Man kann Verfilmungen von Bestsellern wie die von John le Carré verhunzen. Man kann aber auch gleichzeitig für Golden Globe nominiert werden und den Goldenen Löwen in Venedig gewinnen.
Klar, eine solche Story verleitet natürlich dazu, aus lauter politischer Korrektheit an Kritik zu sparen. Geht schließlich um Aids und TBC, Afrika, große Pharmakonzerne und Korruption. Um die Unfähigkeit der UNO, Bürgerkriegsopfer und so weiter.
Der "Schindlers-Liste-Effekt" ist hier aber gar nicht nötig, denn "The Constant Gardener" (zu Deutsch "Der ewige Gärtner") ist einfach gut. realistisch, gut gespielt, durchdachte Story und klare politische Message.
Zusammen gefaßt: Als Tessa (Rachel Weisz), die Frau des jungen Diplomaten Justin (Ralph Fiennes) in Kenia unter mysteriösen Umständen ermordet aufgefunden wird, beginnt er in den Unterlagen die nicht durch die korrupte Polizei beschlagnahmt wurden, nachzurecherchieren. Schon bald erkennt er, dass Tessa einen Skandal aufdecken wollte: ein Pharmakonzern, der die kostenlose Medikamentenabgabe an die dortige Bevölkerung nutzt, um illegale Testreihen durchzuführen. Als er weiter nachbohrt, stößt er auf ein Netz aus Korruption. in die auch sein Arbeitgeber, die britische Diplomatie, verstrickt ist. Sein Weg führt ihn in einer packenden Reise von Nairobi über London, Berlin und Paris bis in den Sudan und an die Grenzen der Vereinten Nationen: "So läuft das hier nun eben", so der lapidare Kommentar als ihm verboten wird, ein Mädchen vor den anrückenden Reiterhorden zu retten.
Ich weiß nicht, ob es die großartigen Bilder oder der bedrückende Realismus ist, aber "The Constant Gardener" ist gelungen und für mich nach "Match Point" (der inhaltlich natürlich rein gar nichts hiermit gemeinsam hat) schon gleich das zweite Highlight des Jahres. Ich glaube 2006 wird zumindest dank haufenweise 2005 woanders veröffentlichter Filme ein großartiges Jahr.
Update: Stelle gerade fest, dass der Film wie die Romanvorlage in enger Zusammenarbeit mit unseren (Attac-AG Wissensallmende) Freunden von der
Buko Pharma-Kampagne entstanden ist. Das erklärt natürlich auch den Grad an Realismus den der Film zum Teil besitzt. Mehr dazu in deren
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