Viel Reisen heute: 7:15 aufstehen, packen, frühstücken. 8:45 mit dem Bus nach Uig, von dort aus mit der Fähre nach Tarbert auf Harris. Haben uns kurzfristig entschieden, mit der Fähre einen dreiecks-Trip zu unternehmen, der kommt insgesamt günstiger. Also anderthalb Stunden mit dem Schiff, dort leichter Seegang aber starker Regen und Wind. Tarbert ist ein wirklich winziges Dorf. Besteht im Kern nur aus einem Dutzend Häuser, davon abgehend zwei Straßen, ein "großer Supermarkt", der hierzulande als Kiosk durchgeht und zwei recht nette "Handcraft"-Läden. Halbe Stunde Aufenthalt, in der ich in dem einen eine handgestrickte Wollmütze für 7,50 (knapp 11 Euro) kaufe. Als ich die Verkäuferin frage, ob sie die Mütze gestrickt hat, weist sie ab "Nein nein, das hat die Frau XY aus dem Dorf Z gemacht." Pfeif auf "Made in China" - is' eh zu teuer.
Danach weiter. Mit zwei Bussen über Cameron Terrace nach Na Gearannan. Die Fahrt ist in zweierlei Hinsicht abenteuerlich: Zum einen die Landschaft. Während Harris mit schroffen Felsen, steilen Bergen und großen Geröllfeldern aufwartet, ist Lewis eher flach und grasbedeckt - beide Inseln (die ja geografisch gesehen eine sind, aber wohl wegen Streitigkeiten innerhalb des MacLeod-Clans von Namens wegen getrennt wurden) sind auf ihre Art und weise wunderschön und doch sehr unterschiedlich.
Bei den Callenish Stones steigen Steffi und Flo aus der Nähe von München in den Bus, denen wir schon in Portree begegnet sind. Ihr Ziel ist ebenfalls Na Gearannan, eine wieder aufgebaute Ansammlung von sogenannten Black Houses. Inhalt: ein Museum, eine Cafeteria, Ferienhäuser und die wahrscheinlich unglaublichste Jugendherberge die ich je gesehen habe: eine winzige, mit Reet bedeckte Hütte, zwei Schlafräume mit 6 bzw. 8 Betten und eine Wohnküche, die mit einem kleinen Torf-Ofen ausgestattet ist (wobei wir gerade mit Kohle heizen). Als wir eintreten ist die Hütte leer. Erst einmal Rucksäcke ablegen und dann den Zuständigen suchen. Im Museum sitzt eine alte Frau, die uns in einem völlig lakonischen, ruhigen "Hey, wir sind hier nicht in ner Großstadt"-Ton erklärt "If you put a rucksack on the bed, you book the bed." Alles klar, so stelle ich mir das vor. Der zuständige Mensch kommt erst heute Abend und so lange sind wir eben auf uns gestellt. Nach dem Ausladen erstmal ein wenig die Umgebung erkunden. Direkt hinter der "Siedlung" beginnt ein Wanderweg entlang der Küste. Steffi und Flo kommen mit, und so begeben wir uns auf eine kleine Wanderung, die sich zu einem kleinen Abenteuer entwickelt: entlang der Steilküste erstrecken sich ewige Wiesenlandschaften, unzählige Arten Gräser, Moose und Flechten lassen die Felder in immer neuen Mustern erscheinen. Dazu: Wasser. Bächlein, kleine und große Wasserfälle und unzählige Tümpel machen die Wegfindung alles andere als leicht. Und so bin ich nicht der erste, dessen Stiefel mit schlammigem Sumpfwasser voll laufen. Das einzig wirklich sichere sind Steine, manch Pfütze versteckt sich unter einem Grasbüschel, oder aber die Moose geben als eine Art Schwamm beim hineintreten einen Schwall Wasser frei. Dazu macht der viele Regen die nicht-so-getränkten Wiesen rutschig, so dass auch bald meine Hose voll nasser Grasflecken ist. Richtig hart wird es aber, als wir uns nach drei Buchten entscheiden, querfeldein zurück zur Straße zu kommen und direkt im tiefen Morast landen. Mehr als "voll" geht aber eh nicht in die Stiefel rein und so werden die Schritte auch immer unvorsichtiger, bis wir, nach zwei Zaunklettereien wieder auf der Straße, nur wenige hundert Meter von der Siedlung angelangen. Genug der Aktion für heute, meine Stiefel trocknen gerade unter dem Kamin, meine Hose ist nach intensivem "Mit-Shampoo-Waschen" ebenfalls aufgehängt und nach einer guten Portion Nudeln ist es recht gemütlich geworden, hier mit Steffi und Flo, Holly aus Manchester, ihrem Neuseeländischen Freund Jamie, Lisa aus Kalifornien und einer Frau aus Michigan, die schon schlafen gegangen ist. Ins Bett werde ich wohl auch bald fallen, morgen ist zwar nach einigen sehr anstrengenden und eher wenig Schlafbedachten Nächten erst einmal Ausschlafen angesagt. Danach geht's aber weiter zu den Standing Stones of Callenish und nach Stornoway, auch ein nicht gerade leichtes Programm.
Nachdem es einige Beschwerden über die Länge meiner Texte gab und ich nun auch mal dazu komme, mich darum zu kümmern, wollte ich hier den schon beschriebenen Urlaub zusammenfassen. Nach langer Busfahrt ankunft in Portree, der Hauptstadt der Isle of Skye
Tracked: Oct 19, 19:46