts ist schlimmer als kalt erwischt werden. Und wenn ich unausweichlich an einer nicht-heilbaren Krankheit leide? Nun, mir wäre es persönlich lieber, ich könnte mich zehn Jahre früher aufs Blindwerden vorbereiten, möglicherweise eine Blindenschule besuchen, als plötzlich dazustehen und machtlos zu sein. <br />
Und viele viele Krankheiten lassen sich eben vorbeugen, rechtzeitig erkennen, behandeln bevor es zu spät ist. Bastian Greshake hat hierzu vor einiger Zeit auch etwas gebloggt, als er herausfand, dass seine Chance auf Prostatakrebs erhöht war und das auch auf seinen Vater zurückführen konnte, bei dem anschließend ein Tumor im frühesten Stadium gefunden wurde. Dazu kann man <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/bierologie/biologie/2011-05-10/von-verwandschaft-allelen-und-mikropenes">hier</a und <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/bierologie/biologie/2012-04-15/der-prostatakrebs-meine-gene-und-ich">hier</a> viele interessante Sachen nachlesen. <br />
<br />
Kleiner Bonus: Ich habe über 23andme nun mögliche Verwandte dritten bis fünften Grades gefunden, auch dafür gibt es eine Funktion. Eine Person, die leider bisher nicht antwortet, hat den gleichen Nachnamen wie ich angegeben, also entweder direkt oder bei einem ihrer Vorfahren. Auch das ist alles hochspannend. Ich möchte es jedem empfehlen.  
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        <title mode="escaped" type="text/html">Die Re:Publica 2013 in Worten</title>
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                Ankunft, Begrüßungen, Pappkisten, Visuals, Afrika, Begrüßungen, Sonnenschein, Wasserpreise, Kennenlernen, (Nicht-)Wiedererkennen, Computergeschichte, Mass-Customization, Monobloc, Zufallsshirt, Passig, Gespräche, Cybersexism, PennyRed, Applaus, Digitalisierung, Bücher, Deutsche Digitale Bibliothek, Ideen, IT Crowd, Lineham, Humorkonstruktion,  Twittern, Fotografieren, Lobo, Überraschungsvortrag, Langeweile, Bier, Sonnenuntergang, Knutschen, Rausschmiss, Bierpreise, Reden, Schlafmangel, Wolken, Internetaktivismus, Singularität, Instagram, Gespräche, LunchBeat, Zetsche, Autos, Cyborgs, Farblieder, Lovepicking, Diskussionen, Bier, Lampenfieber, Gameshow, Lachen, Wikipedia, Wikimedia, Regenschirme, Applaus, Knutschen, Gespräche, Kamerun, Innovation, Startups, Kulturen, Kühe, Kater, Podcasten, Interview, Urheberrechte, Katzenbilder, Literatur, Schreiben, Doctorow, Faxmaschinen, DRM, Freiheit, Sexismus, Werbungsentfernung, Konfettisierung, Aufschrei, Ernährung, Ai Wei Wei, Verabschiedung, Bohemian Rhapsody, Headbangen, Steak, Anzüge, Zigarren, Gin, Tonic, Bier, Scherben, Ideen, Knutschen, Lachen, Umarmungen, Abschied, Taxi.  
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                Die Sonne feuert Serotonin in unsere Köpfe. Strahl um Strahl. Wir blinzeln. Lächeln uns an. Eine dünne Jacke trennt uns vom Boden, der erst allmählich aus seinem langen Schlaf erwacht. Die kalte Feuchtigkeit der verganenen Monate harrt noch aus, kriecht hier und da durch den Stoff. Wir liegen, sitzen, aufeinander, nebeneinander, miteinander. Nur ab und an ein Windhauch, der ein Bündel Haare zwischen unsere Lippen pustet, ein Lichtreflex, der Punkte auf unseren Augen tanzen lässt. Wir schließen die Augen und tauchen die Umgebung in ein warmes Rot.<br />
<br />
Das Zählen kommt abhanden: Minuten, die verbracht, Sätze die geredet, Fotos die geschossen, Buchstaben die vorgelesen werden. Wir kennen nur die Zahl der Songs auf diesem Album das wir immer und immer hören, der Links-Köpfhörer in ihrem rechten Ohr und umgekehrt. Die Geräusche um uns herum verschwinden, wenn wir uns ansehen. Niemand trommelt, niemand singt mehr. Momente, die sich anfühlen wie zwei ganze Sommer. All die Stunden des Winters verblassen, die schon einzeln ein ganzes Lebensalter schwer waren. <br />
<br />
Wir hören Endless Summer von Fennesz und stellen uns vor, wie das Gras zum Heu wird. Doch die Ballen, auf denen einst Kinder lagen, Stroh kauend und die Ferien lang Himmel guckend, die lassen wir nicht zu, nicht in diesem Park, nicht in diesem Moment, der nur uns gehört. Nostalgie ist eine garstige Falle, die den Genuss all dieser Momente trübt, die für sich genommen ebenfalls in die Erinnerung wandern und irgendwann, vielleicht schon im nächsten Nebel dazu gehören. 
