Planetenkrach2. August 2006 / Kategorie: politics
Vetter Rechtsanwalt, einst der Blogosphäre liebster Jurist, hat sich gleich in mehrlei Hinsicht ins Abseits gestoßen. Anlaß: ein Planet, der seine Seite (das lawblog) mit-aggregierte. Das stieß so übel auf, dass gleich alle sonst so hoch gehaltenen Prinzipien über Bord gekotzt wurden: da wurde sich auf geltendes Gesetz statt auf gesunden Menschenverstand berufen, einer völlig unbedeutenden Seite mit Abmahnung gedroht, Urheberrechtsverletzung mit Diebstahl verwechselt und der Grund allen übels auch noch beleidigt.
Interessant dabei ist ja besonders diese Geschichte mit dem Dieb und dem suffix -stahl.Gerade als Anwalt, der wahrscheinlich täglich mit Diebstahlsdelikten zu tun hat, sollte Vetter Rechtsanwalt wissen, dass nach einem Diebstahl immer auch etwas fehlt. Dem Opfer ein Gegenstand oder in arabischen Ländern dem Täter bei Überführung die Hand. Abgesehen davon ist es schon schwer, nach einer solchen aktion noch an den coolen Anwalt zu glauben, der endlich mal anders als die ganzen anderen ist, der für die Opfer von penibler Rechthaberei und Gesetzesauslegung in die Bresche springt, mal einen anderen Standpunkt vertritt und auch mal Sinn und Unsinn, Herkunft und Absicht von Gesetzen hinterfragt. Er degradiert sich damit zum einfachen Anwalt der das glück hatte, als erster zu bloggen. Selten herausragend, meistens einfach nur nah am Zeitgeschehen und jetzt eben auch ohne moralische Bonuspunkte in der Blogosphäre. Ach übrigens: Der fragliche Planet (wie so viele andere) ist für seinen Betreiber (und evtl noch ein paar wenige andere Menschen) lediglich ein RSS-Reader in HTML-Form. Natürlich ohne Passwortschutz, denn die Inhalte sind ja eh Weböffentlich, wenn auch original an anderer Stelle zugänglich. Den Sinn, einer solchen Seite ohne Werbung oder andere Einnahmequelle den Saft (im Sinne von Treibstoff) abdrehen zu wollen, kann man mir gerne nochmal zu erklären versuchen. Comments
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Sie haben Udo Vetters Argumente entweder nicht richtig gelesen oder nicht verstanden. Es geht nicht darum, daß eine Sache fehlt oder jemand privat einen RSS-Feed lesen würde. Vielmehr begegnet RA Vetter zutreffend dem scheinbar in Mode gekommenen Content-Klau, also schlicht einer Urheberrechtsverletzung.
Der Sinn des UrhG besteht darin, daß der Urheber von Texten darüber bestimmen kann, ob und wo diese erscheinen. Und selbstverständlich gibt es ein Interesse von Urhebern daran, daß ihr Content nicht irgendwo gelesen wird, sondern auf ihrem Blog oder ihrem RSS-Feed. Oder möchten Sie, daß Ihr Realname in Nachbarschaft von vielleicht rechtsextremen, pornographischen oder einfach nur dummen Inhalten zu lesen ist? RSS ist nur eine andere Form von Inhaltsaufbereitung, ganz ähnlich wie HTML auf statischen Webseiten oder Papier und Druckerschwärze in der Zeitung. Niemand würde auf die Idee kommen, Zeitungsausschnitte im Netz als eigenen Content zu verbreiten. Es gibt keinen Grund, warum das bei RSS-Feeds anders gehandhabt werden sollte. Hallo,
dann versuch ich es mal mit der Erklärung. Doch erstmal eins vorweg; zunächst war ich auch der Meinung, dass Herr Vetter sich etwas im Ton vergriffen hat - nach der auf seinen Post folgenden Diskussion habe ich aber eher den Eindruck, dass die Deutlichkeit durchaus angebracht war. Doch nun zum Thema: 1.) Zum Zeitpunkt des Posts war für Herrn Vetter nicht absehbar, welchen Zwecken der "Planet" dient und wir hatten doch erst vor ein paar Wochen den Fall dieses "Web-Archivs", dass ganz ähnlich, wenn auch im Detail anders (die Inhalte wurden auch auf dessen Server gespeichert) vorgegangen ist - nur weil zwischendrin WM und CT waren, hat Herr Vetter das vielleicht nicht vergessen... 2.) Ging es Herrn Vetter auch klar erkennbar nicht darum, den Seitenbetreiber (der für ihn ohne Impressum/Kontaktmöglichkeit nicht erreichbar war) kostenpflichtig abzumahnen, sondern ihm möglichst schnell und auf einfache Weise klar zu machen, was er von dessen Vorgehen hält - da war der Post im Blog, dass er repliziert durchaus zweckdienlich. Das Herr Vetter wegen 1.) schonmal vorsorglich mit ner Abmahnung droht, ist für mich verständlich. 