Ja, ich bin ein Verpeiler. Ich verfolge einen Lifestyle of Bad Organization. Ich habe durch Verpeilung schon unendlich viel Geld und Nerven gekostet und gute Tipps in Büchern helfen mir genauso wenig weiter wie intelligent gestaltete ToDo-Listen. Ich werde auch in Zukunft noch so viele Anstrengungen unternehmen können, um meine Post besser in den Griff zu bekommen und ein Mal, nur ein verdammtes Mal schon eine Woche vor dem Abgabetermin schon mit der Arbeit beginnen.
Diese Einsichten und noch vieles mehr, habe bei der Lektüre von "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin" erhalten, dem neuen Ratgeber von Sascha Lobo und Kathrin Passig. Ob sie tatsächlich für mich die unumstößliche Wahrheit darstellen, mag ich noch nicht beurteilen. Interessant ist der Ansatz "Du bist nunmal ein Prokrastinator, also lerne wenigstens, es zu genießen" allemal: Lobo und Passig gehen auf ihren rund 270 Seiten nicht nur der aktuellen Prokrastinationsforschung nach, sondern geben auch praktische Ratschläge, wie es sich mit der alltäglichen Verpeilung besser leben lässt. Hinzu kommt eine nette Sammlung an Beispielen, in denen die Prokrastination den Autoren und anderen zumindest den Arsch gerettet, wenn nicht sogar das Leben zum Guten hin beeinflusst hat.
Zugegeben, ich hatte anderes erwartet. Ein bisschen mehr gesellschaftliche Relevanz etwa, schließlich sind so manche kulturelle Errungenschaften wie die Wikipedia das fast auschließliche Ergebnis von massenhafter Prokrastination. Ein bisschen mehr "Wie ich weniger Prokrastiniere" vielleicht. Und doch muss ich sagen, dass das Buch, so wie es ist, in Ordnung geht und Sinn macht. Vielleicht ein bisschen selbstbezogen. Ein wenig viele, möglicherweise in Prokrastinationsnot entstandene Selbstzitate. Aber lesenswert allemal, vielleicht sogar sinnvoll.