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        <title mode="escaped" type="text/html">Cocktailbar: Gamsei in München</title>
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                <a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/IMG_0662.JPG'><!-- s9ymdb:654 --><img class="serendipity_image_center" width="408" height="306" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/IMG_0662.JPG" alt=""  /></a><br />
München, Geschäftstermin mit anschließendem Essen und Cocktail. Auf Hinweis von Jörg Meyer, dem inhaber des fabulösen "Le Lion" in Hamburg, begeben wir uns ins Glockenbachviertel, genauer zum "Gamsei". Und sind begeistert. <br />
Optisch so ziemlich der genaue Gegenentwurf zum Le Lion. Während letzteres mit luxuriöser und exklusiver Schwere lockt, bietet das Gamsei offene Glasschiebetüren zur Straße hin, schwere Holzbänke, die zu beiden Seiten der Bar Tribünenartig abfallen, wegen des Champions-League-Spiels hängt sogar eine Leinwand mitten im Raum. Von der Decke hängen Steinflaschen. <br />
<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/IMG_06610.jpg'><!-- s9ymdb:656 --><img class="serendipity_image_left" width="245" height="326" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/IMG_06610.jpg" alt=""  /></a>Wir werden begrüßt, der Laden ist voll, die letzten Minuten des Spiels laufen. Eine selbstgeschrieben Karte auf handgeschöpftem Papier gibt uns einen ungefähren Kompass des heutigen Angebots, denn die Cocktails wechseln je nach Verfügbarkeit von Rohstoffen im Tages- oder auch Wochenwechsel. "Wolken Crusta", "Thymian Topaz Fizz" und "Frühlingserwachen" sind unsere Wahl, doch zunächst erhalten wir ein Soda mit etwas Bitter um unseren Geschmack zu neutralisieren (Yeah!) und ein Amuse-Gueule aus geeistem Bierschaum mit Knallbrause (Doppel-Yeah!). Genau auf diesem Niveau bewegen sich auch die darauf folgenden Drinks. Der Fizz leicht, nicht zu sauer, der Thymian darin nicht aufdringlich. Der Wolken-Crusta kommt mit einer echten Wolke, was es genau ist weiss ich nicht, aber es fühlt sich an wie festere Zuckerwatte, die sich im Cocktail schäumend auflöst. Auch dieser Cocktail die perfekte Mischung aus Herb und Süss, aus irgend einem Grund versagen meine Verkostungsnotizen, genauso wie beim Frühlingserwachen, das das auftauen des Schnees (ebenfalls eine Wolke im Glas) symbolisiert, als eine Flüssigkeit darüber gekippt wird. Auch dieser Cocktail leicht, fruchtig, abgerundet mit einem Parfum, das in das steile Glas gesprüht wird. <br />
Wir setzen uns hinein, direkt an die Bar, wo der Zapfhebel aus Gamshörnern besteht. Überhaupt, wofür Zapfen? Der Thymian Topaz Fizz wird vorgemischt, dann Carbonisiert und mit seiner Kohlensäure in einen Druckbehälter gefüllt, so dass er frisch aus der Zapfanlage sprudelt. Die anderen Cocktails werden mit Grammwaage bemessen, auf Schiefertafel serviert, die Zutaten werden allesamt in Steinflaschen aufbewahrt. Ästhetisch aufregend, diese Mischung aus alpiner Rustikalität und Halbmoderner Molekularküche, geschmacklich herausragend. <br />
<br />
<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/IMG_0668.jpg'><!-- s9ymdb:655 --><img class="serendipity_image_left" width="245" height="326" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/IMG_0668.jpg" alt=""  /></a>Der Höhepunkt des Abends kommt jedoch, als ich den letzten Cocktail bestelle. Birne mit Birne und Birne. Frucht, Saft und Destillat. In einem Glas der Saft, daneben eine Stickstoff-Geeiste Birnenscheibe auf Birnenschnaps. Alle drei Produkte vom gleichen Produzenten, um Harmonie zu garantieren. Und ja, Harmonie. Der Wahnsinn. Erst das Riechen Stickstoffnebel, dann das Nippen am Schnaps, dann der wundervolle Saft und zum Abschluss alles zusammen - genial! <br />
Das Gamsei ist gerade einmal fünf Wochen alt und macht einen großartigen Job. Wiederkommen werde ich definitiv, dann gibt es hoffentlich auch wieder Foodpairing, das wegen des Fussballs ausfallen musste. Denn eigentlich hat der Laden auch eine Küche, die zu den Cocktails passendes Essen serviert. Ich bin gespannt!  
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        <title mode="escaped" type="text/html">Netzneutralität in einem Bild</title>
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                Im September 2007 verbloggte ich ein Bild, das die Sache mit der Netzneutralität so einfach erklärte, dass ich mich heute, fast sechs Jahre später, noch daran erinnern kann. Drum verblogge ich es nochmal. Ist ja wieder Aktuell, das Thema. <br />
<br />
<!-- s9ymdb:620 --><img class="serendipity_image_center" width="595" height="406" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/netneutrality1.jpg" alt=""  /> 
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            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Dieses Jahr war ich irgendwie nicht schlau genug, um einen guten Vortrag auf der Re:Publica einzureichen. Also habe ich mich mit dem guten @yetzt hieningemogelt und eine Gameshow angemeldet. Mäßig toller Titel der Veranstaltung: "<a href="http://re-publica.de/sessions/six-degrees-wikipedia">Six Degrees of Wikipedia</a>". Ja kann man optimieren, aber die Grundidee war eben wie bei den Six Degrees of Separation, die besagen dass alle Menschen einander über maximal sechs Ecken kennen, dass doch auch die Wikipedia komplett miteinander verbunden ist. Wir werden das zum ersten Mal probieren. Keine Ahnung ob es läuft oder nicht. Aber auch das macht den Reiz aus, finde ich. <br />
<br />
Die Idee? Zwei Teilnehmer/innen, beide bekommen einen Begriff in der Wikipedia genannt, dann einen zweiten. Dann müssen sie sich vom einen zum anderen hangeln. Kategorien sind verboten, Back-Buttons auch, alles was nicht direkter Link im Artikeltext ist. Punkte gibt's für Geschwindigkeit und Kreativität, letzteres entscheidet das Publikum, das auch sonst gerne eingeladen ist, mitzumischen und Verwirrung zu stiften. <br />
Ausserdem haben wir noch 2-3 ganz lustige Ideen, die wir jetzt noch nicht verraten. Stattfinden wird das ganze am Dienstag Abend um 20 Uhr auf Bühne 6. <br />
<br />
P.S: Jaja nach Einreichung und so haben wir herausgefunden, dass es irgendwo auf Youtube namens "Wiki Wars" gibt, die sowas ähnliches macht. Aber wir hatten die Idee ganz unabhängig davon.  
