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Musik 2014

2014 war ein gutes Jahr für Musik. Vor allem habe ich mich dieses Jahr so viel damit beschäftigt wie noch nie. An die 80 Alben fand ich toll, manche sogar grandios, mein Mix (folgt vielleicht die Tage auch als Spotify-Link hier, ansonsten geht die Playlist nur an ausgewählte FreundInnen) hatte in seiner ersten Inkarnation fast 60 Tracks und überhaupt, was für eine Vielfalt!

Hier folgt eine Liste von Alben, die ich gut fand. Ohne Sortierung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es gab noch einiges mehr, das ich ausgelassen habe, auch manches, das vielleicht besser war, als das hier. Aber so ist das eben. Ausserdem ist alles Stimmungsabhängig.

 

Ariel Pink – Pom Pom
Hach, was habe ich mich gefreut. Ob Ariel Pink mit Haunted-Graffiti-Band oder ohne, da ist einfach ziemlich alles perfekt. Die Songs so vielfältig, wie nirgendwo, die Texte verrückt und albern und voller unverständlicher Referenzen und einer latenten sexualität die in ihrer Queerness und Bizarrheit nur so schillert. Jeder einzelne Song so anders, dass es kaum möglich ist, den einen, besten, für einen Jahresmix herauszupicken und selbst wenn, fehlt da immer noch ein Großteil des Albums. Wundervoll!

Update: Weniger habe ich mich übrigens über misogyne Scheiss-Äußerungen von Herrn Pink gefreut. Davon habe ich nach dem schreiben des Textes erst gehört und das macht das alles weniger cool. Die Musik ist allerdings dennoch toll.
(Leider kein Youtube-Link wegen GEMA)
Swans – To Be Kind
Swans können gar nicht schlecht sein oder so. Auf jeden Fall ist auch ihr neues Album toll, ganz im Gegensatz zu diesem Text.

Hauschka – Abandoned City
Und da lag ich im Krankenhaus nach einer Mandel-OP, blickte hinaus auf den zur Nacht hell erleuchteten Abend und verschwendete meine letzten wenigen Megabyte Datenvolumen, um irgendwie an das neue Hauschka-Album heranzukommen. Abandoned Cities ist aber auch wunderschön. “Endlich” wieder ein Album von ihm ganz alleine, nicht dass die Kollaboration mit Hilary Hahn irgendwie schlecht gewesen wäre. Aber die Improvisationen mit präpariertem Klavier ziehen einen schon ganz besonders in die Städte, die das Album zum Thema haben. Pripyat zum Beispiel. Tschernobyl-Geisterstadt und im gleichnamigen Stück so Kopfkino-präsent wie sie nur sein könnte.

Fatima Al Qadiri – Asiatisch
Hipster-Alarm Teil 1: Fatima Al Qadiri kannte ich schon bevor alle sie super fanden und “Asiatisch” unter anderem Spex-Album des Jahres geworden ist. Aber davon will ich mir nix kaufen. Nach einer tollen “Arabischer Kapitalismus”-inspirierten EP nun eben China-Futurismus. Sino-Dubstep nannte das irgendwer. Ich nenne es “tolle elektronische Musik, die einen im Kopf so ein bisschen durch asiatische Hochhausschluchten und Neonlichtdschungel fahren lässt”.

Rustie – Green Language
Ich nenne Rustide jetzt einfach Intelligent Dubstep oder so. Also auf jeden Fall komplexer als vieles andere, aber genauso viel Wums und irgendwie auch Wub-Wub. Bass zumindest. Und coolness. Ich muss ausserdem dauernd an zersplitternde Dinge denken, wenn ich Rustie höre und das mag ich.

