Da stand ich nun, nach 1400 Kilometern Autofahrt und Nächten mit wenig Schlaf, auf der Konferenz, von der ich mir im abstrakten Sinne so viel, im konkreten eher wenig erwartet hatte.
Wizards of OS, das hatte für mich in einer gewissen Naivität etwas Mekka-Haftes. "Der Lessig, der Benkler und so", Vorträge, Workshops, Leute treffen und vieles mehr. Wie genau, davon hatte ich keine Idee.
Nun waren meine Pläne ja vorher durchkreuzt worden, von ruhigem Vorbereiten keine Rede: des Nachts in Berlin ankommen, nächster Morgen: Konferenz.
Die glich in erster Linie einem großen Klassentreffen: Wenige Besucher, die nichts mit dieser Szene an irgendwie-in-netzpolitischen-zusammenhängen-stehenden zu tun haben, oder gerne für einen der vielen Medienpartner schreiben wollen. Deshalb die Chance, mit fast allen Teilnehmenden über den üblichen Smalltalk hinaus zu zu kommen, tiefschürfende Diskussionen über das Gesundheitswesen,
Kulturflatrate oder Musikjournalismus zu führen. Nebenbei dann doch die ein oder andere gute Veranstaltung. Beispielsweise über auf Freier Kultur aufbauenden Geschäftsmodellen (Video:
ogg,
mp4), etwa
Copycan und
Jamendo.
Auch höchst interessant die Ausführungen von Ronaldo Lemos über Brasilien, denen zufolge der Zugang zu Wissen dort ganz andere Aspekte hat, angesichts von nur 1800 Buchhandlungen (auf 186 Mio Einwohner) oder Plattenfirmen, die gerade mal einen Bruchteil der Musik veröffentlichen, die in Brasilien tatsächlich geschaffen wird. Straßenhändler, Konzerte, Webseiten die tatsächlich komplette Alben umsonst anbieten: der Gedanke von Geistigen Eigentumsrechten ist vielerorts völlig fremd.
Natürlich machen auch die Popstars ihre Sache gut: Inhaltlich ist dabei Yochai Benkler spannender als Lessig (Video:
ogg,
mp4, Audio:
ogg,
mp3), dessen Vortrag eher Show als Wissenschaft ist. Das macht die Inhalte zwar vermittelbarer, nimmt aber einiges an Tiefe. Die hat Benkler schon mit "The Wealth of Networks" bewiesen, seine Ausführungen bauen darauf auf und können nicht nur mich begeistern (Video:
ogg,
mp4). Und während ich allerhand Programmpunkte durch interessante Gespräche ersetze, und mir beispielsweise die Show des freien Wissens nur sporadisch ansehe, geht dann auch eine Konferenz zuende, die spannender nicht hätte sein können und doch so anders war, als ich sie erwartet hatte, wenngleich es mir hier schwer fällt, jene abstrakte Erwartung zu beschreiben.
Anzumerken bleibt, dass auch ich es befremdlich finde, wenn ich den ganzen Tag mit Menschen über die Unterstützung von Künstlern diskutiere und genau diese Leute dann nicht auf den Netlabel-Parties am Abend erscheinen, um tatsächlich einmal Künstler zu unterstützen. Dementsprechend leer war dann auch die Columbiahalle, trotz reichhaltiger Musik und passender visueller Untermalung.
Neben den schon verlinkten Videos gibt es im Übrigen auch alle anderen Vorträge und Panels in Form von bewegten Bildern auf der
WOS-Website.