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            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Ich lief gerade die Straße entlang, als mir ein plötzliches Glückseligkeitsgefühl Tränen in die Augen trieb. Einfach so. Nun, ich hatte ein tolles Wochenende mit fantastischen Menschen. Vor allem aber habe ich gestern Nacht durchgefeiert. Und zwar ohne müde zu werden. Im Gegenteil, als ich um halb 9 aus dem Club gestolpert bin war ich Hellwach. Als ich nach drei Stunden Schlaf aufgestanden bin, um den Geburtstag einer Freundin mit Kaffee und Kuchen zu begehen war ich müde, fertig, aber nicht hoffnungslos zerstört. <br />
Kaffe und Kuchen. Vor ziemlich genau einer Woche habe ich zum letzten Mal ein koffeinhaltiges Getränkg zu mir genommen. Vermutlich eine Cola. Die anschließende Schokolade war zudem das letzte Mal, dass ich ein Produkt zu mir genommen hat, das mehrheitlich aus Zucker besteht. Seit Montag früh keine Schokolade, keine Gummibärchen, Cola, Kuchen, Kaffee, nix. Gut, dass ich mir eine Urlaubswoche dafür ausgesucht hatte, denn die ersten Tage waren schrecklich. Diese wahnsinnige Müdigkeit trotz mehr als 10 Stunden Schlaf, den konstanten Drang, doch irgendwas süßes zu essen, totale Appetitlosigkeit den gesamten Tag, bis abends um 11 dann endgültig der Hunger reinschlägt. Dummerweise war ich genau zu diesem Zeitpunkt nur in Nähe eines McDonalds. Die Sauce auf einem BigMac enthält, falls ihrs genau wissen wollte, genug Zucker um einen Menschen auf Entzug zum Wahnsinn zu treiben. <br />
Bis Mittwoch war ich so weit, dass ich mich bei Freunden über eine depressive Phase ausheulte. Ich glaube, der Tag stellt mit einen Rekord für unproduktivität auf. Und ich meine keine einfache "Ich habe mal gegammelt oder war Wandern weil war ja Urlaub"-Unproduktivität. Ich meine auf der Couch sitzen und sich elend fühlen. <br />
Donnerstag war die Müdigkeit weg. Ich war aufgewacht und fühlte mich fit. Ohne Koffein. Mit regelmäßigem, gar nicht übertriebenen Koffeinkonsum habe ich das in den letzten Monaten nie gehabt. Ein ständiger Kampf mit dem Wecker, halbwegs wach fühlen erst nach einem Espresso. Ich fuhr nach Berlin und verbrachte die letzten vier Tage dort. Seit Samstag habe ich das Gefühl nicht mehr, Süßigkeiten essen zu wollen. Ich kann in einen Kiosk laufen, an zwanzig Tafeln Schokolade vorbei, es macht mir nichts. Mein Appetit ist wieder da, ich habe ganz vorzüglich gegessen in Berlin, aber vor allem bin ich wach. Ich bleibe länger auf, ohne die ganze Zeit gähnend in der Ecke zu sitzen, ich bin tagsüber trotz Schlafmangels nicht übermäßig kaputt oder müde. Alles in allem fühle ich ziemlich lebendig. <br />
<br />
P.S: Klar, es ist erst eine Woche her und heute hat die Sonne einen ganzen Haufen Serotonin über uns gekippt. Aber es ist ja nicht so, dass meine Erzählung präzedenzlos wäre. Der Lifehacker hat das mal ganz gut zusammen geschrieben, hier zu <a href="http://lifehacker.com/5585217/what-caffeine-actually-does-to-your-brain">Koffein</a> und dort zu <a href="http://lifehacker.com/5809331/what-sugar-actually-does-to-your-brain-and-body">Zucker</a>. Moeffju hat auch vor Jahren mal einen <a href="http://moeffju.net/slides/koffein.html">zu Koffein und Produktivität</a> gemacht. Zum Teil bin ich auf meine Beweggründe auch schon eingegangen, in Kurzform: Weil ich viel zu viel Zucker konsumiert habe. Und weil ich schlecht geschlafen habe. Und weil eigentlich jegliche wissenschaftliche Erkenntnis, gerade über raffinierten Zucker, ganz schön schrecklich klingt, wenn wir mal ehrlich sind.  
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        <title mode="escaped" type="text/html">Geschichten</title>
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                Eigentlich könnte man ja auch mal mehr über die Geschichten schreiben, die man so erlebt oder hört. Zum Beispiel vom Studienkollegen meiner Ex-Freundin, der einst über einem Metzger wohnte. Dort gab es ein Problem mit Ungeziefern. Das hatte sich in den Folgetagen nicht ganz geklärt und ihm war auch nicht bewusst, ob die Ursache, eben jene Metzgerei, auch schon informiert worden war. Also ging er in den Laden und fragte den Inhaber ganz vornehm und leise "Hat der Vermieter schon mit Ihnen über <u>das Problem</u> geredet?". Die Antwort hingegen war laut, er verstehe nicht ganz, was denn gemeint sei? Erst nach dem dritten, nachdrücklichen "Na, das <u>Problem</u>" verstand der gute Mann und rief, so dass seine versammelte Kundschaft ihn hören konnte "Ach, die Kakerlaken meinen Sie!".<br />
<br />
Weswegen ich ja Jahre später ebenfalls immer noch kichern kann, ist diese Zugfahrt, als ich neben einem älteren Herrn aus Nigeria saß. Ein Übersetzer, vor allem für Rechtsdokumente für zwei der dort verbreiteten Sprachen. Das war so eine Zeit, als ich mich gerade ein wenig mit Afrika beschäftigt hatte, und so unterhielten wir uns über Sprachen aus seinem Land, den Niger-Kongo-Sprachstamm, Bantusprachen und alles mögliche, ich war mehr interessiert als ahnungsvoll aber ihn hatte es immerhin erfreut, dass jemand neben ihm sitzt, der tatsächlich schon ein bis drei Begriffe gehört hatte. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, eine grobe Mischung aus Smalltalk und ernsthaft interessanten Dingen. Schließlich ging er ins Bordrestaurant, ließ aber seine Akten auf dem Tisch liegen. Ich setzte mich wieder an meinen Laptop, legte aber Kabel und auch ein iPad auf seinem Sitz ab, um ein wenig Platz zu schaffen. Nach einer ganzen Weile kam er wieder und sprach mich in freundlichem Ton und einem leichten Grinsen an und sagte: "Entschuldigung, Sie haben da meinen Sitz kolonisiert." 
