Nach etwas mehr als einem Tag Weiterleitungssperre, darf wikipedia.de nun wieder auf de.wikipedia.org umleiten. Die Vollstreckung wird bis zu einer Mündlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht Charlottenburg ausgesetzt. Mehr dazu bei den üblichen Verdächtigen
Update: Statt einfach weiter zu leiten, prangt auf wikipedia.de nun ein Statement des Wikimedia-Vorstandes in dem man sich reichlich beleidigt gibt:
Vereinzelt wurde darüber spekuliert, Wikimedia Deutschland e.V. hätte mit der vollständigen Abschaltung der Weiterleitung unter Umständen überreagiert. Dies ist nicht der Fall, wir haben uns damit lediglich an den Wortlaut der Verfügung gehalten:
Dem Antragsgegner wird es [...] untersagt, die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten, solange unter der Internetadresse de.wikipedia.org ein Beitrag vorgehalten wird, der den bürgerlichen Nachnamen des Sohnes der Antragsteller nennt. Ob diese weitere Eskalation unbedingt nötig ist, bezweifle ich jetzt mal...
18. January 2006
/ Kategorie: politics
Nach der TV Turnoff-Week, dem Buy Nothing Day und der Carfree-Week haben die Adbusters aus Kanada diese Woche die "Slow Down Week" ins Leben gerufen, die uns dazu mahnen soll, den täglichen Stress-Level einfach mal ein wenig herunter zu fahren: Relax... it's Slowdown Week, the first annual international downshift.
This week, gather family and friends -- at your leisure of course -- and
join the adventure, experimenting with new rhythms for a more enjoyable,
fulfilling, interesting and meaningful life. Dazu gibt es noch ein nettes Flash-Video über die Slow Down Week-Website. Harmlos aber nett!
18. January 2006
/ Kategorie: politics
 Und zwar in El Salvador, da wo es wohl mal einen Schwarzmarkt gab, bis ein neues Gesetz den Bürgern des Landes quasi vorschrieb, in Zukunft nur noch auf die teureren, echteren, Produkte zurück zu greifen. Das fanden die Händler und Hersteller gar nicht so gut, und haben deshalb in den DVD-Menüs lustige Aufrufe eingebaut, die den Käufer dazu aufrufen, die zuständigen Politiker zu boykottieren. Und weil es da auch gleich um die Existenzen von vielen Straßenhändlern geht (und nicht nur um die Privatkopie und damit verbundene Bürgerrechte wie hierzulande), gab's auch entsprechende Proteste, wie auf beigefügtem Bild..
Das El Salvador Blog berichtet ein bisschen ausführlicher und es gibt auch noch eine kleine Galerie mit drei weiteren Bildern... (via Slyck und Mixburnrip)
18. January 2006
/ Kategorie: music
Kopierschutz, Rootkit, Klagewellen und andere Eskapaden seitens der großen Musiklabels sind wohl endgültig den meisten Indie-Labels zu viel geworden. Deshalb unterstützt der Verband Unabhängiger Tonträgerunternehmen (VUT) ab sofort die Kampagne "Respect the Music". Dahinter verbirgt sich vor allem das "Copy Protection Free"-Logo das ab sofort auf einer ganzen Reihe von CDs der MItgliedslabels prangen soll. Entwickelt wurde das ganze von !K7 - das Logo und die Aktion sind deshalb auch nicht ganz neu. Neu aber, dass der ganze Verband sich dahinter stellt. Offenbar haben die Indies es kapiert, dass freundliche Appelle und Respekt vor den Kunden eben mehr bringen, als Kriminalisierung. Interessant finde ich das ganze auch aus dem Aspekt heraus, dass der VUT noch im November 2004 als Teils des "Forums der Rechteinhaber" eine Stellungnahme zum Referentenentwurf zum zweiten Korb abgegeben hatte - zusammen mit GEMA, GVL, IFPI und vielen anderen. Die Stimmung hat sich also offensichtlich gedreht. Musik respektieren ist eine feine Sache, ab und zu einen Tonträger kaufen auch, und Kunden fair behandeln sowieso. Schön, dass sich der Wind ein bisschen gedreht hat!
