Facebook kauft also Whatsapp. Unglaublich?

Mal ganz schnell gerechnet: Whatsapp hat mit 430 Mio aktiven Usern ungefähr ein Drittel so viele wie Facebook. Facebook ist 173 Milliarden Dollar wert, guckt man den aktuellen Börsenwert an, Whatsapp hat also ein zehntel gekostet, 37 Dollar pro User, ein Facebook-User ist nach aktueller Market Cap ungefähr 140 Dollar teuer, beim Börsenstart waren’s ca. 100.
Ich habe keinen Einblick darin, wie oft die Facebook-App wo installiert wurde, aber: Ich bin mir sehr sicher, dass bei einem solchen Kaufpreis genau zwei Dinge passiert sind: a) Facebook durfte sich im Rahmen der Due Dilligence angucken, wie genau die Nutzungsstatistiken von Whatsapp ausschauen. b) Facebook kennt seine eigenen Nutzungsstatistiken des Messengers und der FB-App ebenfalls ziemlich genau.
Ich bin mir ebenfalls sicher, Facebook hat sich seit Messenger-Launch ziemlich intensiv damit auseinander gesetzt, wie sie Whatsapp das Wasser abgraben können. Und festgestellt, dass sie das nicht schaffen. Und ich bin mir auch sicher, dass Whatsapp Nutzerschichten erreicht, an die Facebook nicht kommt. Dazu kommen noch solche Dinge wie die Tatsache, dass das sehr mächtige Konkurrenten gibt, von denen hierzulande kaum jemand etwas gehört hat. Line zum Beispiel, die Japan dominieren und die Mobile-App mit dem höchsten Umsatz ausserhalb des Spielebereiches bieten. Ebenfalls Instant Messaging und ein ganzes Social-Network-Ökosystem inklusive Spieleplattform aussenrum.
Machen der Kaufpreis von 4 Mrd Cash und ein ganz großer Haufen teurer Aktion also Sinn? Wir werden sehen. Vollkommen bescheuert ist da aber sicherlich niemand vorgegangen.

Kuka KR Agilus vs Timo Boll

Bislang war die Verbindung von “Roboter” und “Sport” ja vor allem damit in der Öffentlichkeit, dass sich irgendwelche Fußballspielenden Fahrzeuge ineinander verkeilten, um dann doch irgendwie noch ein Tor zu schießen und die Weltmeisterschaft für sich zu gewinnen. Der Roboter-Hersteller KUKA geht jetzt allerdings einen Schritt weiter und das finde ich hochspannend. Zur Eröffnung seiner China-Dependence wird es nämlich ein Tischtennis-Match geben. Ein “Kuka KR Agilus”, laut Firma der schnellste Industrieroboter der Welt, gegen Timo Boll. Der ist oder war wasweißichwieoft Meister in vermutlich Welt und Europa im Tischtennis und ist also ebenfalls schnell. Vor allem aber ist er klug, also zumindest mit einer ganz anderen Intelligenz ausgestattet, die ihm vor allem bei der Gestaltung von Spielzügen zugute kommen sollte. Ganz ehrlich habe ich aber keine Ahnung, wie das ausgeht. Weil wenn dieser Roboter schnell genug ist, kann Timo Boll natürlich so gewieft spielen, wie er nur mag: jeder seiner Bälle wird ausgekontert werden. Und vielleicht ist das ja auch alles nur Schaukampf, weil der Roboter in Echt den armen Boll in Grund und Boden spielen würde, das Ding aber der Show wegen ein bisschen gedrosselt wird.
Nach Schach jetzt also Tischtennis, ich hoffe wir können bald diese Olympiaden begraben.
Einen Trailer gibt’s übrigens hier:

und Kuka hat zu dem Event natürlich auch eine Website gebaut, die man sich hier ansehen kann.

Wie verläuft so eine Mandel-Operation?

Nachdem ich letzte Woche kurz über meine Erlebnisse in Sachen Mandel-OP geschrieben hatte, wurde ich mehrfach gefragt, wie es denn so sei, die Mandeln rauszubekommen, man habe das auch vor sich. Das tu’ ich hiermit und spare nicht unbedingt mit Details. Das so als Warnung.

Kurzum: Es ist kein Spaß, hoffen wir, dass es sich lohnt.

Es ist schon kein Spaß, am Tag vor der OP von Station zu Station rennen zu müssen, mit tausend Zetteln, hier Blutabnahme, da ein äußerst langweiliges Gespräch über die Risiken einer Vollnarkose, da drüben nochmal kurz 45 Minuten warten.

Es ist auch kein Spaß, morgens in aller Früh zum OP-Termin zu kommen, dann zu warten, schließlich in den OP geschoben zu werden, Narkoseeinleitung, gute Nacht.

