Gar seltsame Ereignisse geschehen dieser Tage; Da gibt es einen Großkonzern, der wie alle anderen Konzerne Werbung macht. Nur im Gegensatz zu den anderen Konzernen pflastert er nicht nur Plakatwände - virtuell wie materiell - und Fernsehsendungen zu, sondern öffnet auch einen "Rückkanal" für die Kommunikation.
Erfreulich ist das allerdings schon- wenn auch nicht für den Erfinder: Denn wie so oft wollte ich schon bei allen möglichen Werbeformen sagen dürfen "Stimmt nicht, ihr Arschlöcher!" - allein ich konnte es nicht. So ähnlich verhält sich das nun eben.
Werbung ist eben die Invasion meiner persönlichen Privatsphäre. Immer. Die Frage ist nur, ob und wie ich mich damit abfinde, wie lästig ich das empfinde. Zunächst hat aber niemand irgendwen um Werbung gebeten - schon gar nicht im öffentlichen Raum (zu dem ja auch das Netz gehört).
Nun also jener Mobilfunkanbieter. Vielleicht ist es auch eine Art Verständnisproblem, aber mir scheint diese Kampagne von einer Sorte Leute konzipiert, die in Sozialen Netzwerken schon immer nur einen neuen Vertriebskanal sahen und ansonsten mit möglichst vielen Abkürzungen wie SEO um sich warfen. Das ist so ein bisschen, wie der Platz vor dem Brunnen, auf dem die einen nur in der Sonne hocken und sich austauschen wollen, während langsam die Fliegenden Händler anrollen. Irgendwann gibt's eben auch mal welche, die Aufstehen und die Händler zum Gehen auffordern, ihre Ware schmähen und anderes. Nur seltsam, dass sich Leute darüber wundern, dass sich da andere drüber aufregen, sobald man ihnen auch mal die Möglichkeit dazu bietet. Als ob Verkaufen, Marketing, Werbung, normal und okay wäre. Marketing ist aber nicht cool, es gibt nur welches, das man eher tolerieren kann (erstaunlicherweise das auch die Sorte, die eher funktioniert).
Nun gibt es auf diesen Plätzen auch immer jene Händler, die etwas beliebter sind. Die, die nicht den Touri-Kitsch verkaufen, sondern Selbstgemachtes. Oder im Internet eben jene Werbetreibende, die ernsthaft zuhören - an einem Dialog interessiert sind.
Was dieser Mobilfunkkonzern macht ist aber etwas anderes: Er stellt sich mitten auf den gut bevölkerten Platz und schreit aus voller Kehle. Und nicht nur das, er erwartet auch noch, dass alle anderen mitmachen - nur weil er einigen der üblichen Dorfbewohner ein paar Fische (oder Telefone) extra geschenkt hat damit sie für ihn mitschreien.
Nun ist es natürlich nicht nett, um beim Bild zu bleiben, diese Unterstützer aus dem Dorf zu treiben und irgendwie tut es mir auch leid, dass Frau Schnutinger dem sozialen Druck gegen den Konzern nicht mehr standhalten wollte. Aber zum Einen ging es niemals um die gute Frau, sondern in erster Linie um die Praktiken des Konzerns. Zum Anderen: Was erwartet Ihr? Werbung ist nicht beliebt. Vodafone ist nunmal ein Konzern und schon gar kein sauberer - und wenn so jemand sich öffnet, um Meinung zu hören, dann bekommt er sie auch.
Saschalobo scheint das interessanterweise zu wissen. Er steht dazu und zu den Konsequenzen. Kann man machen, ist auch irgendwie ehrlich und direkt.
Oder um es einfacher zu formulieren: Hallo, es ist Werbung! Wieso wundert sich irgendwer neuerdings, dass Werbung unbeliebt ist?
P.S: Absichtlich keine Links mit Kontext ausser zu
Malte