27. June 2006
Mein geschätzter Freund Wolfgang erzählte mir soeben von seiner Beobachtung von Geschehnissen im schönen Freiburg rund um das Fußballspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweden.
Dort, so die Erzählung, seien danach Fans in der Straßenbahn gesessen, hätten ihre Schuhe ausgezogen, und folgendes Lied zur Melodie von "Yellow Submarine" angestimmt:
"Schuhe aus und keiner weiß warum,
keiner weiß warum,
scheiße sind wir dumm..."
Nun bin ich mir nicht ganz sicher um was es sich da handelte, zumal ich gar nicht selbst anwesend war, erwähnenswert ist es aber allemal.
23. June 2006
/ Kategorie: politics
Schon am Dienstag kam ich von einer der wohl faszinierendsten Konferenzen des Jahres zurück. Eingeladen hatte der Trans Atlantic Consumers Dialogue in Kooperation mit dem Consumers Project on Technology mit dem schönen Titel "New relations between creative communities and consumers" oder wie die Konferenz-Shirts es sagen: "Bringing 1&2 together", gemeint sind Absatz 1 und 2 des Artikels 27 der Universellen Erklärung der Menschenrechte, die den Zugang der Menschen zur Kultur und die Rechte von Künstlern regeln.
Diese Diskussion soll, so das erklärte Ziel, in einer "Paris Accord" genannten Erklärung enden, die einen Ausgleich zwischen Kreativen und Konsumenten sucht.
Nun ist es ja immer recht einfach, von einer Konferenz begeistert zu sein, man lernt nette, verrückte und coole Leute kennen, geht abends Essen und auch mal viel trinken und hat neben interessanten Vorträgen oder Diskussionsrunden, unter Umständen sogar auf Kosten eines Arbeitgebers eine wunderbare Zeit.
Dieses mal war jedoch wirklich etwas besonderes: eine Konferenz, die einen echten Kompromiss anstrebt und Menschen aus ganz unterschiedlichen Feldern zusammen bringt: James Love, der das Consumers Project on Technology leitet und in einem Panel eine neue herangehensweise an Pharmapatente vorschlägt. Dabei unterstützt er einen Entwurf der auch schon in der WIPO eingebracht wurde, der Patente auf medizinische Wirkstoffe zugunsten eines Ausgleichsfonds abschaffen soll. Auch ansonsten gute Redebeiträge zu diesem Bereich, lediglich auf Publikumsseite gibt es neben Terry Fisher und mir nur Publikumsfragen, die Themen wie Elektrosmog und Handystrahlung betreffen und somit reichlich unnütz sind.
Die Mittagspause ist geprägt von typisch unfreundlichen Pariser Kellnern und den Magnetfeldmedizinern, aber auch von sehr leckerem warmem Ziegenkäse auf Salat.
Das dritte Panel des Tages (Nummer eins hatte ich leider aufgrund von unfähigen Infopointmitarbeitern am Flughafen verpasst) drehte sich um das Thema Software, allen voran natürlich Softwarepatenten und DRM. Eine Dame von Sun hatte die Gelegenheit, das Konzept eines offenen DRM-Systems vorzustellen und ich nutzte meine, um mich mit ein paar Kongressteilnehmern bekannt zu machen und unter anderem Neil Leyton besser kennen zu lernen, der mit seinem Label Fading Ways großartige pionierarbeit in Sachen "Faire Plattenfirma" macht.
Es folgt "The Public as a Creative Community" mit so verschiedenen Menschen wie dem Gründer von "The Young Turks", Jean-Baptiste Soufron der hier für die Wikimedia Foundation spricht und Valérie Peugot. Auch wenn das Thema höchst interessant ist, habe ich dank fortlaufender Gespräche nur die Gelgenheit, Jean-Baptistes eindringlichen Warnungen vor DRM zuzuhören.
Bevor der Tag mit Getränken und anschließendem Essen irgendwo in der Altstadt schließt, ist das Thema "Films, video and art - filmmakers, artists, actors and the viewing public" an der Reihe, das womöglich die größten Kontroversen in Sachen Creative Commons, Kulturflatrate und ähnlichen Thematiken hervorruft. Immerhin eine Gelegenheit, Sarah Andrew aus London und Prayas Abhinav aus Indien kennen zu lernen, die im abschließenden Essen für spannende Diskussionen sorgen.