Viel weniger Spaß ist aber alles danach. Die Schmerzen sind teilweise direkt aus der Hölle. Und zwar nicht an Tag 1 und schon gar nicht unmittelbar nach der OP, wo noch die Chemie wirkt. Der Schmerz kommt danach. Heute ist Tag 8 und während ich langsam ausheile, wird jegliche Säure für mich immer unerträglicher. Generell Essen: Es ist ebenfalls nicht lustig, eigentlich so gar nicht, morgens für ein Brötchen 20 Minuten zu brauchen und das zweite nicht mehr ganz zu schaffen, nicht mangels Hunger oder gar Appetit, sondern weil es einfach zu anstrengend ist, jeden Bissen zu kauen, teilweise runterzuwürgen, dann wieder hoch, nochmal kauen, nochmal runter und so weiter.

Und ich habe die Schmerzmittel wenigstens noch gut vertragen. Morgens zwei, mittags eine, abends nochmal zwei und wenn man nicht schlafen kann (und ich hatte die gesamte erste Woche keine zwei Stunden am Stück), dann eben Nachts nochmal.

All das ist aber nur die Routine. Wirklich wirklich, ja _wirklich_ unlustig wird es, wenn die Nebenwirkungen kommen. Du stehst also eines nachmittags auf, läufst zum Waschbecken und spuckst ein wenig Dreck aus dem Hals. (Und das machst du oft, meistens in Nierenschalen, denn der Wundbelag löst sich auch irgendwann und dann hast du einen ganz widerlichen Geschmack im Mund, teilweise hilft dagegen Chlorhexamed, also gehst du gelegentlich gurgeln).
Und dann kommt Blut. Erst so ein bisschen und du denkst dir “oh, nicht so gut”. Dann spuckst du nochmal und das Waschbecken färbt sich rot. Dann drückst du den Notknopf, die Krankenpfleger kommen, geben dir ein widerlich bitteres Zeug zum Gurgeln, legen dir eine Eiskrawatte an, und dann hoffst du, dass du nicht in die Not-OP musst. Nach zwanzig Minuten schwallbluten hört die ganze Chose auf und du freust dich, alles wieder gut, keine weiteren Erscheinungen, noch ein Tag liegen, heim.

Zuhause ist aber auch kein Spaß. Es gehört so mit zum unspaßigsten, das ich glaube, erleben zu können, nachts um eins Blut spuckend im Flur zu sitzen. Die Wohnungsür geöffnet, damit die Sanitäter, die du gerade per 112 gerufen hast, auch rein kommen, wenn du kollabiert sein solltest.

Auch die Nach-OP ist nicht lustig. Nochmal Vollnarkose. Die Wunde wird untersucht, kritische Gefäße verödet, in meinem Fall alles nochmal vernäht, damit auch ja nichts mehr aufgeht. Dagegen ist der ganze Quatsch mit Aufwachen und die Krankenschwester mit drogeninduziertem Unsinn volllabern nur ein schwacher Trost.

Alles weitere, also noch mehr Schmerzen (und zwar aus der Hölle, mehr als 150mg Diclofenac und 200mg Tramadol am Tag so unterdrücken können), schnarchende Zimmernachbarn, schlechtes Krankenhausessen, ein zur Neige gehendes Datenvolumen, all das ist auch kein Spaß, aber eben auch relativ.

Lohnt es sich also? Bestimmt. Meine Mandeln waren chronisch entzündet, ich war häufig krank und schwach. Mein Arzt ist überzeugt, dass sich das alles bessert. Aber so leichtfertig wie einst (a.k.a. “Na dann lass ich sie halt mal eben rausnehmen”) würde ich da heute nicht mehr herangehen.

Mandeln Raus!

