Gestrandet

Gestrandet.

Es ist ein seltsames Gefühl, das ich nun zum zweiten Mal in meinem Leben erlebe: Damals, da war das noch cool. Ich war fast 16, der letzte große Familienurlaub weil, “danach gehen die Kinder doch lieber mit ihren Freunden weg”, so meine Mutter damals. Der Flieger von Pensacola nach Atlanta ist verspätet, wir verpassen den Anschluss nach Frankfurt und dürfen in einem reichlich ungemütlichen, weil dank 4 Wochen später stattfindender Olympischer Spiele noch mitten im Umbau befindlichen Renaissance-Hotel verweilen und uns noch einen Tag Coca-Cola-Stadt anschauen.
Dieses mal irgendwie anders: 10 Jahre sind vergangen, Mensch hat einen Terminplan und fühlt sich wichtig, wird auch irgendwie von Leuten erwartet. Bis dann ein, Mensch, oder unmensch, in der Nacht entscheidet, eine Heckscheibe zu zertrümmern, und eine Sporttasche mit Klamotten zu klauen. So als ob der doofe Ausländer, der da seinen Wagen mitten in Stockholm parkt, tonnenweise Schmuck und Laptops in so einer Tasche im Kofferraum hinterlässt. Nun also warten, bis es nicht mehr reinregnen kann, denn das ist wichtig bei so einer Fahrt über 2 Meeresbrücken und insgesamt 1400 Kilometer die es bis Berlin zu überwinden gibt.
Wie auch immer: es ist nicht einfach in einem fremden Land überhaupt erst einmal einen Wagen ohne Heckscheibe sicher über das Wochenende zu bringen, und im Anschluss heraus zu finden, was mit diesem Wagen nun los ist, wann er denn da wo er ist (nämlich in der Werkstatt, mehreren Hotlines sei Dank), wieder weg kann. Morgen Mittag ist nun angepeilt, Soeben habe ich das Auto wieder bekommen, also in etwa 48 Stunden nach geplanter Abfahrtszeit.
Es ist schon interessant, was man so erlebt, bemerkt, tut, wenn eine solche Strandung geschieht. Zum einen, wenn man noch etwas erreichen will, etwa den Fertigstellungstermin für die neue Heckscheibe erfahren. Das kostet mitunter Stunden in denen Telefon-Empfangsdamen zugeben, eigentlich keine Ahnung von der Firmenstruktur zu haben und man auf glorreiche Ideen kommt, wie sich die Nummer der zuständigen Carglass-Firma geben zu lassen. Die weiss aber gar nichts von ihrem Glück weiss, dass sie eigentlich ein deutsches Auto reparieren sollte. So landet man wieder bei der Werkstatt und einer weiteren Telefon-Empfangsdame, die sich selbst unterschätzt und “No” auf die übliche “do you speak english”-Frage antwortet. Dennoch versteht sie was man will und antwortet in klarem Englisch.
Auch fängt das Geld an, egal zu werden. Man sitzt ohnehin fest, hat oft einen großen Haufen Ausgaben vor sich – sei es das Hotel, das man im seltensten Falle bezahlt bekommt, die Telefonkosten die durch endlose, situationsbedingte Telefonate entstehen (siehe oben, lässt sich mindern) oder die gestohlene Tasche, die man dem Besitzer ersetzen muss, und geht erst einmal Shoppen oder die Cafés der Stadt ausfindig machen. Wahlweise auch Touristen-Sightseeing (wenn man das nicht schon hinter sich hat oder es nicht, wie in meinem Falle, meistens ablehnt). Denn egal, wie viel zu erzählen ist, es ensteht ein gewisser Drang, die Zeit positiv erscheinen zu lassen, und sei es durch den Erwerb irgend eines schönen oder amüsanten Gegenstandes. Und auch die Rückfahrt wird sich wahrscheinlich anders gestalten, als geplant. Denn plötzlich erscheint die Option mit der 35 Euro teureren Fähre doch interessant. Wir werden sehen…