Es ist ja immer sehr interessant in so halbwegs abgeschlossene Szenen einzutauchen. Plötzlich unter Leuten zu landen, die sich alle untereinander kennen und bewundern und beinahe monatlich auf irgendwelchen Kongressen oder sonstigen Veranstaltungen überall auf der Welt treffen.
Diesmal: Ein internationales Studenten-Medienkunstfestival in Heidelberg mit dem eher wenig innovativen Namen
Re/Act 05/06. Darauf aufmerksam geworden war ich durch einen kurzen Eintrag bei
We make money not art, deren Verfasserin Regine dort ebenfalls auf der Rednerliste stand. Aber zuerst einmal Jussi Ängesläva, der uns mit "Jussi kennen ohnehin fast alle hier" angekündigt wurde. Also wir nicht, soviel zum Thema "halbwegs abgeschlossene Szene".
Sein Vortrag dann aber umso interessanter: Jussi arbeitet unter anderem an der UdK in Berlin, ist Medienkünstler und beschäftigt sich wissenschaftlich mit Interface Design. In seinen Arbeiten geht er neue Konzepte um Technik benutzbarer zu machen, vieles davon ist technisch so auch noch nicht umsetzbar, liefert aber gute Denkanstöße. Seine für mich interessanteste Arbeit war ein Smartphone, dass sich über verschiedene Sensoren steuern und den Körper als eine Art Eingabegerät funktionieren lässt. Berührt man mit dem Gerät seinen Nacken, wird eine andere Funktionalität abgerufen als wenn man es an seine Brust hält - als Konzept sehr interessant, zumal Jussi richtigerweise anmerkt, dass Geräte zwar immer kleiner werden, Finger aber nicht. Ein Telefon dass sich Tasten zugunsten von Display und Platz sparen kann, wäre wirklich mal ein Schritt in die richtige Richtung.
Danach:
fur. Die Jungs, die die Painstation (Pong mit Elektroschocks und Brandblasen) gebaut haben: Medienkünstler mit dem Hang zu ein wenig Entertainment, wir hatten auf jeden Fall riesigen Spaß bei der Sache, nicht nur bei der Präsentation des Furninja (über den
Regine auch berichtet).
Regine macht ihre Sache dann zumindest für uns nicht allzu spannend. Sie erzählt ein wenig was es neues aus der Welt der technischen Kleidung gibt, das macht sie aber auf ihrer Website genauso und wer die kennt weiß eh alles.
Wirklich Spannend dagegen ist Dr. Georg Essl, der inzwischen an der TU Berlin forscht und neue Wege bei elektronischen Musikinstrumenten geht. Er stellt richtigerweise fest, dass Software-Instrumenten viel zu oft das haptische Element fehlt, um richtig damit musizieren zu können. Aus diesem Zweck hat er einen Algorithmus entwickelt, mit dem er auf Basis von Tonabnehmern, Samples modulieren kann und stellt das zum Beispiel mit einem Mikrofon dar, das in einen Handschuh eingebaut ist. Funktioniert erstaunlich gut, das Paper ist verfügbar, mich hat das auf jeden Fall angeregt, vielleicht selbt einmal mit diesen Sachen herum zu spielen.
Fazit? 3 Extrem gut angelegte Euro. Einige nette Ausstellungsstücke, vier sehr coole Redner und ein wenig überteuertes Essen, aber dafür gibt's ja auch wie in jeder Stadt den üblichen Imbiss um die Ecke.