Kaffee und Kuchen

Ich lief gerade die Straße entlang, als mir ein plötzliches Glückseligkeitsgefühl Tränen in die Augen trieb. Einfach so. Nun, ich hatte ein tolles Wochenende mit fantastischen Menschen. Vor allem aber habe ich gestern Nacht durchgefeiert. Und zwar ohne müde zu werden. Im Gegenteil, als ich um halb 9 aus dem Club gestolpert bin war ich Hellwach. Als ich nach drei Stunden Schlaf aufgestanden bin, um den Geburtstag einer Freundin mit Kaffee und Kuchen zu begehen war ich müde, fertig, aber nicht hoffnungslos zerstört.
Kaffe und Kuchen. Vor ziemlich genau einer Woche habe ich zum letzten Mal ein koffeinhaltiges Getränkg zu mir genommen. Vermutlich eine Cola. Die anschließende Schokolade war zudem das letzte Mal, dass ich ein Produkt zu mir genommen hat, das mehrheitlich aus Zucker besteht. Seit Montag früh keine Schokolade, keine Gummibärchen, Cola, Kuchen, Kaffee, nix. Gut, dass ich mir eine Urlaubswoche dafür ausgesucht hatte, denn die ersten Tage waren schrecklich. Diese wahnsinnige Müdigkeit trotz mehr als 10 Stunden Schlaf, den konstanten Drang, doch irgendwas süßes zu essen, totale Appetitlosigkeit den gesamten Tag, bis abends um 11 dann endgültig der Hunger reinschlägt. Dummerweise war ich genau zu diesem Zeitpunkt nur in Nähe eines McDonalds. Die Sauce auf einem BigMac enthält, falls ihrs genau wissen wollte, genug Zucker um einen Menschen auf Entzug zum Wahnsinn zu treiben.
Bis Mittwoch war ich so weit, dass ich mich bei Freunden über eine depressive Phase ausheulte. Ich glaube, der Tag stellt mit einen Rekord für unproduktivität auf. Und ich meine keine einfache “Ich habe mal gegammelt oder war Wandern weil war ja Urlaub”-Unproduktivität. Ich meine auf der Couch sitzen und sich elend fühlen.
Donnerstag war die Müdigkeit weg. Ich war aufgewacht und fühlte mich fit. Ohne Koffein. Mit regelmäßigem, gar nicht übertriebenen Koffeinkonsum habe ich das in den letzten Monaten nie gehabt. Ein ständiger Kampf mit dem Wecker, halbwegs wach fühlen erst nach einem Espresso. Ich fuhr nach Berlin und verbrachte die letzten vier Tage dort. Seit Samstag habe ich das Gefühl nicht mehr, Süßigkeiten essen zu wollen. Ich kann in einen Kiosk laufen, an zwanzig Tafeln Schokolade vorbei, es macht mir nichts. Mein Appetit ist wieder da, ich habe ganz vorzüglich gegessen in Berlin, aber vor allem bin ich wach. Ich bleibe länger auf, ohne die ganze Zeit gähnend in der Ecke zu sitzen, ich bin tagsüber trotz Schlafmangels nicht übermäßig kaputt oder müde. Alles in allem fühle ich ziemlich lebendig.

P.S: Klar, es ist erst eine Woche her und heute hat die Sonne einen ganzen Haufen Serotonin über uns gekippt. Aber es ist ja nicht so, dass meine Erzählung präzedenzlos wäre. Der Lifehacker hat das mal ganz gut zusammen geschrieben, hier zu Koffein und dort zu Zucker. Moeffju hat auch vor Jahren mal einen zu Koffein und Produktivität gemacht. Zum Teil bin ich auf meine Beweggründe auch schon eingegangen, in Kurzform: Weil ich viel zu viel Zucker konsumiert habe. Und weil ich schlecht geschlafen habe. Und weil eigentlich jegliche wissenschaftliche Erkenntnis, gerade über raffinierten Zucker, ganz schön schrecklich klingt, wenn wir mal ehrlich sind.