Ein Jahr Hamburg

Und dann fiel mir letzte Woche auf, dass der “Ich bin ja noch gar nicht so lange hier”-Spruch nicht mehr zieht. Ein Jahr war’s am 30.1. Eine völlig unsortierte Rekapitulation, bei der viele Dinge fehlen.

Es sind manchmal die ganz kleinen Dinge, die einen Umzug kompliziert machen. Das mit der Wohnung war anfangs durch ein “Kann ich für ein paar Wochen bei dir pennen?” bei einem Freund geklärt, das mit dem Umziehen durch zwei mal Kofferschleppen plus einen Bekannten, der beruflich öfter mit dem Auto hier ist und mir einige weitere Sachen hergeschleppt hat. Ich war ja autonom, Fahrrad im Koffer, ansonsten nur Klamotten und Gadgets.
Aber dann stehst du abends im Supermarkt und bist überfordert, weil es den Schwarzwälder Joghurt nicht gibt, weder mit Johannis- noch Erdbeer. Und überhaupt, wo ist eigentlich hier ein DM? Stellt sich raus, Budnikowski ist die lokale Drogeriekette und die führt auch die DM-Eigenmarken. Immerhin.
Irgendwie hatte ich mir das dann aber auch mit den Leuten anders vorgestellt. Kam ja aus einer Kleinstadt und in den Kneipen auf dem Platz vor meiner Wohnung trafen sich eh immer alle. Hier verläuft es sich. Und unter der Woche ist Hamburg auch recht arbeitsam. Also war ankommen und Freundeskreis bauen auch nicht soo easy, ein paar Leute aus dem Club und nach und nach lernte man eben tolle Menschen kennen. Inzwischen habe ich hier einen Freundeskreis. Schön.
Ich hatte ja generell keine Ahnung von Hamburg. “Ist toll dort” war ungefähr alles was ich wusste. Einmal war ich dagewesen für 24 Stunden, hatte einen Vortrag gemacht und mich mit ein paar Leuten getroffen, aber sonst? Dieses ganze Alsterding, die Elbe, wo überhaupt welche Stadtviertel sind… Hamburg erklärt sich gar nicht so ganz einfach, Berlin habe ich schneller verstanden und dabei habe ich dort nie gewohnt.
Aber ja, schön ist’s. Die ersten “Schön”-Erinnerungen sind eine zugefrorene Alster, morgendliche Fahrten mit der U3 entlang der Landungsbrücken, Sonntage in der Kopiba, später dann Picknicken am Kanal oder ausserhalb des Stadtpark-Openairs, wo man immer noch zuhören kann ohne zu zahlen.
Überhaupt, Konzerte. Zu ca. 15 Stück wollte ich, zu sechs habe ich es geschafft. M83, Xiu Xiu, Swans, Mouse on Mars, Why?, Dead Can Dance – alle waren sie gut. Und es ist ein schönes Gefühl, endlich an einem Ort zu sein, wo Musiker auftreten, die ich auch mag. Überhaupt war das mit der Großtadt eine sehr gute Sache. Auch wenn mein Herz wohl langfristig an Berlin hängt, aber ich hätte schon vor vielen Jahren aus Karlsruhe wegziehen sollen. Ganz unabhängig von den tollen Menschen die ich dort kannte und immer noch kenne, jetzt nur was die Stadt angeht.
Ausserdem ist Hamburg ja ganz nah an Berlin. Auch Gewinn. Jetzt brauche ich nur noch eine Bahncard 100, da arbeite ich gerade dran. Aber die Möglichkeit, auch mal nur für einen Abend rüber zu fahren ist großartig.
Was ich noch nicht gemacht habe: So viel. Ich wollte mal Radfahren in der Lüneburger Heide, ich wollte noch die Museen abchecken hier, mal ans Meer, mal die Möglichkeit nutzen, fix nach Dänemark zu fahren. Und ja, ich war noch nicht mal am Fischmarkt, Sonntags in der Frühe.
Ach und der Chaos Communication Congress ist dieses Jahr auch noch hierher gezogen. Bonuspunkt. Und der Plan, 2013 auch mehr in der Orga zu helfen, wenn ich nicht gerade einen Umzug laufen habe. Apropos Umzug, das war ja auch reichlich naiv, dieser Gedanke “Ich komme aus Süddeutschland, was soll mir schon bei Wohnungssuche passieren, ich bin alles gewohnt”. Denkste. Gegen Hamburg fühlen sich selbst wohnungsnotleidende Städte wie Karlsruhe an wie Brandenburg.
Dann war da noch die Sache mit den Jobs, nun. Habe ich hier schon so weit ausgebreitet wie ich das möchte. Mein jetziger Job gefällt mir und hält mich definitv noch eine ganze Weile in der Stadt. Was danach kommt? Wir werden es sehen. 2012 war ein Jahr mit Achterbahn, aber Hamburg, das war eine gute Wahl.