Auch auf meinem Blog gibt es seit einigen Tagen einen Flattr-Button. Flattr ist quasi angewandte Kulturflatrate. Man zahlt einen gewissen, selbstgewählten Betrag im Monat, bei mir sind es derzeit 5 Euro. Surft man auf Artikel oder andere Dinge im Netz mit entsprechendem Button, kann man diese flattrn. Am Ende eines Monats wird mein Gesamtbetrag durch die Anzahl einzelner Flattrs geteilt und an die geflattrten ausgeschüttet. Angenommen, ich habe 5 mal geklickt, bedeutet das also 1 Euro pro Artikel.
Nun habe ich heute einen Aufschlag gemacht, ausgehend von einem grandiosen Artikel über den Verbleib der Fußballweltmeister von 1990 in der Online-Ausgabe der Zeit.
Ich fragte den Zeit-Account
@zeitonline, ob in naher Zukunft eine Flattr-Einbindung geplant sei. Dank Retweet kamen einige andere Kommentatoren dazu, sich gegen ein solches Vorhaben (das es wohl derzeit nicht gibt) auszusprechen. Flattr, so die Argumentation, sei für Blogs gedacht, es sei ein Armutszeugnis für ein Unternehmen, darauf zurück zu greifen.
Nur: Warum?
Zunächst einmal: die
Taz nutzt Flattr auch, die Zeit wäre also nicht alleine. Auch steht nirgendwo beim Dienst selbst, dass dieser exklusiv für Blogs sei. Am wichtigsten aber ist doch die Frage, warum man sich ausgerechnet jetzt vom "professionellen Journalismus" abkapseln sollte? Da streitet man Jahrelang darüber, dass die eine "Seite" versucht, eine Unterscheidung zwischen Journalisten und Bloggern zu machen und dann schlägt man selbst in die gleiche Richtung? Ich konsumiere persönlich gerne Blogs und genauso gerne bezahlten Journalismus. Werbung klicke ich so gut wie gar nicht, Bezahlmodelle nutze ich ebenfalls kaum. Flattr hingegen ist exakt das, was ich haben möchte: Ich lese einen Artikel, ich finde ihn gut, ich bezahle dafür. Nicht für die gesamte Publikation, sondern genau dafür. Und ich habe Kontrolle über meine Kosten (sie bleiben konstant bei 5 Euro), was auch wesentlich dazu beiträgt, dass ich mich überhaupt erst angemeldet habe. Für mich ist also Flattr die einzige Möglichkeit, wie ich mich für einen guten Artikel bedanken kann. Bei Blogs und Podcasts genauso wie bei der Online-Version eines Printartikels. Wer den geschrieben hat und wie dieser Mensch bezahlt wird ist mir egal. Wenn es dazu führt, dass ich auch in Zukunft toll recherchierte Artikel lesen kann, bin ich glücklich.
Dabei geht es übrigens in keinem Fall darum, wie es der Zeit finanziell geht. Mir geht es auch schließlich nicht darum, wie gut ein Udo Vetter dasteht oder ein Stefan Niggemeier, die sicherlich auch ohne ihre Blogs gut leben können. Es ist
meine Entscheidung,
ich möchte Geld geben und zwar auf meine Weise.