Das mit dem Crowdfunding ist nun beileibe nichts neues. Kickstarter gibt es auch schon seit 2008. Das erste abgeschlossene Millionen-Projekt hätte das
LunaTik-iPod-Uhrenarmband sein können, das im Dezember 2010 mit 942.578 Dollar da stand. Und dann kam der Februar 2012. Das
Elevation Dock, das
Double Fine Adventure und der
Order of the Stick Reprint. Letztere noch gar nicht abgeschlossen, alle aber über eine Millionen US-Dollar. Ein Dammbruch? Vielleicht, auch wenn der Einwand "Das sind doch Nerd-Projekte" natürlich gerechtfertigt ist.
Und doch: es tut sich was.
Ob es der Stromberg-Film (nicht bei Kickstarter) ist oder eine ganze Reihe an Projekten, die zumindest locker die 10.000 Dollar-Grenze überspringen und rein gar nichts mit Nerd-Kultur zu tun haben, die Breite Masse versteht das Konzept allmählich und es fällt zunehmend leichter, eine gute Idee auch finanziell zu unterfüttern.
Wer sich bei
Fundhaus durchklickt, wird auf eine große Reihe von interessanten und auch erfolgreichen Projekten stoßen.
Und das ist ganz schön disruptiv und zwar nachhaltig. Klar, da geht es um reine Konsumgeschichten. Um Produkte im zehn-bis-tausend-Euro-Bereich. Um
Musik,
Teile fürs Fahrrad,
Performance-Projekte oder
Bio-Essen für einen guten Zweck. Noch.
Vor wenigen Jahren, da gab es genau drei Möglichkeiten, aus einer guten Idee ein Produkt zu machen. Entweder man hatte das Geld schon. Als bereits erfolgreicher Unternehmer zum Beispiel oder als nicht zwingend erfolgreiches Kind eines erfolgreichen Unternehmers. (Oder eben mit anderen Kontakten zu investitionswilligen Privatmenschen). Oder man hatte, gerade im IT-Bereich, genug Glück und Können, um einen Venture-Capital-Geber zu überzeugen. Oder eben die Banken. Jene meist starren Institutionen, für deren Geld man sich derart ausführlich um Dinge kümmern muss, die gar nicht zum eigentlichen Geschäft gehören, dass der Nutzen oft zu bezweifeln ist.
Mit Kickstarter und anderen Crowdfunding-Institutionen gibt es nun eben eine vierte Macht, soweit klar. Aber das ist noch nicht alles. Allen Kapitalgebern ist nämlich gemein, dass diese sich zunächst von einem Erfolgspotenzial überzeugt wissen wollen. VCs wie auch Banken, selbst der spendierfreudige Unternehmervater wollen wissen, ob eine Idee nicht nur in Powerpoint gut aussieht, sondern auch von Menschen gekauft wird. Und genau diese Aufgabe kann Kickstarter noch viel besser erfüllen. Bei Iron Sky hat das sehr gut geklappt, gut ein Achtel des Gesamtbudgets war über die Community finanziert, der Rest kam aus anderen Quellen.
Denn was habe ich zu verlieren, wenn ich eine tolle Idee für ein neues Gadget, eine Film-Doku oder ein Buchprojekt, vielleicht aber auch irgendwann für eine Industriemaschine oder eine neue Art von Fahrzeugscheinwerfer bei Kickstarter teste? Wenn es erfolgreich ist, habe ich vermutlich genügend Geld zusammen und kann mein Business starten. Oder ich versuche eine Teilfinanzierung, kann aber das abgeschlossene Projekt meinem Kapitalgeber zeigen und sagen "Hier, guck mal an, da ist Summe X zusammen gekommen, es gibt also definitiv einen Markt dafür. Dein Geld ist bestimmt nicht verloren."
Und wenn es fehlschlägt? Nun, dann ist mein Markt-Test eben auch nicht erfolgreich und die Idee vermutlich auch nicht gut genug gewesen. Zumindest muss ich aber noch das mit dem Marketing lernen. Dann setze ich mich nochmal dran, verändere die Idee, versuche es noch einmal. Oder ich bin ganz mutig und verschweige der Bank meinen kleinen Kickstarter-Versuch.
Aber denken wir das noch ein bisschen weiter. Was, wenn Crowdfunding zur Normalität, zum Regelfall wird? Was, wenn Banken und Investoren eben nur die B-Ware angeboten bekommen? Was, wenn bei den Volksbanken und Sparkassen, bei den Unternehmerfreunden, ja im Zweifelsfall sogar bei den VCs irgendwann nur noch jene Projekte anfragen, die ein gewisses Risiko bergen? Oder zumindest was, wenn die Quote an Risikoprojekten in diesem Sektor zunimmt? Nun, gewiss passiert das nicht mehr dieses Jahr. Vielleicht auch nicht nächstes. Interessant ist der Gedanke allemal.
Und dann ließe sich all das mit dem Geld auch nochmal überdenken. Denn Geld, das braucht nicht zwingend jedes Projekt. Manchmal ist es auch nur eine gewisse Ressource. Ein paar Stunden an einem Lasercutter. Ein Design für meine Projektwebsite oder die passende iPhone-App. Den Code für ein bestimmtes Software-Modul, weil die beteiligten nunmal alles in Ruby machen und nur diese eine Komponente in C++.
Nicht überall muss Geld fließen. Und nicht überall müsste das Geld übrigens bei den Projekt-Startern bleiben. Auch Beteiligungsmodelle dürften durchaus interessant sein. Eine Firma gründen, bei der das Grundkapital per Crowdfunding kommt? Klar. Dafür dann 20, 30 oder sogar 50% der Anteile unter den Finanzierern ausschütten? Eigentlich der nächste logische Schritt. Ich bleibe gespannt.
Tracked: Feb 26, 21:33