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        <title mode="escaped" type="text/html">Die Werbung, die Werbung</title>
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                Das Geschrei ist groß, die Bahn möchte meine Vielfahrer-Bahnbonus-Daten verkaufen. An Versicherungen! <br />
Auch ich, seit einigen Jahren Sammler dieser Punkte habe kurz gestutzt. Was soll denn eine Versicherung mit meinen Daten wollen? Meine Feuerschutzprämie erhöhen, weil ich seltener zuhause bin? Die Krankenversicherung erhöhen, weil ich im kalten Berlin natürlich ein höheres Erkältungsrisiko habe als im wärmeren Süden? <br />
Ach, Werbung! <br />
Es klingt bisweilen so, als sei die Apokalypse von besonders maßgeschneiderten Kaufangeboten gepflastert. Mich nervt das. <br />
Es gibt 99 Probleme mit dem Sammeln, Speichern und Verarbeiten von personenbezogenen Daten, aber Werbung ist verdammt noch mal keins. Es ist mir egal, wie viele Mails von Banken, Versicherungen oder Sex-Shops ich bekomme. Ich kann die filtern. (Und ich spreche jetzt nicht von Spam im "Wir umgehen Filter mit perfiden Tricks"-Sinne). Es ist mir auch egal, ob Briefe in mein Haus flattern, die mir etwas verkaufen wollen, denn ich habe einen Papierkorb. <br />
Und wenn diese Briefe oder Mails mir etwas verkaufen möchten, das ich möglicherweise sogar nützlich finde, ja bitte! Weil das, was ich bisher bekomme, versucht größtenteils eine Erektile Dysfunktion zu beheben, die ich gottseidank noch nicht habe. <br />
Wovor ich wirklich Sorge habe, ist dass meine Reisedaten (Genauso wie meine Telekommunikationsdaten, mein Kaufverhalten per EC- und Kreditkarte und all das andere) gegen mich genutzt werden. Dass ich gewisse Angebote nicht bekomme. Dass ich mein Verhalten ändere, weil meine Freiheiten eingeschränkt werden könnten. Dass meine Unfall-Versicherung mich hochstuft, weil ich einmal zu oft mit dem Zug (oder Flugzeug) in die Alpen gereist bin, um Snowboard zu fahren. Dass meine Autoversicherung meine Foursquare-Daten nutzt, um meine durchschnittliche Reisezeit aus Check-Ins zu errechnen. Dass irgendwer mich unter druck setzt, weil ich irgendwo Dinge geschrieben, gesagt oder gedacht habe. Das alles sind ernsthafte Gründe, um sich damit zu beschäftigen, wer wann wo welche Daten haben sollte, wie wir damit als Gesellschaft umgehen und wie wir in Zukunft leben wollen. <br />
Werbung gehört nicht dazu. <br />
 
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        <title mode="escaped" type="text/html">Wein</title>
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                Langsam nähere ich mich dem Wein. <br />
Wenig ist so sehr mit der Weinkennerei konnotiert wie die Prahlerei. Und die Leidenschaft. Vielleicht gehört das auch zusammen, meist trennen sich die Wege der Weinkenner aber genau dort, wo die einen sich nochmal die Flasche zeigen lassen und die anderen bei einem Rotwein lautstark "Das is sicher ein Sauvignon Blanc" dazwischen brüllen. Und natürlich dazwischen tausende von Graustufen. <br />
Ich bin in einem Weinbaugebiet aufgewachsen. Die nächsten Reben standen Luftlinie vielleicht 300 Meter von unserem Haus entfernt. Und dennoch konnte ich, bis ich Anfang 20 war, maximal gerade so roten von weißem Wein unterscheiden. Ich hielt Merlot und Rioja für vergleichbare Begriffe, machte gelegentlich ignorante Scherze über Jahr- und Abgänge und manchmal bekam ich Sodbrennen. <br />
Dann war Sommer und ich saß an meinem zweiten Tag in der Feinschmecker-Redaktion bei einer Weinprobe. 38 Flaschen Gran Reserva Rioja. Angestrengte Atmosphäre, gelegentliche Diskussionen, viel Stille. Sommelliers und andere Experten, die andächtig schnüffelten, schlürften, schluckten, spuckten. Am Ende war ein ganzes Waschbecken voller mundgespülter Weine mit Preisen von bis zu 75 Euro pro Flasche. Krasse Welt. Ich war nach dem dritten oder vierten Wein hoffnungslos überfordert, auch wenn ich an diesem Tag lernte, wie ein Korkfehler schmecken und riechen kann und warum Korkfehler nichts mit Korken sondern mit chemischen Prozessen zu tun haben. <br />
Ich wandte mich vertrauensvoll an einen Weinkenner in der Redaktion. "Sagmal, ich habe wirklich keine Ahnung von Wein, aber möchte mich damit beschäftigen, wie nähere ich mich dem Thema? Wie hast du das gemacht?" <br />
Der erste Teil seiner Antwort war weniger ermutigend als der zweite. "Weißt du, ich komme auch aus dem Badischen. Mit 12, 13 habe ich zum ersten Mal Wein getrunken. Ich habe mich seitdem immer damit beschäftigt, schon damals viel Geld ausgegeben. Seit vielen Jahren mache ich Verkostungsnotizen, habe Praktika bei Parfumeuren gemacht, um meine Nase fortzubilden, mir ein Geruchsgedächtnis angeeignet." Nun, das werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen, dachte ich mir. Nicht, dass ich Ambitionen auf einen Redakteursposten hätte, aber so ein kleines, erreichbares Ziel, das wäre ja schon nett. Dann sagte er: "Anfangen kannst du aber immer. Nimm doch einfach mal drei verschiedene Weine, setz dich hin, probier sie durch und schreib dir auf, was dir in den Sinn kommt. Dann stellst du die Flaschen weg, mischst die Gläser durch, und versuchst anhand deiner Notizen die Weine zuzuordnen."<br />
Wie toll! Und praktisch! <br />
