Wolkenbruch

Mit diesen ganzen Quantified-Self-Gadgets ist das ja so eine Sache. Sie machen am meisten Spaß, wenn man seine Daten irgendwo hochladen kann, sich mit anderen vergleichen und das Ergebnis irgendwo posten kannoder auch einfach nur ein Archiv zur Langzeitverfolgung bekommt. So lange bis der Produzent pleite geht.
Das ist mir nämlich nun passiert mit dem Zeo Headband Mobile. Das ist ein nettes kleines Stirnband mit einem EEG drin. Zieht man sich des Nachts auf, um seinen Schlaf zu tracken. Das Ding sagt mir wann ich in einer REM-Phase war, wann ich leichten, wann tiefen schlaf hatte. Es bewertet meinen Schlaf nach einem bestimmten Muster. All das wird an mein Mobiltelefon gefunkt und eine eingebaute Weckfunktion klingelt in einem bestimmten Zeitrahmen dann, wenn ich gerade nicht im Tiefschlaf bin.
War nett, funktionierte ganz gut, habe ich in den letzten Monaten nicht benutzt aus verschiedenen Gründen. Wollte ich aber wieder, bis…
Nun. Die Website gibt’s nicht mehr. Die Domain gehört einem Grabber, nach einigem Googlen stellte ich fest: ja, die sind pleite gegangen. Keine Mail an die angemeldeten NutzerInnen, kein gar nichts. Meine bisherigen Daten? Verloren. Klar, hätte ich mir mal backupen können, aber wer rechnet denn damit, wenn es sich um ein Gerät handelt, das man sogar im Apple Store bekommt?
Nun ist es also quasi wertlos, das Teil was ich mir für 100 Euro gekauft habe. Die App funktionert wohl noch, aber so ganz habe ich das nicht ausprobiert und ohne Export ist das auch nur halb so sinnvoll. Es gibt keine Tipps mehr, keine zusatzfunktionen, ja noch nicht mal die Firmware die ich mir hätte ziehen können, um dann weitere Dinge zu tun.
Interessanterweise sind sogar die Open Source-Projekte verschollen, denn die gab es eigntlich auch, das Zeo hatte eine offene API. Weg. Ich werde mich jetzt wohl lange auf die Suche begeben müssen in der Hoffnung, doch noch was zu finden. Vielleicht eine Android-App, mit der man die Daten dennoch herunterziehen kann, aber ich glaube kaum, dass sich jemand all das nachbaut und so komfortabel macht wie es eben war.
Ich habe mir also Hardware gekauft, die dank zu enger Koppelung an einen Clouddienst ziemlich nutzlos geworden ist. Es sei eine Warnung an all jene, die sich zu sehr über ihre Fitbits/Jawbones/Wasauchimmers freuen.

Der Ohne-Dinge-Selbstversuch

Seit einiger Zeit versuche ich, mit so wenigen Dingen wie möglich auszukommen, wie das so läuft habe ich hier und hier beschrieben.
“Julian, das mit dem Minimalismus ist ja alles schön und gut, aber wie soll ich das bewerkstelligen? Ich hänge doch an einigen Sachen schon sehr und kann gar nicht absehen, ob mir das wirklich gefällt und ich manches nach einiger Zeit nicht fürchterlich vermissen werde?”
Richtig, antworte ich. Ich hatte das Glück, dass ich mich nicht sofort entscheiden musste, denn meine Sachen waren eingelagert und ich hatte fast ein Jahr lang Zeit um zu sehen, was tatsächlich fehlt und was ich dann doch lieber zum Recyclinghof geben oder Leuten schenken möchte.
“Aber du kannst da einen Selbstversuch machen”, antworte ich. “Der wird dich zwar etwas kosten, aber was sind etwa 300 Euro gegen dieses Lebensgefühl und die Gewissheit, dass du das verdammt schnell wieder einsparen wirst, wenn du dir nicht mehr so viel Zeug kaufst?”

Der Selbstversuch in zehn einfachen Schritten:

1. Tu so, als würdest du fast komplett aus deiner Wohnung ausziehen. Packe alles in Kisten, was du nicht direkt benötigst. Dazu gehören vermutlich ein Bett, eine Couch, ein Schreibtisch mit entsprechendem Stuhl, ein Kleiderschrank, dein Computer, sonstige Arbeits- oder Hobbygeräte. Alles was du sonst täglich benutzt, etwa ein Smartphone oder Tablet, die Ladekabel natürlich auch nicht. Lass die Küche so wie sie ist (oder räum sie endlich mal auf!), das gleiche gilt für dein Bad. Wenn du Musik noch auf Vinyl oder CD hörst und ohne nicht auskommst wird das deine Ausnahme sein, ebenso Bücher die du dringend lesen möchtest oder vielleicht noch für Arbeit (oder Studium oder Hobby) benötigst.
Was Kleidung angeht: Versuch’ mal so wenig wie möglich da zu behalten. An dieser Stelle darfst du auch gerne mal Sean Bonners Artikel über persönliche Uniformen lesen.
Pack insbesondere alle Dekorationsobjekte und sonstigen firlefanz ein. Du brauchst das jetzt erstmal nicht!