17. January 2006
/ Kategorie: politics
Interessant, wen unsere Forderung nach einer Kulturflatrate inzwischen auf den Plan ruft - interessant auch, dass das knapp ein Jahr nach dem Start der Fairsharing-Kampagne passiert. Heute: Hans-Joachim Otto, Sprecher des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag. Der ist natürlich dagegen: "Wer die massenhafte Herstellung rechtswidriger Kopien im Internet durch eine Pauschalzahlung faktisch legalisieren will, hat die Grundsätze des europäischen Urheberrechts nicht verstanden und missachtet die Notwendigkeit eines wirksamen Schutzes kreativer Leistungen" und hat damit auch so ein paar Grundsätze nicht verstanden. Zum Beispiel dass wir sehr wohl die Grundsätze Europäischen Urheberrechts verstanden haben, sie aber in dieser Form nicht akzeptieren und deshalb verändern wollen. Oder dass die Realität diesen Grundsätzen ohnehin schon voraus ist.
Wo ich gerade die Pressemitteilung im Original lese, muss ich mich ja schon fast geehrt fühlen. Ich hatte ja erst gedacht, der Mensch bezieht sich auf die Vorgänge in Frankreich, spricht aber über die die Veranstaltung letzte Woche in Stuttgart und damit ja auch irgendwie ein bisschen über mich.
Ursprünglich kam ich darauf ja gerade durch einen Artikel bei Golem, der auch auf eine Interview mit MPEG-Erfinder Leonardo Chiariglione verlinkt. Dieser Mensch scheint sich nicht so richtig mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben, und erzählt dass häufig übersehen werde, dass sie nur mit DRM-Systemen funktionieren können, die sehr weit in die Privatsphäre der Nutzer eindringen würden . Und das, wo es doch bei dem Konzept um die Wahrung der Privatsphäre geht, indem eben nicht personenbezogen sondern pauschal abgerechnet werden soll...
Update: Heise schreibt auch drüber, trackbackt aber nicht so schön...
Update2: Bei Fairsharing haben wir uns jetzt auch mal dazu geäußert...
17. January 2006
/ Kategorie: politics
Jean-Baptiste Souffron, "Legal Counsel" der Audionautes, der Organisation die in Frankreich maßgeblich dafür verantwortlich war, die Kulturflatrate in den Urheberrechts-Gesetzentwurf einzubringen, schreibt mir soeben per mail: "Today's debate was at the request of Nicolas Sarkozy, minister of justice. The voting is scheduled to begin again at February 8th, but there will be no good information in english. I guess we'll issue a short press release in english though. Just get our RSS."
Damit bezieht er sich auf meine Anfrage, wo es morgen verlässliche Informationen zum Gesetzgebungsverfahren geben wird. Sprich: Wird es nicht geben, aber die Abstimmung ist wohl ohnehin erst am 8. Februar, ursprünglich war die auf den 17. Januar terminiert, wovon bis soeben nicht nur ich ausgegangen war.
Das Frog Blog hat derweil eine sehr lange Auseinandersetzung mit dem Thema, immerhin einer hier, der auch mal ein bisschen Französisch kann und dank seines Aufenthaltes in Paris auch direkt aus erster Hand berichtet...
14. January 2006
/ Kategorie: politics
Ich dachte das Thema sei ja eigentlich ganz gut durch, aber nachdem mich gleich mehrere Leute auf die Aussage "Wir wollen nicht, dass jeder herunterladen kann und die Künstler nichts bekommen" angesprochen und diese kritisiert hatten, wollte ich doch eben kurz klar stellen was ich damit meine.
Bisher gibt es pauschale Abgaben auf Speichermedien wie CD-Rs, Abspielgeräte wie MP3-Player und viele andere Dinge. Diese gehen der GEMA zugute, die das Geld fast immer ungerecht verteilt. Diese Abgabe beinhaltet eine Kompensation für evtl entstehende Privatkopien, die aber im geltenden Recht recht eng gefasst sind. Im Internet ist das eine andere Situation: Tausch über P2P lässt sich nicht als Privatkopie im herkömmlichen, juristischen Sinne begreifen. Aus genau dieser Motivation heraus verlangt unter anderem Fairsharing eben auch hier eine Abgabe: Kompensation ohne Kontrolle ist das gute Stichwort: auf der einen Seite möchte man, dass Künstler für ihre Arbeit entlohnt werden. Wenn dadurch, dass mehr Menschen ihre Musik über Tauschbörsen beziehen, dann muss dieser Einnahmeausfall (und natürlich: längst nicht jede Kopie ist ein entgangener Verkauf) auf irgend eine Weise kompensiert werden, wenn in dieser Gesellschaft weiterhin Künstler die Möglichkeit haben sollen, von guter Musik auch zu leben. Eine kleine Abgabe, die für beschränkte Privatkopien gedacht ist, reicht da eben nicht aus.