Endlich, möchte ich schreien, aber schreien kann ich gerade nicht. Endlich bin ich um etwa fünfzig Gramm leichter, zwei golfballgroße (ja wirklich!) Stücke völlig nutzlosen Gewebes wurden mir aus dem Hals geschnitten. Nun sind Mandeln natürlich nicht vollends nutzlos. Sie gehören zum Lymphsystem und dienen dem Körper urspünglich als Portier, der neu angekommene Bakterien vermeldet und registriert. Bei mir waren sie aber eher verantwortlich für regelmäßige Erkältungen, einen chronischen Entzündungsherd im Körper. Vermutlich auch für ein dauerndes Gefühl von Schwäche und Krankheit, wenn ich mal über ein paar Tage hinweg weniger als 8 Stunden Schlaf bekommen hatte.
Nun sind sie raus und ich werde sie nie wiedersehen. Tatsächlich hatte ich den Arzt gefragt, ob ich sie denn theoretisch haben könnte, so in Formaldehyd eingelegt, aber – im Nachhinein verdammt logisch – sie wurden in ein pathologisches Labor gesandt, um da nochmal zu überprüfen, ob nicht weitere Behandlungen notwendig sind.
Ich ging also um 7 Uhr ins Krankenhaus, durfte dann reichlich übermüdet eine Mutter dabei beobachten, wie sie verzweifelt versuchte, ihrem zweijährigen Sohn das OP-Hemdchen anzuziehen, nahm eine Dormicum und bekam diesmal sogar mit, wie mir der Anästhesist den Tropf gelegt hatte (das war nicht immer so, bei der letzten Vollnarkose war ich schon durch die Pille weg vom Fenster). Die Zeit nach dem Aufwachen lässt sich nicht mehr so ganz nachvollziehen. Aber das Bett war so eingestellt, dass ich die Beine angewinkelt hatte und das fand ich unangenehm, also fragte ich eine, wohl sehr konsternierte, Ärztin oder Krankenschwester ob sie das Kamel bitte entfernen könnte, weil der Höcker doof sei. Anschließend landete ich im 17. Stock was in sofern ziemlich toll ist, weil ich von hier aus den westlichen Hafen und die Elbbrücken sehen kann, sofern das Wetter nicht so ekelhaft diesig ist wie heute. Ich schrieb SMS an meine Verwandtschaft, E-Mails ans Kollegium und chattete mit @leitmedium. Letzteres tat ich dann abends nochmal, weil ich absolut keine Erinnerung mehr an diesen Chat habe.
Irgendwann kam mein HNO-Arzt, dem ich zu unendlichem Dank verpflichtet bin. Sein Vorgänger, ein gieriger alter Mann in Karlsruhe, hatte sich nämlich geweigert, meine Mandeln zu inspizieren und wollte mir stattdessen Allergiebettwäsche verkaufen. Doch dieser hier hatte vor etwa sechs Monaten eine ganz wunderbare Differenzialdiagnose mit mir veranstaltet und mich dann wirklich nett und (gefühlt) kompetent begleitet. Nun stand er also da, mit seinen 13 Jahren Erfahrung mit etwa 1500 Operationen und teilte mir mit, dass meine Mandeln nun wirklich ekelhaft entzündet gewesen seien, so etwas habe er selten erlebt. Weg mit den Dingern. Zur Hölle!
Apropos Hölle: So eine Mandel-OP ist für Kinder vielleicht lustig (zumindest wenn das kindliche Gemüt sich mit Eis befriedigen lässt), mit zunehmendem Alter aber gar nicht mehr so ein Jux. Ich nehme Schmerzmittel und muss mehrere Tage hier bleiben. Ich darf aber nicht nur Pudding essen, sondern werde dazu gedrängt, hartes zu essen. Brötchen, Knäcke, Kekse. Damit sich die Verkrustungen lösen und es nicht zu größeren Blutungen kommt. Dienstag, also nach fünf Nächten darf ich nach Hause. Wenn ich möchte auch Montag, aber dann so ein bisschen auf eigene Verantwortung. Wenn es blutet soll ich 112 anrufen, und bloß nicht mit dem Fahrrad in die Klinik fahren. Ja, solche Menschen scheint es zu geben.
Apropos solche Menschen: Im Krankenhaus macht sich bemerkbar, was privilegierte Position so bedeutet. Es sind die Kleinigkeiten, die mein türkischer Zimmernachbar nicht immer mitbekommt, zumindest wird ihm viel weniger erzählt, was er wie essen soll, als mir. Er fragt auch nicht so sehr nach und das Personal scheint da nicht allzu traurig drüber. Aber zum Nachfragen braucht es eben eine gewisse Einstellung zu der Sache, eine Überwindung der Sprachbarriere, vielleicht auch ein bisschen Bildung, wenn ich mir sein Verhalten, seine Art so anschaue. Das Wissen, dass hier niemand ein “gut” hören möchte, wenn nach der Befindlichkeit gefragt wird und es auch niemandem hilft, die Schmerzen herunter zu spielen. Das Wissen, dass Rauchen dem Gesundungsprozess massiv schadet. Ich werde täglich ermahnt, wiviel ich zu trinken und zu essen habe. Er nicht. Es kann aber auch nicht meine Aufgabe sein, ihm das zu sagen und so tut er mir ein wenig leid, der Mann der am ersten Tag noch deutlich schlimmer dran war als ich, mit Nachblutungen und mehrfachem Erbrechen. Ich wünsche ihm alles gute und hoffe, dass er auch bald gehen darf. Ich selbst werde hier Dienstag verschwinden, komme was wolle (ausser Blut).

Nachtrag: Meinem Zimmernachbarn geht’s immer besser und ich drücke ihm die Daumen dass er bald wieder zur Familie nach Hause kann. Ich hingegen hatte zehn Minuten nach Fertigstellen dieses Textes Nachblutungen. Das ist nicht so “ich spucke mal ein bisschen Blut aus”, da läuft es in Strömen. So, dass ich direkt danach einen Kreislaufkollaps bekam. Infusionen, Speziallösung zum gurgeln, nüchternbleiben bis morgen. Wir werden sehen.