Master Mix: Red Hot & Arthur Russell
Arthur Russell huldigen? Immer! Zum Welt-Aids-Tag haben das haufenweise Künstler mit einem Tribut-Album getan, zum Beispiel die Scissor Sisters, Hot Chip oder auch Devendra Banhart. Herausgekommen ist eine Serie von wunderschönen Covers eines der unterschätztesten und herausragendsten Musiker der 80er. Wer mehr wissen will, sollte sich die Doku “Wild Combination” angucken, oder eben das Original hören. Aber auch die Covers sind toll, ganz klar.

tUnE yArDs – Nikki Nack
Ein feministisches Album das tanzbar und intelligent und ein bisschen weird und voller guter Texte ist? Ja Bitte! Eine Live-Show mit UV-Leuchtfarben und lustigen Backgroundsänger/Tänzerinnen das Konventionen und ästhetische Standardvorstellungen bricht? Eine Künstlerin, die sich problemlos zwischen Björk, Beyonce, M.I.A., Nina Simone und Joanna Newsom hin und her bewegt? Eine Sängerin, die einen Stimmungfang hat, der fast schon Mike Patton konkurrenz machen kann? Hell Yeah. Meistgespieltes Album 2014 bei mir. Zweifellos. Und zu recht.

18+ – Trust
Humor! Viel zu sehr unterschätzt in der Musik und ich meine damit nicht so banalitäten wie “lustige Texte” (grauenhaft, ehrlich). Bei 18+ musste ich aber erstmal lachen. Wie wunderschöne Popsongs hier erschaffen, und dann im genau richtigen Moment dekonstruiert werden! Wie die Songs trotzdem funktionieren, aber eben ihre eigene Eingängigkeit verbauen. Mag ich.

Shabazz Palaces – Lese Majesty
“Afro-Futurismus” nennt man das. Schön und gut. Vor allem ist “Lese Majesty” einfach mal eines der besten HipHop-Alben 2014. Und tatsächlich klingt das alles ein bisschen futuristisch. Und interessant. Und flüssig.

Sleaford Mods – Divide and Exit
Meine persönliche Hipster-Katastrophe: Da kenne ich diese Band die sonst wirklich niemand kennt, kaufe das neue Album vermutlich als allererster (0:01 am Releasetag via Bandcamp) und schicke das Video auch noch 2-3 anderen Leuten. Denke mir nichts böses, komme kurz nach Einlass zum Golden Pudel Club wo sie spielen sollen und es ist ausverkauft, weil der Spiegel drüber geschrieben hat. Tja, das war’s mit “kennt keiner”. Ist aber auch egal. Die einen behaupten, die Sleaford Mods klängen wie Punk eben klingen würde, erfände man ihn 2014. Ich behaupte, sie klingen vor allem erstmal wie wenn die Streets nach einem durchzechten Abend aus dem Pub fallen und Streit suchen. Wie dem auch sei: Die Mischung aus Wut und Non-Working-Class-Glorifizierung ist fantastisch.

Young Fathers – Dead
Hipster-Dings Teil 3: Da find ich die Young Fathers total super, schleppe noch alle, die können zum Auftritt beim Reeperbahnfestival in einem echt kleinen Konzertort wo kaum einer die kennt und dann gewinnen die einfach mal nen Monat später den Mercury Prize. Tse! Ein Gluuck ist mir das nicht wichitg und ich kann diesen Alterna-Hiphop von Nigerianischen EinwanderInnen aus Endinburgh immer noch total klasse finden. “Low” ist sogar einer der drei oder vier besten Tracks dieses Jahr!

Mac DeMarco – Salad Days
Manche Musik kann ich ganz toll beschrieben und dann gibt’s sowas wie Mac DeMarco. Ich weiss, dass da in seinem Retro-Rock-Zeug irgendwie tausend Referenzen drin sind, alleine sie fallen mir nicht ein. Ich weiss aber, dass er ein guter Songwriter ist und das reicht auch irgendwie aus. Gutes Album, modern-retro und ein bisschen dreckig und cool.

Warpaint – Warpaint
Kannte ich nicht, waren aber vorher schon bekannt genug um ausverkauft zu sein. Waren auch irgendwie gehyped. Ich mag Warpaint. Sie sind poppig, haben aber genug Tiefgang. Ansonsten gibt es sicherlich auch viel zu schreiben darüber, aber nicht so sehr von mir.

Actress – Ghettoville
Was für eine düstere und hoffnungslose Wucht! Actress macht nach diesem Album wohl Schluss damit, unter diesem Namen elektronische Musik zu publizieren und das ist einerseits schade, aber wirklich ein sensationelles Ende einer Drei-Alben-Karriere. Ja, Actress kann mit Burial mithalten. Ist nur nicht so eingängig und Mainstream-tauglich.