Der zweite Tag beginnt mit heilloser Verspätung nicht nur meinerseits, sondern auch von Aziz Ridouan, der eigentlich um 9:30 auf dem Panel sitzen sollte. Weil Taxis um diese frühe Morgenstund aber recht selten zu sein scheinen, kommen wir erst kurz vor zehn an. Neil Leyton berichtet von seinem Label und verschiedenen neuen herangehensweisen an die Bezahlung von Musikern, Peter Jenner vom International Music Managers Forum gibt einen näheren Einblick in GEMA und co, und spricht sich für eine freiwillige Kulturflatrate auf Produzenten- und Konsumentenseite aus und Aziz berichtet von den Audionautes, der Rest bleibt mir leider dank Taxi verborgen.
Die Diskussion über Veröffentlichungen in der Lehre überspringe ich zugunsten einem Gespräch über eine mögliche alternative zu GEMA, BMI und ähnlichen mit Neil und Nick Ashton-Hart, bevor die für mich letzte Podiumsdiskussion am Nachmittag, mit solch illustren Namen Terry Fisher, Molly Beutz aus Yale, Volker Grassmuck und Felix Stalder anbricht. Es ist die große Runde über zusätzliche Diskussionen zum Paris Accord und gibt einen guten Querschnitt über die Thematiken. Terry Fisher stellt das mir ja schon dank der FairSharing-Veranstaltung in Berlin bekannte DMX-Projekt vor und konkretisiert erste Pilotvorhaben, Molly Beutz ordnet die Thematik in den Kontext Menschenrechte ein und das Thema "Kulturflatrate" bleibt der große Überbegriff der Konferenz. Während mir eine viel zu lange Heimreise bevorsteht, nehme ich einiges mit nach Hause: faszinierende Bekanntschaften, spannende Diskussionen über alle Bereiche geistiger Monopolrechte und digitaler Demokratie, neue Impulse in Sachen Kulturflatrate, die mich darin bestärken, eine verpflichtende Abgabe zu fordern, und möglicherweise viele weitere, spannende Diskussionen um eine akzeptable Gema-Alternative. Wir werden sehen.
22. June 2006
/ Kategorie: politics
Viel verwundert mich nicht mehr in diesen Tagen. Das hier aber irgendwie schon. Obwohl Microsoft eigentlich gar keine Anstalten macht, die Idealer Freier Kultur zu umarmen, wird es im neuen Microsoft Office eine Funktion geben veröffentlichen CC und Microsoft ein Plugin für Microsoft Office, mit der der geneigte Benutzer einem Dokument automatisch eine entsprechende Creative Commons-Lizensierung geben kann. Das berichtet zumindest news.com.
22. June 2006
/ Kategorie: politics
Unter anderem Heise berichtet, die USA hätten Schweden Handelssanktionen via WTO angekündigt, kümmere man sich nicht um das Problem "The Pirate Bay".
Das mag zwar alles fies klingen, mich verwundert das aber eher: Schweden ist EU-Mitgliedsstaat und als solcher gar kein direktes WTO-Mitglied. Die EU ist nur en bloc in der WTO vertreten, die USA können also gegen Schweden keine direkten Drohungen aussprechen.
Der korrekte Weg wäre, einen Streitfall vor einem WTO-Schiedsgericht zu verhandeln. Das dauert meistens Jahre und die Chance auf Erfolg ist angesichts der Komplexität der Urheberrechtsfrage (Ich glaube kaum dass das Verbot von Bittorrent-Trackern irgendwie aus dem TRIPS-Abkommen ersichtlich ist) sehr gering.
Stellt sich also schon mal die Frage, was sich da genau abgespielt hat.
12. June 2006
/ Kategorie: politics
Die ganze PirateBay-Geschichte scheint nicht nur auf Schwedens Innenpolitik zurück zu feuern: wie die AFP über einen Bericht in der Datens Nyheter schreibt, hat die gesamte Hausdurchsuchung, die dreitägige Downtime und alles was dazu gehört dazu geführt, dass The Pirate Bay seine Nutzerzahlen verdoppelt hat, seit die Seite wieder online ist. Das zumindest berichtet Alexa.com, bei denen ich allerdings auch nicht so richtig weiß was ich davon halten soll. Die Meldung gibt's unter anderem hier. Mehr Infos dazu sind natürlich wilkommen - vielleicht gibt es ja noch mehr Quellen als Alexa.
1. June 2006
Seit The Pirate Bay down ist, ist der Traffic am schwedischen Netnode Internet Exchange in der Spitze von 30 GBit/s auf 20GBit/s gefallen  . Was mich allerdings noch wundert ist, warum TPB als Tracker soviel Traffic macht und wie massiv die Daten des insgesamt über TPB verschobenen Traffics sein müssen...
1. June 2006
/ Kategorie: politics
Still the situation in Sweden concerning yesterday's raid on ThePirateBay is more than unclear, not very much information is getting out onto the net.
I had the privilege to conduct a small interview with "darknite" from Piratbyrån/The Pirate Bay hopefully lifting the fog a little bit:
What exactly happened yesterday?