Im letzten halben Jahr habe ich es immer noch nicht geschafft, Merlot von Syrah, Tempranillo oder Cabernet Sauvignon zu unterscheiden. Auch Riesling und Grauburgunder sind für mich noch irgendwie eins. Aber ich habe das mit den Verkostungsnotizen angefangen. Mal bestellte ich auf Hinweis spanische und italienische Rotweine, mal waren es Verkostungsreste.<br />
Vorgestern war wieder Weinprobe. Steirische Sauvignon Blanc. Und nach einer solchen Probe werden angebrochene Flaschen rausgestellt. Wer mitnehmen möchte, der darf, sonst wird das ja alles schlecht. Ich nahm also mit und probierte. Und erkannte Unterschiede! Mineralien, Ananass, Erdbeeren. Ich schrieb auf. Begeistert. <br />
Wo stehe ich also? Sehr am Anfang. Aber ich merke, dass sich Zunge und Nase langsam weiterbilden. Ich glaube, der Technik langsam auf die Schliche zu kommen. Und ich habe irre viel Spaß dabei. Ich gebe gerne Geld aus für eine gute Flasche, bleibe dabei meist strikt unter der selbstgesetzten 15-Euro-Pro-Flasche-Marke und werde sicherlich bald wieder berichten. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, werde ich auch irgendwann mal in einer Diskussion sitzen und sagen "Klar, das Weingut. Großer Wein, der 2011er!" Nur so zum Spaß. <br />
 
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        <title mode="escaped" type="text/html">Olivenöl</title>
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                Eine der vielen angenehmen Seiten meines Jobs ist, dass ich mich recht detailliert mit den Redaktionsabläufen und Inhalten des Magazins "DER FEINSCHMECKER" beschäftigen darf. Das heisst weder, dass ich wöchentlich die Drei-Sterne-Restaurants der Republik abklappere, noch dass ich den ganzen Tag teure Weine probieren darf. Aber ja, die ein oder andere Verkostung habe ich schon mitgemacht. Von Rotwein (Rioja, Gran Reserva), Cava, Gewürzmischungen und Olivenöl. Olivenöl fand ich besonders faszinierend. "Wie, ihr probiert da wirklich mehrere Öle nacheinander?" - "Ja, so 800 innerhalb einer Woche". Auch meine bisherige Vorstellung von gutem Öl ward, sagen wir mal, durcheinander gewirbelt. Das, was ich bisher für gutes Öl hielt, wurde mit einem lächeln als "okay" abgetan. Ich lernte, dass "Extra Vergine" als Label völlig missbraucht wird. Dass es ohnehin keine genießbare Warmpressung und auch keine zweit- und drittpressung gibt. Dass nur ein kleiner Prozentsatz sich überhaupt für Öl eignen, bei den Mengen auf dem Markt also garantiert Schindluder betrieben wird. Ich erhielt von den geschätzten Kollegen drei Öle. Allesamt fruchtig, ausgewogen, lecker. <br />
<br />
Dann war ich im Spätherbst bei der Vorstellung von "Oleum" eingeladen. Ein Buch über das Olivenöl, geschrieben von Carlos Falcó, übersetzt und annotiert von meinem Kollegen Miguel Montfort. Gutes Öl hatte ich nun also probiert, viel über die Herstellung gelernt. Aber was sind die Unterschiede? Die Nuancen? <br />
<br />
<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/olivenoel.jpg'><!-- s9ymdb:650 --><img class="serendipity_image_left" width="480" height="640" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/olivenoel.jpg" alt=""  /></a><br />
Nun, letzte Woche tagte die Jury des Olio Award 2013 und bereits in der Vorrunde durfte ich daran teilhaben, wie mehrere hundert Öle verkostet wurden. Eine völlig erstaunliche Prozedur. Konnte man mir anfangs noch alles mögliche unter die Nase halten und ein "Ist doch lecker" zur Antwort bekommen, lernte ich allmählich kennen, was "Ranzigkeit" oder "Produktionsfehler" so bedeuten. <br />
Ranz, der beginnt nicht, wenn das öl sieben Jahre lang abgestanden ist. Unfeinheiten nicht erst, wenn das öl nach Lösungsmitteln riecht. Mit der Zeit, fünfzig, hundert Ölen, gewinnt man Sicherheit. <br />
In der Hauptrunde saßen dann renommierte Olivenöl-Experten zusammen um all jene Öle zu verkosten, die keine offensichtlichen Fehler hatten. Sechzig Stück pro Person und Tag. Matteo Bonoli aus Bologna zum Beispiel, Lebensmittelchemiker, der an der Universität ständig Olivenöl-Panel-Verkostungen durchführt. Dr. Horst Schäfer-Schuchardt, Journalist und seit Jahrzehnten Experte für Öle mit der ständigen Aufgabe, die Machenschaften der Billig-Öl-Industrie aufzudecken. Auch hier lernte ich viel dazu. Konnte ich zu Anfang noch grob sagen, "ja, hat keinen Fehler" - denn das hatte ich ja gelernt, war es nach einiger Zeit so weit, dass ich die verschiedenen Parameter von "Komplexität" und "Harmonie" ein wenig bewerten konnte. Mir fielen Öle auf, die zwar eine hohe Komplexität hatten, aber einen unsauberen scharfen oder bitteren Unterton und dementsprechend nicht sonderlich harmonisch waren. Ich bemerkte jene runden und harmonischen aber auch uninteressanten, ohne Höhen und Tiefen. <br />
Bin ich nun ein Experte? Bestimmt nicht. Die enormen Feinheiten, aufgrund derer manche Kollegen gewisse Öle als "unsauber" klassifizieren, das ist jahrelanges Training und eine faszinierende Leidenschaft. Aber es war ein spannendes Projekt. Und wer gewonnen hat, das steht dann ab ca. Juni auf <a href="http://olivenoeltest.de/">olivenoeltest.de</a> - sowie in Ausgabe 6 vom Magazin DER FEINSCHMECKER, ab 15.5. im Handel. <br />
<br />
<strong>Update:</strong> Ja, Olivenöl geht im Salat. Aber gutes Olivenöl eignet sich für fast alles. Ein gutes Olivenöl kann ebenso auf den Tisch gestellt werden wie Salz und Pfeffer. Es verfeinert, gibt Aroma, macht fast jede Speise besser.  
