Gedanken zu Crowdfunding

Das mit dem Crowdfunding ist nun beileibe nichts neues. Kickstarter gibt es auch schon seit 2008. Das erste abgeschlossene Millionen-Projekt hätte das LunaTik-iPod-Uhrenarmband sein können, das im Dezember 2010 mit 942.578 Dollar da stand. Und dann kam der Februar 2012. Das Elevation Dock, das Double Fine Adventure und der Order of the Stick Reprint. Letztere noch gar nicht abgeschlossen, alle aber über eine Millionen US-Dollar. Ein Dammbruch? Vielleicht, auch wenn der Einwand “Das sind doch Nerd-Projekte” natürlich gerechtfertigt ist.

Und doch: es tut sich was. Continue reading Gedanken zu Crowdfunding

Rede auf der Anti-Acta-Demo Hamburg

Mein Freund mc.fly hat für den CCC Hamburg auf der Anti-Acta-Demo eine Rede gehalten. Da ich maßgeblich am Entstehungsprozess dieser Rede beteiligt war, möchte ich diese nun auch hier dokumentieren.

Hallo. Ich bin der mc.fly vom Chaos Computer Club Hamburg.
schoen schon wieder so viele von euch zu sehen.

Unglaublich, das das noetig ist, oder? Vor 2 Wochen haben wir, gemeinsam mit über hundert tausend anderen Menschen überall in Europa, schonmal gegen ACTA demonstriert. Aufgeweckt durch Proteste haben einige Regierungen schon im Vorfeld versucht, zu beschwichtigen.

Sie haben Gesetze “Vorläufig” nicht unterschrieben. Sie haben uns erzählt, Acta sei ja nicht so schlimm.Das Europäische Parlament hat den Gerichtshof vorgeschickt, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen.

Aber nur, weil jeder mit dem Finger auf andere zeigt, sollten wir nicht glauben, dass niemand mehr Verantwortung trägt. Das Thema ist nicht “Durch”. Wir haben es zu oft erlebt, dass kritisierte Vorlagen verzögert, aus den Medien genommen und schließlich im Fischereiausschuss verabschiedet werden. Und wenn es erstmal in einem solchen Ausschuss verabschiedet wurde, dann können sich die Parlamente auch schön darauf berufen.

Wir sind hier um ihnen zu sagen: “Ihr könnt euch nicht verstecken.” Deutschland nicht hinter der EU und das europäische Parlament nicht hinter dem Gerichtshof oder irgend einem Ausschuss!

Und so lange werden wir weiter auf die Staße gehen müssen. Wir werden weiter für unser Internet, unsere Freiheit und unseren Lebensraum kämpfen müssen. Ja, Lebensraum, liebe Abgeordnete und Minister, für die das Internet ein Stapel Papier ist, der morgens vom Referenten auf den Schreibtisch gelegt wird.

Um das mal in aller Klarheit zu sagen:

Wir, wahrscheinlich alle die wir hier stehen, gehen nicht ins Internet. Wir machen nicht “extra den Computer an”, wir sind auch nicht “mal eben Surfen”. Wir sind, wenn überhaupt, mal kurz “OFFLINE”. Ihr redet, fast zwanzig Jahre nach Erfindung der MP3, von “Neuen Medien”. Für euch ist das Internet ein Absatzmarkt.

Aber wie auch hier auf dem Rathausmarkt am Rande Geschäfte stehen, und in sich in der Mitte Menschen begegnen ist das Internet für uns ein Ort, an dem wir uns austauschen, Freunde treffen, diskutieren und unsere Meinung sagen. Und ja, auch mal Einkaufen gehen. Und diese Freiheit, zu sagen was wir wollen, lassen wir uns nicht nehmen!

Nicht durch ACTA, nicht durch IPRED und nicht durch all die perfiden Pläne, die ihr sonst noch so in der Schublade habt, um eure Geschäftsmodelle zu sichern. Ihr kommt aus einer Zeit, in der die “Kreativwirtschaft” Dinge geschaffen hat, die ihr euch dann im Radio und Fernsehen, im Kino oder auf runden Scheiben angehört und angesehen habt.

Und ich kann das gut verstehen.

Es wäre schön, wenn auch kreative Menschen von ihrer Arbeit leben können. Aber nicht zum Wohle einer Urheberrechtsindustrie, die in die eigenen Taschen wirtschaftet, statt Kultur zu fördern und nicht auf Kosten unserer Freiheit!

Und das ist nur der Urheberrechts-Teil von ACTA. Einem Vertrag, der einst verhindern sollte, dass falsche Louis-Vuitton-Handtaschen oder iPods verkauft werden können. Aber “Gefälschte Produkte”, da hat sich dann auch die Pharmaindustrie gedacht, das betrifft sie und nun soll es für die ärmsten Länder der Welt unmöglich sein, generische Medikamente zu erwerben. Medikamente die sie brauchen, weil Menschen an AIDS sterben.

Von Handtaschen über das Internet zu AIDS-Medikamenten. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ACTA ist ein Rundumschlag von Lobbygruppen. Über Jahre hinweg in geheimen Verhandlungen ausbaldowert, der Öffentlichkeit vorgelegt kurz bevor alles zu spät sein sollte. Bloß nicht einbeziehen, diese störende Zivilgesellschaft. Keine Diskussion, das stört nur. Demokratische Prozesse? Gefährden nur den Abschluss.

Unter dem Banner “Geistige Eigentumsrechte” werden Ideen eingesperrt, Meinungen eingeschränkt und Menschen getötet. Die Interessen einzelner Industriesparten werden über unsere Grundrechte gestellt. Das geht nicht nur ein bisschen zu weit, weil es unseren Tauschbörsen an den Kragen soll, Das ist inakzeptabel!

Und darum stehen wir hier und darum werden wir so lange immer laut sein, bis ACTA begraben ist!

Und nun möchte ich mich für eure Anwesenheit bedanken. Und für euer Zuhören. Aber wenn ihr nun nach Hause geht, dann ist die Arbeit noch nicht getan. Schreibt euren Abgeordneten. Diskutiert mit Freunden. Bloggt und twittert. Füllt eure Facebook-Timeline, informiert eure Eltern, Lehrer, Arbeitskollegen.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass das Thema nicht aus den Medien und dem Bewusstsein verschwindet. Das wir alle, als Gesellschaft, darüber diskutieren, wie unser Lebensraum Internet aussehen soll. Damit auch die mit den Druckern verstehen, warum uns dieses Thema zu wichtig ist!