3.) Das Herr Vetter nicht der Meinung ist, bestohlen worden zu sein, sondern sich an der Verletzung seines Urheberrechts stört, ist auch ziemlich klar, aber ich will dir deine Polemik nicht übel nehmen 4.) Hakt Herr Vetter (und auch ich) genau an deinem letzten Absatz ein. Nur weil die Intention des Planets die Zurverfügungstellung der syndizierten Inhalte für eine kleine Benutzergruppe ist, stellt es den Betreiber nicht ausserhalb des Urheberrechts, zumal der Ausschluss der Öffentlichkeit durch einen simplen Passwortschutz erreichbar ist. Nur um die unerlaubte öffentliche Verbreitung seiner Inhalte geht es Herrn Vetter - ob Du für dich und deine Freunde einen nicht-öffentlichen "Planet" aufsetzt um dort Blogs zentral zu syndizieren ist ihm ziemlich egal. Jetzt verstanden? Und ja, Google, Technorati, Bloglines etc. machen das auch, aber gegen den Google-Cache hat er das META-Tag in den Seiten und ob Technorati, Bloglines und Co. gefragt haben oder er es dort einfach so toleriert wissen wir nicht - und ist auch völlig unabhängig von der aktuellen Debatte (die er, zugegeben, vielleicht mit einer etwas weniger rüden Wortwahl verhindern hätte können - aber s.o.). Gruß Argelbargel Anscheinend haben Vetter und seine Freunde nicht verstanden, was das besondere und den Erfolg der Blogosphäre ausmacht. Ohne Planets, RSS und Tonnen an verlinkungen und Zitaten wären doch 98% der Blogs völlig unbekannt und würden in der Versenkung verschwinden wie private Homepages vor zehn Jahren (egal wie toll sie eigentlich gemacht waren).
Stattdessen beruft man sich auf persönliche Eitelkeiten und schmeißt mit so tollen Argumenten, wie "den Inhalt sich zu eigen machen", statt mal zu versuchen etwas bisher Unbekanntes zu verstehen. Eigene Fehler einzugestehen ist halt schwierig und anstatt zurückzurudern und sich bei Nachtkind sich zu entschuldigen, wird nun weiter gedroht wie dieser neue Vettersche Blogeintrag zeigt (http://www.lawblog.de/index.php/archives/2006/08/02/post-aus-hamburg-und-berlin/). Und interessant fand ich den Text aus der Datenschleuder 90 (http://chaosradio.ccc.de/ds90.html) woher das Urheberrecht kommt und was der eigentliche Sinn dahiner war, nein immer noch ist (Seite 6ff). Da ich aber der Meinung bin, dass nichts jemanden aufgezwungen werden sollte, will ich Herrn Vetter auch nicht sein Recht abstreiten, gegen eine Verwendung seines Blogs in einem Planet zu sein. Ich finde nur seinen Ton mies und schade das er sich gar nicht auf die Idee des Planets einlassen mag. Und dass ist keine Problematik von Anwalten an sich, sondern vom Menschengeschlecht als solches. Wie Julian schon andeutet, den "gesunden Menschenverstand" zu nutzen wäre ja zu einfach. Hallo,
nur ganz kurz, du schreibst: "Ohne Planets, RSS und Tonnen an verlinkungen und Zitaten wären doch 98% der Blogs völlig unbekannt und würden in der Versenkung verschwinden wie private Homepages vor zehn Jahren (egal wie toll sie eigentlich gemacht waren)." Gegen RSS und INSBESONDERE gegen Tonnen an Verlinkungen und Zitaten hat KEINER etwas, darum geht es gar nicht. Es geht lediglich darum, dass diese "Planets" Bloginhalte VOLLINHALTLICH übernehmen/wiederveröffentlichen und diese dabei in einen anderen redaktionellen Kontext stellen - die Probleme, die es - unabhängig von vorgeblicher "persönlicher Eitelkeit" - damit geben kann, hat Christian in seinem Beitrag schon geschildert. Und ehrlich gesagt lebt die Blogosphäre meiner Meinung nach davon, das "einzigartige" Inhalte und Meinungen von vielen Stellen verlinkt, und an vielen Stellen zitiert und kommentiert wird und nicht davon, dass diese Inhalte an jeder Ecke dupliziert werden. Der Sinn von Aggreatoren (und das sind Planets) ist eigentlich, z.B. die Headlines/Themen/Teaser vieler verschiedener Quellen zentral darzustellen und nicht deren Inhalte zu kopieren. So, nu hab ich mich aber zu dem Thema ausgelassen, nicht erst nach der Lektüre der Datenschleuder glaube ich, dass bei der Diskussion offensichtlich zwei weitgehend schnittmengenfreie Wahrnehmungen vom Internet und dem Umgang mit Content aufeinander prallen... Ich hatte, als ich Herrn Vetters ersten Post lass gedacht, dass ihm jetzt einige Mal sagen werden, er solle doch bitte einen etwas gemäßigteren Ton anschlagen - dass wir aber dann doch nochmal ernsthaft darüber diskutieren würden, ob und wie man fremde Inhalte weiterverwenden darf, egal in welcher Form (Papier, HTML, RSS, Atom, XML, you name it), hätte ich echt nicht gedacht - nach dann doch gut 15 Jahren Internet - die auch durch Blogs und Web2.0 nicht auf den Kopf gestellt und regelfrei werden! Lieben Gruß Argelbargel Ja, es ist eine Marotte von "Mister Lawblog" sich mit denen zu messen, die ihm hilflos gegenüberstehen. Ich sage nur Amtsgericht Hohenschönhausen.