2. Such dir einen Lagerraum. Die gibt’s oft auf Kleinanzeigenseiten für wenige Euro im Monat. Trocken sollte er sein, halbwegs zugänglich. Miete diesen für zunächst drei Monate an, halte dir aber die Option auf eine Verlängerung offen. (Mein Lagerraum kostete 60 Euro im Monat, war im Industriegebiet, trocken und mehr als doppelt so groß wie benötigt)
Hier sind deine ersten 150-200 Euro, vielleicht kriegst du das auch günstiger hin.

3. Miete dir an einem Samstag einen Transporter (hier sind die nächsten 40 Euro oder so) und bitte deine Freunde, dir zu helfen. Zieh aus, mit allem was du in Kisten gepackt hast und allen Möbeln, die du nicht dringend benötigst.

4. Lad deine Freunde auf ein paar Bier ein. In deiner neuen leeren Wohnung.(die nächsten 20 Euro). Und freu’ dich nach dem Aufräumen am nächsten Morgen über diese wunderbare Stille und Leere.

5. Du vermisst was? Schreib es auf eine Liste.

6. Du vermisst wirklich was? So ganz dringend? Nein, du brauchst es jetzt sofort weil sonst…? Ja gut, fahr’ zum Lager und hol’s dir. Aber nur dieses eine Mal!

7. Schau jeden Monat auf deine Liste. Du vermisst es dann doch nicht mehr? Streiche es.

8. Nach drei Monaten ist es Zeit, Resümee zu ziehen. Deine Liste ist groß geworden? Dir geht es wirklich gar nicht so gut ohne deine Sachen? Nicht so schlimm. Transporter mieten, Freunde einladen, alles wieder einziehen. (auch hier: 60 Euro inklusive Bier)

9. Die Liste ist dann doch gar nicht so groß? Es wird Zeit, ehrlich zu dir selbst zu sein. Du brauchst diesen ganzen Kram im Lager nämlich nicht. Du glaubst mir nicht? Verlänger deinen Mietvertrag nochmal um drei Monate. Dann ab zu Schritt 5 und wir sehen uns in drei Monaten wieder. (Das kostet dann natürlich nochmal die 150-200 Euro, sorry!)

10. Jetzt ist auch mal gut mit dieser Lagermiete? Gut. Du hast diese Liste. Hol dir diese Dinge aus dem Lager. (Das wären dann die letzten 40 Euro plus das Bier für diene Freunde) Alles andere: Ab nach Ebay, zu Freunden, zur Wohlfahrt oder auf den Sperrmüll. Willkommen im neuen Leben!

Viel Erfolg mit diesem Versuch, ich wünsche dir alles beste. Und kommentier’ hier doch mal rein (oder schreib mir), wenn du deine Erfahrungen teilen möchtest.

Keine Dinge

Vor etwas weniger als zwei Jahren zog ich aus und lebte ein ganzes Jahr ohne meine Sachen. Erst war es die Baustelle in meiner Wohnung, dann der Umzug inklusive Zwischenmiete in möbliertem WG-Zimmer. Im Oktober zog ich in eine neue Wohnung, die man durchaus als geräumig bezeichnen könnte. Die Zeit war also reif für einen Selbstversuch, mit wie wenig ich eigentlich auskommen würde, sobald ich mal den Platz hätte.
Mit dem Umzug habe ich mich von allen meinen CDs und DVDs getrennt. Auch von den meisten Papierbüchern, nur wenige, die ich noch lesen wollte und die es nicht als EBook gibt nahm ich mit, dazu eine Kiste Kochbücher und ein paar Kunstbände. Meine XBox und den Fernseher behielt ich, weil Filme auf 42 Zoll irgendwie schöner aussehen als auf 13, die Stereoanlage sowieso.
Ein Schreibtisch ist nötig, klar. Auch eine Couch. Kleiderschrank, Matratze, Regal für die Bücher, Akten, die Kiste mit all den Briefen und sonstigen Erinnerungsstücken die doch ein wenig zu heilig sind zum wegwerfen. Ebenfalls habe ich es nicht geschafft, mich von einigen Stofftieren zu trennen. Der Rest des Regales steht allerdings voll mit Dingen, für die ich schon wieder zu faul zum wegwerfen bin. Mehr konsequenz!
Die Küche habe ich voll ausgestattet gelassen. Minimalismus hilft hier gar nichts und man kann die Tür abschließen, wenn man sich nicht mit allzu viel umgeben will.
Und dann steht im Flur noch dieses Regal mit all den Kleinigkeiten, die man nicht häufig aber doch zu oft benötigt. Zelt, Schlafsack, Luftmatratze, Slackline und Reise-Hängematte sowie ein paar Werkzeuge auch wenn ich der Ansicht bin, dass gerade Werkzeuge prima von Nachbarn oder Freunden leihbar sind aber wenn man sie schonmal hat und sie quasi nicht sichtbar sind…
Ich lebe also immer noch recht minimal. Und ich kann jedem Menschen empfehlen, es mir gleich zu tun.

Und dann werde ich gefragt, “Wie?” Zeit für einen zweiten Beitrag hier im Blog, der morgen folgt…