We still don't knoww too much, it is all very chaotic. We still haven't had the chance to see the warrant, so we don't exactly know what they were looking for. We know from AntiPiratByrån (the swedish anti-piracy organization) that the warrant was issued towards the whole provider PRQ. Also not only about 160 servers but also networking equipment was taken.
That means that also other websites were affected?
Yes. The Magazine Säkerhet&Sekretess has issued a first list and asks everybody who is affected to notify them, as they are planning a big article on it. Dagens Industri, a rather large magazine in sweden says there were about 200 customers who have become "innocent victims". The fact that so many innocent websites, also the political organisation "Piratbyrån" have been taken down is much more serious for us than the temporary downtime of The Pirate Bay
Some people were also arrested. What are they being charged with?
Three crew members were arrested and questioned, though they were released again yesterday. They are being charged with copyright infringement. This could change, though. We suspect that AntiPiratByrån mislead the police, accusing ThePirateBay actually offering Warez on the servers.
Is there any estimation from the lawyers?
No, not yet. We are negotiating with a very famous swedish lawyer and trying to convince him to defend us in the upcoming case.
Does The Pirate Bay have a backup-plan?
We are currently working hard on a solution and I would be very disappointed in us if we couldn't get TPB up and running again within a week. It is very possible that we move into other countries, possibly Holland, with Russia as a Backup. There are some problems with decentralization, but a solution which would keep TPB up even if one location is taken down would be good.
What were the political reactions so far?
So far only the pirate's party as well as Piratbyrån has issued a statement. This year is election year in sweden, so we expect a lot more discussion to come. The behaviour of the police and AntiPiratByrån will surely also be debated in public
Thank you very much for this interview.
1. June 2006
/ Kategorie: politics
Noch immer ist in Schweden so einiges unklar, nur spärlich dringen Informationen über die Beschlagnahme der Piratebay-Server ins Netz.
Ich hatte die möglichkeit, soeben mit "darknite" von Piratbyrån/The Pirate Bay ein kleines Interview zu führen das zumindest ein bisschen klarheit verschafft:
Was genau ist gestern passiert?
Wir wissen tatsächnlich noch nicht allzu viel. Der Durchsuchungsbefehl ist uns immer noch nicht bekannt, wir wissen also nicht wonach gesucht wird. Wir wissen aber vom AntiPiratByran (der Schwedischen Anti-Piraterie-Organisation), dass es einen Durchsuchungsbefehl für den gesamten Provider PRQ gab. Es wurden anscheinend nicht nur etwa 160Server sondern auch Netzwerkequipment beschlagnahmt.
Das heißt es waren auch andere Webseiten betroffen?
Ja, das Magazin Säkerhet&Sekretess hat eine erste Liste veröffentlicht und ruft die betroffenen dazu auf, sich zu melden. Dass so viele völlig unschuldige Webseiten, wie auch die politische Organisation "Piratbyrån" betroffen sind, ist für uns viel schlimmer als die temporäre Auszeit von "The Pirate Bay"
Es wurden auch ein paar Menschen verhaftet, was wird ihnen vorgeworfen?
Insgesamt wurden drei Crewmitglieder verhaftet und befragt, sie wurden jedoch gestern wieder freigelassen. Ihnen wird Verstoß gegen das Urheberrecht vorgeworfen, das könnte sich jedoch ändern.
Wir vermuten, dass das AntiPiratByrån die Polizei fehlgeleitet hat und ThePirateBay fälschlicherweise vorwirft, Warez auf dem Server zu lagern und zu verteilen.
Gibt es denn eine Einschätzung von Anwälten?
Nein, noch nicht. wir verhandeln allerdings mit einem sehr bekannten schwedischen Anwalt und versuchen ihn zu überzeugen, uns in dem anstehenden Fall zu verteidigen.
Hat The Pirate Bay einen Backup-Plan?
Wir arbeiten gerade fieberhaft an einer Lösung und wären sehr enttäuscht von uns, wenn wir TPB nicht binnen einer Woche wieder zum laufen bekommen. Möglich ist auch, dass wir in andere länder gehen, gerüchteweise Holland, mit Russland als Backup. Allzusehr lässt sich das nicht dezentralisieren, aber optimal wäre natürlich eine Lösung, die weiter funktioniert wenn einer der Server vom Netz genommen wird.
Wie waren denn die Politischen Reaktionen bisher?
Bis jetzt hat sich nur die Piratenpartei geäußert. Allerdings ist dieses Jahr Wahljahr in Schweden, wir erwarten also noch einige Diskussionen zu diesem Thema. Das Vorgehen von Polizei und AntiPiratByran wird dabei sicher ein zur Debatte stehen.
Vielen Dank für das Interview
|