Geht man das Organ der Rechtspflege indes mit der Schärfe an, derer sich er selbst so gerne bedient, gibt es einen Maulkorb, Trackback- und Kommentarverbot. Ich sag doch immer: Es gibt nichts Bigotteres als die Neoliberalen. Mehr dazu bei mir im 37sechsBlog unter: http://37sechsblog.de/?p=863 Prometoys,
wie gesagt, Du schmeißt da Dinge in einen Topf, die nicht zusammengehören. Gegen die private Nutzung von RSS und Links hat kein Mensch etwas gesagt. Die Präsentation von fremden Inhalten auf einer fremden Homepage (und nichts anderes ist es, nennt man sie auch hundertmal hochtrabend "Planet") ist dagegen Diebstahl geistigen Eigentums. Übrigens ist der Inhalt der Datenschleuder, auf den Du Dich beziehst, grottenfalsch. Das Urheberrecht stammt nicht aus dem kirchlichen Recht, sondern ist eine Folge liberaler und freiheitlicher Ideen, entstanden mit der amerikanischen und französischen Revolution. Der Kirche ging es niemals um die Durchsetzung individueller Eigentumsrechte. Christian!
Es gibt kein geistiges Eigentum und dementsprechend auch keinen Diebstahl des selbigen! Eigentum ist immer rivalisierend, Wissen hingegen ist nicht-rivalisierend. Genauer: wenn ich ein Fahrrad habe, dann ist das Eigentum. Wenn du mir das klaust, dann hast du ein Fahrrad und ich keins. Wenn ich einen Text schreibe, dann kannst du mir den nicht klauen (ausser vielleicht das Blatt auf dem der Text steht). Wenn du ihn kopierst gibt es 2 Texte. Das ist ein ziemlich gravierender Unterschied, findest du nicht? Der Begriff "Geistiges Eigentum" stammt im Übrigen aus dem späten 20. Jahrhundert und ist in Deutschland von der Musiklobby eingeführt worden, um eine entsprechende Ideologie auf den Plan zu rufen. Solange der deutsche Gesetzgeber das geistige Eigentum mit UrhG, PatG, Geschmacks- und GebrauchsmusterG etc. schützt, gibt es auch geistiges Eigentum. Ob es das auch geben sollte, ist eine uralte Debatte, mit der ich mich unter anderem in meiner Diss beschäftigt. Kurz gesagt: Ja, in einer modernen Wissensgesellschaft sind zeitlich begrenzte, klar definierte Rechte an Wissen für ein funktionierendes Wirtschaftsleben unabdingbar.
Das von der (wirtschaftlich eher unbedeutenden) Musikindustrie so unterstützte DRM ist ärgerlicher und lästiger Mist, darin kann ich Dir sofort zustimmen. Klar gibt es UrhG, PatG und all die anderen Sachen. Dennoch hat das nichts mit Eigentum zu tun sondern mit Nutzungsrechten und Staatlich verliehenen zeitliche begrenzten Monopolen. "Eigentum" definiert sich nunmal komplett anders.
Ob wir das Kind nun als Nutzungsrechte, Immaterialgüterrecht oder geistiges Eigentum bezeichnen - wo ist der Unterschied?
hast du schonmal ein fahrrad kopiert? Oder eine Webseite geklaut so dass sie nicht mehr am alten Fleck war?
