Man sagt mir nach, ich reiste viel. Sicher, es gibt immer Menschen, die noch mehr unterwegs sind, aber so im allgemeinen dürfte man bei dieser Behauptung recht haben, in den USA war ich dieses Jahr schon zweimal, dazu ein wenig im europäischen Ausland und zwischen Hamburg und der österreichischen Grenze genauso unterwegs wie zwischen Rheinland und der ehemaligen SBZ.
BikeFriday New World Traveller.
Was mich in letzter Zeit immer mehr gestört hat, ist diese gewisse Immobilität. Klar, wenn man auf einer Messe ist, dann sieht man eben nicht viel mehr als Hotel und Veranstaltungsort, aber genau das ist der Punkt: morgens mal eben vor der Arbeit noch ein halbes Stündchen die Gegend erkunden ist oft schwierig, ebenso das kleine Bisschen Frischluft, das man gerne hätte.
Drum habe ich mir ein Fahrrad gekauft...
Nun, nicht irgend ein Rad. Das kriegt man schließlich nicht mit in den Flieger und auch ICEs sind dafür ungeeignet. "Klapprad" möchte man es nennen, ich bevorzuge Reiserad, denn geklappt wird gar nicht viel. Wie ich dazu kam, lässt sich in einem etwa dreiminütigen Dialog darlegen. Gut, das Gespräch ging danach noch ins Detail und so weiter, aber die Kaufentscheidung hatte ich eigentlich schon recht bald getroffen. Damals saß ich nach einer langen und harten GDC-Woche bei Noisebridge (Hackerspace in San Francisco) rum und versuchte, nicht einzuschlafen. Ich unterhielt mich mit Rubin und wir kamen auf das Chaos Communication Camp, das im August in der Nähe von Berlin stattfindet. Rubin wollte kommen und meinte: "Ich werde in Amsterdam landen und hinradeln"
Ich (ungläubig): Aber wie das denn? Du willst dir doch kein Rad dort mieten, oder? Wie willst du das denn zurückgeben?
Rubin: Ich habe ein Faltrad
Ich: Aber dir ist schon klar, dass es zwischen Amsterdam und Finowfurt gefühlte 2000 Kilometer sind, oder?
Rubin: Ja, aber mein Rad hat 27 Gänge
Ich: Oh, wow, aber wie machst du das mit dem Gepäck? So Zelt und alles Mögliche kriegst du doch sicher nicht da untergebracht
Rubin: Doch.
Und dann zeigte er mir dieses Bild und ich hatte einen dieser seltenen Momente, bei denen man sich dem Nerd-Himmel ganz ganz nahe fühlt. Da wo man etwas entdeckt, was in seiner Einfachheit so perfekt ist, etwas, das einfach besser nicht geht und ja, das man haben will.
Vor etwa acht Wochen rief ich also bei BikeFriday an, um das wohl kompetenteste Verkaufsgespräch meines Lebens zu führen. Das ging in etwa so:
BikeFriday-Mensch: "Also ein Rad hättest du gerne? Was hast du denn bisher für eines?"
Ich so: "Naja ich komm aus Deutschland, das kennt ihr sicher nicht"
BikeFriday-Mensch: "Sag' doch mal die Modellnummer"
Mit Koffer-Anhänger!
Ich so: "VSF T500"
Er so: "Klar, haben wir im Computer. Willst du eine ähnliche Kettenumsetzung?"
Ich so: "Och, fänd ich nett aber mein Limit wären dann 1900 Dollar, OK?"
Er so: "Gut, dann kriegen wir das nicht ganz exakt hin, was ist dir denn wichtiger, Berg oder Geschwindigkeit?"
Ich so: "Mach mal Geschwindigkeit, solange Berg irgendwie trotzdem geht"
Er so: "OK, wir lassen dann zum Preissparen noch Sattel und Pedale weg, die kannst du auch selbst anschrauben. Aber Koffer willste auch, oder?"
Ich so: "Ja, Koffer unbedingt. Sonst noch was, das ich dringend brauche?"
Er so: "Na du könntest noch ne einklappbare Lenkerstange haben, kannst sie aber auch abschrauben ohne Aufwand. Sonst gibt's natürlich alles mögliche, zum Beispiel Gepäckträger oder Licht..."
Ich so: "Ach lass mal, ich guck mir das erstmal so an."
Er so: "Alles klar. Ich mail dir gleich das Angebot. Ausserdem habe ich Skype, MSN und ICQ, wenn was ist. Du musst mir dann noch deine Körpermaße und so übermitteln, damit wir das für dich handfertigen können. Dauert übrigens 6 Wochen aber wenn's drängt machen wir's auch in 5."
Tja, und jetzt bin ich eine kleine vierstellige Summe ärmer und mächtig Stolz auf mein "New World Traveller" von BikeFriday, sogar die kleine "Custom Built for Julian Finn"-Plakette ist mir kaum peinlich.
Update: Hier noch ein kleines Video, wie man das dann am Airport auseinanderbaut und reisefertig macht:
Das Velowerk-Ding sieht auch nett aus. Faltability is schon wichtig, da kann z.B. das Tikit von BikeFriday auch ziemlich viel. Mir war aber vor allem diese Koffersache wichtig, genauso wie die Tatsache, dass ich eine halbwegs akzeptable Bandbreite an Ritzeln habe, was durchaus paßt auf diesem Rad
Und ja: Erfahrungsberichte kommen noch.
ich kann dich nur bestätigen - seit ~19 monaten fahre ich
ein BF pocket crusoe und lasse mein anderes rad dafür liegen - das BF fährt einfach perfekt, ist reise/gepäck-
tauglich, ich will nichts anderes mehr - ausser evt. noch ein tikit:)
berichte unter:
http://faltradforum.de/viewtopic.php?f=49&t=1287
http://faltradforum.de/viewtopic.php?f=32&t=1784
beste grüsse, stephan
das rad wurde bei velophil in moabit als einzelstück/restposten angeboten, nachdem sich velophil wohl von BF getrennt hat...
hatte diverse birdy, brompton, etc. probiert, aber das BF 'passte' einfach:)
das rad gab es als einzelstück/sonderposten zu einem reduzierten preis (1.6k) bei velophil in moabit.
bei velophil gibt es auch noch andere falträder - birdy, bromton, ... und freundliche beratung;)