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        <title mode="escaped" type="text/html">Glass als Anfang</title>
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                TLDR: Wir brauchen dringend ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Technik<br />
<br />
Überall fotografieren, überall fotografiert werden können. Spätestens mit Glass, der Augmented-Reality-Brille von Google, wird die Zukunft ein wenig stärker verbreitet sein. (Dies bezieht sich natürlich auf das Zitat von William Gibson, "The future is already here - it's just not very evenly distributed."). Vielen Menschen macht das Angst. Einige kolportieren gar, die Brille fotografiere ständig, andere rufen zum Zerstören der Geräte auf. Der Verlust der Privatsphäre, das ganze Leben in der Cloud, weit weg von der eigenen Kontrolle, in den Händen weniger Großkonzerne und mittelbar auch vom Staat. Repression, Verhaltensänderung. Dystopie in Form eines Brillengestells.<br />
<br />
Als vor etwa zehn Jahren in jedes neue Mobiltelefon eine Kamera eingebaut wurde, war die Panik ebenfalls groß. Schon bald würde es unzählige Spannerbilder geben, in den Umkleiden von Schwimmbädern und Sporthallen geschossen. Die Forderung damals: Es müsse ein Auslösegeräusch geben. Fest eingebaut ins Telefon. Manche lachten, andere zogen sich lieber zuhause um. Darüber ernsthaft geredet hat niemand. Klar, es gibt im Bereich von (freiwilligen) Nacktfotos Sexting-Diskussionen, die zum Teil mehr von Prüderie getrieben sind als von der Frage der Privatsphäre und des Kontrollverlustes, aber einen ernsthaften Konsens in der Gesellschaft darüber, dass man Menschen auch mal fragen darf, bevor man sie fotografiert, gibt es nicht. Plötzlich hat die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung eine Kamera in der Hand, die bessere Bilder schießt als die meisten Spiegelreflexkameras vor 20-30 Jahren. Verantwortlicher Umgang? Nun.<br />
<br />
In etwa zehn Jahren wird Google Glass uns vorkommen wie die ersten verpixelten 320×200-Kameras in Mobiltelefonen. Wo es hingeht weiß ich nicht, aber im Raum stehen Technologien wie <a href="http://www.engadget.com/2012/12/10/researchers-contact-lens-lcd-display/">Kontaktlinsen</a>, <a href="http://io9.com/5985558/temporary-tattoos-could-make-electronic-telepathy-and-telekinesis-possible">aufklebbare Schaltkreise</a> mit eingebautem EEG oder auch <a href="http://www.gizmag.com/black-hornet-nano-uav/26118/">winzige Drohnen</a>, die zum ständigen Begleiter werden. Vermutlich sieht das Glass des Jahres 2023 ganz anders aus. Vielleicht haben wir ja irgenwann künstliche Augen. Auch Menschen, die heutzutage blind sind und sich etwas wie einen Geordi-La-Forge-Visor (oder diese Augen aus dem letzten Star-Trek-Film mit ihm) wünschen. Es wird gutes kommen und schlechtes, so ist das mit der Technik. Sie beschleunigt und entschleunigt unser Leben. Sie optimiert unsere Arbeit und nimmt uns Produktivität mittels Katzenbildübertragung. Sie macht uns sozial, sie macht uns einsam. Sie erlaubt uns das Böse zu dokumentieren und das Gute. Das, was nie öffentlich werden soll, hat zwei Seiten. Und hätten wir keine Digitalkameras, gäbe es vielleicht weniger intime Bilder im Netz, aber eben auch weniger Fälle von dokumentierter Polizeigewalt.<br />
<br />
Wir reden also nicht von diesem einen Gerät. Wir reden nicht einmal von einer Gerätekategorie. Und wenn doch: Es gibt da draussen auch Leute, die einen <a href="https://apollo.open-resource.org/lab:dspace">D-Space aufbauen wollen</a>. So wie in Daniel Suarez' Daemon. Wäre das nicht cool? <br />
<br />
Glass, mit Anbindung an Google, ist also ein Extrem. Insgesamt ist die ständige Fotografiermöglichkeit aber eine Technologie (und zwar unabhängig von der Herstellerin), die möglicherweise so disruptiv wird wie keine zweite in diesem Jahrzehnt. Es wird Berichte geben von Prügeleien wegen eines Brillengestells, es wird Menschen in Dienstleistungsbereichen geben, die Angst haben, zur Arbeit zu gehen. All das wird sich aber nicht technisch verhindern lassen, und ich zweifle auch daran, dass die Kulturtechnik "Gesetz" etwas daran ändern kann.<br />
<br />
Wir brauchen also eine gesellschaftliche Debatte. Wir müssen darüber reden, wie wir alle damit umgehen wollen, und zwar ohne in Paternalismus zu verfallen. <br />
Technische Lösungen, Kontrollmechanismen, scharfe Gesetze, das macht mir Angst. Genauso wie ich nicht an jeder Ecke einen Körperscanner haben möchte, nur weil es Waffen gibt, möchte ich keine Störgeräte oder Kameradetektoren. Wir müssen darüber reden, wann es okay ist, zu Fotografieren - und wann nicht. Wir müssen uns klar machen, dass es Graubereiche geben wird, Definitionsunschärfen. Es gibt viel zu reden. Aber weder eine "Ist-doch-alles-egal"-Haltung noch eine maschinenstürmende Technikfeindlichkeit werden uns voran bringen. Schon gar nicht, wenn wir auf der Basis von einzelnen Gerätschaften debattieren. Denn während die eine Firma gerade noch das Produkt "Glass" marktreif macht, forschen mit Sicherheit viele andere schon an der nächsten Generation.<br />
 
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        <link href="http://www.zeitspuk.de/archives/885-Ausstellung-Streetart-meets-Retrogames.html" rel="alternate" title="Ausstellung &quot;Streetart meets Retrogames&quot;" type="text/html" />
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        <title mode="escaped" type="text/html">Ausstellung &quot;Streetart meets Retrogames&quot;</title>