Zudem besteht der Gedanke, auch die bestehenden Strukturen von Labels und GEMA zu durchbrechen: Ein Küstler soll sich eben nicht an eine Verwertungsgesellschaft binden, die damit alle Verwertungsrechte behält. Momentan ist es Künstlern nicht möglich, gleichzeitig Musik online zu veröffentlichen und etwas vom Pauschalabgaben-Kuchen abzubekommen, die GEMA lässt das nicht zu. Es ist nicht einmal möglich, nach Werken zu trennen: GEMA-Mitgliedschaft ist personenbezogen und gilt für alles, was im Zeitraum der Mitgliedschaft geschaffen wurde. Bei einer Abgabe die auf alle Kopien gilt - und somit auch der Zeit gerecht wird, in der sie existiert - ist es eben auch möglich, Songs auf vielfältige Weise zu veröffentlichen und dennoch über alle Veröffentlichungskanäle an Einnahmen zu kommen. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, einen analogen Distributionsweg zu gehen und beispielsweise Vinyl-LPs zu pressen, bei einem Label (wie auch immer Labels in 10 Jahren aussehen werden) unter zu kommen das sich darum (und vielleicht um die Vermarktung des Künstlers) kümmert, in öffentlichen Radios gespielt zu werden, und dennoch das neue Album via Bittorrent zu vertreiben. Ein Weg der momentan (fast) nicht möglich ist.
Auf der anderen Seite wollen wir keine Kontrolle: die bisherigen Praktiken, die Kriminalisierung von Tauschbörsen führen zwangsweise in eine Welt voller DRM und Überwachung. Abomodelle funktionieren zum Beispiel nicht, weil man eben keine Musik-GEZ möchte, die "Schwarz-Sauger" ausfindig macht und verknackt. Und wohin unser momentanes System führt, in dem alle paar Wochen willkürlich P2P-User verknackt werden, und Rechteinhaber bald auf eigene Faust Auskunftsansprüche geltend machen sollen, müsste auch klar sein. Immerhin ist die jetzige Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie auch das Ergebnis massiver Lobbyarbeit durch die Urheberrechtsindustrie.
Und ja: ich halte das Modell auch nicht für Perfekt, es ist nur ein sehr pragmatischer Vorschlag, natürlich kann man auch über eine Abgabe in Form einer Steuer oder über ein Grundeinkommen diskutieren. Aber bitte nicht hier und jetzt.
13. January 2006
/ Kategorie: politics
Nachdem ich ja schon im vorfeld leicht verpennt hatte, großflächig darauf aufmerksam zu machen, und eigentlich auch nicht mehr vorhatte noch groß darüber zu schreiben, tue ich es jetzt doch: Gestern war ich vom CCCS zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, in der es um Internet und Urheberrecht gehen sollte. Andreas 'ixs' Tienemann hat ein wenig zu DRM und Kopierschutz erzählt, Thomas Hochstein zur rechtlichen Lage. Meine Aufgabe war es dann Fairsharing vorzustellen, bevor Paul Woog vom Popbüro ein wenig die Seite der Musikindustrie erläutern sollte. Leider war Paul nicht so der richtige Gegner für die Sache, eher auf Kuschelkurs, fand auch DRM ganz doof und zur Kriminalisierung von Tauschbörsennutzern hat er auch nicht so viel gesagt, dafür viel vom Wirtschaftsfaktor Popmusik geredet. Schade eigentlich, war trotzdem eine ganz nette Diskussion und Heise hat auch darüber geschrieben
11. January 2006
/ Kategorie: film
Man kann Verfilmungen von Bestsellern wie die von John le Carré verhunzen. Man kann aber auch gleichzeitig für Golden Globe nominiert werden und den Goldenen Löwen in Venedig gewinnen.