RATKING – So it goes
Auch eines der besten HipHop-Alben des Jahres. Manchmal ein kleines bisschen zu gewollt, aber dann ist das schon alles ok. Und es thematisiert Polizeigewalt und so. Politik! Vor allem aber super Flow und schönes Storytelling und dann auch noch zeitgemäße Beats.

SBTRKT – Wonder Where We Land
Ich mag SBTRKT ja vor allem dann, wenn sie mit Sänger/In daher kommen. Sampha besonders, aber auch die Stücke mit Jessie Ware, Denai Moore oder Ezra Koenig sind prima. Das, was man heute irgendwie auch Dubstep nennt darunter, R&B-Gesang, Vielfalt, Komplexität, Groove.

Neneh Cherry – Blank Project
Kannste ja eigentlich keinem erzählen! Neneh Cherry! Die mit “Seven Seconds” und so! Ja, die hat ein sensationelles Jazzpop-Album gemacht, das mich wirklich nachhaltig umgehauen hat. Diese subtile Wucht, wahnsinn.

St. Vincent – St. Vincent
Ein irre cooles Elektropop-Album, das ich mehrere Monate links liegen habe lassen, bis ich dann im Kanada-Urlaub fast nichts anderes gehört habe.

Angel Olsen – Burn Your Fire for No Witness
“Unfucktheworld” war gleich der erste Megahit dieses Jahr für mich. Dieser coole Stil aus leichtem Americana-Singer-Songwriter-Dings, dieses Songwriting, ja vor allem das Songwriting! Toll. Überhaupt die beste weibliche Singer-Songwriterin dieses Jahr. Leider Live komplett langweilig, aber man kann nicht alles haben.

Sun Kil Moon – Benji
Mark Kozelek ist ja einer der besten Songwriter der Gegenwart und wenn er was eigenes oder unter dem Namen Sun Kil Moon macht, dann ist das automatisch ein Kandidat für “Gehört eh zu meinen Jahreslieblingen”. So auch Benji.

Dean Blunt – Black Metal
Dean Blunt war mal Teil von Hype Williams und macht jetzt seine ganz eigene Popmusik, die sich auf “Black Metal” irgendwie an den Indie-Pop der 80er anlehnt aber eben nicht so ganz und alles ist ein bisschen mysteriös und dekonstruiert und dadurch wundervoll!

Little Dragon – Nabuma Rubberband
Sind die eigentlich bekannt? Anscheinend haben sie die Große Freiheit 36 gefüllt. Ich mag sie auf jeden Fall, die SchwedInnen und ihre Popmusik. Schönes Maß an Energieund nicht-allzu-eingängigkeit, also vor allem Langlebigkeit. Angenehm genug, um nicht zu nerven, kratzig genug, um nicht vorbeizurauschen.

Run The Jewels – RTJ 2
Dank Vietnam-Reise total verpasst, dass das Ding hier das heisseste HipHop-Album des Jahres sein soll. Ist es aber auch fast (zusammen mit Ratking und Shabazz Palaces). Ausserdem ist EL-P mir für immer im Gedächtnis seit er sich “The illest motherfucker since Oedipus” nannte. So kann’s gehen.

Foxygen – …And Star Power
Foxygen sind ein Phänomen. Drei Alben in drei Jahren, das neueste hat 24 Songs. Wo sie sie sich zuerst um die Beatles und dann um die Rolling Stones gekümmert haben, sind jetzt die Doors, Stooges, Pink Floyd und alles andere anfang der 70er dran. Sprich: Foxygen machen Musik, die irgendwie so klingt, als käme sie aus der Zeit, die aber von Songwriting, Aufnahmetechnik, Struktur eben ziemlich 2014 ist. Und das ist ziemlich fantastisch und ich freu mich auch schon drauf, dass es dann demnächst Black Sabbath, Led Zeppelin oder gar die Sex Pistols und The Clash sein könnten, denen Tribut gezollt wird.

Thee Silver Mt. Zion Orchestra – Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything
Seit “Horses in the sky” kein so tolles Album mehr von The Silver Mt Zion Orchestra gehört! Diese Mischung aus Folk, Depression und Hoffnung, dieses epische Spielen mit Lagerfeuerstimmung, ohne jemals auch nur annähernd in Pfadfinderkitsch abzudriften. So “Post” wie “Post” nur sein kann.