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                <a href="http://www.welove8bit.blogspot.de/">"Streetart meets Retrogames"</a>, schönes Thema. Nach unzähligen Space-Invadern und 1UP-Pilzen, Tetris-Blöcken und PacMans an Häuserwänden jetzt eine Ausstellung, in Hamburg.  Zwar in einem kleinen unabhängigen Veranstaltungsort und nicht im großen Museum, aber trotzdem cool. Eine ganze Reihe Bilder, aber auch Objekte, Skulpturen, Reliefs, die sich mit Mario, Space Invaders, dem Atari 2600 oder dem Gameboy auseinander setzen. Von konkret (Zombifizierte Mario-Statue) über meta (Die Tetris-Melodie auf Noten abgedruckt) bis abstrakte Kollagen. Dazu ein aus altem Holz und anderen Restmaterialien zusammen gebastelter Retro-Computer-Tisch und zig übergroße NES-Cartridges aus Pappe die von verschiedenen Künstlern gestaltet wurden. <br />
Insgesamt eine kleine aber sehr feine Ausstellung, die leider nur noch bis morgen, 17 Uhr läuft. Wer aber noch Zeit hat, dem sei ein kurzer Besuch (30 Minuten reichen) empfohlen!<br />
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Ausserdem gab's da dieses Bild  mit dem Namen "Du kämpfst wie eine Kuh". Ich weiss nicht mehr von wem. Darin ein Luke Skywalker der gegen irgend ein abstraktes Sith-Lord-Mäßiges Monster im Monkey-Island-Style Laserschwert-Kämpft und sagt "Luke behind you, a three headed monkey". Nun. Am meisten gefiel mir dabei Grundkonzept weil da ein goldener Bilderrahmen drumrum war. So ein alter. Deshalb habe ich nun die Idee, einfach coole Retrogame-Screenshots zu machen und die auf Leinwand zu drucken und dann in alte Bilderrahmen aus dem Flohmarkt einzuspannen. Sieht sicher sehr fancy aus. Weitere Bilder finden sich im Folgenden übrigens.<br />
Man konnte die Dinger auch kaufen, je nach KünstlerIn und Objekt zwischen 200 und 10000 Euro, leider waren die wirklich tollen Sachen so zwischen 800 und 1000 und damit über momentanen Budgets. Bau' ich mir meine Retrogame-Kunst eben selbst. Wer hat coole alte Bilderrahmen abzugeben?<br />
<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1716.58.21.jpeg'><!-- s9ymdb:647 --><img class="serendipity_image_center" width="200" height="150" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1716.58.21.serendipityThumb.jpeg" alt=""  /></a><br />
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<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1716.58.15.jpeg'><!-- s9ymdb:646 --><img class="serendipity_image_center" width="150" height="200" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1716.58.15.serendipityThumb.jpeg" alt=""  /></a><br />
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<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1716.58.09.jpeg'><!-- s9ymdb:645 --><img class="serendipity_image_center" width="200" height="150" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1716.58.09.serendipityThumb.jpeg" alt=""  /></a><br />
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<a class="serendipity_image_link"  href='http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1717.02.38.jpeg'><!-- s9ymdb:649 --><img class="serendipity_image_center" width="200" height="150" src="http://www.zeitspuk.de/uploads/2013-02-1717.02.38.serendipityThumb.jpeg" alt=""  /></a> 
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            <name>julian</name>
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                Hier könnte jetzt eine tolle Konzertkritik stehen, über Foxygen. Aber dann war dieser Tag! Viel zu tun, Mittagessen verpasst, kein Problem dachte ich mir, auf dem Weg zum Molotow noch einen dieser vermeintlich leckeren Döner bei meinem bisher-lieblingsladen hier in der Nähe geholt. Dann Eintritt gezahlt, ein Bierchen getrunken und plötzlich froh gewesen, dass da ein Sessel steht. Irgendwie bis Konzertbeginn durchgehalten, beschlossen, dass das alles ganz schön super ist und den rest des Abends und der Nacht nicht mal Wasser bei mir behalten können. <br />
36 Stunden später davon getwittert und gleich Reaktionen erhalten, man möge doch zum Gesundheitsamt gehen. Richtig, eigentlich, aber kann ich's wirklich 100% auf den Dönerladen zurück führen? Und, ganz ehrlich, wären die Reaktionen, der Reflex, auch so groß, hätte ich ein Schnitzel bei Ernas Bude an der Ecke gegessen? <br />
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Noch schlimmer als das verpasste Foxygen-Konzert ist jetzt aber das verpasste Kendrick-Lamar-Konzert. Gut, Kendrick hat nur 2012 eines der besten Alben gemacht, Foxygen sowohl 2012 als auch 2013, aber Kendrick... Wow. Immer noch der beste HipHop derzeit. Gut, es gab keine Karten mehr, Konzert schon seit Wochen ausverkauft, aber für Kendrick hätte ich mich sogar vor den Bunker gestellt und Leute angehauen. Von mir aus sogar mit peinlichem "Suche Karten"-Schild. <br />
Apropos Alben 2013: Toro y Moi hatte ich ja schon in meinem 2012er-Rückblick angesprochen. Dazu Foxygen und nun sind auch noch die neuen Alben von Autre Ne Veut und Autechre geleakt. Schön. Bei My Bloody Valentine hingegen muss ich ja leider sagen, dass an Loveless von 1991 doch so schnell nix mehr ranreichen wird. Zurück zu Konzerten: Ich werde nächste Woche Yoko Ono in Berlin verpassen. Damn!<br />
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Ansonsten habe ich angefangen, House of Cards zu gucken, das gefällt. Und Black Mirror, das verstört. Und gefällt. Überhaupt, Charlie Brooker. Das was Hans-Joachim Heist (Gernot Hassknecht) da in der Heute Show versucht, wenn er rantet? Das hat er bei Charlie Brooker abgeguckt. Nur dass Brooker eben lustig ist. <iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/zJLU8wG_9ow" frameborder="0" /></iframe><br />
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Ausserdem hat Brooker mehrere Jahre lang Guardian-Kolumnen über Fernsehen geschrieben, die es auch als Bücher gibt und bestimmt 2000 andere Dinge getan. Nun eben eine eigene Fernsehserie und die brilliant. <br />
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Das war's eigentlich für dieses Wochenende. Meinen Plan, mal über gutes Essen und Trinken zu bloggen verschiebe ich lieber auf eine Zeit, in der mein Körper sich entsprechend fühlt.  