Klar, eine solche Story verleitet natürlich dazu, aus lauter politischer Korrektheit an Kritik zu sparen. Geht schließlich um Aids und TBC, Afrika, große Pharmakonzerne und Korruption. Um die Unfähigkeit der UNO, Bürgerkriegsopfer und so weiter.
Der "Schindlers-Liste-Effekt" ist hier aber gar nicht nötig, denn "The Constant Gardener" (zu Deutsch "Der ewige Gärtner") ist einfach gut. realistisch, gut gespielt, durchdachte Story und klare politische Message.
Zusammen gefaßt: Als Tessa (Rachel Weisz), die Frau des jungen Diplomaten Justin (Ralph Fiennes) in Kenia unter mysteriösen Umständen ermordet aufgefunden wird, beginnt er in den Unterlagen die nicht durch die korrupte Polizei beschlagnahmt wurden, nachzurecherchieren. Schon bald erkennt er, dass Tessa einen Skandal aufdecken wollte: ein Pharmakonzern, der die kostenlose Medikamentenabgabe an die dortige Bevölkerung nutzt, um illegale Testreihen durchzuführen. Als er weiter nachbohrt, stößt er auf ein Netz aus Korruption. in die auch sein Arbeitgeber, die britische Diplomatie, verstrickt ist. Sein Weg führt ihn in einer packenden Reise von Nairobi über London, Berlin und Paris bis in den Sudan und an die Grenzen der Vereinten Nationen: "So läuft das hier nun eben", so der lapidare Kommentar als ihm verboten wird, ein Mädchen vor den anrückenden Reiterhorden zu retten.
Ich weiß nicht, ob es die großartigen Bilder oder der bedrückende Realismus ist, aber "The Constant Gardener" ist gelungen und für mich nach "Match Point" (der inhaltlich natürlich rein gar nichts hiermit gemeinsam hat) schon gleich das zweite Highlight des Jahres. Ich glaube 2006 wird zumindest dank haufenweise 2005 woanders veröffentlichter Filme ein großartiges Jahr.
Update: Stelle gerade fest, dass der Film wie die Romanvorlage in enger Zusammenarbeit mit unseren (Attac-AG Wissensallmende) Freunden von der Buko Pharma-Kampagne entstanden ist. Das erklärt natürlich auch den Grad an Realismus den der Film zum Teil besitzt. Mehr dazu in deren News-PDF
11. January 2006
/ Kategorie: politics
Ich warte ja im Prinzip schon seit Jahren darauf, dass irgendwas dickes in Sachen Kopierschutz passiert. Dass diese ganzen Regioncode-Geschichten oder ähnliches mal auf die zurückfällt die daran schuld sind. Nun meldet der Register eine fast-Erfüllung dieser Erwartung: Ursprünglich wollte man den neuen Spielberg-Film "Munich" für die Bafta-Awards einreichen, die englischen Oscars. Das haben die auch getan, allerdings als Regioncode1-DVD, die natürlich nicht in England sondern nur in den USA läuft. Donnerstag müssen die Filme aber bewertet sein, bis dahin klappt das nicht mit den RC2-DVDs. Bleibt ein kleiner Scherbenhaufen und viel Schadenfreude, vielleicht sollten die den Juroren auch einfach empfehlen, sich den Film eben aus dem Netz zu besorgen... (via Netzolitik)
10. January 2006
/ Kategorie: politics
Manche Mails sind die Pest. Und ich meine jetzt nicht gewöhnlichen Spam, sondern eher die, die per Mailingliste kommen, dort natürlich an siebzehn andere Mailinglisten cross gepostet. Der Inhalt: "Bitte beteiligt euch an Umfrage xy im Internet, da geht es gerade um Thema xy, zur Zeit steht es total schlecht weil meine Meinung nicht die Mehrheit hat, also: dringend manipulieren!!!!!" oder so ähnlich.