Siehst du? Das ist Haarspalterei, die mit der Rechtswirklichkeit nichts zu tun hat. Geistiges Eigentum hat man natürlich nicht am Fahrrad, wohl aber an der Idee des Fahrrads. Und bei der Website kommt es nicht auf den rein technischen "Verbrauch" an, sondern die geistige Nutzung.
Sowohl der Bundesgerichtshof (in BGHZ 17, 266, 278 f.) als auch der deutsche Gesetzgeber (durch das Gesetz zur Stärkung des Schutzes des geistigen Eigentums und zur Bekämpfung der Produktpiraterie) haben übrigens den Begriff des geistigen Eigentums ausdrücklich anerkannt. Klar haben sie das. Seit 1986 als die GEMA mit Hilfe von CSU und FDP eben jenen Begriff zum ersten mal in die Politik einführte. Siehe auch http://www.nmz.de/nmz/2006/02/magazin-kreile.shtml
"Geistiges Eigentum" ist und bleibt ein politischer Kampfbegriff der nichts mit den Wirtschaftlichen Eigenschaften von Wissen zu tun hat. Formaljuristerei hin oder her. Wo genau ist den der Unterschied in der Sache, ob wir davon reden, dass Herr Vetter sein "geistiges Eigentum" geschützt sehen will oder darüber, dass er nicht jedem ein völlig freies Nutzungsrecht an seinen Inhalten erteilt?
Zugegeben, da mag ein feiner Unterschied in der Denke vorliegen, an der Sache (er möchte nicht, dass seine Inhalte ohne seine Einwilligung frei genutzt werden) ändert sich doch nix... Gruß Argelbargel Der Unterschied ist für mich recht gewaltig, weil die zugrundeliegende Ideologie eine andere ist. Im Übrigen ist es auch ein Unterschied zu sagen "Bitte stellt meine Sachen nicht an anderen Orten öffentlich ins Netz" oder "Haltet den Dieb!" zu keifen.
Letzten Endes ist aber die Erwartung das Ausschlaggebende. Wer bisher suggeriert, er stelle gesunden Menschenverstand vor Rechthaberei und verstünde die Motivation und die Gerechtigkeitsauffassung von Netznutzern, der soll nicht im nächsten Moment all das über den Haufen werfen und in den durchschnittlichen Mob an rechtsversessenen Anwälten zurück sinken, die ansonsten das Bild prägen. Naja, den Eindruck hab ich in der Tat auch: es geht um eine Ideologie (an sich nicht schlecht).
Herr Vetter hat sich vielleicht etwas im Ton vergriffen, in der Sache hat er aber Recht - dies scheint allerdings nicht in die Selbstbedienungsideologie einiger Webnutzer zu passen. Mit dem Unterschied zwischen gesundem Menschenverstand und Rechthaberei hat das nicht viel zu tun. Einen ähnlichen Fall hatten wir, wie geschrieben, schon vor ein paar Wochen (dieser Typ der die Inhalte gleich komplett abgriff und dann auch in Form eines Blogs darstellte und dies mit "ich mach euch ein dolles Backup eurer Seite kaschierte). Damals hatte keine Sau ein Problem damit, dass Herr Vetter klar Bescheid sagt, was er davon hält... Gruß Argelbargel In dem ersten Teil von meinem Kommentar versuchte ich zu erklären, warum ich Planets gut finde und meine Ansicht zu Planets eine andere ist. Darüber kann mensch gerne streiten.
Leider habt ihr überlesen, dass ich doch gar nicht dem armen Herrn Vetter das Recht nehmen möchte, die Verbreitung seiner Texte zu unterbinden. Lediglich die Art diesen Wunsch zu kommunizieren halte ich für fragwürdig. Bitte lasst nun mal so Kampfbegriffe, wie "Selbstbedienungsideologie" zuhause. Es ist ja, Julian schon sagte, alles noch an Ort und stelle. Der konkrete Nachteil, den Herr Vetter durch den Planet hat leuchtet mir nicht ein. (Er muss aber auch keinen Grund nennen, um aus einem Planet augetragen zu werden. Bitte jetzt nicht wieder durcheinander würfeln) Er glaubte einen Nachteil zu haben, weil er weder Planeten, noch deren Sinn und Funktionsweise kannte... nehme ich zumindest mal zu seinem Vorteil an.
Einen Nachteil hat er im Nachhinein sicherlich. Er wird möglicherweise weniger gelesen werden, wenn ihn einige rein aus Vorsicht aus ihren Planeten werfen... Add Comment
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Angesichts der aktuellen Diskussionen um Contentklau und RSS-Aggregatoren scheint es mir notwendig geworden zu sein, ein paar grundlegende Dinge bezüglich der Nutzung dieses Blogs klarzustellen. Aus diesem Grunde habe ich diesem Blog erstmals schriftl...
Tracked: Aug 02, 17:05