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        <title mode="escaped" type="text/html">Ein Jahr Hamburg</title>
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                Und dann fiel mir letzte Woche auf, dass der "Ich bin ja noch gar nicht so lange hier"-Spruch nicht mehr zieht. Ein Jahr war's am 30.1. Eine völlig unsortierte Rekapitulation, bei der viele Dinge fehlen.  <br />
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Es sind manchmal die ganz kleinen Dinge, die einen Umzug kompliziert machen. Das mit der Wohnung war anfangs durch ein "Kann ich für ein paar Wochen bei dir pennen?" bei einem Freund geklärt, das mit dem Umziehen durch zwei mal Kofferschleppen plus einen Bekannten, der beruflich öfter mit dem Auto hier ist und mir einige weitere Sachen hergeschleppt hat. Ich war ja autonom, Fahrrad im Koffer, ansonsten nur Klamotten und Gadgets. <br />
Aber dann stehst du abends im Supermarkt und bist überfordert, weil es den Schwarzwälder Joghurt nicht gibt, weder mit Johannis- noch Erdbeer. Und überhaupt, wo ist eigentlich hier ein DM? Stellt sich raus, Budnikowski ist die lokale Drogeriekette und die führt auch die DM-Eigenmarken. Immerhin. <br />
Irgendwie hatte ich mir das dann aber auch mit den Leuten anders vorgestellt. Kam ja aus einer Kleinstadt und in den Kneipen auf dem Platz vor meiner Wohnung trafen sich eh immer alle. Hier verläuft es sich. Und unter der Woche ist Hamburg auch recht arbeitsam. Also war ankommen und Freundeskreis bauen auch nicht soo easy, ein paar Leute aus dem Club und nach und nach lernte man eben tolle Menschen kennen. Inzwischen habe ich hier einen Freundeskreis. Schön. <br />
Ich hatte ja generell keine Ahnung von Hamburg. "Ist toll dort" war ungefähr alles was ich wusste. Einmal war ich dagewesen für 24 Stunden, hatte einen Vortrag gemacht und mich mit ein paar Leuten getroffen, aber sonst? Dieses ganze Alsterding, die Elbe, wo überhaupt welche Stadtviertel sind... Hamburg erklärt sich gar nicht so ganz einfach, Berlin habe ich schneller verstanden und dabei habe ich dort nie gewohnt. <br />
Aber ja, schön ist's. Die ersten "Schön"-Erinnerungen sind eine zugefrorene Alster, morgendliche Fahrten mit der U3 entlang der Landungsbrücken, Sonntage in der Kopiba, später dann Picknicken am Kanal oder ausserhalb des Stadtpark-Openairs, wo man immer noch zuhören kann ohne zu zahlen. <br />
Überhaupt, Konzerte. Zu ca. 15 Stück wollte ich, zu sechs habe ich es geschafft. M83, Xiu Xiu, Swans, Mouse on Mars, Why?, Dead Can Dance - alle waren sie gut. Und es ist ein schönes Gefühl, endlich an einem Ort zu sein, wo Musiker auftreten, die ich auch mag. Überhaupt war das mit der Großtadt eine sehr gute Sache. Auch wenn mein Herz wohl langfristig an Berlin hängt, aber ich hätte schon vor vielen Jahren aus Karlsruhe wegziehen sollen. Ganz unabhängig von den tollen Menschen die ich dort kannte und immer noch kenne, jetzt nur was die Stadt angeht. <br />
Ausserdem ist Hamburg ja ganz nah an Berlin. Auch Gewinn. Jetzt brauche ich nur noch eine Bahncard 100, da arbeite ich gerade dran. Aber die Möglichkeit, auch mal nur für einen Abend rüber zu fahren ist großartig. <br />
Was ich noch nicht gemacht habe: So viel. Ich wollte mal Radfahren in der Lüneburger Heide, ich wollte noch die Museen abchecken hier, mal ans Meer, mal die Möglichkeit nutzen, fix nach Dänemark zu fahren. Und ja, ich war noch nicht mal am Fischmarkt, Sonntags in der Frühe. <br />
Ach und der Chaos Communication Congress ist dieses Jahr auch noch hierher gezogen. Bonuspunkt. Und der Plan, 2013 auch mehr in der Orga zu helfen, wenn ich nicht gerade einen Umzug laufen habe. Apropos Umzug, das war ja auch reichlich naiv, dieser Gedanke "Ich komme aus Süddeutschland, was soll mir schon bei Wohnungssuche passieren, ich bin alles gewohnt". Denkste. Gegen Hamburg fühlen sich selbst wohnungsnotleidende Städte wie Karlsruhe an wie Brandenburg. <br />
Dann war da noch die Sache mit den Jobs, nun. Habe ich hier schon so weit ausgebreitet wie ich das möchte. Mein jetziger Job gefällt mir und hält mich definitv noch eine ganze Weile in der Stadt. Was danach kommt? Wir werden es sehen. 2012 war ein Jahr mit Achterbahn, aber Hamburg, das war eine gute Wahl.  
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