Also Leute, mal ehrlich: Abgesehen davon, dass übermässiges Crossposten fast schon Spam ist, und abgesehen davon, dass mehr als ein Ausrufezeichen automatisch alle Spamfilter dieser Welt Alarm schlagen lassen sollten:
Was zur Hölle bringt euch eine Abstimmung, in der 95% eurer Meinung sind? Glaubt ihr, dadurch würde irgend etwas relevantes bewegt? Glaubt ihr, das wäre auch nur eine einzelne Pressemeldung wert, und wenn doch, die würde irgendwie übernommen? Glaubt ihr, dass bei irgendwem durch die Headline "95% aller ZDF-Online-Leser finden Atomenergie geil" auch nur irgend ein Effekt getriggert wird? Das nervt. Ehrlich. Und es delegitimiert solche Abstimmungen, je mehr also ihr glaubt, mit Ergebnisbeeinflussung etwas erreichen zu können, desdo weniger interessiert sich irgend ein Mensch für solche Abstimmungen, die ja "eh alle fake sind".
Und noch was: der einzige Grund, warum so eine Abstimmung überhaupt meine Aufmerksamkeit erwecken könnte, wäre, wenn sie endlich mal die tatsächliche Leserschaft wiederspiegeln würde. Ja, das wäre nett zu wissen: Wie viele ZDF-Leser tatsächlich für die Atomkraft sind. Oder wie der durchschnittliche Mensch so tickt, der Sat.1 Geld schenkt, indem er bei sinnlosen TEDs abstimmt. Aber nein: falsche Meinung darf nicht sein, und wenn wir die Leute schon nicht überzeugt kriegen, können wir so wenigstens behaupten, sie seien es.
10. January 2006
/ Kategorie: politics
Es gibt auch noch gute Nachrichten:
Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hat entschieden: Die geplante Übernahme der ProSiebenSAT.1 Media AG durch die Axel Springer AG begründet vorherrschende Meinungsmacht. Sie wird nach den Vorschriften des Rundfunkstaatsvertrags über die Sicherung der Meinungsvielfalt nicht als unbedenklich bestätigt.
Soviel dazu. Obwohl sich inhaltlich doch nicht allzuviel ändern würde, immerhin war ProsiebenSat1 früher mal Kirch und der wiederum hing ja auch eng mit Springer zusammen, wäre das dann doch zu viel des guten gewesen...
8. January 2006
/ Kategorie: politics
Das Online-Wörterbuch dict.leo.org ist für mich ja inzwischen völlig unverzichtbar geworden. Ab einer gewissen Menge Texte, die auch gut klingen müssen, ist ein Wörterbuch ohnehin nötig und keines ist für mich so übersichtlich und schnell greifbar wie oben genanntes.
Leider ist das nicht immer schnell genug. Wenn ich qua OpenOffice.org (das .org gehört mit zum Namen und ist da wichtig!) am Textverfassen bin, möchte ich ungern erst in den Browser wechseln und dort ein Formularfeld ausfüllen. Genau deshalb hatte ich mich in den letzten Tagen ein klein wenig damit auseinander gesetzt, wie OpenOffice.org-Plugins aussehen - fehlt nur noch eine Schnittstelle (API) über die ich anfragen an dict.leo.org absetzen kann..
So etwas kann ja nicht schwer zu basteln sein, dachte ich mir, und schon war auch eine Mail an die netten Leute aus München raus, die eben genau jene Frage beinhaltete: "Ich brauche eine API, wie schaut's aus?"
Zurück kam schnell aber enttäuschend eine Absage. Die Logik dahinter: Weniger Besuche über die Website = weniger Werbekunden = Finanzieller Tod.
Schade, dass ausgerechnet ein staatlich finanzierter Dienst so denken und arbeiten muss. Schade auch, dass man offensichtlich einer entsprechenden Logik unterliegt, die ich so nicht teilen kann.
Für mich bedeutet mehr Zugang in erster Linie mehr Besucher, die dann auch mal auf die Website gehen. Und dort dann vielleicht auch werbung klicken. Ich wäre auch durchaus bereit, den Preis eines normalen Wörterbuches zu spenden, um diesen Zugang haben zu können und ich denke es geht anderen sicher ähnlich. Mal ganz abgesehen davon dass ich, genau wie viele andere, ohnehin nicht auf Werbung klicke.
