Johnny
fragt sich zurecht, was die Faszination und die Entrüstung hervorruft, die Firmen wie Google oder auch Apple mit sich bringen, wenn sie gutes (Innovation) oder schlechtes (Zensur, Datensammeln, DRM) tun. Klar ist: eine Aktiengesellschaft ist eine Aktiengesellschaft. Und die unterliegt allen Regeln und Zwängen der Marktwirtschaft. Da kann man sich "The Corporation" anschauen oder das Schwarzbuch Markenfirmen lesen, ich kann mir gut vorstellen, dass das böse Erwachen für die Modeopfer ähnlich hart war, als sie entdeckten, dass ihre Schuhe auch nur von Kindern genäht werden, auch die mit dem Haken oder den drei Streifen drauf.
Und doch gibt es eben Unterschiede. Google hat beispielsweise trotz Vorantreibens der Webghettoisierung ein wenig mehr verstanden als Yahoo. Seien es Kleinigkeiten, wie dass man neuerdings bei Blogspot auch ohne Account kommentieren kann, oder sei es, dass Google Talk auf freien Standards basiert. Und es ist meines Erachtens nach eher das Unverständnis gegenüber den krassen Ausfällen in Sachen Firmenpolitik, als das Bedürfnis nach einer Vaterfigur in Unternehmensform, auch wenn das sicherlich ein Grund sein mag.
Apple waren die ersten im Online-Musikmarkt, die verstanden haben dass der User seine Freiheiten möchte. Für diese Freiheiten, und seien es nur 6 Privatkopien, musste man sicher hinter den Kulissen gewaltig kämpfen. Umso unverständlicher war es, als iTunes nach Hause telefonierte. Enttäuschung quasi.
Was also wären konkrete Erwartungen an Google? "Den Chinesen mal die Meinung sagen" ist sicherlich die falsche Option. Die ziehen dann nämlich den Stecker und Baidu, Yahoo oder MSN freuen sich. Aber öffentlicher PR-Druck kann wirken. Auch innerhalb der Systeme gibt es die Möglichkeit, ein klein wenig Gutes zu tun. Das mag ein zensiertes Stichwort weniger sein, oder ein Chinesischer Blogger, der bei Blogspot weiterhin seine Meinung sagen darf, nachdem er bei MSN abgeschaltet wurde. Und genau dafür ist öffentlicher Druck wichtig.