Fennesz – Bécs
Fennesz ist zwar immer auf der Höhe seines Schaffens, aber bislang fand ich “Endless Summer” einfach unerreicht. Bécs ist aber sowas wie “Endless Summer” Teil 2 und eine grandiose Weiterentwicklung eines sich genauso treuen wie verändernden Stils. So wie die Jahreszeiten immer wieder kehren, jetzt aber allmählich der Klimawandel einsetzt und alles ein bisschen wärmer wird. Nur in Musik gegossen. Und weniger katastrophal.

Aphex Twin – Syro
Jaja “Der Großmeister ist zurück” blabla, nostalgiekram. Interessant ist eigentlich, dass Aphex Twin einfach mal 12 Jahre Pause machen kann und dann kommt er zurück und haut ein Album raus, was total zeitgemäß ist und allen anderen Musikern, die in der letzten Dekade versucht haben, coole Sounds zu basteln, eine neue Referenz vor den Latz knallt. Angeblich war das Album umstritten in Sachen beliebtheit. Versteh ich nicht.

Avey Tare’s Slasher Flicks – Enter the Slasher House
Panda Bear – Panda Bear Meets the Grim Reaper
Avey Tare und Panda Bear sind 2/3 von Animal Collective und wo das letzte Kollektivalbum mich ja ganz schön enttäuscht hat, sind die Solo-Sachen prima. Avey Tare erforscht so seine eigene, hyperaktive und eher weird-folkige Richtung der Frühen AC-Sachen, Panda Bear entwickelt seinen Indie-Pop weiter und beide sind ganz schön prima.

Future Islands – Singles
Ein Samstag morgen im Frühling und plötzlich knallt da dieser Synth-Pop aus der ganzen “Wollte ich mal anhören an neuheiten”-Liste raus und dann höre ich den gesamten Tag eigentlich nur den einen Song und ein paar mal das Album. Ja, Synth-Pop ist wieder da und zwar eigentlich schon seit M83 aber jetzt auch nochmal in einer pureren 80er-Jahre-mäßigeren Version aber eben doch modern genug.

Kishi Bashi – Lighght
Oh wie wundervoll dieses Album ist! Besonders “Bittersweet Genersis for Him AND Her” und besonders in der Live-Version die ich dann irgendwie auf dem KEXP-Youtube-Channel entdeckte, woraufhin ich dahin schmolz und unbedingt zum Konzert gehen wollte, was wiederum mit meiner Reise nach Vietnam kollidierte, weswegen jetzt aber gleich mehrere Menschen die ich mag einen musikalischen Höhepunkt des Jahres damit verbringen, dass der Mensch dieses Lied dort sang. Getragener, fast schon ein bisschen kitschig-schwülstiger Singer-Songwriter-Pop der aber so schön und doch auch ein bisschen filigran und diffizil ist, dass man ihn einfach mögen sollte.

The Soft Pink Truth – Why do the Heathen Rage?
Also wenn ich ein Album dieses Jahr als “Geil” bezeichnen kann dann ja wohl dieses. Der Typ von Matmos hat ein Album gemacht, in dem er Black-Metal-Klassiker elektronisch verfleischwolft hat. Und das klingt auch noch gut und ganz wenig peinlich und so maximal lustig wie es sein darf, um noch gute Musik zu sein aber eben nicht zu lustig, um alles durch den Humor zu dekonstruieren. So super, dass ich es mir auf Vinyl gekauft habe. (Was ich eigentlihc nie tue, ich hab noch nicht mal einen funktionierenden Plattenspieler)

Weitere nennenswerte Alben:
Orlando Julius With The Heliocentrics – Jaiyede Afro
Freddie Gibbs & Madlib – Pinata
Caribou – Our Love
Cooly G – Wait Til Night
Cult of Youth – Final Days
Flying Lotus – You’re Dead!
Todd Terje – It’s Album Time
Andy Stott – Faith in Strangers
Bohren & Der Club of Gore – Piano Nights
Gazelle Twin – Unflesh
East India Youth – Total Strife Forever
Holly Herndon – Chorus
Kasai Allstars – Beware the Flesh
Arca – Xen
Antony And The Johnsons – Turning
Scott Walker & Sunn O))) – Soused
Kindness – Otherness
Zola Jesus – Taiga
Perfume Genius – Too Bright
Laibach – Spectre