Schlussfolgerung? Wir brauchen eine echtes, freies Online-Wörterbuch. Vielleicht auch mal eine Aufgabe für die Wikimedia Foundation? Das Wiktionary ist ja ein netter Anfang, ist aber eben einsprachig. dict.cc gibt's ja auch noch, aber auch da, auch eine Uni-Einrichtung (Chemnitz). Mal die wegen API fragen, ich bin aber skeptisch. Ausserdem wäre ganz frei eben doch besser.
8. January 2006
/ Kategorie: politics
Oh Wunder: kaum ist man selbst bedroht, kann man auch das Problem nicht mehr leugnen. In diesem Fall warnt die Chicagoer Polizei ihre MItarbeiter davor, dass in den USA der Schwarzmarkt für Telefon-Verbindungsdaten boomt. So rät der dortige Polizeichef seinen Mitarbeitern als letzte Notmaßnahme vorsichtig mit ihrer Telefonnummer umzugehen: "Officers should be aware of this information when giving out their personal cell phone numbers to the general public" - Symptombekämpfung also, auch wenn er auch fehlende Gesetze zur Verhinderung von Datenmissbrauch anmahnt.
Dass uns in Europa noch viel mehr blühen kann, wenn erstmal eine umfassende Vorratsdatenspeicherung in Kraft tritt, die ja nicht nur speichert wer mit wem telefoniert hat, sondern auch wer wen erreichen wollte, wo die Person zu diesem Zeitpunkt war und wer mit wem im Internet kommuniziert. Mißbrauchszenarien gibt es da natürlich tausende. Es scheint dagegen immer noch nicht nicht so ganz bewußt zu sein, dass solche Datenspeicherungen auch in falsche Hände gelangen können. Korrupte Telco-Mitarbeiter? Oder gar Beamte? Niemals! Oder doch? Immerhin ist sowas ja ganz schön wichtig wichtig für die Privatwirtschaft. Denn, so spricht Ernie Rizzo, ein Privatdetektiv aus Chicago: "I would say the most powerful investigative tool right now is cell records. I use it a couple times a week. A few hundred bucks a week is well worth the money"
6. January 2006
/ Kategorie: politics
Ich hatte ja schon angekündigt, mir nochmal ein paar Gedanken zum Informationsfreiheitsgesetz zu machen, und speziell zur lobpreisung des selbigen durch Jörg Tauss, der ja einer der Paten des Gesetzes ist.
Ich stehe dem ganzen natürlich auch recht positiv gegenüber. Informationsfreiheit ist wichtig und es entspringt der typisch deutschen Tugend der Obrigkeitshörigkeit, Amtsvorgänge verheimlichen zu wollen. Auch deshalb konnte ich die konservative Anti-Haltung nie so genau verstehen, ausser ich wurde zynisch und begründete sie mit dem Schutz von Korruptionsinteressen.
Tauss mahnte ja auch zur Skepsis, noch habe man keinen Zugriff auf die Mautverträge. Und wenn ich mir die Meldungen heute so ansehe, ist diese Skepsis berechtigt: bis zu 500 Euro Verwaltungsgebühren sind notwendig um möglicherweise an die erwünschten Informationen zu gelangen. Sinn dahinter? Abschreckung einzelner Bürger vielleicht. Und freier Journalisten, wie es ja auch der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes befürchtet. Geheimnis krämen wird man damit dennoch nicht können, in wichtigen Sachen werden sich große Presseorgane kaum von 500 oder auch 1000 Euro, wie in manchen Landesinformationsfreiheitsgesetzen festgelegt, aufhalten lassen. Haushalt sanieren aber auch nicht, dafür stimmt der Preis nicht mit Angebot und Nachfrage überein.
Bleibt also der Gedanke, dass das ganze Gesetz von Beamtenseite generell diskreditiert werden soll, um allzu häufiges Schnüffeln am Amtsschimmel einzudämmen. Das war ja laut Tauss schon in der Entstehung der Fall, wird jetzt eben fortgesetzt wo der Gesetzgeber keinen EInfluss mehr hat. Bleibt die Hoffnung, dass 500 Euro die Ausnahme bilden sollen. Bei einer vollständigen Kopie des Mautvertrages würde ich sie ja sogar fast für gerechtfertigt halten.
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